Was ist eine DAO (Dezentrale Autonome Organisation)?

Kannst Du Dir vorstellen, Dich mit anderen Menschen auf der ganzen Welt zu organisieren, ohne einander zu kennen?

Kannst Du Dir vorstellen, Deine eigenen Regeln aufzustellen und Deine eigenen Entscheidungen autonom zu treffen, alles verschlüsselt in einer Blockchain?

Nun, mit DAOs wird dies zur Realität.

Was ist eine DAO?

Der Begriff DAO steht für dezentralisierte autonome Organisation und trägt in der Welt von Blockchain und Kryptowährungen eine immer größere Rolle.

Im Gegensatz zu klassischen Organisationen bestimmt keine zentrale Person oder Gruppe über eine DAO.

Stattdessen beruht die Verwaltung einer DAO auf quelloffenem Programmcode als Geschäftsordnung, der auf einer Blockchain eingebettet ist.

Entscheidungen treffen alle Mitglieder der Organisation, die gleichzeitig Investoren sind.

Ziel dieser Maßnahme ist der Verzicht auf Mittelsmänner, eine zentrale „Regierung“ und deren möglichen Machtmissbrauch.

Zudem bietet man Angreifern von außen eine deutlich geringere Angriffsfläche, was vorrangig gegen staatliche Organisationen wirksam ist.

Der Programmcode verfolgt das Ziel, neutral und unveränderlich zu sein.

Die wichtigsten Eigenschaften einer DAO im Überblick

Name Dezentralisierte autonome Organisation
Kürzel DAO
Gründung Die Kryptowährung DASH gilt als erste DAO , startete 2014 und ist seit 2015 eine DAO
Erfinder Evan Duffield
Projekte The DAO, MakerDAO, ShapeShift

Wie funktioniert eine DAO?

Grundlage einer DAO ist eine programmierbare Blockchain – auch Smart Contract Plattform genannt. Um einen dezentralen Ablauf zu organisieren, verwendet man Smart Contracts (Deutsch: intelligente Verträge).

Die erste und aktuell bedeutendste Smart Contract Plattform ist Ethereum (ETH). Das Angebot an Konkurrenzprodukten ist riesig.

Diese Verträge führen bestimmte Vorgänge automatisch nach bestimmten Ereignissen aus.

Ziel einer dezentralisierten autonomen Organisation ist die automatisierte Verwaltung eigener dApps – dezentralisierten Anwendungen, die größtenteils eigenständig funktionieren.

Sowohl diese dApps als auch die Verwaltung einer DAO selbst beruht auf Smart Contracts. Die Vorgänge innerhalb einer DAO zur Entscheidungsfindung lässt sich mit einem Aktienunternehmen vergleichen.

Eigner füttern die DAO mit Geld und Ideen. Am Ende profitieren alle von der gemeinsamen Leistung.

Dort treffen Anteilseigner Entscheidungen, die anschließend von der Geschäftsführung umgesetzt werden sollen. Eine DAO hat ebenso Anteilseigner, die je nach Anteil an der Organisation einen größeren oder kleineren Stimmenanteil haben.

Das Gewicht der Stimmen wird nach dem Anteil der Governance Token eines Projekts berechnet.

Für jede DAO bestehen derlei Token. Sie legitimieren den Halter zur Teilnahme an Abstimmungen. Je mehr Token eine Person besitzt, desto gewichtiger ist ihre Stimme.

Jeder Anteilseigner kann Vorschläge einbringen und zur Abstimmung über deren Umsetzung aufrufen.

Veränderungen werden oft durch Programmcode festgelegt, jedoch besteht auch die Möglichkeit, einzelne Personen zu einer aktiven Ausführung zu berufen.

Dieser Schritt ist insbesondere dann nötig, wenn die Maßnahme in der physischen Welt stattfindet.

Ein Beispiel dafür ist die Abstimmung der Teilhaber der Kryptowährung Terra (LUNA), die über den Sponsorenvertrag einer Sportmannschaft entschied. Um diesen Vertrag in die Tat umzusetzen, wurden Vertrauenspersonen gewählt.

Terra strebt an, sich in eine DAO zu verwandeln, ist aufgrund der zentralisierten Teilhabe der Entwickler und Gründer bisher aber nicht dezentralisiert.

Grundlegende Eigenschaften einer DAO:

  • sowohl die Geschäftsordnung der Organisation, als auch deren Geschäft selbst beruhen auf Programmcode
  • dieser Programmcode ist quelloffen und funktioniert über eine Blockchain
  • eine DAO kann praktisch als Unternehmen auftreten, hat aber keine zentrale Geschäftsführung
  • die Teilhaber der dezentralisierten autonomen Organisation finanzieren die Unternehmung und treffen alle Entscheidungen selbst in direkten Wahlen
  • jeder Teilhaber kann eine Veränderung vorschlagen und eine Abstimmung starten

Welches Problem adressiert eine DAO?

