Tangany Interview – regulierter Kryptoverwahrer und mehrfacher Preisträger

Tangany Interview

Blockchainwelt: Hallo Julian, herzlichen Dank für deine Zeit. Wie ich sehe, ist es heute auch in München sonnig?

Julian: Ja, heute scheint hier auch die Sonne, was gut ist. Aber in der Region hier haben wir es ja wettertechnisch deutlich wärmer als ihr in Norddeutschland. Zunächst auch dir danke für die Gelegenheit zum Interview. Du hast Fragen über Tangany, ich bin gespannt und wir können gerne gleich loslegen.

Blockchainwelt: Ihr seid nun schon 4 Jahre als Blockchain-Infrastruktur-Anbieter auf dem Markt, das ist im Bereich der Blockchain ja eine Ewigkeit. Seit Anfang Oktober 2021 seid ihr nun auch als Kryptoverwahrer durch die BaFin reguliert und habt ganz aktuell einen wichtigen Preis, den Fintech Germany Award, in der Rubrik „Investment Technology“ gewonnen. Das war bereits der zweite Preis in Folge. Worin siehst du den Erfolg begründet? Was macht ihr anders als andere Blockchain-Firmen?

Julian: Wir sind ein professioneller Wallet-Anbieter und sehr technisch aufgestellt. Von Anfang an war uns klar, dass die künftige digitale Welt eine entsprechende dezentrale Basis-Infrastruktur benötigt, welche wir sicher und flexibel auf globaler Basis zur Verfügung stellen möchten.

Was uns sicherlich von anderen Anbietern unterscheidet, ist die Tatsache, dass wir ein breites Produktangebot besitzen und sehr kundennah und lösungsorientiert arbeiten.

Wir richten unsere Produktentwicklung vollständig auf die Kunden aus, sind technisch überaus kompetent aufgestellt und können sehr flexibel agieren.

Unsere Top Notch Custody Technologie haben wir vollständig selbst inhouse entwickelt und heben uns somit auch von anderen regulierten Kryptoverwahrern ab, da diese eine Abhängigkeit zum genutzten Tech-Provider besitzen.

Ein wichtiger Partner ist für uns Microsoft, da Microsoft Azure ein Kernelement unserer Custody Suite ist. Ansonsten benötigen wir nur wenige Dritt-Provider.

Julian Richter begann seine Karriere in der traditionellen Finanzwelt und konnte Erfahrungen in den Bereichen Banksteuerung, Asset Management sowie im Fintech Sektor sammeln. Seit Anfang 2020 arbeitet er als Head of Sales & Business Development bei der Tangany GmbH in München, einem in Deutschland unter der BaFin regulierten White-Label Custodian für digitale Assets. Die Tangany Custody Suite verbindet Tech-DNA mit regulatorischer Sicherheit.

Julian Richter Tangany

Blockchainwelt: Würdest du sagen, es gibt gerade einen regelrechten Hype um Start-ups im Bereich Crypto und DeFi (Decentralized Finance)?

Julian: Die klassische Finanzwelt steht vor großen Umbrüchen und der Markt ist sehr schnelllebig. Es gibt einen Weg vom Papiergeld zum Digitalgeld und schließlich zum Kryptogeld.

Die disruptive Innovation findet im Bereich einer neuen dezentralen Infrastruktur statt, hier vertrauen Teilnehmer nicht mehr einer zentralen Einheit (Bank, Behörde, Personen etc.), sondern mehreren Teilnehmern, die den Konsens über die Wahrheit gemeinsam finden. Das Vertrauen findet im Bereich der Technologie und der Programmierung statt.

Das Kryptogeld ist aus meiner Sicht nur die logische Konsequenz aus der Entwicklung der letzten Jahre und nicht mehr wegzudenken. Auch die traditionellen Unternehmen aus dem Finanzsektor spüren die Dynamik am Markt.

Das sehe ich auch daran, dass sich 80 % meiner ehemaligen Kollegen aus dem klassischen Finanzsektor heute intensiv mit dem Thema Blockchain, Crypto, Tokenisierung und DeFi auseinandersetzen.

Natürlich sind diese Unternehmen auf der Suche nach neuen Renditemöglichkeiten, denn der Wandel hat dazu geführt, dass klassische Investments längst nicht mehr so attraktiv sind.

Der Bereich DeFi, welcher erst rund 1,5 Jahre alt ist, zeigt, dass es doch noch Renditemöglichkeiten gibt, z. B. einige Prozent auf das Verleihen von Stablecoins.

DeFi ist zum Teil noch experimentell und besitzt diverse neue Risiken, z. B. das technische Smart Contract Risiko. Ich denke, wir stehen hier noch ganz am Anfang einer großen Reise.

