Der Blockchainwelt Wochenrückblick 5. Juni 2022

Während der Kryptomarkt zu großen Teilen Bewegungsarm ist, zeichnen sich die ersten regulatorischen Folgen des Terra-Crashes ab. Die Schweiz etabliert sich zunehmend als Standort für Krypto-Unternehmen und Solana beweist einmal mehr seine technische Unzulänglichkeit.

Eine absurd strenge Kontrolle von Kryptowährungen im Rahmen der Geldtransferverordnung (TFR) nähert sich einer Entscheidung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Dystopisches EU-Gesetz TFR kurz vor Finalisierung
  • Japan erlässt einzigartiges Stablecoin-Gesetz nach Terra-Crash
  • Schweiz als Krypto-Standort immer populärer
  • Kryptomarkt bewegt sich nur geringfügig

TFR: dystopisches Krypto-Gesetz bald Realität?

Das im Englischen als Transfer of Funds bekannte Gesetz ist die Umsetzung der Travel Rule (Reiseregel) durch die EU. Die Travel Rule ist wiederum ein Gesetzesstandard, der von der FATF entwickelt wurde – einer internationalen Organisation, die sich offiziell der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung verschreibt.

Standards der FATF finden weltweit in über 200 Staaten Anwendung. Um die selbsterklärten Ziele zu erreichen, fordert die FATF primär eines: Überwachung.

In Deutschland ist ein Gesetz, das auf der Reiseregel aufbaut, bereits vollständig implementiert. Die Variante der EU unterscheidet sich vorrangig in ihrer Drastik vom nationalen deutschen Erlass.

Das deutsche Gesetz, das bereits seit dem 1. Oktober 2021 in Kraft ist, trägt den Namen Kryptowertetransferverordnung. Dieses fordert,

dass ein Verpflichteter sicherstellen muss, dass Angaben zum Begünstigten oder Auftraggeber einer Übertragung erhoben werden, wenn die Übertragung von oder auf eine elektronische Geldbörse erfolgt, die nicht von einem Kryptowertedienstleister verwaltet wird.

Kurzum besagt das Gesetz: Findet ein Geldtransfer mit Kryptowährungen statt, muss ein zuständiger Dienstleister (etwa eine Krypto-Börse) Daten über Sender und Empfänger sammeln, die deren Identitäten offenlegen.

Das Sammeln von Daten ist auch dann nötig, wenn es sich um eine selbstverwaltete (auch unhosted oder non-custodial) Wallet handelt – ein unnötiges, da zweckloses Unterfangen.

Was ist der Unterschied zwischen TFR und der Kryptowertetransferverordnung?

Während die deutsche Gesetzgebung nur das schiere Sammeln von Daten und deren Austausch anordnet, was in der Realität ohnehin oft gar nicht möglich ist, fordert das EU-Gesetz TFR in ihrer neuen Version, die man um Kryptos erweitert, den Verzicht auf Dienstleistungen, sofern eine selbstverwaltete Wallet vorliegt.

Selbstverwaltete Wallets lassen sich kinderleicht anlegen. Sie ermöglichen Nutzern, Kryptowährungen eigenhändig zu verwahren, statt sie einem Dienstleister anzuvertrauen. Die Identifizierung einer solchen Wallet ist nicht möglich.

In der Realität käme die Umsetzung der TFR damit einem praktischen Verbot der selbstverwalteten Wallets gleich – ein Umstand, auf den Blockchainwelt bereits aufmerksam machte, seit die Erweiterung der TFR um die besagten Inhalte in der Diskussion ist.

Sogar die deutsche Kryptowertetransferverordnung findet in der Realität nicht die Anwendung, welche der Gesetzestext eigentlich vorsieht. Forderungen der Legislation sind entweder einfach nicht machbar oder mit einem zu großen Aufwand seitens der Kryptodienstleister verbunden – ein Zustand, der Hinweis darauf gibt, wie die TFR in der Praxis wirklich aussehen könnte.

TFR nähert sich Finalisierung

Am 31. März stimmten zwei zuständige Ausschüsse im EU-Parlament über die dystopische Gesetzesänderung der TFR ab, die eine so umfassende Überwachung durchsetzen will, welche Kryptowährungen praktisch deanonymisieren soll. Die Politiker bestätigten den Vorschlag.

In den kommenden Wochen soll sich die Geldtransferverordnung in ihrer neuesten Version schließlich der Finalisierung nähern. Ob der Beschluss jemals Realität wird, ist fraglich. Letztlich würden ohnehin nur Unternehmen betroffen sein, die ihren Sitz in der EU haben.

Im Falle einer Durchsetzung entstünde also ein erheblicher Wettbewerbsvorteil für ausländische Unternehmen und die EU würde also Standort der Kryptobranche deutlich geschwächt.

