Terra-Crash: Fand ein Angriff von Blackrock oder Citadel statt?

Das komplette Terra-Ökosystem crasht. Trotz vielzähliger Vorwürfe handelt es sich dabei nicht um ein technisches Versagen. Sorgte bloß eine Massenpanik für den verhängnisvollen Zusammenbruch oder fand im Vorfeld ein gezielter Angriff durch Großinvestoren wie Blackrock oder Citadel statt?

Das Wichtigste in Kürze

  • das komplette Terra-Ökosystem crasht
  • Gerüchte um Angriff von Großinvestoren entstehen
  • Terra-Gemeinschaft bemüht sich um Wiederherstellung des Systems
  • Politiker fordern Regulierung von Stablecoins

Was war der Anlass für den Terra-Crash?

Anfangspunkt für den Zusammenbruch war die Erhöhung des Leitzins seitens der US-Zentralbank FED. Bereits im letzten Wochenrückblick berichtet Blockchainwelt im Zuge dessen über Kurseinbrüche bei Terra (LUNA).

Der Kryptomarkt erlebte Geldabflüsse jedoch gesamtheitlich, die dazu führten, dass die Kurse beinahe jeder großen Kryptowährung deutlich sanken.

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Zum damaligen Zeitpunkt verbreitete sich bereits die Behauptung, UST befinde sich im freien Fall und habe die Bindung zum US-Dollar verloren. Diese Falschaussage verbreitete vor allem der YouTuber Dennis Porter. Einen Tweet löschte er inzwischen.

Zum Zeitpunkt verlor UST in Wahrheit weniger als einen Cent auf den US-Dollar. So geringe Schwankungen sind jedoch vollkommen normal – auch bei Stablecoins. In den anschließenden Tagen wurde die vorherige Falschaussage plötzlich Wirklichkeit.

UST sank bis auf 68 Dollarcent. Das Vertrauen der breiten Masse in den algorithmischen Stablecoin ließ nach. Es kam zu ersten Panikverkäufen. Darunter leidete allerdings nicht nur der UST.

UST ist durch die algorithmische Funktionsweise eng mit LUNA verbunden. LUNA ist die native Kryptowährung der Terra-Blockchain. Die Wertbindung des UST an den US-Dollar wird durch einen Algorithmus erzeugt, welcher Nutzern den Anreiz liefert, einen Arbitragehandel durchzuführen.

Die Nutzer können dadurch einfach Geld verdienen. Durch eine Verschiebung der Liquidität wird zugleich der Wert des US-Dollars abgebildet.

Was ist das Besondere an UST?

Die DeFi-Blockchain Terra war insbesondere für ihren nativen Stablecoin TerraUSD (UST) bekannt geworden, mit dem sie in der Branche einen neuen Standard etablierte. Mit Cardano, Tron und NEAR folgen bereits große Konkurrenten diesem Vorbild und entwickelten ihr eigenes Äquivalent.

Terra galt bisher als ein sicheres Projekt mit guter Reputation. Die Blockchain funktionierte zuverlässig und die Transaktionsgebühren blieben gering. Kritik erhielt das Projekt immer wieder für das Anchor Protocol – das größte Projekt der Blockchain.

Es handelt sich dabei um eine Plattform, welche die Verleihung von Kryptowährungen ermöglicht. Nutzer zahlten UST ein und konnten auf ihr Vermögen über ein Jahr lang 20 Prozent an Zinsen verdienen. Erst kürzlich passte man die Zinsrate durch einen dynamischen Wert an.

Kritik äußerte sich, da der Wert von 20 Prozent ziemlich hoch ist. Tatsächlich ist es in der Kryptobranche Standard, Nutzer mit hohen Renditen anzulocken. Im Laufe der Zeit sinken die Renditen dann. Terra konnte eine hohe Rate trotz starkem Wachstum über eine lange Periode beibehalten.

Besonders beliebt sind derartige Systeme, wenn sie Stablecoins unterstützen. Durch das Halten von Stablecoins fühlen sich die Nutzer sicher, da Schwankungen ausgeschlossen sind – jedenfalls normalerweise.