Das zwanzigste Jahrhundert erlebte einige Entwicklungen, die zu einer zunehmenden Zentralisierung führten.

Fiatgeld wurde von seiner Hinterlegung gelöst und ist daher nur mehr Papiergeld mit einem rein fiktiven Wert. Zuvor sorgte Hinterlegung mit Gold oder anderen physischen Materialien für die nötige Knappheit.

Regierungen und Banken ist es daher möglich, Währungen je nach politischem Willen zu manipulieren und so das monetäre Vermögen der Nutzer zunichtezumachen.

Obendrein wurde die Lohntüte abgeschafft und mit digitalem Banktransfer ersetzt. Fiatgeld ist in seiner digitalen Variante einfach zu überwachen und dem eigentlichen Eigentümer zu entreißen.

Die Lösung für dieses Problem sind Kryptowährungen, die unweigerlich mit der Blockchain verbunden sind.

Eine DAO verwendet dieses Paar als Grundlage, um Unternehmen zu schaffen, welche Eigner und Kunden gleichermaßen weniger einschränken.

Eine weitere Zentralisierung fand im Internet statt. Plattformen wie Facebook und YouTube (Web2) galten noch vor einigen Jahren als Hort der Freiheit, sind aber inzwischen stark reguliert und zensiert.

Eine DAO möchte diese Zentralisierung ausmerzen und die damit einhergehende Zensur verhindern. Nutzer von Banken und dem Web2 sind von der Zustimmung der zentralen Instanz abhängig.

Eine DAO verwendet – genau wie eine Blockchain – das sogenannte vertrauenslose Prinzip. Die Zustimmung einer anderen Person ist nicht notwendig, um eigene Aktionen durchzuführen.

Dieses Prinzip gilt sowohl für die Nutzer als auch für die Teilhaber einer DAO. Demzufolge ist sie nicht von der Führung einzelner Personen abhängig.

Besteht eine DAO erst einmal, kann sogar ihre Finanzierung stoppen, ohne dass sie dadurch zusammenbricht.

Es ist sehr leicht, eine Beteiligung an einer DAO zu erreichen und man erlangt dann ein Mitspracherecht am Unternehmen.

Das traditionelle Äquivalent dazu ist der Kauf von Aktien, der viel mehr Barrieren mit sich bringt und nicht anonym erfolgen kann.

Wie soll das Problem gelöst werden?

Kurz gesagt, will eine DAO Nutzern und Eignern mehr Freiheit bieten. Das passiert primär durch den Verzicht auf eine zentrale Figur. Diese Maßnahme führt zu zwei Vorteilen.

  1. Vertrauen ist nicht notwendig, da auf die Durchsetzung einer oder mehrerer zentraler Personen, die als Geschäftsführung fungieren, verzichtet wird.
  2. Der Verzicht auf die subjektive Verwirklichung der Geschäftsordnung führt zu mehr Gerechtigkeit – dank des Einsatzes von Smart Contracts, die neutral und unveränderlich funktionieren. Programmcode behandelt jeden Nutzer gleich.

Genau wie jede andere Organisation ist auch eine DAO von Personen abhängig. Da eine DAO jedoch viele Anteilseigner haben möchte, die alle als Teilorganisatoren fungieren, ist der Austritt einzelner Personen aus dem Projekt nicht schwerwiegend.

Die DAO funktioniert auch weiterhin. Sogar ohne Finanzierung funktioniert die DAO zumindest mit dem bisher entwickelten Zustand weiter.

Zentralisierte Unternehmen sind nicht in jedem Fall für die Einschränkung von Freiheiten. Dennoch kann es passieren, dass staatliche Organisationen ein zentralisiertes Unternehmen zu solchen Einschränkungen zwingen.

Eine DAO kann nicht zu Einschränkungen gezwungen werden. Generell kann ein Außenstehender einer DAO niemals eine Position aufzwingen.

Die einzige Möglichkeit dazu ist eine feindliche Übernahme, für die allerdings mindestens 51 Prozent der Anteile (Governance Token) gehalten werden müssen. Um dieses Risiko zu verringern, richten DAOs zunehmend ein Veto-Prinzip ein.

Garantiert wird die größere Gerechtigkeit und die Einhaltung der Prinzipien durch quelloffenen Programmcode.

Sollte der zugrundeliegende Programmcode nicht quelloffen sein, wird das vertrauenslose Prinzip verletzt und von einer Investition oder Nutzung ist abzuraten.

