Blockchain – Was ist das?

Die Blockchain-Technologie, auch Distributed Ledger Technology (DLT) genannt, ist wohl eine der größten wirtschaftlichen Innovationen der jüngsten Zeitgeschichte. Die Titel von Zeitungsartikeln, wie “Blockchain wird das Internet revolutionieren” vom Bayerischen Rundfunk, “Blockchain – Das gewaltige Potenzial des digitalen Datenregisters” von BeraterNews oder “Große Erwartungen an die Blockchain-Technologie” vom Deutschlandfunk, zeugen davon. Auf den ersten Blick ist eine Blockchain (dtsch. Block-Kette) jedoch nichts anderes als ein digitales Kontenbuch. Das ist nicht unbedingt neu oder besonders. Digitale Kontenbücher gibt es bereits seit der Etablierung des Online-Bankings, digitale Datenbanksysteme sogar noch länger. Was ist dran am revolutionären Potenzial der Blockchain-Technologie? Darauf soll im Folgenden näher eingegangen werden.

 

Blockchain Technologie
Blockchain Technologie

 

1. Die Ursprünge der Blockchain-Technologie

Um die Blockchain-Technologie zu verstehen, ist es nützlich einen flüchtigen Blick auf die Entwicklungsgeschichte des Bitcoin zu werfen. Die Kryptowährung Bitcoin und die Blockchain-Technologie sind eng miteinander verbunden. Das Aufkommen der Blockchain-Technologie im wissenschaftlichen Diskurs reicht bis in eine Zeit zurück, in der das Internet, so wie es heute besteht, noch nicht existierte.

Ein Anfangspunkt kann 1979 gesetzt werden, als Ralph Merkle auf das Merkle-Tree-Prinzip stieß. Ein weiteres Ereignis kann auf das Jahr 1983 datiert werden. In diesem Jahr wurde von David Chaum das erste White Paper publiziert, welches eine elektronische Währung beschreibt. Ein Jahrzehnt später beschrieben W. Scott Stornetta und Stuart Haber Grundlagen zu einer kryptografisch abgesicherten Verkettung einzelner digitaler Hash-Blöcke, welche heute die einzelnen Bestandteile einer Blockchain ausmachen.

1997 schlug Adam Back die Grundlage des Proof-of-Work-Algorithmus von Bitcoin vor, um das Konzept einer digitalen Währung umsetzen zu können. Das Proof-Konzept wurde ursprünglich gegen Denial-of-Serivce-Attacken und E-Mail-Spams verwendet. Die oben beschriebenen Entwicklungsschritte sind Teil eines wissenschaftlichen Diskurses. Dieser Diskurs ebnete der Kryptowährung Bitcoin den Weg. Diese digitale Währung wurde 2008 von Satoshi Nakamoto in einem White Paper beschrieben. Die Blockchain-Technologie ist ein wesentlicher Bestandteil des Bitcoin. Merkle-Tree, Hash-Blöcke, Proof-of-Work-Algorithmus, Kryptowährung, was heißt das alles?

 

 

2. Die Blockchain-Technologie

Die Blockchain-Technologie bezeichnet eine neuartige Technologie, durch welche es möglich wird jegliche Art von Information in einer öffentlich einsehbaren Datenbank zu speichern, zu verarbeiten, zu teilen und zu verwalten.

 

2.1. Die Idee

Die ursprüngliche Idee der Blockchain-Technologie wird im Bitcoin-White Paper beschrieben. Die hinter dem Pseudonym “Satoshi Nakamoto” steckende Person oder Gruppe beschreibt darin bestehende, gravierende Probleme im Umgang mit monetären Werten. Zentrale Institutionen, wie Banken, Versicherungen oder Regierungen, wird im Umgang mit monetären Werten ein Vertrauensmissbrauch vorgeworfen.

