Der Blockchainwelt Wochenrückblick

Die EU Kommission äußert sich über DeFi. Die vermeintlich positive Einschätzung bietet viel Potenzial zum Lernen. Zudem schreibt der Kryptomarkt durch die Veränderung des US-Leitzins teils tiefrote Zahlen. Währenddessen legen mehrere Krypto-Projekte positive Entwicklungen hin – allen voran Algorand.

Drei physische Bitcoin Münzen stehend und liegend

Das Wichtigste in Kürze

  • EU Kommission äußert sich über DeFi, offenbart Strategien zur Durchsetzung von Regularien
  • Algorand geht langfristige Kooperation mit Fifa ein
  • Crypto.com führt Staking Reward nach harscher Kritik wieder ein
  • Erhöhung des Leitzins durch Fed führt zu Krypto-Crash

EU-Kommission äußert sich über DeFi

Zuletzt fielen die Institutionen der Europäischen Union als besonders kritisch gegenüber Kryptowährungen auf. Eine im März beschlossene Verordnung plant die Durchsetzung ausufernder Überwachung von Krypto-Transaktionen.

In der Realität würde man zentralisierte Dienste dazu zwingen, Geschäfte mit Wallets zu unterlassen, sofern diese nicht mit einer Identität hinterlegt sind. Bis heute ist nicht klar, wie genau eine praktische Durchsetzung der Verordnung aussieht.

In einer im April veröffentlichten Zusammenfassung gibt die EU-Kommission ein ausführliches Urteil über den Finanzmarkt ab und erwähnt dabei auch den DeFi-Sektor. Auf einem Dutzend Seiten erklärt man, welches Ziel die dezentralisierte Finanz verfolgt und welchen Nutzen sie hat.

Ihren bisherigen Einfluss auf die Finanzwelt stuft die Behörde als äußerst gering ein. Dennoch bewertet ein großer Teil der Szene die Einschätzung positiv.

Patrick Hansen, der sich stark mit den regulatorischen Maßnahmen durch die EU in Sachen Krypto auseinandersetzt, äußert sich bereits vergleichsweise neutral.

Er meint, die Kommission kenne sich gut mit der Thematik aus und teilt kurze Ausschnitte aus dem Bericht, die überwiegend einen regulatorischen Standpunkt gegenüber DeFi darlegen.

DeFi hat großes Potenzial – sagt neues EU-Papier

Ist die Blockchain inhärent transparent?

Unter anderem heißt es in dem Bericht, der die Finanzstabilität insgesamt einschätzt, dass die inhärente Transparenz der Blockchain zu wesentlichen Vorteilen bei der Bekämpfung von Kriminalität führen kann.

Zwar lassen sich gestohlene Gelder nicht aus der Ferne beschlagnahmen – wie es etwa bei einem Bankkonto möglich wäre – dennoch kann die Verfolgung des Straftäters sogar so weit erfolgen, bis er letztlich gestellt wird.

Bisherige Erfahrungen mit der Verfolgung von erhackten Geldern und Lösegeldern haben gezeigt, dass die inhärente Transparenz von öffentlichen Blockchains erfolgreich zum Aufspüren von Personen genutzt werden kann.

Tatsächlich ist die Transparenz der Blockchain nicht inhärent. Zwar nutzt ein Großteil verschiedenster Krypto-Projekte eine Blockchain, die vollständig öffentlich einsehbar ist, allerdings existieren längst vertrauliche Alternativen, die eine solche Verfolgung verhindern.

EU-Kommission erkennt DAO als Gefahr für die Staatsgewalt

Besonders interessant: Das Zitat der EU-Kommission folgt auf die Erklärung einer DAO. Vollkommen korrekt bemerkte die Behörde, dass die Verwandlung einer Organisation beliebiger Art in eine DAO dazu führt, dass man staatliche Maßnahmen vollends umgehen kann.

Diese wird ausschließlich von der Nutzergemeinschaft bestimmt und könnte von unkooperativen, nicht regulierten Akteuren in Drittländern eingesetzt werden.

Die beste Maßnahme gegen eine DAO wähnt die EU-Kommission in der genannten Verwendung der transparenten Blockchain und der dort möglichen Verfolgung der Gelder. In ihrer Einschätzung macht die Behörde jedoch zwei Fehler.

Erstens geht man davon aus, dass ein Tausch der Gelder in Fiatwährungen erfolgen muss, denn „eine Bezahlung der meisten Waren und Dienstleistungen mit Kryptowährungen“ sei immer noch nicht möglich.

Außerdem, so legt die Äußerung über Drittländer nahe, nimmt man an, dass folglich eine offizielle Registrierung als Unternehmen erfolgen muss.

