Was ist Ethereum Classic (ETC)?

Ethereum Classic (ETC) ist eine Hard Fork der ursprünglichen Blockchain von Ethereum (ETH). Infolge einer Sicherheitslücke in einer dezentralen autonomen Organisation (DAO) unterzog sich die Blockchain einer Spaltung.

Zuvor teilten Streitigkeiten über die Aufarbeitung des Hacks die Community. Einige Nutzer bevorzugten, dass die Blockchain unverändert weiterläuft („Code ist Gesetz“).

Der deutlich größere Teil der Community bevorzugte, den fortan als „The DAO-Hack“ bekannten Angriff rückgängig zu machen.

In diesem Artikel wollen wir klären, in welcher Art und Weise der Hack rückgängig gemacht wurde und wie schließlich Ethereum Classic entstanden ist.

Gleichzeitig beschreiben wir die technischen Hintergründe von ETC und betrachten die bisherige Entwicklung der Ethereum Hard Fork.

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Was ist Ethereum Classic?

Was ist Ethereum Classic: das Wichtigste in Kürze

  • Ethereum Classic ist die ursprüngliche Form von Ethereum
  • Infolge eines Hacks wurde die Ethereum Blockchain gespalten und es entstand Ethereum Classic
  • Ein Hacker nutzte eine Sicherheitslücke in einem Smart Contract einer dezentralen autonomen Organisation aus und erbeutete ETH in Millionenhöhe
  • Ethereum Classic funktioniert konzeptionell genauso wie Ethereum und stellt eine Smart-Contract-Plattform dar

Welches Problem löst Ethereum Classic?

Ethereum Classic ist kein Problemlöser im eigentlichen Sinne. Andere Blockchain-Projekte lösen ein konkretes Problem, Ethereum Classic ist dagegen vielmehr die Konsequenz aus einem unüberbrückbaren Problem.

ETC führt die ursprüngliche Blockchain von Ethereum fort, getreu dem Leitsatz „Code ist Gesetz“. Dabei unterscheidet sich ETC funktionell in keiner Weise von ETH.

Das bedeutet, dass auch Ethereum Classic eine Blockchain-Plattform für die Ausführung von dezentralen Anwendungen (dApps) und Smart Contracts ist.

Die Plattform bietet Entwicklern eine infrastrukturelle Grundlage für die Anlage eines eigenen Token Ökosystems.

Es muss demnach keine eigene Blockchain initialisiert werden, denn die gesamte technische Basis wird durch die Multifunktionalität von Ethereum Classic gewährleistet.

Ähnlich wie Ethereum eignet sich auch Ethereum Classic ideal für Projekte im Bereich dezentraler Finanzdienstleistungen (DeFi).

Analog zur Ethereum Virtual Machine (EVM) basiert auch ETC auf einem System aus virtuellen Maschinen (VM). In dem Zusammenhang verfügt ETC mit SputnikVM zudem über eine VM, welche speziell auf Geräten mit geringem Stromverbrauch ihre Stärken ausspielt.

Anwender, die an die ursprüngliche Form von Ethereum festhalten, können in Form des ETC Tokens an dem Erfolg von Ethereum Classic partizipieren.

Was ist ETC?
Die Abspaltung von ETC sorgte für Kontroversen in der Community. Quelle: ETC MediaKit

Geschichtliche Hintergründe von Ethereum Classic

Ethereum Classic startete einige Zeit nach der Veröffentlichung von Ethereum infolge des „The DAO Hack“. Die Ethereum Blockchain wurde im Jahr 2015 durch Vitalik Buterin, Gavin Wood, Joseph Lubin und Jeffrey Wilcke veröffentlicht.

Gavin Wood war federführend für die Entwicklung der Programmiersprache Solidity verantwortlich, welche die Basis für Ethereum und Ethereum Classic bildet. Die Gründer sammelten 16 Millionen US-Dollar in Form eines Crowdfundings ein.

Etwa ein Jahr später entstand schließlich Ethereum Classic durch eine Abspaltung von der ursprünglichen Ethereum Blockchain.

Auf die Hintergründe des „The DAO Hacks“ gehen wir nachfolgend detaillierter ein. Am 30. Juli 2016 entstand infolge des Hacks Ethereum Classic. Der dezentrale Ansatz von Ethereum Classic sieht kein festes Entwicklerteam vor.

