USDT unzuverlässig? Warum die Krypto-Szene jetzt an Tether zweifelt

Das Wichtigste in Kürze
- Tether sperrte letzten Freitag 1,45 Millionen USDT, die dem DEX Thorchain als Liquidität dienten.
- Der Vorfall sorgte in der Krypto-Szene für Debatten über die Zuverlässigkeit des zentralisierten Stablecoins, über den Tether eine nahezu vollständige Kontrolle ausübt.
- Nach drei Stunden entsperrte der Emittent die Token, doch bis heute bleiben die Hintergründe unklar. Möglicherweise kam es zu einer Verwechslung.
USDT unzuverlässig? Warum die Krypto-Szene jetzt an Tether zweifelt
Ende letzter Woche musste Tether massive Kritik aus der Krypto-Szene einstecken. Eine Debatte über die Zuverlässigkeit des Stablecoins USDT kochte hoch, nachdem Herausgeber Tether Teile der Liquidität des DEX Thorchain eingefroren hatte.
Was war geschehen? Letzten Freitag meldete sich Chad Barraford, Mitgründer von Thorchain, besorgt über X. Er reagierte damit auf die Sperrung von mindestens vier sogenannten Thorchain Vaults. Es handelt sich um Blockchain-Adressen, auf denen der DEX seine Liquidät lagert, um Tauschvorgänge zu ermöglichen.
Alle betroffenen Adressen sollen zum Netzwerk von Tron gehören. Dieses ist für den Transfer des Stablecoins sehr beliebt, da Transaktionen zeitnah und kostengünstig abgewickelt werden.
“Es scheint, als habe USDT beschlossen, die THORChain-Vaults für USDT auf der TRON-Blockchain auf die schwarze Liste zu setzen”, schrieb Barraford.
It appears that USDT has chosen to blacklist THORChain vaults of USDT on the TRON blockchain. This is unprecedented in our industry and raises questions for all DeFi protocols about the safety of this asset.
— Chad Barraford (@CBarraford) October 9, 2026
Zentralisierte Stablecoins wie USDT oder USDC bestehen auf den verschiedensten Blockchains als nutzergenerierte Token. Dadurch statten sich die Herausgeber mit Sonderrechten aus.
So ist es den Herausgebern – in diesem Fall Tether – möglich, aus der Ferne sämtliche USDT auf einer spezifischen Blockchain-Adresse zu sperren. Im jüngsten Vorfall um Thorchain nahm Tether diese Möglichkeit wahr.
Zwar folgen die zentralisierten Stablecoins damit nicht den grundlegenden Krypto-Prinzipien der Zensurresistenz und Neutralität, als Handelswährungen erlangten sie trotzdem erhebliche Erfolge.
Kritisch wird die Situation, wenn derlei Token als Reservewährungen oder als Zahlungsmittel Anwendung finden. Blockchainwelt berichtete bereits mehrfach über diese ungeeigneten Einsatzzwecke. Der Iran verlor dadurch Staatsgelder in Höhe von mehreren hundert Millionen US-Dollar.
Öffentliche Informationen belegen: Die Sperrungen können auch Privatpersonen und Unschuldige treffen.
Tether friert Liquidität von Thorchain in Millionenhöhe ein
Blockchaindaten zeigen, dass die Sperrung Gelder in Höhe von 1,45 Millionen US-Dollar betraf. Infolgedessen musste Thorchain den Tausch von USDT des Token-Standards TRC-20 unfreiwillig stoppen.
Barraford beschrieb dieses Ereignis mit Sorge. Es sei das erste Mal in der Geschichte des USDT, dass die Token einer dezentralen Anwendung eingefroren worden seien.
“Dies ist in unserer Branche beispiellos und wirft für alle DeFi-Protokolle Fragen hinsichtlich der Sicherheit dieses Vermögenswerts auf.”
Tether hob die Sperrung nach nur drei Stunden wieder auf – dies bestätigte Barraford über X. Für den Stablecoin könnte der Vorfall trotzdem schwerwiegende Folgen haben. Für USDTs Reputation war die Sperrung unvorteilhaft.
Trotz seiner dominanten Position als meistgehandelte Kryptowährung überhaupt, muss USDT schon seit Jahren mit einem zweifelhaften Ruf kämpfen.
Hintergründe der Sperrung bleiben unklar
Barraford verkündete öffentlich, keine Kenntnisse über die Hintergründe der Sperrung zu haben. Er vermutete, dass es sich um einen Fehler seitens Tether gehandelt habe. Vor dieser Entscheidung habe Tether jedoch keinen Kontakt zu Thorchain gesucht, um die Auseinandersetzung diplomatisch zu lösen.
Tether selbst trug bislang keine Informationen zum Vorfall an die Öffentlichkeit. Einzelne Medienberichte vermuten eine Verbindung zu einer organisierten Attacke auf Nutzer von Hardware Wallets des Herstellers Ledger, die am Freitag begann.
Die Strippenzieher sendeten die Beute aus den ausgespähten Wallets ihrer Opfer an ihre eigenen Blockchain-Adressen. Innerhalb weniger Stunden sperrte Tether mehrere Dutzend Adressen, um die weitere Verbringung der gestohlenen Gelder zu stoppen. Dabei könnte es zu einer Verwechslung gekommen sein, die Thorchain traf. Es handelt sich dabei jedoch um bloße Vermutungen.