Liegt ein systemischer Fehler des UST vor?

Terra wurde durch ein massenhaftes Misstrauen in den Stablecoin UST zu Boden gebracht. Viele Nutzer äußern Kritik am UST und werfen ihm systemisches Versagen vor. Bisher deutet jedoch nichts auf technische Fehler hin – ganz im Gegenteil.

Nachdem UST am 9. Mai erstmals größere Einbrüche erlebte, setzte der Algorithmus erfolgreich ein. Viele Personen realisierten Gewinne durch Arbitrage. Kurze Zeit später, in der Nacht zum 11. Mai, ließ das Vertrauen in UST plötzlich massenhaft nach.

Was dann folgte, lässt sich mit einem Bankensturm vergleichen. Panik setzte ein und die Investoren versuchten, ihr Geld so schnell wie möglich aus dem Ökosystem zu holen. Dabei verkauften sie ihre Wertanlagen immer wieder für neue Tiefpreise und führten so dazu, dass UST und LUNA immer weiter sanken.

An dieser Stelle beklagen viele Nutzer das technische Versagen des UST, doch kein Wert dieser Welt ist unerschütterlich. Ein Preis wird immer vom Markt festgelegt. Alles, was es braucht, um einen beliebigen Stablecoin zum Einsturz zu bringen, ist mehrheitliches Misstrauen.

Interessant: die Massenpanik ging auf den gesamten Kryptomarkt über und bringt auch Tether leicht ins Wanken.

Warum entstanden mehrere Milliarden LUNA?

Wichtig zu erwähnen ist, dass durch die enge Bindung zwischen UST und LUNA massenhaft neue LUNA gemintet wurden. Da der LUNA-Wert stark sank, wurden für jeden weiteren UST immer mehr LUNA eingetauscht.

LUNA Umlaufversorgung nach Crash
Die LUNA-Umlaufversorgung: Nach dem Crash bei über 11 Milliarden, zuvor bei rund 375 Millionen.

Wer UST gegen LUNA eintauscht, erhält LUNA im Wert eines US-Dollars – egal, wie viel Wert der UST in diesem Moment hat. Durch den extremen Einbruch des LUNA-Kurses, mussten pro UST immer mehr LUNA gemintet werden.

teufelskreis luna ust

Durch die steigende Umlaufversorgung sank wiederum der Preis des Coins. So kam es zu einem Teufelskreis. Unterdessen war ein Arbitragehandel praktisch auch nicht mehr möglich, welcher zur Stabilisierung des UST hätte führen sollen.

Grund dafür ist, dass LUNA am Markt wertlos wurde. Gegen Gewinne konnte man den Coin also nicht mehr verkaufen.

Kam es zu einem Angriff auf das Terra-Ökosystem?

Terra-Mitgründer Do Kwon äußerte bereits am 8. Mai die Vermutung, dass ein gezielter Angriff auf sein Projekt stattfindet, indem er einen Tweet teilt, der auf die Verschiebung großer Mengen von UST aufmerksam machte.

Demnach flutete ein unbekannter Wal den Markt mit UST und spekulierte anschließend auf eine Short-Position von LUNA. Die Summe von 285 Millionen UST, welche den Markt zu einem bestimmten Zeitpunkt erreichte, ist in einem Moment groß genug, um einen geringen negativen Ausschlag bei LUNA zu bewirken.

anchor geldabflüsse
Die größten Geldabflüsse aus dem Anchor Protocol, kurz bevor der Crash begann. Einzelne Großinvestoren machten einen immer größeren Anteil aus.

Verschiedene Persönlichekeiten der Krypto-Szene schlossen sich dem Verdacht eines Angriffs an – etwa Charles Hoskinson, Mitgründer von Ethereum und Cardano. In einem Video holte Hoskinson zum Rundumschlag aus und erklärte, warum Krypto und Blockchain für die Zukunft so wichtig sind.