Heute kümmern sich gleich mehrere Teams um die Weiterentwicklung der Ethereum Fork. Etwaige Neuerungen oder Vorschläge werden im Rahmen des Ethereum Classic Improvement Proposals (ECIP) zur Diskussion gestellt.

Die Community stimmt schließlich über die Einführung eines neuen ECIPs ab. Je nach Art der geplanten Änderung, gibt es verschiedene Kategorien für Anpassungen an den Schnittstellen, am Netzwerk oder am Protokollkern.

Im Laufe der Zeit haben einige Einzelpersonen oder Teams an ETC gearbeitet. Auch heute erfreut sich das Projekt an einer breiten Entwickler-Community.

Zu den bekanntesten Unternehmen, die an Ethereum Classic arbeiten, gehören ETC Consortium, IOHK Mantis, ETC Labs und ETC Core. Seit einiger Zeit bietet auch die große Investmentgesellschaft Grayscale einen ETC Trust für institutionelle Anleger an.

Die aktive Arbeit an ETC zeigt sich auch viele Jahre nach der Abspaltung der ursprünglichen Ethereum Blockchain. Im Juni 2021 wurde bekannt, dass sich ETC infolge des „Magneto“-Updates erneut abspalten wird.

Was ist Ethereum Classic und warum wurde es erschaffen?

Im Folgenden erklären wir die Hintergründe des Hacks, welcher schließlich Ethereum Classic hervorbrachte. Ethereum in seiner ursprünglichen Form konnte schnell in der Krypto-Welt Marktanteile gewinnen und stieg in Rekordzeit zu einem der verheißungsvollsten Projekte auf.

Als dezentrale Plattform für Smart Contracts und dezentrale Anwendungen (dApps) ließen sich schnell einige Anwendungsfälle finden. Die Technologie hinter den Smart Contracts brachte wenige Monate nach Veröffentlichung von Ethereum umgehend ein spannendes Projekt hervor – Dezentrale autonome Organisationen (DAO).

Dezentrale autonome Organisationen (DAO)

Das Konzept hinter einer DAO ist essenziell für den weiteren Verlauf bis hin zur Entstehung von Ethereum Classic. Daher bietet sich hier ein genauerer Blick an.

Eine dezentrale autonome Organisation ist ein formatfreies Gebilde, welches ohne ein hierarchisches Management auskommt. Das gesamte Konzept und der komplette Funktionsumfang einer DAO ist in dem zugrundeliegenden Code definiert. Smart Contracts führen spezielle Funktionen aus und bilden die Grundlage der DAO.

Ein konkretes Beispiel für ein solches Konzept ist ein Automat, welcher Waren ausgibt und das erhaltene Geld im Gegenzug automatisch in neue Waren investiert. Gleichzeitig steuert und organisiert es eigenständig Reinigungs- und Wartungsarbeiten und bezahlt Miete und Energiekosten.

Häufig wird das Konzept der DAO mit der zuvor mehrmals erwähnten „The DAO“ gleichgesetzt. Doch das ist falsch, denn „The DAO“ beschreibt nicht die Technologie, sondern ist lediglich ein Projekt auf Basis dieser Technologie – aber dazu gleich mehr.

Entwickler können ihre Visionen einer dezentralen, autonomen Organisation vorstellen und in Form einer Finanzierungsrunde das entsprechende Kapital einsammeln.

Das eingenommene Kapital bezahlt die Entwicklung und dient der DAO als Vermögen, um Waren oder Dienstleistungen zu bezahlen. Die Geldgeber erhalten anschließend eine entsprechende Rendite, wenn die DAO erfolgreich wirtschaftet. Gleichzeitig entscheidet die Community über etwaige Änderungen an dem Konzept.

Was war „The DAO“?

Auch „The DAO“ war eine solche dezentrale, autonome Organisation. Ganz konkret stammt das Projekt sogar aus Deutschland und wurde von einem Team des Start-ups slock.it (wurde mittlerweile an Blockchains, LLC verkauft) erschaffen.

Eigentlich stellte slock.it intelligente Schlosssysteme her. Auf Basis der Blockchain-Technologie sollten Nutzer Schlösser (beispielsweise von AirBnBs) mit ihrem Smartphone öffnen und nach Auszug automatisch bezahlen können.