So nutzen Banken beispielsweise das ihnen anvertraute Geld, um damit selbst ineffiziente und kostenintensive Geschäfte zu betreiben. Ein denkbares Beispiel dafür ist die geplatzte Immobilienblase in den USA 2008, welche weltweite, negative Auswirkungen auf das globale Wirtschaftssystem hatte und dafür sorgte, dass tausende Menschen in existenzielle Nöte kamen. Um einem Vertrauensmissbrauch, und dem damit einhergehenden Datenmissbrauch, auf einer systemischen Ebene vorzubeugen, wurde die Blockchain-Technologie entwickelt. Eine Veruntreuung von Geldern, Vertrauensmissbrauch oder schlichtweg Betrug wird durch die Blockchain-Technologie erschwert.

 

2.2. Das Funktionsprinzip einer Blockchain

Der Ausgangspunkt der Blockchain-Technologie ist die Verschiebung der Kontrolle von monetären Werten oder von Informationen. Die Kontrolle über monetäre Werte und Informationen wird sozusagen dezentralisiert. Das heißt, dass die Informationen, über welche eine Bank verfügt, jedem öffentlich zugänglich gemacht wird.

In erster Linie klingt das schwachsinnig, weil auf diese Weise jeder die Daten des anderen einsehen könnte. Wenn Lisa ein Konto bei der Sparkasse betreibt, kann Paul einsehen, wie es um die Finanzen von Lisa steht. Im gleichen Zuge kann Lisa aber auch die Kontodaten von Paul einsehen. Diese Daten könnten von jedem missbraucht werden.

Aus diesem Grund werden die Konten innerhalb einer Blockchain anonymisiert. Jedes Konto verfügt über eine eigene Adresse, welche aus einer Abfolge von Zahlen und Buchstaben besteht. Auf diese Weise kann zwar jeder jedes Konto betrachten und sehen, wie viel Geld auf das Konto überwiesen wird, wie viel Geld von diesem Konto überwiesen wird und wie der aktuelle Kontostand aussieht, aber das Konto kann keiner realen Person zugewiesen werden. Die Verwendung einer Blockchain erfolgt in der Regel anonym.

Weiterhin werden die Informationen über einzelne Konten nicht mehr zentral gespeichert. Die Kontoinformationen von Paul und Lisa werden so beispielsweise nicht mehr nur auf einem Server der Deutschen Bank gespeichert. Die Blockchain, als Kontenbuch betrachtet, wird innerhalb eines dezentralen Computer-Netzwerkes gespeichert. Das bedeutet, dass weltweit viele verschiedene Computer über das Internet miteinander verbunden sind. Jeder dieser Computer hat das gesamte Kontenbuch gespeichert.

Wenn Karsten innerhalb der Blockchain auf seinem Computer einträgt, dass auf seinem Konto eine Millionen Euro liegen, obwohl er sie nicht besitzt, kann der Betrug automatisch von Paul und Lisa erkannt werden. Denn sie können auf ihren Computern jeweils im Kontenbuch nachschauen, ob Karsten wirklich eine Millionen Euro auf seinem Konto hatte. Sie können dann sehen, dass Karsten betrügen will und ihn aus dem gemeinsamen Netzwerk ausschließen.

Auf diese Weise werden Betrüger schnell ausfindig gemacht. Über das dezentrale Netzwerk können Betrüger durch den Abgleich der jeweiligen Blockchain-Versionen ausfindig gemacht und aus dem Netzwerk ausgeschlossen werden. Auf dieselbe Art und Weise könnten die Kunden einer Bank erkennen, wenn ihr eigenes Geld von ihrem Banker für falsche Zwecke genutzt wird. Dadurch entsteht Sicherheit. Anonymität, Dezentralität und Sicherheit sind drei wichtige Merkmale der Blockchain-Technologie.

