Der Blockchainwelt Wochenrückblick 14. August 2022

Die Krypto-Szene steht unter Schock, nachdem die USA ein quelloffenes Protokoll der Ethereum-Blockchain sanktionieren. Nutzer des frei anwendbaren Smart Contracts kommen auf schwarze Listen – eine Tatsache, die bereits zu verrückten Ereignissen führt. Robinhood muss sich einer Sammelklage stellen, während eine deutsche Krypto-Bank insolvent geht.

Drei physische Bitcoin Münzen stehend und liegend

Das Wichtigste in Kürze

  • USA sanktionieren ETH-Protokoll Tornado.Cash folgenschwer
  • Krypto-Bank Nuri ist insolvent
  • Sammelklage gegen Robinhood wegen Marktmanipulation stattgegeben
  • Erstaunliche Kursentwicklungen am Kryptomarkt

USA wollen Tornado.Cash zensieren

Die USA versuchen, den Ethereum-Mixer Tornado.Cash zu zensieren. Dafür setzt man das quelloffene Protokoll auf Sanktionslisten, sodass US-Unternehmen fortan dazu verpflichtet sind, Geschäfte mit all jenen zu unterbinden, die das Protokoll nutzen.

Es ist nicht der erste Mixer, den die USA mit Sanktionen belegen. Schon im Mai traf es den Bitcoin-Mixer Blender.io. In der Folge ging die Webseite des Dienstes offline und ist bis heute nicht abrufbar.

Auch Tornado.Cash ist über seine offizielle Domain nicht mehr abrufbar. Diese stellt jedoch nur eine von mehreren Benutzeroberflächen dar. Über das dezentrale Dateisystem IPFS lässt sich der Webauftritt des Dienstes immer noch besuchen und vollständig nutzen.

Denn: Tornado.Cash ist nicht nur quelloffen und damit komplett replizierbar, sondern basiert mit Ethereum auf einer Blockchain, die nicht zensierbar ist. Statt manuell funktioniert alles automatisiert über einen Smart Contract, der selbsterklärend zu keinem Zeitpunkt offline war.

Das US-Justizministerium begründet seine Sanktionen durch die wiederholte Nutzung von Tornado.Cash durch Hacker, die umgerechnet viele Millionen US-Dollar erbeuten und dank des Mixers anonymisieren konnten.

So will man vorrangig die nordkoreanische Lazarus Gruppe bei ihren Aktivitäten behindern. Ihr wirft man mehrere große Coups vor – darunter den Angriff auf die Ronin Bridge, der einen Schaden von über 620 Millionen US-Dollar verursachte.

Ronin – Hacker ergaunern mehr als 622 Millionen US-Dollar

Open Source Entwickler verhaftet und blockiert

Einige der Entwickler des Mixer-Protokolls gerieten schnell in den Fokus von Strafverfolgungsbehörden, weil diese im Internet ihren Klarnamen nutzten. Sie werden nun zur Zielscheibe.

Unterschiedlichste Plattformen blockieren bereits ihre Konten, während der erste Entwickler schon verhaftet wurde. Der Vorwurf: Beihilfe zur Geldwäsche.

Den Arrest des 29-Jährigen bereitete die niederländische Polizei seit Juni vor. Weitere Strafbefehle in diesem Zusammenhang erwarten laut eigener Aussage noch eine Bestätigung der Justiz.

Tornado.Cash Sanktionen haben schwere Folgen

Tatsächlich haben die Sanktionen der USA gegenüber Tornado.Cash schwere Folgen in der Krypto-Szene. Bereits wenige Tage nach Bekanntwerden der politischen Maßnahmen geben unterschiedlichste Projekte drastische Veränderungen bekannt.

Bei Maker, dem Herausgeber des dezentralen Stablecoins DAI, droht eine starke Veränderung der Geldreserve. Der Grund: ERC-20 Token des USD Coin wurden durch den Herausgeber Centre eingefroren, wenn diese in Verbindung zum sanktionierten Mixer standen.

Centre hat diese Möglichkeit der Zensur aus der Ferne. Maker sucht indessen nach einer zensurresistenten Alternative. Aktuell bildet der USDC über 30 Prozent der DAI-Deckung, sodass Maker 3,5 Milliarden des Token hält, die vermutlich bald abverkauft werden.

Außerdem kommen weitere Probleme zutage. Eine Transaktion zu empfangen, kann nicht verhindert werden. Sendet man einer unliebsamen Person Geld aus dem Tornado.Cash Pool, ist diese ohne Eigenverschulden ebenfalls Ziel von Blockaden.

Spaßvögel nutzten die Chance, um einer Vielzahl von Prominenten Geld aus dem Pool zu senden. Sogar weitere DeFi-Protokolle wie Aave nutzen integrierte Systeme zur Blockchain-Analyse, welche die Sanktionen direkt umsetzen.

