CoinMarketCap bekommt mit CryptoToday dezentrale Konkurrenz

Verschiedene Rechtecke in dunklem Licht

Das Web3 wächst. Neben dezentralisiertem Geld entstehen auch immer mehr dezentrale Anwendungen. Die Plattformen, auf denen wir unsere Informationen über all diese dezentralen Projekte sammeln, sind jedoch oft zentralisiert. CryptoToday will das ändern und eine dezentrale Konkurrenz zu CoinMarketCap darstellen.

Braucht es eine dezentrale Datenplattform für Kryptowährungen?

Die Entwickler von CryptoToday (CT) veröffentlichten Informationen über ihr Projekt vor wenigen Tagen im Subreddit von Monero und baten die Leser, an ihrer neuen Plattform teilzunehmen. Der Grund sei ganz einfach.

Die Welt wurde über viele Jahre hinweg immer zentralisierter und legte erst durch die Entstehung von Kryptowährungen eine Kehrtwende ein. Doch die Entwickler von CryptoToday halten diese Entwicklung bislang für halbherzig.

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Schließlich sind die großen Datenplattformen CoinMarketCap (CMC) und CoinGecko (CG) zentralisiert. Ihre Organisatoren können also vollumfänglich darüber entscheiden, welche Daten auf ihren Webseiten zu finden sind.

Folglich wäre es auch möglich, unliebsame Kryptowährungen gänzlich von ihren Plattformen zu verbannen und ihnen somit absichtlich eine riesige potenzielle Zuhörerschaft zu verwehren. Die Macher von CryptoToday halten das für eine exorbitante Schwäche des Krypto-Markts.

Was ist CryptoToday?

Um diesen Missstand auszubessern, wurde CryptoToday ins Leben gerufen. Das Ziel ist es, eine Datenplattform nach Vorbild von CMC zu erschaffen – mit dem wesentlichen Unterschied, dass eine Nutzergemeinschaft inhaltliche Entscheidungen trifft.

Damit die Nutzer die Aufgaben erfüllen, entsteht ein Vote-to-Earn System. CT bezeichnet Nutzer, die als Wähler auftreten, als Trooper. Um als Trooper zu agieren, müsse ein Nutzer lediglich eine Wallet verbinden und einen vorbestimmten Betrag in einem Smart Contract einsetzen.

Möchte ein Projekt auf CryptoToday gelistet werden, muss es vorab ebenfalls einen Betrag in Form des LIST Token einsetzen. Dieser Betrag dient jedoch der Bezahlung der Listung. Am Ende wird ein Teil der Token verbrannt, während ein anderer Teil als Vergütung an die Trooper zurückfließt.

„Kein Wagniskapital, keine Vorverkäufe!“ – CryptoToday möchte ein neutraleres und gerechteres Umfeld schaffen

Dieses Prozedere wird durch Smart Contracts der Ethereum-Blockchain gesteuert. Der CryptoToday Token ist folglich ein ERC-20 Token, der aktiv als Verwaltungsinstrument auf CT Verwendung findet. Interessenten sollen über den DEX Uniswap jederzeit Zugriff auf den Token erhalten können.

Im Gegensatz zur etablierten Konkurrenz sollen neue Kryptowährungen innerhalb von nur 48 Stunden gelistet werden, sofern sie direkt die nötige Zustimmung bekommen. Die etablierte Konkurrenz könne solche Fristen laut CT nicht einhalten.

Sämtliche Einzelheiten zu CryptoToday finden sich im Weißbuch des Projekts.

CryptoToday – zwischen Freiheit und Zensur

Doch das dezentrale Projekt will noch mit anderen Stärken überzeugen. Ebenso, wie es Nutzern möglich ist, eine Listungsanfrage zu akzeptieren, können sie diese auch ablehnen. Nötige Gründe liegen auf der Hand.

Ausschnitt aus der CMC Rangliste vom 31. Dezember 2017. Auf Rang 20: BitConnect

Projekte mit betrügerischen Absichten schafften es auf den zentralisierten Plattformen bereits auf Top-Ränge. BitConnect etwa gelangte auf CMC bis auf Platz 20 und war dadurch einem großen Publikum ersichtlich.

Das sei nicht immer gut. Die Macher von CT hoffen, dass derlei Projekte auf ihrer Plattform in Zukunft gar nicht erst gelistet werden.

Es gibt viele Betrügereien wie Rug Pulls. Man will einfach nicht jedem Projekt Aufmerksamkeit schenken. Viele Leute sind neu in der Krypto-Welt und haben keinerlei Kenntnis. Sie sind einfach zu beeinflussen, wenn man ihnen nur Profite verspricht.

Schreibt der Nutzer mit dem Pseudonym setedac auf Twitter. Er veröffentlichte den Foreneintrag zu CryptoToday und ist augenscheinlich selbst am Projekt beteiligt. Klar sei auch, dass die Mehrheit nicht immer richtig liegt.

