Schock für XRP: Ripple entdeckt kritischen Inflation Bug

Das Wichtigste in Kürze

  • Die XRP Ledger Foundation gab die Entdeckung einer kritischen Sicherheitslücke bekannt, welche Hackern die unkontrollierte Erschaffung neuer XRP ermöglicht hätte.
  • Bereits am 25. September wurde der Inflation Bug geschlossen. Erst vor wenigen Tagen ging ein Abschlussbericht öffentlich, der die Schwere des Fehlers aufzeigt.
  • Das Netzwerk erhält massive Kritik für die Auszahlung einer Fehlerprämie. Auch die Fehlerbehebung selbst zeigt mögliche Ungereimtheiten im Sinne der Dezentralisierung auf.

Schock für XRP: Ripple entdeckt kritischen Inflation Bug

Vergangenen Freitag schockte Ripple die Krypto-Szene. Die Kryptowährung XRP wies kurz zuvor noch einen Inflation Bug auf – einen Fehler, der die inflationäre, ungeplante Entstehung neuer Token ermöglichte. Darüber veröffentlichte die XRP Ledger Foundation einen Bericht.

Erst Wochen nach der Fehlerbehebung gab die XRP Ledger Foundation den Fehler bekannt. Das Upgrade auf die Xrpld Version 3.4.1 schließt fortan dessen Nutzung aus. Erst am 22. September hatte ein unbekannter Programmierer die Entwickler auf den Fehler aufmerksam gemacht. Nach nur drei Tagen konnte man die Lücke am 25. September schließen.

Besonders kritisch: Der Fehler soll zum Zeitpunkt bereits mehr als eine ganze Dekade bestanden haben. Dadurch ist fraglich, ob XRPs Umlaufversorgung tatsächlich den vermuteten 63 Milliarden Token entspricht.

Die Stiftung verspricht: Kein einziger ungeplanter Token sei entstanden. Demnach sei es also keinem Außenstehenden gelungen, den Fehler zu entdecken und nutzbringend einzusetzen.

“Wäre diese Schwachstelle ausgenutzt worden, hätte dies schwerwiegende Folgen gehabt. Ein Angreifer hätte in einer einzigen validierten Transaktion XRP generieren können, deren Wert weit über der Gesamtversorgung gelegen hätte”, heißt es in einer Bekanntmachung von offizieller Seite.

Die Ausnutzung des Fehlers hätte kein großes Investment vorausgesetzt. Potenzielle Angreifer hätten lediglich wenige hundert XRP vorstrecken müssen, um eine beliebige Menge an XRP zu erschaffen.

Für die Kryptowährung hätte dies schwerwiegende Folgen gehabt, da Versorgung und Marktwert drastische Veränderungen erfahren hätten. Schlimmstenfalls hätte der Token seinen gesamten Wert verlieren können.

Warum die Fehlerbehebung eine Welle der Kritik auslöste

Unter den Anhängern von XRP löste die Fehlerbehebung nach der Bekanntwerdung am Wochenende eine Welle der Kritik aus. Dabei ging es vor allem um die nachhaltige Sicherheit und Zuverlässigkeit der Kryptowährung.

Viele Nutzer zeigten sich unzufrieden mit der Kompensierung des Fehlers. Der unbekannte White-Hat-Hacker, der die Schwachstelle entdeckte, bekam von der XRP Ledger Foundation eine Bezahlung in Höhe von 250.000 US-Dollar. Dieser Betrag sei so gering, dass er die Reputation der Kryptowährung nachhaltig schädigen könnte, argumentierten etliche Personen.

Zu den Kritikern zählte der Blockchain-Analyst ZachXBT. In seinem Kommentar machte er deutlich, warum 250.000 US-Dollar für ihn eine inakzeptable Summe sind.

“Dem Whitehat 250.000 Dollar für einen kritischen Fehler zu zahlen, der die Entstehung unendlicher XRP ermöglicht – und das, obwohl eure Reserve ganze Milliarden bereithält? Vielen Dank, dass ihr dazu beitragt, dass ein Angreifer diesen Fehler das nächste Mal ausnutzt, um einen neunstelligen Gewinn zu erzielen, anstatt ihn ehrenvoll zu melden”, kommentierte ZachXBT.

Eine derartige Fehlerbehebung setzt üblicherweise eine öffentliche Abstimmung voraus. Im XRP-Ökosystem ist diese als Amendment Process bekannt. Das Konzept soll die Dezentralisierung des Netzwerks garantieren. Wegen der Schwere des Fehlers wurde auf eine öffentliche Abstimmung diesmal jedoch verzichtet. Auch diese Entscheidung wirft Fragen über die Zuverlässigkeit des Netzwerks auf.

“Eine öffentliche Fehlerbehebung zeigt Angreifern, wo sich der Fehler befindet, und dank KI geschieht dies schnell. Bei einer normalen Abstimmung über eine Änderung wäre die Korrektur bereits Wochen vor ihrem Inkrafttreten öffentlich gewesen, was die Netzwerksicherheit gefährdet hätte”, erklärt die Stiftung auf X.

“Als Reaktion darauf schloss sich die XRPL-Community zusammen, und unter anderem die XRP Ledger Foundation, RippleX, Kernentwickler und Validatoren bildeten einen gesellschaftlichen Konsens und einigten sich auf eine Lösung, welche die direkte Umsetzung der Korrektur vorsah”, heißt es weiter.

Trotzdem sei die Dezentralisierung auch in dieser Entscheidung zu jedem Zeitpunkt gewährleistet gewesen, argumentiert die Stiftung weiter. Keine einzelne Instanz könne derartige Entscheidungen über das Netzwerk treffen.

“Keine einzelne Partei könnte diese Entscheidung allein treffen. Jeder Validator und jeder Node-Betreiber entscheidet selbst, welche Software er einsetzt, und 3.4.1 wurde erst durch eine reguläre Abstimmung über eine Änderung verbindlich, bei der zwei Wochen lang mehr als 80 Prozent der Validatoren ihre Zustimmung gaben. Protokolländerungen erfolgen weiterhin über Amendment-Abstimmungen.”

Autor
5+ Jahre Erfahrung

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

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