Krypto-News der Woche 16. Oktober 2026

Das Wichtigste in Kürze
- Ein kriminelles Netzwerk infiltrierte über Monate das Vertriebsnetz eines oder mehrerer Händler, um Hardware Wallets des Herstellers Ledger mit Abhörimplantaten zu versehen. 93 Millionen US-Dollar Schaden.
- XRP, die fünftgrößte Kryptowährung, wies jahrelang eine schwerwiegende Sicherheitslücke auf, welche die freie Erstellung der Token ermöglichte. Seit Kurzem ist die Schwachstelle geschlossen.
- PulseChain-Gründer Richard Heart wurde auf Anfrage finnischer Behörden in der Türkei verhaftet. In Finnland möchte man ihm wegen angeblichen Steuerbetrugs sowie einer Körperverletzung den Prozess machen.
- Tether sperrte erstmals USDT, die sich in der Kontrolle einer DeFi-Anwendung befanden. Das Ereignis gilt als Dammbruch, doch möglicherweise handelt es sich um ein Missgeschick.
- Bitcoin schreibt milde Verluste und verbleibt diese Woche über 82.000 US-Dollar. Währenddessen reagiert der Kryptomarkt durchwachsen. Altcoins, die sich auf Dezentralisierung spezialisieren, sind erneut im Trend.
Kriminelles Netzwerk infiltriert Ledger
Am Wochenende machten sich vermehrt Meldungen über infizierte Hardware Wallets des französischen Herstellers Ledger breit. Der Hersteller gab daraufhin eine Warnung heraus und machte bekannt, den Vorfall zu untersuchen.
Infolgedessen stellte der asiatische Händler CryptoBilis den Verkauf von Ledger-Geräten auf Anfrage des Herstellers sogar ein. Bei dem Sicherheitsvorfall soll der Händler zu den Hauptbetroffenen zählen.
Gestern veröffentlichte Ledger dann seinen Abschlussbericht. CryptoBilis und weitere betroffene Händler seien demnach unschuldig. Sie seien zu Opfern eines konzertierten Angriffs geworden.
“Eine hochgradig organisierte kriminelle Vereinigung hat einen der raffiniertesten Angriffe verübt, die unsere Branche je erlebt hat. Über viele Monate hinweg kauften sie originale Ledger-Geräte, öffneten diese, bauten maßgeschneiderte, versteckte Komponenten ein, die darauf ausgelegt waren, die Wiederherstellungsphrase während der Einrichtung abzufangen, und brachten sie über Händler in Südostasien wieder in den Vertrieb”, gab Ledger gestern bekannt.
My spy-implanted ledger came from Malaysia, and had flawless shrink wrap. Even opening it, at first you don't see the implant which is cleverly hidden where the screen's padding is supposed to be.
Follow Ledger's guidance to check yours: https://t.co/FlOjWvqkZw pic.twitter.com/D8mixF1o9L— Mark Karpelès (@MagicalTux) October 9, 2026
Demnach sei es einem kriminellen Netzwerk gelungen, das Vertriebsnetz von Ledger zu infiltrieren. Wie genau dies möglich war, bleibt im Detail zunächst fraglich. Der Bericht legt nahe, dass die Angreifer womöglich gekaufte Geräte retournierten und die Händler diese erneut verkauften, da die Verpackungen ungeöffnet wirkten.
“Es handelte sich nicht um einen systemweiten Angriff auf die Lieferkette, sondern um einen lokal begrenzten Angriff auf das Vertriebsnetz”, erklärt Ledger dazu.
Das kriminelle Netzwerk präparierte seinen Angriff über Monate hinweg. Laut Ledger seien dafür Ausgaben in Millionenhöhe notwendig gewesen. Am Wochenende schlugen die Täter schließlich zu und entwendeten umgerechnet rund 93 Millionen US-Dollar von arglosen Ledger-Nutzern.
Inflation Bug bei XRP behoben
Die XRP Ledger Foundation schloss in Zusammenarbeit mit Entwicklern von RippleX, der Entwicklungsabteilung von Ripple, Ende September einen schwerwiegenden Inflation Bug (Inflationsfehler).
Dieser eröffnete Unbefugten die Möglichkeit, neue XRP nach Belieben zu erschaffen. Für die Kryptowährung hätte die Ausnutzung des Fehlers drastische Folgen haben können. Eine Flutung des Marktes mit neuen Token hätte womöglich zu einer nachhaltigen Absenkung des Preises geführt.
Laut offiziellen Angaben kam es nie zur Ausnutzung des Fehlers, bevor ein White-Hat-Hacker ihn im September meldete. Die unbekannte Person erhielt dafür eine Auszahlung in Höhe von 250.000 US-Dollar als Fehlerprämie.
Etliche Nutzer zeigten sich von der Höhe der Fehlerprämie enttäuscht und kritisierten die XRP Ledger Foundation. Bei unzureichenden Prämien sei künftig eher mit der Ausnutzung eines Fehlers zu rechnen, so der Tenor.
XRP ist mit einer Marktkapitalisierung von 84 Milliarden US-Dollar die aktuell fünftgrößte Kryptowährung.
PulseChain-Gründer Richard Heart verhaftet
Der PulseChain-Gründer Richard Heart wurde in der Türkei verhaftet. Die türkische Polizei kam einer Red Notice von Interpol nach, welche die Fahndung und Festnahme einer Person erbittet.
