Der Blockchainwelt Wochenrückblick 13. November 2022

Drei physische Bitcoin Münzen stehend und liegend

Das Wichtigste in Kürze

  • FTX Gruppe crasht, reißt Partner mit
  • Krypto-Markt stürzt auf neues Jahrestief
  • Schlechter Umgang mit Kundengeldern bringt neue Forderungen zur Transparenz von Krypto-Börsen auf

Konflikte zwischen Binance und FTX – wie alles begann

Auslöser des FTX-Crashes waren Konflikte zwischen Marktführer Binance und dessen größtem Herausforderer FTX.

Hinweise dazu fanden sich immer öfter auf Twitter. FTX-Gründer Sam Bankman-Fried (SBF) und Co-Geschäftsführer Ryan Salame spotteten über Binance-Gründer Changpeng Zhao (CZ). Inzwischen sind die spöttischen Nachrichten gelöscht.

Deren Inhalt drehte sich zuletzt um die Beliebtheit der beiden Krypto-Börsen in der Politik. SBF stellte dar, wie unbeliebt Binance unter Politikern im Vergleich zu FTX sei.

Tatsächlich investierte SBF viele Millionen US-Dollar in Spenden an die Demokratische Partei und in Lobbyarbeit.

Verschiedene Analysten beschwören inzwischen, dass Binance und FTX schon seit 2019 auf Kriegsfuß stehen.

Fakt ist aber: Binance investierte bereits im Gründungsjahr 2019 in FTX und hielt bis zum November 2022 FTX Token (FTT) im Wert von mindestens 580 Millionen US-Dollar.

Gerüchte besagen, dass SBF den Kollaps von Terra und 3AC verursacht habe. CZ habe ihn vor diesen Entscheidungen gewarnt, sei jedoch ignoriert worden.

Schließlich habe er keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als FTX zu bekämpfen, so heißt es.

Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Gerüchte der Wahrheit entsprechen, ist jedoch sehr gering. Angeblich stammen sie von einem Insider.

Verursachte eine private Fehde einen neuen Krypto-Crash?

Dass private Auseinandersetzungen zwischen SBF und CZ den Krypto-Crash verursachten, liegt äußerst nahe.

Gerüchte um eine mögliche Illiquidität seitens FTX nutzte CZ, um anzukündigen, sämtliche noch gehaltene FTT abzustoßen.

Außerdem lehnte der Geschäftsführer einen sogenannten OTC-Trade ab, bei dem zwei Handelspartner einen vorgefertigten Preis für eine große Menge an Tokens aushandeln.

Der freie Markt wird dann nicht mehr von einer Flut von digitalen Anlagen gecrasht. Alameda Research machte konkrete Angebote zum Kauf der von Binance gehaltenen FTT.

Alameda wurde ebenfalls durch Sam Bankman-Fried gegründet und gehört zur FTX Group.

Die Entscheidungen seitens CZ muss man kritisch betrachten. So gab er öffentlichkeitswirksam bekannt, die FTT zu verkaufen.

FTT Kurs 7-Tage-Trend 13. November 2022
Der FTT-Kurs der letzten sieben Tage, Quelle: CoinMarketCap

Durch diese Mitteilung torpedierte er aber auch den Kurs des FTX-Tokens – eine Entwicklung, die CZ geahnt haben muss und zum Nachteil sämtlicher FTT-Halter war.

In einem nachfolgenden Tweet erklärt er seine Entscheidung mit dem Ziel, die Branche transparenter zu gestalten.

Diese Erklärung lässt sich jedoch anzweifeln. Viel wahrscheinlicher wollte CZ seinem Konkurrenten FTX gezielt Schaden zufügen.

Bankensturm auf FTX beginnt – Insolvenz folgt

FTX erlitt in der Folge gleich mehrere Schäden auf einmal. So kam es zu massiven Abverkäufen des Utility-Token FTT und damit zu starken unrealisierten Verlusten bei FTX und dessen Schwesterunternehmen.

Darauf schloss sich ein enormer Bankensturm an. Das Vertrauen der Nutzer in FTX sank so immens, dass diese ihre Gelder massenhaft auszahlten.

