Trading Plattform Robinhood muss 70 Millionen US-Dollar Strafe zahlen

Robinhood

Robinhood muss wegen Ausfällen und irreführender Kommunikation im Zusammenhang mit seiner Handelsplattform eine Strafe in Höhe von 70 Millionen US-Dollar zahlen. Es ist die bislang größte Geldstrafe, die FINRA jemals verhängt hat. Besonders der Selbstmord eines Nutzers veranlasste die Aufsichtsbehörde für die Festsetzung der Strafzahlung.

Dieses Urteil könnte als Präzedenzfall dienen. Denn nicht nur Robinhood, sondern auch andere Plattformen für Kryptowährungen zogen in der Vergangenheit regelmäßig den Unmut der Nutzer auf sich. Ob Coinbase, Kraken und Co. diese Sanktion gegen Robinhood als Warnschuss sehen, bleibt abzuwarten.

Robinhood muss von Ausfällen betroffene Nutzer entschädigen

Robinhood, eine der weltweit größten Plattformen für Online Brokerage, muss Strafzahlungen in Höhe von knapp 70 Millionen US-Dollar leisten. Als Grund für diese Zwangsmaßnahme führte die FINRA weit verbreitete und erhebliche Schäden von Kunden im Zusammenhang mit einer Reihe von irreführender Kommunikation, Systemausfällen und unangemessenen Kundenfreigaben an. Die Aufsichtsbehörde verhängte in ihrer Geschihcte bisher keine höhere Geldstrafe.

Diese Aktion sendet eine klare Botschaft. Alle FINRA Mitgliedsfirmen, unabhängig von ihrer Größe oder ihrem Geschäftsmodell, müssen sich an die Regeln halten, die die Brokerage-Branche steuern. Regeln, die zum Schutz der Anleger und der Integrität unserer Märkte gedacht sind.

Die Financial Industry Regulatory Authority, kurz FINRA, fungiert als Genehmigungsbehörde in den USA. Sie ist hauptsächlich dafür verantwortlich, Personen oder Unternehmen zu beaufsichtigen, die in der Wertpapierbranche involviert sind. Die Securities and Exchange Commission SEC überträgt diese Verantwortung an die FINRA.

57 Millionen US-Dollar der gesamten Strafe hat die FINRA als Bußgeld vorgesehen. Die Differenz in Höhe von 12,6 Millionen US-Dollar plus Zinsen muss Robinhood als Entschädigung an die unzähligen betroffenen Kunden auszahlen.

Technische Probleme auf der Plattform kosteten Anleger viel Geld

Robinhood ist eine Handelsplattform sowohl für Aktien als auch für Kryptowährungen. Im März 2020 erlebte der Online Broker eine Reihe von Ausfällen, die die Ausführung von Kundenaufträgen unmöglich machte.

Zum damaligen Zeitpunkt, am 9. März 2020, erlebte die Finanzwelt einen der schwärzesten Handelstage seit der letzten Finanzkrise. Finanzindizes auf der ganzen Welt mussten einen Verlust von sieben bis 9 Prozent hinnehmen. Der Ölpreis verlor knapp 30 Prozent und auch Bitcoin und die Altcoins erlebten zweistellige Kursstürze.

Durch die Blackouts auf Robinhood waren den Tradern die Hände gebunden. Sie konnten weder sicherstellen, dass sie ihre Positionen loswurden, noch konnten sie nachkaufen. Das “führte dazu, dass einzelne Kunden Zehntausende von Dollar verloren haben”, so die FINRA in ihrer Ausführung.

Eine wirklich nachhaltige Lösung für die Serviceausfälle vermochte Robinhood allerdings nicht zu implementieren. Die Störungen hielten bis zum Ende des ersten Jahresdrittels 2021 an. Auch als Dogecoin Anfang April eine extreme Rallye verzeichnete, brach die Broker Plattform zusammen.

Im Mai sah es dann so aus, dass die Arbeiten zur Stabilisierung des Systems bei erhöhtem zeitgleichen Trading-Aufkommen von Erfolg gekrönt waren. Denn als der Kryptomarkt in den ersten beiden Maiwochen signifikant einbrach, schaffte es Robinhood durchgängig online zu bleiben. Binance, Kraken, Gemini und Coinbase hingegen erlebten eine Reihe von Störungen.

