Der Blockchainwelt Wochenrückblick

Obwohl der Kryptomarkt keine großen Sprünge macht, gibt es positive Entwicklungen in der Szene. Ethereums wichtigstes Update steht kurz bevor. In Russland erleiden Bitcoin und Co. unterdessen einen herben Rückschlag.

Drei physische Bitcoin Münzen stehend und liegend

Das Wichtigste in Kürze

  • Ethereum 2.0 startet Mitte September
  • Ripple gelingt Meilenstein im Gerichtsverfahren mit der SEC
  • Celsius meldet Insolvenz an
  • Russland verbietet Krypto als Zahlungsmittel

Ethereum 2.0 startet im September 2022

Seit Dezember 2020 läuft die Beacon Chain als Basis von Ethereum 2.0 bereits neben dem aktuellen Mainnet. Damit Ethereum endlich den Schritt zur nächsten Stufe schafft, müssen die beiden Blockchains durch den Merge fusioniert werden.

Zuletzt galt das dritte bis vierte Quartal dieses Jahres als Ziel für die Ethereum-Entwickler. In einem Gespräch, welches man am 14. Juli auf YouTube veröffentlichte, spricht man jedoch ganz konkret vom 19. September als Startdatum.

Sofern man diesen Stichtag nicht einhalten kann, so will man das Upgrade zumindest in der Woche vom 19. bis zum 25. September veröffentlichen.

Für Ethereum ist dieser Fortschritt dringend notwendig, auf lange Sicht vermutlich sogar lebenserhaltend. In puncto Skalierbarkeit steht der Erfinder der Smart Contracts inzwischen hintenan und gab unzähligen Konkurrenten daher die Chance auf enormes Wachstum.

Mit Ethereum 2.0 möchte man den Markt zurückerobern. Zugleich bleibt die Veränderung nicht ohne Kritik. Dem Urteil, Serenity würde für eine stärkere Zentralisierung Ethereums sorgen, stimmt Vitalik Buterin als ursprünglicher Initiator von ETH zu.

Die zweitgrößte Blockchain stellt durch die Veränderung von Proof of Work zu Proof of Stake um und erreicht dadurch letztlich eine deutlich bessere Skalierbarkeit.

Unter Anlegern sorgt die Bekanntgabe des Startdatums für Euphorie. In den letzten sieben Tagen stieg der Ethereum-Kurs um fast 15 Prozent.

Ripple gelingt Meilenstein im SEC-Rechtsstreit

Auch eine neue Meldung über die Anklage der SEC gegenüber Ripple hängt mit Ethereum zusammen – zumindest im weitesten Sinne. Diese könnte für Ripple entlastend sein.

Seit Dezember 2020 streiten Ripple als Unternehmen hinter XRP und die US-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC vor Gericht. Immer wieder berichtete Blockchainwelt im Zuge dessen über aktuelle Entwicklungen.

Augenscheinlich gelang Ripple in den letzten Monaten ein Coup nach dem anderen. Schon im Frühjahr stellte das Krypto-Unternehmen klar: Die SEC versäumte es, vor Erhebung der Anklage eine Warnung auszusprechen.

Ein möglicherweise rechtswidriges Verhalten versuchte Ripple durch Absprachen mit Anwälten bereits 2012 zu vermeiden – auch das könnte die vorsitzende Richterin als entlastend einstufen.

Denn der Vorwurf lautet: Betreiben eines illegalen Wertpapiergeschäfts. 2018 sprach William Hinman als Vorsitzender der Abteilung Unternehmensfinanzierung innerhalb der SEC jedoch Folgendes: 

Es handelt sich nach meinem Verständnis (…) bei den derzeitigen Angeboten und Verkäufen von Ether nicht um Wertpapiertransaktionen.

Außerdem seien die bei Wertpapieren gesetzlich vorgeschriebenen Offenlegungsvorschriften kaum nützlich. Die SEC versuchte, die Dokumente dieser Einschätzung unter Verschluss zu halten.

Richterin Sarah Netburn hält dieses Verhalten für heuchlerisch. Sie verlangt eine Überprüfung der Dokumente und eine anschließende Offenlegung unter Beachtung möglicherweise sensibler Daten.

Die SEC verteidigt sich: Die Rede Hinmans sei für die Kryptobranche keinesfalls wegweisend.

Gericht lehnt Antrag in Klage gegen Ripple ab

Warum ist die Rede über Ethereum für Ripple wertvoll?

Ethereum und XRP sind zwei verschiedene Kryptowährungen, die sich eines Premine bedienten. Sie erschufen einen Anteil der Umlaufversorgung für den Eigenbedarf. Dieses Prinzip widerspricht der vom Bitcoin angedachten Neutralität.

Durch einen Premine entsteht immer eine zentrale Autorität. Ripple erschuf ganze 100 Prozent der XRP in Eigenregie und verzichtet komplett auf Mining und Forging. Auf diesen Vorgang stützt sich die SEC.

Wegen der deutlichen Zentralisierung hält man XRP – anders als den Bitcoin – für eine Anlage, die wie ein Wertpapier behandelt werden muss.

Ethereum erschuf in seinem Premine 72 Millionen Ether, die heute einen Anteil von rund 59 Prozent an der gesamten Umlaufversorgung ausmachen. Dieser Prozentsatz ist erheblich. Verzichtet die SEC dennoch auf eine Einschätzung als Wertpapier, ist der Vorwurf gegenüber Ripple womöglich hinfällig.