Zusätzlich erwähnte er, dass Situationen wie diese durch institutionelle Investoren entstehen, da sie ihr Geld bewegen, sobald der Markt nicht nach ihrem Wunsch handelt. Durch ihre enorme Macht trägt die Allgemeinheit die Konsequenzen.

Zeitgleich beruhigt er die Krypto-Szene. VIel zu oft hätten einzelne Personen ein “Ende der Kryptowährungen” proklamiert, sobald es zu einem Crash kam. Das sei jedoch nie eingetreten und werde auch diesmal nicht geschehen.

Haben Blackrock und Citadel Terra gecrasht?

Ein weit verbreitetes Gerücht besagt, dass die Finanzunternehmen BlackRock und Citadel die Verantwortung am Zusammenbruch tragen. Hoskinson ließ sich in seinem Video anmerken, dass er ein solches Ereignis zumindest nicht ausschließt.

Hoskinson Terra Crash Tweet
„Diese Gerüchte bestehen über Luna“

Auf Twitter teilte er einen Beitrag. Dieser Tweet ist inzwischen gelöscht. Der geteilte Beitrag beschreibt das Gerücht. So hätten BlackRock und Citadel 100.000 Bitcoin von der Bitcoin-Börse Gemini geliehen und 25.000 davon in UST getauscht.

Der Tausch erfolgte demnach im Geheimen durch einen Kontakt zur Luna Foundation Guard (LFG), welche den Großinvestoren den entsprechenden Gegenwert in UST gegeben hätte. An der Spitze der Stiftung: Do Kwon.

Indem man den Markt mit BTC und UST flutete, wäre so ein massiver Abwärtstrend am Markt entstanden, der den Verantwortlichen die Möglichkeit gab, die geliehenen Bitcoin billig zurückzukaufen und so Gewinne zu realisieren.

Eine detaillierte Beschreibung eines Twitter-Nutzers findet indes große Beachtung. Forbes konfrontierte die Unternehmen mit der Behauptung. Sprecher lehnen die Vorwürfe in beiden Fällen entschieden ab.

Terra arbeitet an Wiederherstellung

Neben den Entwicklern von Terraform Labs (TFL), nimmt eine Gemeinschaft hinter Terra mittlerweile eine wichtige Rolle ein. TFL gab die Administration der Kryptowährung in die Hände einer DAO.

Die Gemeinschaft hielt die Blockchain wiederholt an, diskutierte über eine mögliche Lösung und hält auch die Absetzung von TFL für möglich.

Zudem erwähnt man die Möglichkeit, einen Zustand der Blockchain vor dem Crash wiederherzustellen. Eine solche Maßnahme wendete Ethereum nach dem Hack der dezentralisierten Investmentorganisation The DAO an.

Unterschiedlichste Vorschläge gehen in der Terra Station ein. Dort findet die Administration statt. Im Zustand der aktuellen Desorganisation herrscht jedoch wenig Klarheit, sondern viel Wirrwarr.

Droht eine Regulierung von Stablecoins?

Oft sind es derartige Zusammenbrüche, welche Regulatoren auf den Plan rufen. Einigen Krypto-Investoren ist das bewusst. Sie deuten auf den Börsencrash von 1929. Auch die Regulatoren selbst melden sich bereits zu Wort.

Die US-Finanzministerin Janet Yellen fordert nun eine Regulierung von Stablecoins. Auch der deutsche EU-Politiker Stefan Berger erwartet derartige Maßnahmen.

Von den beiden Politikern bleibt offenbar unbeachtet, dass ein dezentralisiertes System wie Terra nicht unter die Kontrolle einer Behörde zu bringen ist und daher keinen Gesetzen folgen muss. Zentralisierte Stablecoins wie Tether oder USDC sind bereits Regularien unterworfen.

Beide Stablecoins behaupteten, sie würden ihren Coin 1:1 durch US-Dollar hinterlegen. In beiden Fällen handelt es sich dabei um eine Lüge. Tether wurde von US-Behörden wiederholt abgemahnt und zahlte hohe Strafen. In diesen Fällen kann Regulierung wirksam werden.

 

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Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

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