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Falschinformationen, die wortwörtlich Leben kosteten

Ein weiterer Punkt, den die FINRA zur Rechtfertigung der Strafzahlungen anbrachte, ist, dass Robinhood seit 2016 fahrlässig falsche und irreführende Informationen kommunizierte. Dazu zählen auch die falsche Anzeige des Guthabenstandes auf den Händlerkonten sowie die Irreführung der User im Hinblick auf die potenziellen Risiken bei der Platzierung von komplexen Trades.

Die Aufsichtsbehörde bezog sich insbesondere auf Alex Kearns, einen 20-jährigen Trader, der im Juni 2020 Selbstmord beging. Er dachte fälschlicherweise, dass er über 700.000 US-Dollar Schulden hatte. Ihm wurde dieser Negativsaldo in seinem Trading-Konto auf Robinhood so angezeigt. Auch andere Nutzer erhielten falsche Kontostände angezeigt. Insgesamt 7 Millionen US-Dollar an Verlusten ergaben sich daraus.

Die Familie von Alex reichte daraufhin eine Klage ein. Darin wird Robinhood beschuldigt, den Tod des jungen Mannes irrtümlich verursacht zu haben, indem sie missverständliche Informationen über den Margenhandel angezeigt hat.

In einer Notiz, die nach seinem Tod gefunden wurde, drückte er seine Verwirrung darüber aus, wie er das Margin Trading zum Kauf von Wertpapieren hätte nutzen können. Er war der festen Überzeugung, dass er den Margenhandel auf seinem Konto nicht eingeschaltet hatte.

Robinhood hat stark in die Verbesserung der Plattformstabilität, die Verbesserung unserer Bildungsressourcen und den Ausbau unseres Kundensupports und unserer Rechts- und Compliance-Teams investiert. Wir sind froh, diese Angelegenheit hinter uns zu lassen und freuen uns darauf, uns weiterhin auf unsere Kunden zu konzentrieren und Finanzen für alle zu demokratisieren.

Jacqueline Ortiz Ramsay

Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit - Robinhood

Quelle: CNBC.com

Unmut in der Krypto-Community über die Entscheidung der FINRA

Die Entscheidung der FINRA, Robinhood zu sanktionieren, nahm die Trading Community grundsätzlich positiv auf. Jedoch war auch eine Reihe an Kritik zu hören. Vielen ist die Höhe der Strafzahlung zu niedrig. Ein Twitter User verglich es mit einem Knöllchen, dass er immer wieder zahlt, weil es nicht weh tut, es ihm aber die Umstände, einen offiziellen Parkplatz zu suchen, erspart.

Wiederum andere fragten sich, warum die FINRA 57 Millionen US-Dollar einstreicht und wofür dieses Geld verwendet wird, während die Geschädigten ‘nur’ 12,6 Millionen US-Dollar erhalten. Sie sind der Meinung, dass das Verhältnis wenigstens andersherum sein sollte.

Solange kein wirkliches Exempel von den Regulierungsbehörden statuiert wird, indem sie empfindliche Strafen verhängen, werden es die Handelsplattformen künftig wohl weiterhin darauf ankommen lassen, nicht zu 100 Prozent gesetzeskonform zu handeln. Eine pauschale Unterstellung soll dies allerdings nicht sein.

Fazit – Robinhood wird bestraft, aber nicht ausreichend genug

Die Financial Industry Regulatory Authority belegt die Handelsplattform für Aktien und Kryptowährungen, Robinhood, mit einer Geldstrafe in Höhe von 70 Millionen US-Dollar. Seit 2016 kam es bei dem Online Brokerage Anbieter vermehrt zu Ausfällen, vor allem in Zeiten, als die Aktien- und Kryptomärkte besonders volatil waren.

Ein weiterer, für die Bestrafung relevanter Punkt betrifft die falschen und irreführenden Informationen hinsichtlich einer Reihe von kritischen Fragen, wie zum Beispiel, ob Kunden Margin Trading betreiben durften, wie viel Liquidität sich auf den Konten der Kunden befand und wie viel Kaufkraft oder “negative Kaufkraft” die Kunden zur Verfügung hatten.

Auch wenn die Sanktionen gegen Robinhood positiv in der Trading Community aufgenommen wurden, ist Vielen das Urteil noch zu mild. Daher bleibt es abzuwarten, ob die verhängten Strafzahlungen die gewünschte Wirkung bei den anderen Handelsplattformen erzielt. Denn nicht nur Robinhood hatte mit Ausfällen zu kämpfen, auch die Konkurrenz war nicht davor gefeit.

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