Es entsteht gerade ein neues Crypto und DeFi Start-up Ökosystem mit vielen innovativen und motivierten jungen Gründern und auf der anderen Seite einige Crypto Venture Capital Firmen mit großen Geldbeuteln. Beide Seiten treiben die Innovation voran.

Blockchainwelt: Wie ist der Name Tangany entstanden?

Julian: Das Wort Tangany setzt sich aus zwei Bausteinen zusammen. Der erste Baustein heißt „Tang“ und hat folgende Bedeutung: Die Tang-Dynastie herrschte bis rund 1.000 nach Christus. Sie ist vor allem bekannt, weil sie die Transformation vom Münzgeld zum Papiergeld angestoßen und begleitet hat. Gerade sehen wir den nächsten Entwicklungsschub vom Papiergeld und digitalen Geld zum dezentralen kryptografischen Geld.

Der zweite Baustein heißt „Any“ und soll verkörpern, dass in der neuen dezentralen P2P-Blockchainwelt jeder mitmachen soll und darf. Es ist also ein Synonym für „Jedermann“. Tangany will die Entwicklung einer dezentralen Infrastruktur, welche für jeden zugänglich ist, aufbauen und vorantreiben.

Blockchainwelt: An wen richtet sich euer Angebot?

Julian: Tangany ist ein reiner B2B-White-Label-Kryptoverwahrer. Wir sind also der Infrastruktur-Anbieter im Hintergrund für unsere B2B-Kunden, damit diese ein hoch-skalierbares Blockchain-Produkt für ihre Kunden anbieten können. Das können ebenfalls B2B- oder B2C-Kunden sein.

Unsere Kunden kommen aus der klassischen Finanzwelt und der Blockchainwelt, jeder, der eine sichere und regulierte Custody Suite für seinen Use Case benötigt.

Wir sprechen mit unserer Top Notch Infrastruktur Banken, Finanzdienstleister und Vermögensverwaltern an. Zudem natürlich auch den Bereich Tokenisierung und typische Krypto-Projekte, wie Krypto Exchanges, Krypto Funds, NFT-Marktplätze, Blockchain Games und alle DeFi-Projekte, wir sind also sehr breit aufgestellt.

Aktuell wird unsere Lösung von über 40 Kunden genutzt, wovon viele selbst aus dem regulierten Finanzumfeld stammen. Die meisten Kunden haben bereits verstanden, dass sich die Infrastruktur im Finanzmarkt (aber auch in anderen Industrien) grundlegend ändern wird. Einige Kunden spüren bereits den Druck, zeitnah einen MVP für digitale Assets anzubieten, da schon viele Mitbewerber aktiv damit am Markt sind.

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Blockchainwelt: Du hast ja bereits erzählt, dass Tangany ein Infrastrukturanbieter ist und sich um die Wallets kümmert. Was ist aber eine White-Label-Lösung und was bietet ihr den Kunden in diesem Zusammenhang ganz konkret?

Julian: Unsere Kunden können zwischen zwei Produkten wählen, der API-basierten Warm-Wallet-Suite und der „air-gapped“ Cold-Wallet-Suite.

In der Warm-Wallet können wir Bitcoin, Ethereum, alle ERC-Smart Contract-basierten Token, alle EVM-kompatiblen Token (EVM= Ethereum Virtual Machine, siehe Artikel), alle Stablecoins auf Ethereum sowie Tezos aufbewahren.

Hinzu kommt natürlich auch die Verwahrung weiterer Utility Token, Security Token, DeFi Token und auch NFT, was für einzigartige Token (Non-Fungible Token) steht. Als White-Label-Anbieter integrieren wir unsere Lösungen in die Software, App oder Oberfläche der Kunden.

Tangany Warm Wallet

Überdies kann unser Kunde auch unsere White-Label Cold-Wallet-Suite nutzen. Hier können wir viele weitere und auch jüngere Blockchains für unsere Kunden verwahren, z. B. eine Solana oder Polkadot.

Der Charme in der Cold Wallet liegt auch daran, dass unsere Kunden direkt aus der Cold Wallet staken (Proof-of-Stake) können.

Tangany Cold Wallets

Im Bereich Staking sehen wir eine verstärkte Nachfrage, da Zusatzerträge für viele Anbieter und Kunden einen hohen Stellenwert bekommen.

Blockchainwelt: Wie finanziert ihr euch und wie sieht es mit den Investitionen in eure Unternehmen aus. Kannst du uns ein paar Zahlen und Fakten liefern?

Julian: Sicherlich. Wir sind mittlerweile ein Team von 16 Mitarbeitern und es kommen fast alle aus dem technischen Bereich, da die Technologie einen großen Teil unserer DNA ausmacht.