Zwar meldete SBF am 7. November noch: „Die Gelder sind sicher“, doch nur einen Tag später war das Unternehmen bereits insolvent.

Auch diesen Tweet löschte SBF inzwischen, da jener ihn bei Ermittlungen durch Strafbehörden belasten könnte.

Anschließend wurde durch Insideraussagen bekannt, dass FTX ganze zehn Milliarden US-Dollar seiner Kunden veruntreut hatte.

So nutzte man diese Gelder, um das Trading-Unternehmen Alameda damit auszustatten.

Allein am 6. November kam es zu Abhebungen in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar auf FTX.

Die Krypto-Börse verfügte jedoch nur noch über sechs Milliarden US-Dollar, weil die restlichen zehn Milliarden in Handelspositionen von Alameda steckten.

Rund 62,5 Prozent der Kundengelder waren also längst nicht mehr als Liquidität bei FTX vorhanden.


Die Insolvenz führt auch bei Partnern zu Verwerfungen. Lending-Dienst BlockFi stellte Abhebungen ebenfalls ein.

FTX-Hack räumt letztes Vermögen aus

Gestern gab FTX von offizieller Stelle bekannt, Opfer eines Hacks zu sein. Dieser habe den Verlust von 600 Millionen US-Dollar in mehreren Kryptowährungen zur Folge.

Besonders betroffen sind neben dem Bitcoin die Smart Contract Plattformen Ethereum, BNB und Solana.

Das Unternehmen warnt Nutzer vor der Verwendung sämtlicher betriebseigener Dienste.

Sowohl auf der offiziellen Website als auch durch die Nutzung der offiziellen App laufe man Gefahr, Opfer von Schadprogrammen zu werden. FTX empfiehlt deshalb die Löschung der eigenen App.

Der Angreifer verwendete dezentralisierte Krypto-Börsen und bridgte Guthaben auf Polygon, um seine Spuren zu verwischen.

Anschließend wollte er offenbar einen Teil des Geldes über die Krypto-Börse Kraken auszahlen und wurde dort identifiziert.

Zu seiner Identität gibt es aktuell keine öffentlichen Informationen. Eine weit verbreitete Annahme besagt, es handelt sich bei der Person um einen FTX-Mitarbeiter, der über den Zugang zu den betroffenen Wallets verfügt und die Kryptos stahl.

Bereits im Vorfeld kam es zu Sperrungen von FTX-Geldern, die durch Behörden der USA und der Bahamas eingeleitet wurden.

Große Mengen an Tether sind betroffen. Kraken fror Konten von FTX ebenfalls ein.

Kryptomarkt crasht erneut

Knapp ein Jahr lang dauert der Bärenmarkt an. Das Jahr 2022 erlebte bereits mehrere Katastrophen.

Darunter sind der Terra-Crash und der Celsius-Kollaps, der deutliche Parallelen zum aktuellen Fall um FTX hat.

Bitcoin Kurs 7 Tage Trend 13. November 2022
Der Bitcoin Kurs der letzten sieben Tage erreicht ein neues Jahrestief.

Nun stürzt der Kryptomarkt erneut ein. Bitcoin fällt zeitweise auf 15.500 US-Dollar und erreicht damit Kurse wie zuletzt vor zwei Jahren.

Der FTX Token fällt gewaltig. Totalverluste sind denkbar – nicht zuletzt, da immer noch unklar ist, wie es für die angeschlagene Krypto-Börse weitergeht.

Das Fehlverhalten von FTX im Umgang mit Kundengeldern ruft inzwischen das Verlangen nach neuer Transparenz auf den Plan.

Binance verspricht einen Proof of Reserve, also einen Beweis für die gehaltenen Reserven.

Bei der Krypto-Börse Kraken sind regelmäßige Prüfungen dieser Art bereits die Norm. Auch in anderen Bereichen der Branche findet man ähnliche Lösungen.

Chainlink stellt mit Proof of Reserve ein System bereit, das beispielsweise von Paxos verwendet wird.

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Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

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