Die Verwendung einer Blockchain erfolgt in der Regel anonym

 

2.3. Die Technische Funktionsweise einer Blockchain

Die Funktionsweise einer Blockchain kann durch die Bitcoin-Blockchain beschrieben werden. Bitcoin bezeichnet eine digitale Einheit, welche als Wertträger funktioniert. Bitcoins werden durch den sogenannten Proof-of-Work-Algorithmus erzeugt. Dieser Algorithmus ist in eine Software integriert, welche von einzelnen Computern innerhalb des Bitcoin-Netzwerkes heruntergeladen und betrieben werden kann. Der Algorithmus wird verwendet, um getätigte Transaktionen (Überweisungen) von einem Konto auf ein anderes Konto mit anderen Transaktionen so zu verrechnen, dass der gesamte Datensatz verschlüsselt in die Blockchain integriert werden kann. Dieser Rechenprozess wird allgemein auch Mining (dtsch. schürfen) genannt.

Wenn Paul einen Bitcoin an Lisa, Johann einen Bitcoin an Paula und Peter einen Bitcoin an Sophie überweist, werden alle Transaktionen durch eine Hash-Funktion kryptografisch verschlüsselt und in einem Transaktionsblock zusammengefasst. Die Transaktionen werden miteinander verrechnet, weil das Zeit und Speicherplatz einspart. Für jeden neu erstellen Block, erhalten Miner, also Betreiber eines Computers innerhalb des Bitcoin-Netzwerkes, der Transaktionsdaten über die Hash-Funktion miteinander verrechnet, eine Belohnung von aktuell 12,5 Bitcoin. Die neu erzeugten Bitcoins können dann verkauft werden.

Der Algorithmus, mit welchem das Bitcoin Mining betrieben wird, ist der SHA-256-Algorithmus. Durch ihn werden die Transaktionsinformationen in Hexadezimalzahlen umgewandelt und einem Platz innerhalb der Blockchain zugewiesen. Die neu erzeugten Hash-Blöcke enthalten dabei eine Information des jeweils vorher eingefügten Hash-Blocks. Daher stammt auch der Begriff der Blockchain (dtsch. Block-Kette).

Die Blockchain ist aus technischer Perspektive, nichts anderes als eine Aneinanderreihung von Hash-Blöcken. Das ist ungefähr so, als würde ein Banker 10 € von Paul entgegennehmen und im eigenen Kontenbuch, wo alle Einzahlungen eingetragen sind, ein “+” machen. Das “+” steht dabei für den Betrag von 10 €. Der Banker verschlüsselt den Betrag, weil niemand außer ihm wissen soll, wie viel Paul auf die Bank eingezahlt hat. Der Banker nutzt dabei für jede neue Einzahlung ein anderes Symbol, welches jedoch eine bestimmte Ähnlichkeit mit dem jeweils vorherigen Symbol hat. Zahlt Lisa ebenfalls 10 € ein, trägt der Banker ein “-” statt eines “+” ein. “-” bedeutet in diesem Falle, dass Lisa 10 € einzahlte.

Die Blockchain ist aus technischer Perspektive, nichts anderes als eine Aneinanderreihung von Hash-Blöcken

Je mehr Transaktionen innerhalb des Bitcoin-Netzwerkes getätigt werden, desto mehr Blöcke müssen durch Mining erzeugt werden. Je mehr Blöcke in die Blockchain integriert werden, desto größer wird die Blockchain und desto mehr Bitcoins wurden erzeugt. Je mehr Bitcoins erzeugt wurden, desto mehr Transaktionen können getätigt werden. Bei jeder Transaktion, bei jedem neu erzeugten Block, wird auf jedem Computer, auf welchem die Bitcoin-Blockchain gespeichert ist, aktualisiert.

 

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Blockchain – Kryptowährungen

 

Blockchain – Was ist das? Fazit

Die Blockchain-Technologie revolutioniert den gesellschaftlichen, wirtschaftlichen Umgang mit sensiblen Informationen und monetären Werten. Durch die Technologie werden Informationsflüsse schneller, sicherer und zuverlässiger. Sie funktioniert anonym und dezentralisiert.