SegWit (Segregated Witness) erklärt | Übersicht

Segregated Witness oder auch kurz SegWit wurde ursprünglich als Update für die Bitcoin-Software vorgeschlagen. Es sollte eine Reihe von schwerwiegenden Problemen von Bitcoin, wie die Skalierbarkeit oder die Formbarkeit von Transaktionen, lösen. Obwohl das Update viele Vorteile bietet, wurde es nicht von allen befürwortet. Woran liegt das und was ist noch zu erwarten?

 

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SegWit Logo @wikipedia.org

 

Was ist SegWit?

Segregated Witness oder SegWit ist ein Soft-Work-Protokoll, das die Methode zum Speichern von Daten ändert. Es wurde im Dezember 2015 von Pieter Wiulle als Lösung für Bitcoins Skalierbarkeitsprobleme vorgestellt. Wuille ist Bitcoin Core Developer und Mitbegründer von Bitstream. Erstmals angewendet wurde SegWit von Litecoin am 10. Mai 2017. Bitcoin fügte das Upgrade kurze Zeit später, am 23. August 2017 ein.

 

Wie funktioniert SegWit und welche Lösung bietet es?

Ursprünglich zielte das Update darauf ab, das Problem der Formbarkeit von Transaktionen oder auch Transaction malleability zu lösen. Transaktionssignaturen können in diesem Fall manipuliert werden, bevor sie vom Netzwerk bestätigt und in die Blockchain übertragen wurden. Diese Änderung des Transaktionshashs macht es möglich, dass ein Zahlungsempfänger fälschlich vorgibt, dass eine Transaktion nicht stattgefunden hat.

SegWit bietet jedoch eine Reihe weiterer Vorteile. Die Aufmerksamkeit richtet sich immer mehr auf die Anwendung für die Lösung von Bitcoins Skalierungsproblemen. Transaktionsblöcke haben eine fest vorgegebene Blockgröße. Nakamoto setzte damals eine Größe von 1 MB pro Block an. Der Grund für die Begrenzung lag unter anderem daran, dass Denial of Service Attacken (DoS) verhindert werden sollten.

Durch die Begrenzung der Blockgröße konnte zwar DoS Attacken erfolgreich abgewendet werden, doch daraus entstand im Laufe der Zeit das Skalierungsproblem. Die Menge an zu verarbeitenden Transaktionen wächst kontinuierlich. Die fest codierte Grenze pro Block reicht schon lange nicht mehr aus, um alle Transaktionen zeitnah verarbeiten zu können. Folglich müssen viele dieser Benutzer warten, bis ihre Transaktion bestätigt werden. Das kann manchmal Stunden oder sogar einige Tage dauern.

Die digitale Signatur macht etwa 65 % des Speicherplatzes einer Transaktion aus. Da SegWit diese Signatur von der Transaktion trennt kann die Blockgrößenbeschränkung auf fast 4 MB erhöht werden. Dadurch können mehr Transaktionen in einem Block gespeichert werden. Neben diesem unmittelbaren Effekt hat SegWit noch einen weiteren Einfluss auf die Lösung des Skalierungsproblems. Durch das Problem der Transaction malleability, war es früher nicht möglich für Bitcoin Second Layer Lösungen auszuarbeiten. Doch nun ist der Weg für Lösungsansätze wie das Lightning Network geebnet. Es wird erwartet, dass die Netzwerkkapazität erhöht wird durch die Verlagerung eines Großteils von Transaktionen. Das führt zur Entlastung der Blockchain und schnellere Verarbeitung von Transaktionen.

 

 

Was spricht gegen SegWit?

Einige Community Mitglieder sind der Meinung, dass die Erhöhung der Blockgröße, die sich aus der Anwendung von SegWit ergibt, nicht ausreicht um das Skalierungsproblem zu lösen. Dies ist unter anderem auch eine der Gründe, wieso Bitcoin Cash entstand.

Ein weiteres Problem, das einige Nutzer sehen ist ein möglicher Interessenkonflikt bei der Nutzung von SegWit. Lange Zeit herrschten Gerüchte darüber, dass viele der SegWit Entwickler auch für die Firma Blockstream arbeiten, die sich auf Sidechain-Lösungen spezialisiert hat. Einige behaupteten sogar, dass Blockstream das Patent besäße. Dadurch würde sich ein Interessenkonflikt ergeben, da die Entwickler versuchen könnten die Erhöhung der Blockgröße zu verhindern, um die Nachfrage nach Sidechain-Lösungen, wie zum Beispiel das Lightning Network voranzutreiben. Einen Beweis für diese Unterstellung gibt es nicht. Blockstream dementierte offiziell ein Patent über SegWit zu besitzen und alle anderen damit verbundenen Anschuldigungen.

Der ideologische Aspekt, der dem Update entgegengehalten wird, ist dass es nicht nur keine ausreichende Skalierbarkeit bietet, sondern dabei auch noch die Dezentralisierung des Bitcoin Netzwerks gefährden könnte. Wie bereits erwähnt, löst SegWit die langfristigen Probleme mit der unzureichenden Transaktionskapazität von Bitcoin vermutlich nicht vollständig. Sie ermöglicht jedoch die Implementierung von Sidechain-Lösung auf einem Second Layer. Das würde die Hauptkette maßgeblich entlasten. Die Second Layer Lösung ist für viele insofern problematisch, da sie von einer vertrauenswürdigen dritten Partei verarbeitet werden müsste. Für einige Bitcoin Nutzer widerspräche das jedoch der Ideologie von Bitcoin, ein dezentrales Geldsystem ohne Kontrolle von Dritten.

 

Die Zukunft von SegWit

In großen Teilen wird die SegWit Lösung gut angenommen. Laut Angaben von transactionfee.info werden aktuell knapp 40 % der Transaktionen über die SegWit Implementierung erfolgen. Besonders in den vergangenen Wochen und Monaten ist ein rasanter Anstieg zu verzeichnen. Der Grund dafür könnte die Tatsache sein, dass das Segregated Witness Update immer häufiger übernommen wird. Wie Whalepool Anfang des Jahres twitterte gehören dazu:

  • Bitcoin Core
  • Armoury
  • Electrum
  • Samouray
  • BitWallet
  • GreenAddress
  • Trezor
  • Ledger

Vor einigen Tagen gab auch der Wallet Anbieter Xapo bekannt die Segregated Witness Implementierung einführen zu wollen. Letztlich wird die Prozentzahl der mit SegWit verarbeiteten Transaktionen kontinuierlich zu nehmen, je mehr Anbieter es in ihr System integrieren.