Die Verantwortlichen hinter dem Start-up wollten bei der Finanzierung ihres Unternehmens allerdings einen völlig neuen Weg gehen. Anstelle einer Investorenrunde, sollte mithilfe der Blockchain Geld eingesammelt werden.

Sie wollten einen Investmentfonds auf der Ethereum-Plattform erschaffen und ihn konzeptionell in Form einer DAO aufbauen. Das Projekt wurde schließlich „The DAO“ getauft und wurde zu einem der erfolgreichsten Projekte überhaupt auf Kickstarter.

Über 150 Millionen US-Dollar sammelten sie von tausenden Investoren für die Entwicklung ein. Eine der grundlegenden Eigenschaften einer DAO ist die Transparenz und Dezentralität.

Daher wurde der gesamte Code hinter „The DAO“ für jeden einsehbar veröffentlicht. Die verantwortlichen Entwickler ließen ihren Code zuvor von Experten und einer Sicherheitsfirma aus den Vereinigten Staaten prüfen.

Das Projekt galt seinerzeit berechtigterweise als äußerst innovativ und sorgte für großes Aufsehen. Als dezentraler Fonds war „The DAO“ sehr flexibel und günstig.

Nutzer konnten ETH an eine spezielle Adresse senden und ein Smart Contract übertrug im Gegenzug die DAO Token. Fortan sollte „The DAO“ als eine Art Risikokapitalgeber in der Krypto-Welt fungieren und innovative Projekte fördern. Also praktisch eine Investmentgesellschaft ohne Menschen.

Was ist Ethereum Classic
„The DAO“ war eine dezentrale, autonome Organisation. Quelle: Facebook

Was ist Ethereum Classic? – Der „The DAO Hack“

Bereits kurze Zeit nach dem erfolgreichen Start sollte „The DAO“ ein schnelles Ende finden. Trotz der vielen Prüfungen fand ein Hacker im Code der DAO einen schwerwiegenden Fehler (Reentrancy Bug).

Am 17. Juni 2016 nutzte der Unbekannte diesen schließlich aus und erbeutete Ether in Höhe von umgerechnet 70 Millionen US-Dollar.

Der Angreifer schaffte es, dass der Smart Contract der DAO mehrfach ETH an ihn zurücksenden konnte, bevor das eigene, interne Guthaben aktualisiert wurde. Möglich war dies, durch eine unzureichende Absicherung im Code des Smart Contracts.

Die Entwickler hinter „The DAO“ sorgten nicht dafür, dass ein rekursiver Aufruf des Smart Contracts vermieden wurde. Gleichzeitig war der Smart Contract so konzipiert, dass er erst ETH versendet hat und anschließend das interne Guthaben aktualisierte.

Zuvor meldeten bereits erste Community-Mitglieder, dass sie Schwachstellen im Code vermuteten. Der Hacker, von dem nicht klar ist, ober allein oder in einer Gruppe handelte, war jedoch der Erste, der die Lücke ausnutzen konnte.

Doch die erbeuteten ETH gingen nicht direkt auf das Konto des Angreifers, denn an dieser Stelle griff eine weitere Schutzfunktion. Abgezogene ETH landen zunächst auf einer speziellen Adresse, wo sie für 28 Tage verwahrt werden. Dies konnte auch der Angreifer nicht umgehen.

Nachdem der Hack auffiel und das Ausmaß bekannt wurde, hatten die Entwickler und die Community also eine kurze Zeitspanne, um über die Konsequenzen nachzudenken.

Reaktion auf den „The DAO Hack“: Ethereum spaltet sich

In unmittelbarer Folge distanzierte sich die Ethereum Foundation und deren CEO Vitalik Buterin von den Geschehnissen. Dennoch sollte „The DAO“ erhebliche Auswirkungen auf die Plattform haben.

Schnell ließen sich zwei mögliche Optionen finden, wie mit dem Angriff umzugehen ist. Ein Teil der Community vertrat die Meinung, dass der Code Gesetz ist und nicht verändert werden darf.

Ein anderer, deutlich größerer Teil, wollte den Angriff ungeschehen machen und favorisierte eine Abspaltung. Die Streitigkeiten innerhalb der Community gingen schließlich als „DAO Wars“ in die Geschichte ein.

