Stablecoins | Sind preisstabile Kryptowährungen möglich?

Stablecoins werden als der „heilige Gral“ der Kryptowährungen bezeichnet. Sie stillen ein Bedürfnis, das Kryptowährungen bisher nicht erfüllen konnten, den Wunsch nach Preisstabilität. Doch warum ist das so wichtig und wieso ist die Umsetzung so schwierig?

 

carbon-stablecoins-620x366 Stablecoins | Sind preisstabile Kryptowährungen möglich?
Carbon Stablecoins @carbon.money

 

Was sind Stablecoins und warum sind sie notwendig?

Die Technologie hinter Bitcoin und Ethereum ist bahnbrechend und hat viele Anwendungsmöglichkeiten eröffnet. Dennoch gibt es Eigenschaften, die sie für den alltäglichen Einsatz als Ersatz für Fiatwährungen erschweren: die starke Volatilität.

Für den Trader ist diese Eigenschaft durchaus positiv, da es größere Gewinnspannen ermöglichen kann. Für einen Anleger, der eine Währung zur Wertspeicherung sucht, ist das ein erheblicher Nachteil. Dies ist, neben den hohen Transaktionsgebühren, auch einer der Hauptgründe dafür, dass Währungen wie Bitcoin als Zahlungsmittel von vielen Unternehmen nicht akzeptiert werden. Wenn eine Währung innerhalb weniger Stunden so stark schwankt, ist es schwer sie als Zahlungsmittel einzusetzen.

Stablecoins sollen eine Lösung für dieses Problem bieten. Es handelt sich dabei um Kryptowährungen, die weniger anfällig für Preisschwankungen sind. Die Idee einer preisstabilen Kryptowährung wurde bereits 2014 diskutiert. Die ersten Projekte dieser Art starteten jedoch erst 2017 mit Basecoin, Carbon oder MakerDAO.

 

 

Wie funktioniert das Konzept der Stablecoins?

Jedes Stablecoins Projekt hat einen eigenen Mechanismus entwickelt, aber sie lassen sich im Allgemeinen auf drei grundlegende Modelle reduzieren:

 

tether-logo-620x291 Stablecoins | Sind preisstabile Kryptowährungen möglich?
Tether Logo @tether.to

 

1. Zentralisierte IOU-Ausgabe – Fiat-gestützt

Dieses Modell wird zum Beispiel von Tether verwendet. Hier hält ein zentralisiertes Unternehmen Vermögenswerte und gibt dafür Token aus. Diese Token sind dann eine Art Schuldschein (IOU). Das digitale Token erhält dadurch einen Wert, da es einen Anspruch auf ein anderes Asset mit einem bestimmten Wert darstellt.

Das Problem bei diesem Ansatz ist jedoch, dass es zentralisiert ist. Bei diesem Modell muss ein gewisses Grundvertrauen der ausstellenden Partei entgegengebracht werden, dass sie auch tatsächlich die entsprechenden Vermögenswerte besitzen, um die Token auszahlen zu können. Dieses Modell führt zu einem schwerwiegenden Kontrahentenrisiko für die Inhaber des Tokens. Das Beispiel von Tether zeigt diese Schwierigkeit, denn die Zahlungsfähigkeit und Legitimität des Unternehmens wurde in der Vergangenheit schon mehrfach öffentlich in Frage gestellt.

 

2. Krypto-gestützte Sicherheiten

Der zweite Ansatz besteht darin, Stablecoins zu erstellen, die von anderen vertrauenswürdigen Assets auf der Blockchain gestützt werden . Dieses Modell wurde ursprünglich von BitShares entwickelt, wird jedoch auch von anderen Stablecoins genutzt. Hier wird die Sicherheit durch eine andere dezentrale Kryptowährung gestützt. Dieser Ansatz hat den Vorteil, dezentralisiert zu sein. Die Sicherheiten werden vertraulich in einem Smart Contract hinterlegt, so dass die Nutzer sich nicht auf Dritte verlassen müssen.

Das Problem bei diesem Ansatz besteht jedoch darin, dass die Sicherheiten, die die Stablecoins decken sollen, selbst eine volatile Kryptowährung sind. Wenn der Wert dieser Kryptowährung zu schnell sinkt, könnten die ausgegebenen Stablecoins nicht mehr ausreichend gesichert sein. Die Lösung wäre eine Übersicherung. Das hätte jedoch eine ineffiziente Nutzung von Kapital zur Folge und größere Geldbeträge müssten als Sicherheit eingefroren werden, im Vergleich zum ersten Modell.

 

 

3. Seigniorage Shares – Stablecoins ohne Sicherheiten?

Nicht besicherte Stablecoins sind preisstabile Kryptowährungen, die nicht durch Sicherheiten abgesichert sind. Die meisten Implementierungen verwenden derzeit einen Algorithmus oder ein System. Je nach aktuellen Preis des Coins werden mehr Stablecoins ausgegeben oder vom freien Markt abgekauft. Damit soll eine Gegenregulierung erfolgen, um den Kurs möglichst stabil zu halten.

Die Vorteile dieses Systems sind, dass es von anderen Währungen unabhängig ist. Außerdem ist das System dezentral, denn es unterliegt nicht der Kontrolle einer dritten Partei, sondern wird ausschließlich durch den Algorithmus kontrolliert.

Das Seigniorage Shares Modell hat jedoch auch seine Nachteile. Das System braucht ein kontinuierliches Wachstum, um stabil bleiben zu können. Außerdem ist es schwer zu analysieren und eine Vorhersage zu treffen, in welchem Rahmen das System funktionsfähig bleiben kann. Es ist daher schwer zu ermitteln, ab welchem Wert das System zusammenbrechen würde und wie viel es aushalten kann.

Der schwerwiegendste Nachteil ist jedoch, dass es bei einem Absturz keine hinterlegte Sicherheit gibt, da der Wert des Stablecoins in diesem Fall an kein anderes Asset gebunden ist.

 

Welche Stablecoins gibt es?

Unterteilt werden die Coins in „Gold-Bindung„, „YUAN-Bindung“ und mit „Dollar-Deckung„. Die Seite Stablecoinindex bietet eine aktuelle StableCoin-Übersicht. Allerdings sind dort nicht alle Coins aufgeführt.

Mit Gold-Bindung:

Mit Dollar-Deckung:

Mit Yuan (China) Deckung:

  • bitCNY

 

Fazit

Die Idee der Stablecoins ist wichtig und notwendig. Kryptowährungen bieten zwar Dezentralität, doch sie sind nicht preisstabil und damit als Wertspeicher ungeeignet. Dennoch gibt es bisher keine optimale Lösung für das Problem. Die drei vorgestellten Modelle haben alle Vor- und Nachteile.

Das Seigniorage-Shares-Modell ist das vielversprechendste, vorausgesetzt es findet sich eine Lösung für das Sicherheitsrisiko. Denn es ist das einzige der drei Modelle, die ganz ohne eine andere Währung auskommt und wäre damit unabhängig und nicht fremdgesteuert.