In beiden Punkten liegt die Behörde falsch. Durch die Nutzung von Gutscheinen entsprechender Anbieter wie Bitrefill können bereits heute – sogar in Deutschland – jegliche Produkte mit Krypto erworben werden.

Für größere Investitionen – etwa ein Auto – finden sich unterstützende Händler. In Portugal lassen sich vermehrt Immobilien mit Bitcoin und Co erwerben.

Selbst die Bezahlung von Geschäftspartnern mit Krypto ist mittlerweile denkbar, da die institutionelle Unterstützung rasant wächst.

Mit Fokus auf DeFi-Entwickler und Fiat-Gateways wollen Behörden Regularien durchsetzen

Im Report fasst die Kommission auch zusammen, wie Behörden vorgehen sollten, um ihre Maßnahmen durchsetzen zu können. Einerseits soll man die Fiat-Gateways ins Ziel nehmen.

Dieser Knotenpunkt zwischen traditioneller Finanz und Krypto-Ökosystem ist der einfachste Zugangspunkt für Regularien.

Zudem könne man im Falle dezentralisierter Projekte die jeweiligen Entwickler fokussieren.

Eine mögliche Herangehensweise zur Regulierung ist es, das Entwicklerteam des Projekts ins Visier zu nehmen.

Algorand kooperiert mit Fifa

Der DeFi-Blockchain Algorand gelang zuletzt ein großer Erfolg. Das gleichnamige Unternehmen hinter dem Projekt geht eine langjährige Partnerschaft mit dem Weltfußballverband Fifa ein.

Praxis wird die Kooperation spätestens mit Beginn der diesjährigen Weltmeisterschaft der Herren in Katar, die am 21. November beginnt.

Dort tritt Algorand als Partner in den Märkten Nordamerika und Europa auf. In der darauffolgenden Weltmeisterschaft der Damen ist dem Blockchain-Unternehmen sogar eine Rolle als Hauptsponsor sicher.

Algorand fügt sich damit in eine Reihe verschiedener Krypto-Unternehmen, die im Sport ihre Bekanntheit steigern möchten und mit ihrem Engagement der gesamten Szene hilfreich sind, indem sie weitere Personen mit Kryptowährungen konfrontieren.

Die Kooperation mit der Fifa hat neben einer Werbepartnerschaft aber auch die Verwendung der Algorand-Blockchain seitens des Fußballverbandes zum Gegenstand. Dieser möchte eigene Produkte über die Blockchain veröffentlichen. Zu erwarten sind vor allem NFTs.

Zwar ist nicht klar, welche Summe sich Algorand die Partnerschaft kosten ließ, vergleichbare Werbung – etwa beim Super Bowl – macht deutlich, dass es dabei um viele Millionen Euro geht.

Bislang konnten sich hauptsächlich Krypto-Börsen derartige Geschäfte leisten. Mit Algorand tritt nun eine der wenigen Firmen hinter einer Kryptowährung auf den Plan, die dieses Engagement bezahlen können.

Polkadot wollte eine Kooperation mit dem FC Barcelona einfädeln. Tezos sponsert sowohl E-Sport als auch die Fußballer von Manchester United.

Sponsoring durch Krypto-Projekt weist auf Probleme hin

Natürlich stellt sich an der Stelle die Frage, woher Algorand über das nötige Geld verfügt. Ein großer Teil der Kryptowährung ALGO befindet sich im Besitz der Algorand Inc – dem Unternehmen hinter dem Projekt.

Algorand wird nicht geschürft, sondern direkt zu Beginn vollständig geprägt (gemintet). Die Maximalversorgung von zehn Milliarden Coins besteht bereits. Bis November 2020 waren nur 16 Prozent der Währung nicht im Besitz des Unternehmens.

Algorand Allokation
Die Aufteilung von Algorand in Vergangenheit und Gegenwart und der vom Unternehmen erwünschte Ausblick auf die Zukunft.

Entsprechend große Macht hat man über die eigene Kryptowährung. Diese lässt sich nutzen, um Investitionen durch Wagniskapital einzusammeln.

Genau das tat Algorand wiederholt und sammelte so Hunderte Millionen US-Dollar ein. Derartige Abläufe sind bei tatsächlich dezentralisierten Projekten wie dem Bitcoin nicht möglich.

Algorand geht Partnerschaft mit Fifa ein

Crypto.com streicht kurzzeitig Staking Reward für Kartenbesitzer

Crypto.com bietet Kreditkarten in verschiedenen Versionen an. Die in unterschiedlichen Farben erhältlichen Karten versprechen dem Nutzer ein Cashback-Programm. Um eine Karte mit besseren Belohnungen zu erhalten, muss der Nutzer Cronos hinterlegen.