Celsius Network meldet Insolvenz an

Im Juni legte Krypto-Lender Celsius seine Dienste plötzlich auf Eis. Nach erneuten Einbrüchen des Kryptomarktes meldete man: Die Marktkonditionen seien einfach zu extrem und daher könne man Kunden keine Auszahlungen und Transfers mehr gestatten.

Trotz dieser Augenwischerei flog sehr schnell der Kampf des Unternehmens mit einer Insolvenz auf. Infolgedessen wurden kritische Stimmen immer lauter. Mitarbeiter sprachen von Betrug am Kunden.

Celsius habe mit Kundengeldern spekuliert, ohne die Anleger darüber zu informieren. Zu diesem Ergebnis kamen auch die Strafbehörden von sechs US-Bundesstaaten, welche Ermittlungen einleiteten.

Das Ergebnis des Tradings sind Verluste in unbezifferter Millionenhöhe. Am 13. Juli meldete Celsius daher offiziell Insolvenz an. Das Unternehmen möchte so eine Restrukturierung schaffen und anschließend weiterhin fortbestehen.

Welche Gelder die Anleger ausgezahlt bekommen, bleibt weiterhin fraglich. Es ist davon auszugehen, dass große Anteile für immer verloren sind.

Adam Levitin, Juraprofessor in Georgetown, erwähnt allerdings ein besonders negatives Szenario, das durchaus möglich sei:

Da es keine gesetzliche Regulierung zum Umgang mit Kryptos in den USA gibt, könnten Gerichte die eigentlich als Leihgabe an Celsius gedachten Kryptowährungen als Eigentum des Celsius Netzwerks einstufen. In diesem Fall bekämen Kunden keinerlei Geld zurück.

Celsius zahlt über 400.000 gestakte Ether aus

Russland verbietet Kryptos als Zahlungsmittel

Seit Anfang des Jahres entdeckt Russland Kryptowährungen immer mehr für sich – oder doch nicht? Am 14. Juli meldet das russische Portal RBC: Präsident Putin unterschreibt ein im Juni erstelltes Gesetz, welches die Verwendung von Bitcoin und Co. als Zahlungsmittel untersagt.

Ersteller des Entwurf ist Anatoli Aksakow, der in der Vergangenheit bereits als Krypto-Gegner auftrat und den Rubel als „höchste Form der Währung“ bezeichnete. Der zuletzt deutlichen Fürsprache steht diese Entwicklung augenscheinlich zuwider.

Tatsächlich ist die Verwendung von Ersatzwährungen in Russland gesetzlich ohnehin untersagt. Durch das neue Gesetz liefert man also hauptsächlich rechtliche Klarheit. Erst im Mai sagte der russische Handelsminister, es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis Kryptos im Landesinneren anerkannte Zahlungsmittel sind.

Auf staatlicher Ebene ist Russland dieser Schritt sogar vor wenigen Tagen gelungen. Die Vorbereitungen für eine Verwendung von BTC und Co. als Handelswährung schloss man ab, nachdem man diese im Frühjahr angekündigt hatte.

Anwalt Roman Jankowski hält das Verbot jedoch für unrealistisch. Laut seiner Einschätzung gelten Kryptowährungen in Russland als Eigentum und nicht als Geldmittel. Ein Geschäft, welches man mit Kryptos realisiert, ist demnach ein Tauschgeschäft.

Ein Tauschgeschäft könne man aber wiederum nicht verbieten. Außerdem verbiete Russland zwar Geldsurrogate, versäumte es bisher jedoch, diese zu definieren. Daher könne man Kryptos auch nicht als derartige Geldersatzmittel einstufen.

Neue Regelungen, welche Krypto-Börsen verpflichten, den Einsatz als Zahlungsmittel zu unterbinden, könnten die Kryptobranche in Russland deutlich schwächen.

Wo steht der Kryptomarkt Mitte Juli 2022?

Aktuell scheint es am Kryptomarkt eine geringe, euphorische Stimmung zu geben. Der Bitcoin ist von dieser tatsächlich weniger betroffen. Er liegt bei einem Kurs von 21.400 US-Dollar und verzeichnet keine bemerkenswerten Bewegungen. Seit letzter Woche stieg sein Kurs um nur 100 US-Dollar.

Besser sieht es hingegen bei vielen anderen Kryptowährungen aus. Sowohl im 24-Stunden- als auch im 7-Tage-Trend sind dort teilweise deutliche Gewinne zu sehen.

LDO Kurs 7 Tage Trend 17 Juli 2022
LDO-Kurs der letzten 7 Tage.

Großer Gewinner ist LDO als Governance-Token der Lido DAO. Hinter Lido verbirgt sich eine Liquid Staking-Plattform, die direkter Gewinner der Nachrichten um Ethereum 2.0 ist. Dort gestakete Ethereum lassen sich über einen Intermediär handeln – genau das ist mit gestaketen Ethereum bis zum Merge nicht möglich.

Während dieses Ereignis näher rückt, steigt das Interesse an passiven Gewinnen und LDO steigt in sieben Tagen um 144 Prozent und somit zugleich in die Top 100 der Kryptos bis auf den 74. Rang.

Direkt davor liegt der dezentrale Datenspeicher Arweave (AR), dessen Coin ein Wachstum von 33 Prozent in einer Woche erfährt. Auf dem dritten Rang der Wochengewinner liegt Ethereum-Layer-2-Lösung Polygon (MATIC) mit einem Plus von 32 Prozent.

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Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

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