Aufgrund des steigenden Drucks entschied sich Buterin schließlich dafür, die Ethereum Blockchain zu spalten. Der alte Stand bis zum Hack sollte auf der ursprünglichen Blockchain „aussterben“.

Alle DAO-Halter sollten ihre Token zu einem festgelegten Preis in ETH tauschen können. Doch ein kleiner Teil der Community konnte dies nicht akzeptieren und wollte die ursprüngliche Blockchain von Ethereum weiterführen.

So entstand schließlich Ethereum Classic. Der erste Block der neuen „alten“ Blockchain wurde schließlich bei Block 1.920.000 von ETC Minern generiert.

Auf der alten Blockchain hält der Hacker zum Start schließlich ETC im Wert von damals 8,5 Millionen US-Dollar. Im Laufe der Zeit stieg der Wert der ETC erheblich an, was das Vermögen stetig vergrößerte.

In der Folge zog der Unbekannte erste „Gewinne“ seines Angriffs ab. In vielen Foren wurde das Verhalten des Hackers genau beobachtet und dokumentiert.

Was ist Ethereum Classic?
Historischer Kursverlauf von ETC. Quelle: CoinMarketCap

Werteversprechen: Warum ist ETC wertvoll?

Ethereum Classic ist die ursprüngliche Version der Ethereum Blockchain. Während es zunächst nur als Projekt von Hardlinern verschrien wurde, konnte es in der Folge einen festen Platz in der Krypto-Welt finden.

Bis heute finden sich Anwendungsfälle für Ethereum Classic, wenngleich der Erfolg der Plattform längst nicht an der abgespalteten Version der Blockchain anreicht. ETC kann jedoch dennoch ein interessantes Anlageobjekt darstellen.

Seine Rolle ist vergleichbar mit der Korrelation von Litecoin und Bitcoin.

Immer wieder lässt sich beobachten, dass der LTC-Kurs steigt, wenn BTC Wertzuwächse verzeichnen kann. Ein ähnliches Verhalten zeigen auch ETH und ETC.

Noch kann nicht prognostiziert werden, ob Ethereum Classic auch langfristig einen Wert darstellt. Aktuell arbeiten jedoch einige Entwickler aktiv an dem Projekt – darunter auch IOHK, das Unternehmen hinter Cardano (ADA).

Wichtige Sicherheitsupdates werden analog zu Ethereum auch in Ethereum Classic integriert. Zudem wandern einige ETH Miner zu ETC ab, was nach wie vor auf einen Proof-of-Work-Algorithmus setzt. Dadurch ist Ethereum Classic auch nicht mehr so anfällig für „51%-Attacken“.

Fazit und Ausblick: Was ist Ethereum Classic?

Ethereum Classic entstand infolge des historischen „The DAO Hacks“. Eine dezentrale, autonome Organisation auf der Ethereum-Plattform wurde im Jahr 2016 gehacked.

In der Folge musste eine schnelle Entscheidung getroffen werden, wie mit dem Vorfall umgegangen werden soll. Letztlich entschied man sich dazu, die Ethereum Blockchain zu spalten.

Einige Nutzer wollten das allerdings nicht und führten die ursprüngliche Blockchain fort. So entstand schließlich Ethereum Classic. Konzeptionell funktioniert ETC genauso wie ETH.

Bis heute ist Ethereum Classic aktiv und gehört nach Marktkapitalisierung zu den größten Kryptowährungen. Längst wird das Projekt nicht nur von Hardlinern unterstützt.

Das Angebot der ETC Token ist auf 210 Millionen Einheiten gedeckelt. Dadurch kombiniert ETC die Vorteile von Ethereum mit der potenziellen Wertsteigerung von Bitcoin oder anderen Kryptowährungen, deren Angebot begrenzt ist.

Voraussetzung für einen langfristigen Erfolg von Ethereum Classic ist allerdings eine Akzeptanz und eine Vielzahl von Anwendungsfällen.

Autor
Autor

Jens Kerkmann interessierte sich bereits während seines Studiums im Bereich Wirtschaftsinformatik für die Themen Kryptowährungen und Blockchain-Technologie. Bis heute begleitet ihn die Materie in seinem Alltag und Berufsleben und er ist als Autor für Ratgeberartikel und Nachrichten aus dem Blockchain- und Digitalisierungsumfeld tätig.

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