Obwohl wir seit einem Jahr profitabel sind und organisch wachsen, planen wir gerade unsere Series A und wollen in Deutschland und Europa signifikant wachsen.

Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren international die Nummer 1 für White-Label Blockchain-Infrastruktur-Lösungen für B2B-Kunden zu werden. Wir geben alles, um dieses Ziel zu erreichen.

Blockchainwelt: Wie viel AUC (Assets under Custody) habt ihr derzeit?

Julian: Derzeit halten wir als regulierter Kryptoverwahrer rund 400 Millionen Euro an Krypto- und Security Token für unsere Kunden in unserer hochsicheren Custody Suite.

Blockchainwelt: Wie siehst du die Krypto-Szene in München? Starke Konkurrenz zu Berlin? Was sind die Vorteile des Standortes?

Julian: Hier in München sind sehr viele namhafte Konzerne angesiedelt mit entsprechendem finanziellen Background. Es gibt viele traditionsreiche Banken, Vermögensverwalter aber auch eine dynamische Blockchain-Szene und diese wächst bezüglich Quantität und auch Qualität jedes Jahr. In Berlin sitzt viel Blockchain-Technologie, dennoch verteilen sich die Blockchain-Spots in Deutschland nach Berlin recht gleich auf die Städte München, Frankfurt und Hamburg.

Blockchainwelt: Wie hat sich die Qualität der Kundenanfragen in den letzten Jahren verändert?

Julian: Nun, wie schon erwähnt, kommen inzwischen viele meiner alten Kontakte aus der klassischen Finanzwelt auf mich zu, weil sie erkannt haben, dass Krypto und Tokenisierung keine Modeerscheinung ist, sondern den Finanzmarkt in den nächsten 10 Jahren stark beeinflussen werden.

Viele Vorstände haben verstanden, dass neue dezentrale Strukturen die klassische Welt zum Teil ersetzen können / werden und sind gewillt, nun einen Prototyp oder MVP voranzutreiben.

Gerade im Bereich DeFi gibt es Möglichkeiten, 5 % oder mehr zu erwirtschaften, und das ist natürlich für viele Finanzdienstleister äußerst spannend, da der Zins für klassische Anlagen immer noch sehr gering ist.

Bezüglich der Anfragen kann ich sagen, dass sich diese gerade in den letzten Monaten qualitativ und quantitativ deutlich verbessert haben. Da sind jetzt auch wirklich große und sehr konservative Unternehmen wie Banken oder Depotbanken interessiert daran, die Basis-Infrastruktur für digitale Assets aufzubauen.

Blockchainwelt: Welche Kryptowährungen kann man mit euch verwalten?

Julian: Für die sichere Verwahrung von digitalen Assets bietet Tangany eine Warm-Wallet-Suite (24/7 über API ansteuerbar) und eine air-gapped (vom Internet getrennte) Cold-Wallet-Suite an.

In der Warm-Wallet-Suite können wir Bitcoin, Ethereum, alle ERC-Standards sowie alle mit der Ethereum Virtual Machine (EVM) kompatiblen Blockchains verwahren. Dazu gehören unter anderem auch die Binance Smart Chain, Polygon, Avalanche, NEAR und viele weitere.

Regelmäßig werden auch weitere Blockchains in unsere Custody Suite integriert, wie zum Beispiel jüngst die Tezos Blockchain.

Die Cold-Wallet ergänzt unser Custody Angebot ausgezeichnet, da wir hier die Top 40 Coinmarketcaps in einem HSM (Hardware Security Module) verwahren können.

Zusätzlich bieten wir hier seit ein paar Monaten nun auch Staking (Proof-of-Stake Netzwerke) an, auch für Solana, Polkadot oder Cosmos.

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Blockchainwelt: Was passiert bei euch in den nächsten Monaten?

Julian: Der Markt entwickelt sich sehr dynamisch und ich freue mich, diese spannende Phase im Bereich der Massenadaption der digitalen Assets mitgestalten zu dürfen.

Wir bereiten gerade unsere Series A Runde vor und wollen nach einem erfolgreichen Abschluss dieser Finanzierungsrunde international stark wachsen, das Team verdoppeln und unsere Custody Suite Technologie weiter ausbauen.

Neben der HSM (Hardware Security Module) Technologie werden wir unseren Kunden auch eine MPC (Multi Party Computation) Lösung anbieten.

Auch das Thema Staking-Lösungen für unseren Kunden, verbunden mit der Integration von neuen Protokollen, wird uns in den nächsten Monaten stark beschäftigen.

Ferner werden wir unser Lizenz-Angebot (Kryptoverwahrlizenz und Kryptowertpapierregisterführer) national und international stetig weiter ausbauen. Schaut gerne einmal auf unserer Job-Seite vorbei!

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