Ethereum 2.0 – Alles was Anleger wissen müssen

Ethereum 2.0 Darstellung

Nach Bitcoin gilt Ethereum als wichtigste Blockchain der Welt. Nach nunmehr fünf Jahren steht Ethereum nun vor dem wohl größten Update seiner Geschichte. Zwar gibt es bisher keine festen Daten über einen möglichen Marktstart von Ethereum 2.0, doch die Grundsteine der runderneuerten Blockchain dürften bereits im Sommer 2020 gesetzt werden. Bereits am 4. August soll das öffentliche Testnet für die neue Iteration zur Verfügung stehen. Was das Update für Ethereum bedeutet, möchten wir etwas genauer beleuchten.

ETH2 – die Runderneuerung von Ethereum

Wenn wir über Ethereum 2.0 oder ETH2 sprechen, dann gibt es im Grunde zwei zentrale Elemente, die dieses Update charakterisieren. Einerseits soll sich die Blockchain mit dem Upgrade vom Mining verabschieden und auf das Staking setzen. Dementsprechend wird der energiehungrige Proof of Work-Algorithmus von einem energieeffizienten Proof of Stake-Algorithmus abgelöst. Andererseits gilt auch das Sharing als eine der relevanten Upgrades. Es ist davon auszugehen, dass die Ethereum Blockchain, wie diese heute existiert, im Anschluss nicht mehr besteht.

Ein solch umfangreicher Wandel kann allerdings nicht an einem Stichtag stattfinden. Dementsprechend haben sich die Entwickler dazu entschieden, diesen Wandel in mehrere Phasen zu unterteilen. Es ist davon auszugehen, dass der Übergang bis ins Jahr 2021 oder sogar 2022 anhält. Nichtsdestotrotz adressieren die Entwickler mit dem Upgrade zwei fundamentale Probleme der Blockchain:

  1. Hohen Energieaufwand für Mining
  2. Skalierungsprobleme durch geringe Transaktionsanzahl

Im Folgenden gehen wir etwas detaillierten auf die einzelnen Probleme und die avisierten Lösungen ein.

Warum Proof of Work nicht mehr zeitgemäß ist

Bitcoin und Ethereum, die beiden größten Blockchains am Markt, eint eine Sache – der Proof of Work-Ansatz. Und eben jener Algorithmus hat einen grundlegenden Nachteil, denn für das Mining ist Rechenleistung erforderlich. Ein hohes Maß an Leistung erfordert jedoch die entsprechende Energie – die Auswirkungen auf den Klimaschutz sind denkbar.

Bitcoin jährlicher CO2-Ausstoß
Der jährliche CO2-Ausstoß von Bitcoin @digiconomist.net

Das Beispiel von Bitcoin zeigt, wie hoch die Anforderungen ausfallen können. So zeigen Daten, dass allein der jährliche CO2-Ausstoß 29 Megatonnen beträgt – dies entspricht dem gesamten Jahresausstoß von Myanmar. Pro Block entstehen 249,90 kg an CO2. In Energie umgerechnet sprechen wir von einem jährlichen Energiebedarf von 61,11 TWh oder 526,1 kWh – dies entspricht der Energie, die ein US-Haushalt in 17,78 Tagen benötigt. Doch an dieser Stelle enden die Auswirkungen für die Umwelt nicht, denn im Jahr entstehen rund 9,54 Kilotonnen an Elektromüll.

Zwar gelten die oben genannten Daten nicht für Ethereum, doch die Tendenz ist klar. PoW ist extrem energiehungrig und entspricht nicht mehr dem aktuellen Zeitgeist.

Proof of Stake – Ethereum 2.0 sorgt für Energieeffizienz

Doch Blöcke lassen sich auch ohne das Lösen besonders komplexer Aufgaben abschließen. Das Staking zeigt, wie das funktionieren kann. Hier spielt es keine Rolle mehr, wie viel Rechenleistung die Teilnehmer dem Netzwerk zur Verfügung stellen. Entscheidend ist lediglich die Teilnahme am Netzwerk. Ein Algorithmus bestimmt, welcher Teilnehmer für die Validierung welcher Blöcke verantwortlich ist. Die Verteilung der neuen Coins erfolgt anhand des persönlichen Anteils. Dementsprechend erhalten Anleger, die 5 % der ETH halten auch 5 % aller neuen Coins. Dementsprechend kommt es nicht zur Verwässerung der eigenen Anteile.

Im Vergleich zum PoW gibt es bei PoS keine Mining Rigs mehr. Stattdessen benötigen die Anleger einen funktionierenden Rechner. Auch dieses Gerät sollte über ein Mindestmaß an Leistung verfügen. Nichtsdestotrotz sind Mining-Farmen ab diesem Zeitpunkt nicht mehr erforderlich.