Diese wurden gestaket und gaben dem Nutzer neben dem Cashback daher zusätzlich eine Staking-Belohnung – bis Crypto.com bis vor wenigen Tagen ankündigte, dass diese Belohnung komplett gestrichen wird. Zusätzlich erhalten die Nutzer nun weniger Cashback.

CRO-Kurs rauscht in neues Jahrestief

Dass der Markt diese Nachricht negativ auffasste, belegte auch der Kurs des Cronos, der als Coin von Crypto.com in der Folge fiel. Die Nutzergemeinschaft gab sich mit der plötzlichen Veränderung jedoch nicht zufrieden und äußerte Kritik.

Diese wurde schon nach einem Tag erhört und verleitete Crypto.com dazu, die gestrichenen Staking-Belohnungen in veränderter Form doch wieder einzuführen.

Crypto.com Staking – Sieg der Community

Fed erhöht Leitzins

Im Frühjahr 2020 strich die Fed den Basisleihzinssatz teils komplett. Das ermöglichte Investoren den Erwerb „billigen Geldes“. Kredite wurden zu günstigen Konditionen vergeben. Diese Maßnahme sollte dazu dienen, die Wirtschaft während Corona zu unterstützen – so die US-Zentralbank.

Gute zwei Jahre später will man diese Entscheidung jedoch wieder umkehren und erhöht dafür bereits zum zweiten Mal im Jahr 2022 den Leitzins. Nach einer Sitzung im März, welche eine Erhöhung um 0,25 Prozent zur Folge hatte, folgt nun eine Erhöhung um 0,50 Prozent.

Eine so starke Erhöhung des Leitzins erfolgte das letzte Mal im Jahr 2000. Viele Investoren betrachten ihre Krypto-Investitionen als Risikoinvestment und nehmen ihre Gelder aus dem Kryptomarkt heraus.

Fed-Zinsentscheid beeinflusst Bitcoin-Kurs

Wo steht der Kryptomarkt Anfang Mai 2022?

Noch letzte Woche tat sich wenig am Kryptomarkt. Wie wir inzwischen wissen, war es die Ruhe vor dem Sturm. Besonders durch die Erhöhung des Leitzins fällt ein Großteil des Kryptomarktes.

Der Bitcoin verzeichnet ein Minus von 8,8 Prozent innerhalb der letzten Woche und liegt aktuell sogar wieder bei 34.712 US-Dollar.

Bitcoin Kurs 8. Mai 2022

2022 hält sich die negative Stimmung am Kryptomarkt hartnäckig. Eine dritte Erhöhung des Leitzins durch die zuständige FOMC wird für die kommenden Monate erwartet und könnte einen langanhaltenden Bärenmarkt befeuern.

Besonders hart trifft es aktuell Terra (LUNA). Die Blockchain ist attraktiv für Investoren, die ein passives Einkommen machen wollen. Der Abfluss von Geldern und die großen Investitionen, welche LUNA in Bitcoin tätigt, führen nun zu einem fallenden Kurs.

Terra Kurs 8. Mai 2022

Im Sieben-Tage-Trend fällt LUNA um fast 21 Prozent. Allein seit gestern sind es über 14 Prozent. Unter den Top 100 Kryptos gibt es aktuell wenige Gewinner.

Dazu zählen Tron (TRX) durch die Veröffentlichung des Stablecoins USDD mit einer Zunahme von 24,4 Prozent in sieben Tagen. Durch die Partnerschaft mit der Fifa gewinnt Algorand (ALGO) im gleichen Zeitraum 28 Prozent.

Erwähnenswerte Gewinne macht auch der Curve DAO Token (CRV), nachdem mit 4Pool ein Projekt zum Yield Farming öffentlich geht. Der Kurs des Token steigt um 18 Prozent.

Ist UST instabil?

Besonders negative Stimmung verbreitet sich, da der UST als Stablecoin des LUNA-Ökosystems angeblich seine Bindung zum Wert des US-Dollars verliert. Teilweise heißt es, UST sei im freien Fall.

Die aktuelle Entwicklung beweist jedoch das Gegenteil. Trotz starker Verluste von LUNA und Währungen wie Bitcoin und Avalanche, die als Werthinterlegung dienen, bleibt der UST stabil.

UST verlor währenddessen nicht einmal einen ganzen Cent auf den US-Dollar. Erfahrene Marktteilnehmer sind aus früheren Zeiten vom DAI ganz andere Ausschläge gewohnt.

Autor
Autor

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Auch interessant
Immer aktuell in der Blockchainwelt.

Melden Sie sich zu unserem monatlichen Newsletter an. Garantiert kostenlos und ohne Spam!