Japan erlässt Stablecoin-Gesetz

Nach dem Debakel um die DeFi-Blockchain Terra, die für ihren Stablecoin UST bekannt war, erlässt das japanische Parlament bereits am vergangenen Freitag ein neues Gesetz, das Stablecoins strengen Regularien unterwirft.

Fortan muss ein Stablecoin im Verhältnis 1:1  gegen die abgebildete Fiatwährung eingetauscht werden. Der UST verlor ab dem 8. Mai seine Dollarbindung und ist seitdem deutlich vom US-Dollar abgekommen. Aktuell beträgt der Kurs nur noch einen Cent.

Durch den neuen Erlass will man Investoren in Japan vor derartigen Verlusten schützen. Bereits zuvor verfolgte Japan im Umgang mit den wertstabilen Kryptos einen harten Kurs.

Die Ausgabe von Stablecoins ist in Japan nur Banken, Treuhändern und anderen Unternehmen erlaubt, welche bereits über eine bestimmte Lizenz verfügen.

Stablecoins kommen auf japanischen Krypto-Börsen nicht zum Einsatz. Im Rest der Welt liegt genau dort ihr hauptsächlicher Einsatzort – als Handelswährungen.

Auch in diesem Fall ist das Gesetz ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Gesetzgebung betrifft nur Japan. Da das Internet über Grenzen hinweg funktioniert, können Japaner ausländische Marktplätze aufsuchen, um ihre gewünschten digitalen Wertanlagen zu erwerben.

Zentralisierte Unternehmen wie Tether oder Centre (Betreiber von USDC) haben ihren Sitz nicht in Japan und sind vom Gesetz daher nicht betroffen. Dezentralisierte Stablecoins sind praktisch ohnehin keiner Gesetzgebung unterworfen und daher unkontrollierbar.

Japan ist das erste Land der Erde, das ein Gesetz zur Reglementierung von Stablecoins erlässt.

Schweiz zieht zunehmend Krypto-Unternehmen an

Während verschiedenste Jurisdiktionen der Kryptobranche weltweit immer mehr Steine in den Weg legen, überzeugt in Europa insbesondere ein Land durch die Beseitigung von Hürden: die Schweiz.

Obwohl der Kryptomarkt seit Mai herbe Verluste hinnehmen musste, lassen sich immer mehr Krypto-Unternehmen in der Schweiz nieder, das belegt ein Bericht der Swissinfo.

Hilfreich ist dabei der Verzicht der Schweiz auf übermäßige Regulierung. Zudem erlassen schweizerische Selbstregulierungsgsorganisationen (SROs) ihre eigenen Betriebsregeln, die man mit der zentralen Finanzaufsichtsbehörde FINMA abgleicht.

So erfolgt eine dynamische Anpassung an die jeweiligen Gegebenheiten und einzelne Krypto-Unternehmen werden entlastet.

Für Unternehmen ist bislang hauptsächlich ein Standort im Crypto Valley (Kryptotal) interessant. In der Gegend im und um den Ort Zug macht man den Krypto-Unternehmen ihr Dasein besonders einfach. Sogar Steuern lassen sich mit Kryptowährungen begleichen.

Als besonders innovativ tut sich die im Süden des Landes gelegene Stadt Lugano hervor. Dort legt man das Augenmerk nicht auf die Industrie, sondern auf die breite Adoption von Kryptowährungen. Bitcoin und USDT sind in der Stadt bereits offizielles Zahlungsmittel.

Wo steht der Kryptomarkt Anfang Juni 2022?

Beim Bitcoin tat sich in der vergangenen Woche nahezu nichts. Zwar gelang BTC kurzzeitig ein Sprung auf über 31.000 US-Dollar, nach zwei Tagen näherte er sich jedoch wieder der 30.000 US-Dollar-Marke an. Nun liegt der Kurs des Bitcoin bei rund 29.600 US-Dollar.

Solana musste einen Wertverlust von bis zu 25 Prozent hinnehmen, nachdem das Netzwerk wieder einmal abgestürzt war – eine Meldung, die SOL-Nutzer schon lange nicht mehr überrascht

Die meisten der Top 100 Kryptowährungen bewegen sich in den vergangenen sieben Tagen nur äußerst moderat. Während im letzten Wochenrückblick Waves noch zu den Verlierern gehörte, befindet sich die Smart Contract Plattform inzwischen unter den Gewinnern.

In der letzten Woche gelang Waves ein Plus von 94,6 Prozent. Damit ist das Projekt auch deutlicher Wochensieger. Auf Rang zwei ist das dezentralisierte IoT-Netzwerk Helium, dessen Kryptowährung um 31,4 Prozent zulegt.

Waves Kurs Sieben Tage Trend bis 5. Mai 2022
Waves im 7-Tage-Trend

Mit Cardano ist sogar ein Top-10-Projekt auf dem dritten Platz der Woche, mit einem Zuwachs von 20 Prozent.

Autor
Autor

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Auch interessant