DEX – Warum der dezentrale Exchange so interessant ist

CoinMarketCap bezeichnet das Jahr 2019 als das Jahr der dezentralisierten Exchanges, abgekürzt DEX (Decentralized Exchange). Wie funktionieren diese Börsen und wie werden sie den Markt verändern? Ist die Technologie überhaupt schon so weit, dass sie die herkömmlichen Börsen ersetzen können?

DEX (Decentralized Exchange)
DEX (Decentralized Exchange)

Exchange: Notwendiges Übel?

Kryptowährungen wie Bitcoin wurden als Peer-to-Peer-Zahlungssysteme entwickelt. Sie sollten Nutzern ermöglichen, Wert zu übertragen, ohne auf eine zentrale Behörde oder einen Intermediär angewiesen zu sein. Das verteilte Netzwerk und häufig anonymisierte Miner sorgen für die Abwicklung der Transaktionen und die Sicherheit.

Das Hauptziel von Kryptowährungen bestand darin, den Nutzern die Kontrolle über ihr Geld wieder zu geben. Dennoch hat die Dezentralisierung nicht alle Bereiche mit Bezug zu Kryptowährungen erreicht. Nutzer müssen sich bisher an Exchanges wenden, um Kryptowährungen zu handeln oder zu erwerben. Diese Exchanges sind zum Großteil zentralisiert.

Zentralisierte Börsen sind einfach zu bedienen, leicht zugänglich und bieten erweiterte Handelsfunktionen, die das Traden erleichtern. Sie stellen jedoch auch ein Sicherheitsrisiko. Beinahe alle paar Monate machen Hacker-Angriffe auf zentralisierte Exchanges Schlagzeilen. Zu den größten gehören die Angriffe auf Coincheck im Januar 2018, bei dem 533 Millionen US$ gestohlen, und Mt. Gox mit über 460 Millionen US$ im Februar 2014.

Trotz der erheblichen Sicherheitsrisiken blieb Nutzern kaum eine Wahl als ihre Krypto-Assets auf solchen Exchanges zu handeln. Viele Dienstleistungen und alltägliche Artikeln können noch nicht mit Kryptowährungen gekauft werden. Andererseits müssen Trader zunächst Fiatwährungen einsetzen, um Kryptowährungen kaufen zu können. Wie kann der Handel auf Börsen sicherer gemacht werden? Die Lösung könnte DEX sein.

Was ist DEX?

Die dezentralisierte Börse ist eine Art Marktplatz, die nicht auf einen Drittanbieter angewiesen ist, der die Gelder der Kunden verwahrt. Der Handel findet in Form von Transaktionen zwischen den Kunden über ein Peer-to-Peer Netzwerk statt. Dieses System steht im Gegensatz zu dem zentralisierten Modell, bei dem Benutzer ihre Gelder einzahlen, und die Börse gibt eine ‚IOU‘ aus, die auf der Plattform frei gehandelt werden kann. Wenn ein Benutzer bittet, sein Geld abzuheben, werden diese in die Kryptowährung umgewandelt, die sie repräsentieren, und an ihren Eigentümer gesendet.

Man unterscheidet im groben zwischen zwei Devisenmodellen:

  1. Währungszentrierte Varianten konzentrieren sich nur auf die Währung der Plattform, auf der sie basiert. Eine Ethereum DEX kann zum Beispiel nur ERC20-Token handeln.
  2. Währungsneutrale Börsen sind so konzipiert, dass sie verschiedene native Kryptowährungen miteinander verbinden. Benutzer müssen sich nicht an ein bestimmtes Währungsökosystem halten.
Video: Binance DEX Preview

Vor- und Nachteile von DEX

Besonders die neuen währungsneutralen DEXs bieten einige entscheidende Vorteile gegenüber den zentralisierten Varianten:

  • Zensurfrei: Nutzer können direkt miteinander Handeln, unabhängig von staatlichen Auflagen und Gesetzen.
  • Günstiger: Da der Zwischenhändler entfällt, können unnötige Gebühren eingespart werden. Im Einzelnen hängt das jedoch vom Konzept des Anbieters ab.
  • Trustless: Assets müssen nicht mehr einer dritten Partei anvertraut werden.
  • Anonym: Bei zentralisierten Exchanges müssen sich die Kunden anmelden und personenbezogene Daten an Dritte weitergeben. Bei dezentralen Exchanges kann der Handel anonym ablaufen.
  • Sicher: Das Hosting wird auf ein Netzwerk von Servern verteilt, wodurch ein Hacker-Angriff erheblich schwerer ist. Außerdem kann es nicht zu Serverausfällen kommen.

Es gibt auch einige Nachteile im Bezug auf DEX, die noch nicht ganz behoben sind:

  • Handhabung: Dezentralisierte Börsen sind schwieriger zu bedienen. Gerade für Anfänger kann das eine Herausforderung sein. Im zentralisierten Exchange. Bei einigen DEXs müssen die Nutzer zwingend online sein, um eine Order zu listen oder einen Handel zu tätigen.
  • Geschwindigkeit: Die Blockchain ist eine vergleichsweise langsame Datenbank. Dementsprechend wird der Handel langsamer ablaufen. Denn jeder Handel/Transaktion muss von den Minern validiert werden. Besonders für Trader ist es wichtig schnell auf Marktbewegungen reagieren zu können. Langfristig stellt sich schließlich die Frage der Skalierbarkeit.
  • Mangelnde Liquidität: Da es ein neues Konzept des Exchanges ist, fehlen noch viele Trader. Das führt zu einer eingeschränkten Liquidität. Dieses Problem lässt sich nicht so leicht lösen. Denn Trader bevorzugen Exchanges mit einer hohen Liquidität und treten eher diesen Börsen bei. Doch damit eine Börse liquide ist, braucht sie Trader. So hängt der dezentrale Exchange bisher in einem Teufelskreis.
  • Eingeschränkte Funktionalität: Viele Funktionen von zentralen Börsen sind auf DEXs nicht möglich. Dazu gehören unter anderem Margin-Trades, Stopp-Loss oder Limit Orders. Die neuen Plattformen arbeiten daran diese Funktionen in Zukunft anbieten zu können.

Immer mehr Unternehmen und vor allem zentralisierte Exchanges reagieren auf das neue Modell und gründen eigene DEX Plattformen. Am 18. April 2019 hat einer der erfolgreichsten Exchanges Binance seine dezentrale Börse Binance Chain vorgestellt. Offiziell online geht die Börse, nachdem alle Binance Token auf die Binance Chain am 23. April übertragen wurden.