🔴 “BALİNA JAMES” İŞTE BÖYLE GÖZALTINA ALINDI.
📌 Interpol tarafından kırmızı bültenle aranan, “Balina James” lakaplı Richard James SCHUELER, İstanbul Beşiktaş’ta düzenlenen operasyonla eşiyle birlikte yakalandı.
📌 MİT destekli operasyonda 600 bin dolar, 24 saat, 20 altın… pic.twitter.com/o3vHAyKowc
— Çağdaş Evren Şenlik (@CagdasEvren) October 14, 2026
Die Red Notice stammt von finnischen Behörden, die Heart seit 2024 suchen. Ihm werden gleich mehrere Vergehen vorgeworfen. So beschuldigt man ihn der Körperverletzung und des Steuerbetrugs. Des Weiteren werde er des Finanzbetrugs mittels Kryptowährungen verdächtigt.
Heart lebte in Finnland, bevor er in die Türkei umzog. Von dort aus soll er ein Netzwerk aufgebaut haben, das ihm weiteres Einkommen über Betrugsmaschen zusichern sollte, vermuten türkische Behörden. Hearts Standort galt zunächst als unklar.
Der türkische Nachrichtendienst MIT soll digitale Informationen verarbeitet haben, um seinen Standort ausfindig zu machen. Über die Nachverfolgung von Blockchain-Aktivitäten sei es gelungen, eine seiner Blockchain-Adressen zu entdecken. Diese Informationen hätten die Ermittler letztlich zu einer IP-Adresse aus Istanbul geführt.
Am Mittwoch erfolgte schließlich der Zugriff. Heart und seine Frau wurden im Bezirk Besiktas verhaftet. Die Polizei beschlagnahmte etliche Datenträger und Wertgegenstände, die sich in seiner Wohnung befanden.
Der gebürtige US-Amerikaner machte durch die Gründung der Kryptowährung HEX und des Netzwerks PulseChain auf sich aufmerksam. Bei beiden könnte es sich um Pyramidensysteme gehandelt haben. Beide Token verzeichneten schon vor Hearts Verhaftung Totalverluste.
Eine Anklage in den USA, die auf ähnlichen Informationen fußte, endete 2025 aufgrund mangelnder Beweise. Ein rechtskräftiges Urteil gegen Heart liegt bisher in keiner Jurisdiktion vor. Finnland strebt Hearts Auslieferung an, die mit seiner Untersuchungshaft enden könnte.
Tether sperrt erstmals USDT einer DeFi-Anwendung
Tether musste diese Woche einen Vertrauensverlust in der Krypto-Szene hinnehmen. Das Unternehmen sperrte USDT der DeFi-Anwendung Thorchain. Ein Gründer des DEX gab den Vorfall über X der Öffentlichkeit bekannt.
It appears that USDT has chosen to blacklist THORChain vaults of USDT on the TRON blockchain. This is unprecedented in our industry and raises questions for all DeFi protocols about the safety of this asset.
— Chad Barraford (@CBarraford) October 9, 2026
Weil Tether mit 1,45 Millionen USDT die Liquidität des DEX eingefroren hatte, lag der Tausch von USDT über gut drei Stunden still. Dann reagierte der Stablecoin-Emittent und legte die eingefrorenen Token wieder frei.
In der Szene gilt die zeitweilige Sperrung trotzdem als Dammbruch. Es ist der erste öffentlich bekannte Vorfall, in dem Tether die Reserve einer dezentralen Anwendung sperrte. Derartiges Vorgehen gilt als rotes Tuch.
Warum die Sperrung erfolgte, ist unklar. Tether gab keine öffentlichen Informationen dazu bekannt. Möglicherweise handelt es sich um einen Fehler, der im Zuge vermehrter Sperrungen geschah, mit denen Tether auf den Sicherheitsvorfall um Ledger reagieren wollte.
Als zentralisierter Stablecoin ist USDT nicht unabhängig wie Bitcoin oder Ethereum. Herausgeber Tether verfügt über Sonderrechte und kann Gelder auf bestimmten Blockchain-Adressen jederzeit einfrieren oder sogar aus dem Umlauf entfernen.
Bitcoin schreibt Verluste, Kryptomarkt durchwachsen
Im Wochentrend zeigt sich der Kryptomarkt aktuell sehr durchwachsen. Marktführer Bitcoin sank über die letzten sieben Tage um 1,00 Prozent auf einen Marktwert von 82.370 US-Dollar.
Weitere Kryptowährungen schreiben rote Zahlen. So befindet sich genau die Hälfte der Top-100 im roten Bereich, während die verbleibenden 50 Coins im selben Zeitraum Gewinne verzeichnen.
Im Wochentrend fallen die Kursgewinne einiger Altcoins drastisch aus. Besonders gefragt ist aktuell das modulare Datennetzwerk Celestia (TIA). Dessen Token stieg im Wochentrend um 50 Prozent auf 0,70 US-Dollar.
Auf dem zweiten Platz der Wochentrends findet sich die Smart-Contract-Plattform Injective ein, deren Token INJ um 31,30 Prozent auf 9,06 US-Dollar stieg. Den dritten Platz nimmt mit deutlichem Abstand der DEX Aerodrome Finance mit seinem AERO-Token ein. Dieser schreibt ein Plus von 11,50 Prozent und notiert bei 0,90 US-Dollar.