Potenzial und Chancen einer DAO

  • Einfacher Zugang für Investoren
  • Freiheit von Zensur
  • Vielfältige Möglichkeiten, da Einschränkungen rechtlicher oder staatlicher Art kaum möglich sind
  • Unfreiwillige Auflösung der DAO ist unmöglich
  • Durch offene Quellen einfach zu überprüfen oder zu replizieren
  • Personal lässt sich unkompliziert anstellen, Bezahlung erfolgt mit Kryptowährungen (zumeist mit dem eigenen Token)

Risiken und Herausforderungen einer DAO

Spätestens seit dem Hack der berühmten The DAO ist klar, dass ein Hackerangriff auf eine DAO schwere Folgen haben kann.

In diesem Fall kam es sogar zu inneren Auseinandersetzungen der Ethereum-Gemeinde, welche die Spaltung zwischen Ethereum (ETH) und Ethereum Classic (ETC) verursachten.

Zudem profitieren viele Unternehmen von Geschäftsgeheimnissen, die meist aktiv gehütet werden. Nur wenige Personen bekommen Einblicke.

Bei einer DAO sind solche Geschäftsgeheimnisse schwer zu verwirklichen, da jeder Investor auch über die Organisation verfügt.

Dementsprechend müssten die internen Informationen mit einer oft sehr großen Anzahl an anonymen Personen geteilt werden. Terra (LUNA) machte empfindliche Informationen im eben erwähnten Sponsorenvertrag nur einigen Organisatoren zugänglich.

Die breite Masse an Investoren bekam die Informationen nicht und äußerte dafür Kritik. Eine Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens ohne Insiderwissen lässt sich nur schwer treffen.

Die durch Forschung oder Entwicklung erlangten Daten können durch öffentliche Bekanntgabe entwendet werden und erhoffte Profite zunichtemachen.

Anstellung von Personal funktioniert bei einer DAO eigenartig. Dafür werden vorwiegend gewisse Metriken festgelegt, die das Personal erfüllen muss, um letztlich die Bezahlung auszulösen.

Nur selten geschieht die Bezahlung vollautomatisch, sodass an dieser Stelle wieder Vertrauen notwendig ist.

Allerdings kann jede beliebige Person einen Auftrag annehmen und alle Details zur Bezahlung sind vorab ersichtlich.

Neben fest angestelltem Personal gibt es Belohnungen für die Vollendung bestimmter Aufgaben. Ein Beispiel hierfür sind die Ausschreibungen der DAO ShapeShift.

Job Ausschreibungen Shapeshift
DAO ShapeShift schreibt Jobs & Bountys aus

Ist eine DAO an einer Stelle auf Fiatwährungen angewiesen oder möchte ein klassisches Unternehmen gründen, um etwa eigene physische Produkte zu vertreiben oder um ein Bankkonto gründen zu können, kann es zu Schwierigkeiten kommen.

Grund dafür ist, da Gesetze oft kein Unternehmen ohne Oberhaupt vorsehen. Ferner sind sämtliche schriftliche Verträge dem gleichen Problem ausgesetzt.

Einzelne US-Bundesstaaten sind für progressive Gesetze bekannt und bieten DAOs die Möglichkeit zur Firmengründung. Besonders populär dafür ist Wyoming.

Die größte Schwäche einer DAO liegt in ihrem größten Vorteil: Dem Programmcode. Zwar ist dieser als neutral und unveränderlich vorgesehen, allerdings ist dieses Element nicht verpflichtend.

Zunehmende Überwachung und Zensur von Kryptowährungen führt zu schwarzen Listen mit bestimmten Blockchain-Adressen, die von Diensten ausgeschlossen werden.

Theoretisch ist es möglich, die schwarzen Listen in den Smart Contracts einer DAO zu hinterlegen und die Neutralität dadurch zu verletzen. Dieses Prinzip läuft der Überzeugung von Machern und Investoren jedoch (bislang) zuwider.

Fazit

Die DAO ist eine Erfindung, welche die Zukunft nachhaltig beeinflussen und zu einer freieren, weniger eingeschränkten Welt führen kann. Die Wunschvorstellung der Beseitigung von Schwachstellen menschlicher Art gelingt nicht komplett.

Auch weiterhin ist das Vertrauen auf einzelne Personen notwendig. Alltägliche Geschäfte lassen sich jedoch effektiv automatisieren und überbordende Zensur dadurch verhindern.

Eine Investition in eine DAO ist frei und für jedermann zugänglich.

Kommentare
  1. Pingback: Was sind die kommenden Mega-Trends? | Innovationsblog

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