IBM Blockchain 2.0 – neue Funktionen, neue Zielgruppe

Die IBM Blockchain for Enterprises startet nun in der Version 2.0, wie das Unternehmen vor wenigen Tagen bekannt gab. Preislich, strukturell und funktional hat sich dabei einiges im Vergleich zur Vorgängerversion verändert.

IBM Blockchain 2.0 Services
IBM Blockchain 2.0 Services

Was ist IBM Blockchain?

Die IBM Blockchain (Webseite) ist ein öffentlicher Cloud-Service. Sie bietet Unternehmen die Möglichkeit sichere Blockchain-Netzwerke aufzubauen ohne viel technisches Knowhow. Für die IBM Blockchain begann die Reise vor etwa 3 Jahren (Februar 2016). Das Unternehmen gab erstmals in einer Pressemitteilung bekannt, eine Reihe von Blockchain Services auf der IBM Cloud anbieten zu wollen. Gleichzeitig eröffnete das Unternehmen einige IBM Garages in London, Tokyo und Singapur. In diesen Einrichtungen sollten Entwickler und Experten von IBM zusammenarbeiten, um Ideen für Design und Implementierung von Blockchains für Unternehmen auszuarbeiten.

Etwa zur gleichen Zeit spendete IBM außerdem rund 44.000 Zeilen Code an das Open-Source Projekt Hyperledger der Linux Foundation. IBM gehört zu den Gründungsmitgliedern und hat einen wichtigen Teil zur Entwicklung von Hyperledger beigetragen. Im Wesentlichen ähneln sich die Blockchains von Hyperledger und IBM auf Grund dieser Codezeilen. Doch IBM hat bei seiner eigenen Blockchain noch einige Sicherheitsdienste hinzugefügt, um die Benutzerfreundlichkeit zu verbessern und es als Cloud Service anbieten zu können.

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Diese Projekte laufen bereits erfolgreich auf IBMs Blockchain

Selbst vor der Blockchain-Technologie war IBM ein begehrter Partner in vielen Branchen. Besonders Banken und Finanzunternehmen setzen großes Vertrauen in IBM. Als die IBM Blockchain an den Start ging, war es daher nicht ungewöhnlich, dass das Unternehmen schnell eine Vielzahl neuer Blockchain-Projekte mit den unterschiedlichsten Unternehmen aufbauen konnte. Einige der größten Erfolge, die auf der IBM Blockchain aufbauen, sind:

  • IBM Food Trust Platform: Ziel des Projekts ist es Lebensmittel über die gesamte Lieferkette hinweg genau verfolgen zu können. Auf diese Weise sollen Kontaminationen, Falschetikettierung und andere gesundheitliche Risiken ausgeschlossen werden. Neben dem französischen Supermarkt-Riesen Carrefour haben sich auch andere Unternehmen wie Nestle, Unilever, Walmart und viele andere der IBM Food Trust Plattform angeschlossen.
  • World Wire: Die World Wire Plattform erlaubt Überweisungen in über 72 Länder in Echtzeit. Kunden können zwischen 47 verschiedenen Währungen und über 1080 verschiedenen Handelspaaren wählen.
  • TradeLens: Diese Plattform wurde in Zusammenarbeit mit Maersk, einem der Marktführer für Schifffracht-Transporte, entwickelt. Die TradeLens Plattform soll das Tracken von Waren transparenter, kostengünstiger und effizienter gestalten.
Hyperledger Fabric Logo in bunt
Hyperledger Fabric Logo in bunt @hyperledger.org

IBM Blockchain 2.0 – das ist neu

Am 19. Juni 2019 veröffentlichte IBM eine neue Version seiner Enterprise Blockchain Plattform. Zu den wichtigsten Neuerungen gehören:

  • Hyperledger Fabric: Die IBM Blockchain Plattform auf der IBM Cloud basiert auf Hyperledger Fabric in der Version 1.4.1 und bietet daher auch die gleichen Hauptfunktionen an.
  • Nur eine Konsole: Entwickler können nun alle Prozesse von der Entwicklung, über Testphase bis hin zum fertigen Produkt über eine einzige Konsole ausführen.
  • Volle Kontrolle: Der Kunde behält die volle Kontrolle über Identities, das Ledger und die Smart Contracts.
  • Neue Preisgestaltung: Die frühere Blockchain Version bot ein hohes Maß an Leistungen zu einem entsprechenden Preis. In der neuen Version setzt das Unternehmen auf ein Pay-as-you-grow Modell. Das bedeutet, der Kunde zahlt nur das, was er auch wirklich verbraucht. So können sich die Unternehmen an die Möglichkeiten der Blockchain-Technologie für ihr individuelles Unternehmensprofil herantasten. IBM erlaubt dem Kunden dann später eine stufenlose Ausweitung des Dienstes, falls dies nötig sein sollte.
  • Einzelne Services: IBM wird seine Blockchain-Software nicht mehr in einem Gesamtpaket anbieten, sondern in Form von einzelnen Services verkaufen. So können sich Unternehmen zum Beispiel für Governance- oder datenschutzbezogene Dienste entscheiden.
  • Multi-Cloud-Architektur: Die IBM Blockchain 2.0 kann nun in öffentlichen Clouds wie Amazon AWS, Microsoft Azure oder auch in privaten Clouds bereitgestellt werden. Außerdem unterstützt es eine Reihe von Smart Contract Sprachen, wie JavaScript, Java und Go. IBM möchte damit eine vollflexible Blockchain-Plattform aufbauen. Der Abbau von Grenzen hin zu mehr Kompatibilität ist nicht nur bei der neuen IBM Blockchain ein Thema. Kurz zuvor hat Digital Asset angekündigt seine Smart Contract Programmiersprache mit der von Hyperledger Fabric und R3 Corda kompatibel zu machen.

IBM scheint bemerkt zu haben, dass die bisherige High-End-Lösung für die breite Masse der potentiellen Kunden ungeeignet ist. Besonders für KMUs war die frühere Lösung zu viel auf einmal, sowohl finanziell als auch funktional. Damit spricht IBM eine ganz neue Zielgruppe an. Diese kann sicher am Anfang nicht so viel zahlen, wie die bisherige hochkarätige Kundschaft. Sie wird es aber voraussichtlich quantitativ und langfristig wieder ausgleichen können. Das erste Unternehmen, dass die neue IBM Blockchain Version 2.0 testen wird ist Vertrax. Es handelt sich hierbei um Unternehmen, welches Supply-Chain-Management-Lösungen für die Öl- und Gasindustrie entwickelt.