Daher existieren Trooper mit höherem Stimmrecht. Sie tragen den Titel OG. Außerdem lassen sich Neuwahlen einfädeln und Informationen aktueller Abstimmungen anzweifeln.

Ist CoinMarketCap ein gefährliches Nadelöhr?

Setedac ist überzeugt, dass eine Plattform wie CT dringend notwendig sei. Er selbst habe bereits an legitimen Kryptowährungen mitgearbeitet, die es letztlich nicht schafften, auf CMC gelistet zu werden. Bei Nutzern löse eine fehlende Listung großes Misstrauen aus, was ein Projekt schnell vernichten könne.

Ich sehe definitiv die Notwendigkeit für andere Plattformen, eine Glaubwürdigkeit ohne Popularität und Geld zu schaffen.

CoinMarketCap selbst gibt in seinen Listungskriterien an, für eine Listung keinerlei Geld zu verlangen und warnt sogar vor dem Fall, dass eine Forderung nach Geld eingehe. Der Kontakt finde dann nicht mit CMC selbst statt, sondern mit einem Betrüger.

CT weist auf Dienste wie flexe.io hin, die ihr Geschäft darauf aufbauen, Listungen auf CMC zu erwirken. Zudem lasse sich CMC zu leicht manipulieren. Ein bekanntes Beispiel ist Alexey Andryunin, der sein Einkommen durch Manipulation auf CoinMarketCap erzielt.

CoinMarketCap ist die größte Plattform für Daten über Kryptowährungen

Genauer gesagt bekommt er sein Geld dafür, falsche Daten über eine Kryptowährung auf CMC eintragen zu lassen. So lässt sich unter anderem das Handelsvolumen fälschen. Dadurch wirkt eine Kryptowährung viel beliebter, als sie in Wirklichkeit ist.

CT sammelt auch keine Nutzerdaten wie E-Mail-Adressen, die möglicherweise bei einem Datenleck freigelegt werden und für allerlei Zwecke missbraucht werden können. Auch das ist CMC schon passiert.

Muss alles dezentral sein?

Für die Branchenführer CoinMarketCap und CoinGecko arbeiten aktiv mehrere Dutzend Angestellte. Es ist ihre Aufgabe, sich mit den Daten der Plattformen zu beschäftigen. Dafür erhalten sie ein volles Gehalt.

Auf CT soll es möglich sein, geringe Einnahmen zu generieren. Für ein anständiges Gehalt sollte es pro Person nicht reichen, denn sonst widerspricht das Projekt seinen eigenen Prinzipien.

Zudem ist jede Listungsanfrage vom guten Willen der Trooper abhängig und muss von diesen obendrein auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Das kostet Zeit und Kompetenz. Jede Listung kostet Geld. Welche tatsächlichen Kostenunterschiede zu CMC oder CG bestehen, lässt sich ohne weitere Einblicke nicht bewerten.

Dadurch, dass auch die Trooper vorab einen Betrag einzahlen müssen, um an der Abstimmung teilzunehmen, lässt sich eine Manipulation der Abstimmung weitgehend verhindern. Ein Reddit-Nutzer merkte an, es müsse ja nicht alles dezentral sein.

Gegebene Macht wird gern missbraucht. Das muss nicht von Anfang an geschehen, doch eine Entwicklung zum Machtmissbrauch kann stattfinden. Web2 wird zunehmend zensiert und gibt den Gründern von CT mit ihrer Idee recht.

Führt CryptoToday zu mehr Unfreiheit?

Aktuell listet CMC 17.642 verschiedene Kryptowährungen und diese Zahl wächst rapide. Bei CG sind es ungefähr 5.000 Projekte weniger. Dennoch sind beide Zahlen extrem hoch. Für einen Außenstehenden lässt sich zumindest bisher keine Zensur erkennen.

CMC listet nach wie vor sinnvolle, wie auch sinnlose oder gar betrügerische Projekte. Während CTs Existenz eine negative Entwicklung von CoinMarketCap oder CoinGecko vermeiden könnte, stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob den Nutzern wirklich bestimmte Projekte vorenthalten werden sollten.

Am Ende lassen sich auf CT auch legitime Projekte ausschließen. CMC scheint jedoch jede beliebige Anfrage anzunehmen und verlangt dafür kein Geld. Kryptowährungen sorgen für mehr Eigenverantwortung, die schon bei der persönlichen Recherche beginnt.

CryptoToday will sich zu einer DAO entwickeln. Aktuell ist das Projekt davon allerdings noch weit entfernt. Offiziell existieren aktuell 20 Angestellte, die bislang unentgeltlich arbeiten.

CryptoToday startet in 16 Tagen. Zeitgleich geht auch ihr Token mit dem Kürzel LIST an den Markt. Ein Eintrag bei CMC oder CoinGecko besteht aktuell nicht.

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Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

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