Tron-Gründer Justin Sun ist von dem Lending-Dienst daher bereits ausgesperrt. Einstiegspreis für Späße dieser Art: 0,1 ETH (aktuell 200 US-Dollar) pro Transaktion.

Krypto-Bank Nuri ist insolvent

Das unter dem Namen Bitwala gestartete Projekt vollzog erst im Mai 2021 einen Tapetenwechsel. Man firmierte zu Nuri um und veränderte die Darstellung der eigenen Produkte deutlich.

Nun gerät das Projekt in zu starke Bedrängnis. Am neunten August gibt man die Insolvenz bekannt. Die Gelder der Anleger seien jedoch weiterhin sicher und in guten Händen durch die Kooperation mit der Solarisbank.

Das 2015 gegründete Unternehmen denkt jedoch längst nicht ans Aufgeben. Kunden will man auch weiterhin innovative Finanzprodukte zur Verfügung stellen. Das Insolvenzverfahren sieht man als Sanierungskonzept, welches die Firma noch besser machen soll als sie bisher war.

Krypto-Börse Nuri ist insolvent

Sammelklage gegen Robinhood stattgegeben

Der Handelsplattform Robinhood gelang ein kometenhafter Aufstieg. Auch als Krypto-Börse betätigt sich der Betrieb. Jedoch muss man sich einer Sammelklage stellen, nachdem ein US-Gericht diese bestätigt.

Gegenstand des Rechtsstreits ist Robinhoods Verhalten im Januar 2021. Damals betrieben mehrere große Hedgefonds Short-Selling und verspekulierten sich. Nutzer des Subreddits Wallstreetbets wurden auf das Ereignis aufmerksam und kauften massiv Aktien.

In der Folge stiegen die Kurse enorm und die Shortseller mussten Verluste realisieren. Neben der GameStop-Aktie kam es auch bei acht weiteren Aktien zu ähnlichen Vorfällen zur gleichen Zeit.

Während dieser Hochphase stellte Robinhood den Handel der Aktien plötzlich ein. Viele Nutzer werteten dieses Vorgehen als eindeutige Marktmanipulation zugunsten großer Finanzunternehmen und erhoben Anklage gegen Robinhood.

Der Marktplatz musste sich in diesem Fall bislang keinem Gericht stellen. Die Sammelklage wurde im Januar 2022 bereits abgewiesen. Nun gibt man ihr doch statt. Ähnliche Vorfälle im Jahr 2020 wendete man durch Vergleichszahlungen ab.

Robinhood zeigt sich bisher uneinsichtig. Der Handelsstopp sei nötig gewesen, um Anleger zu schützen. Gleichzeitig verhinderte man potenziell mehreren Millionen Nutzern die Teilnahme am Handel beliebter Wertpapiere.

 

Robinhood: Anklage wegen Marktmanipulation

Wo steht der Kryptomarkt Mitte August 2022?

Einen ähnlichen Short Squeeze wie er 2021 mit der GameStop-Aktie stattfand, kann man aktuell hautnah im Kryptomarkt erleben. Shortseller nutzten die Insolvenz des Krypto-Lenders Celsius, um an fallenden Kursen des Celsius (CEL) Token zu verdienen.

Auch hier bemerkten Short Squeezer den Vorfall und trieben den CEL-Preis in die Höhe. Der Token schafft dadurch den Wiedereinzug in die Top 100 der Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung und ist mit einem Plus von 178 Prozent in sieben Tagen mit Abstand der Gewinner der Woche.

Celsius-Geschäftsführer Alex Mashinsky nutzte die Gelegenheit, um CEL massiv abzuverkaufen.

Den zweiten Rang nimmt Ankr (ANKR) ein. Das Projekt bietet Cross-Chain-Funktionalitäten an und sammelte von Binance zuletzt 500 Millionen US-Dollar an Investitionen ein. Der Kurs des Token steigt in einer Woche um 40 Prozent.

Der Nexo (NEXO) Token der gleichnamigen Lending-Plattform wächst um 38 Prozent, nachdem bekannt wird, dass Gelder des Konkurrenten Vauld von indischen Behörden eingefroren werden.

Nexo durchstand den Bärenmarkt gut und plante die Akquise von Vauld. Der kleinere Konkurrent lehnte die Übernahme bislang ab. Investoren hoffen nun doch darauf.

Sogar größere Kryptowährungen schreiben grüne Zahlen. Bitcoin legt um 7,7 Prozent zu und erreicht beinahe einen Wert von 25.000 US-Dollar. Ethereum steigt um 19 Prozent auf über 2.000 US-Dollar.

Anteil an diesen Kursgewinnen haben zunehmende Investitionen nach der Bekanntgabe der Inflationszahlen, die in den USA laut offiziellen Angaben niedriger als erwartet ausfällt.

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Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

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