Durch diesen Ansatz lässt sich das große Problem der Umweltbelastung schnell und einfach lösen.

„Proof of Stake ist aus ökologischen Gesichtspunkte zu begrüßen. Das löst das bisherige, zu Recht kritisierte Problem, dass beim Mining extrem viel Strom verbraucht wird.“ – Bernhard Blaha, Cryptix.

Wie funktioniert der Proof of Stake bei Ethereum 2.0?

Wer am Staking von Ethereum teilnehmen möchte, muss eine Mindesteinlage von 32 ETH besitzen. Diese 32 ETH müssen auf einer entsprechenden Wallet gespeichert werden. Gehen wir nach dem aktuellen ETH-Kurs, dann entsprechen die 32 ETH einem Gegenwert von rund 9.800 US-Dollar. Für viele Kleinanleger ist eine solche Position in einer Asset-Klasse oftmals nicht möglich oder entspricht einer klaren Übergewichtung im Gesamtportfolio. Dementsprechend ist davon auszugehen, dass insbesondere Anleger, die bereits größere Positionen in Ethereum besitzen, vom Staking profitieren.

Geht es nach Bernhard Blaha, dann ist jedoch nicht davon auszugehen, dass sich nur wohlhabende Anleger eine entsprechende Position aufbauen. Vielmehr sei das Staking deutlich fairer als das Mining, denn dort müssen die Anleger kontinuierlich in die Hardware investieren. Folglich geht Blaha nicht davon aus, dass das Staking dazu beitrage, dass die Reichen immer reicher werden. Zusätzlich merkt Blaha auch an, dass es Staking Pools gibt. Hier können Anleger ihre Ethereum dem Pool zur Verfügung stellen und somit trotzdem am Staking partizipieren.

Ethereum Accounts mit mehr als 32 ETH
Wallets mit mehr als 32 ETH @glasnode.com

Ethereum und das Problem der Skalierbarkeit

Doch nicht nur das Mining ist ein aktuelles Problem der Ethereum Blockchain. Vielmehr klagen die Nutzer auch über die vergleichsweise geringe Skalierbarkeit der Blockchain. Gemeint ist hierbei die geringe Anzahl an Transaktionen, die sich sekündlich abwickeln lassen. Zum aktuellen Zeitpunkt kann Ethereum rund 15 Transaktionen pro Sekunde abwickeln. Unter Berücksichtigung von realen Anwendungsfällen ist das eine sehr geringe Anzahl. Außerdem überzeugen andere Blockchains mit einer signifikant besseren Skalierbarkeit.

Besonders wichtig sind Transaktionen im Bereich des Finanzwesens oder im Rahmen der Abwicklung von Smart Contracts. Hier verdeutlicht beispielsweise das Payment-Netzwerk von Visa die hohe Latenz des Netzwerks. Dieses kann rund 50.000 Transaktionen pro Sekunde verarbeiten und ist für einen funktionierenden weltweiten Zahlungsverkehr unabdingbar. Doch auch für die Abwicklung von Smart Contracts ist eine hohe Transaktionsgeschwindigkeit unerlässlich.

Insbesondere der Umstand, dass Ethereum eine Plattform für dApps und Smart Contracts ist, zeigt, dass die aktuelle Limitierung ein Hindernis für die weitere Adaption ist. Doch auch ein Blick auf die durchschnittlichen Transaktionskosten zeigt, dass die Limitierung ein finanzieller Nachteil für die Anwender ist. Seit der stark wachsenden Akzeptanz von DeFi steigen auch die Transaktionspreise stark an. Besonders im Blick steht beispielsweise die Stablecoin Tether (USDT) sowie die DeFi-Anwendungen Kyber Network und Uniswap. Allein diese drei Anwendungen benötigen zahlreiche Transaktionen und tragen somit zu steigenden Transaktionspreisen im Netzwerk bei.

Sharding verbessert die Skalierbarkeit bei Ethereum 2.0

Mit dem kommenden Update von Ethereum soll nun auch das Problem der Skalierbarkeit gelöst und die Blockchain für die Zukunft fit gemacht werden. So soll Ethereum 2.0 nicht nur 15 Transaktionen pro Sekunde, sondern gleich mehrere tausend Transaktionen abwickeln können. Auch eine Hardfork von Bitcoin fokussierte in der Vergangenheit das Problem der Skalierbarkeit. Bei Bitcoin Cash erhöhten die Entwickler allerdings nur die Blockgröße, sodass die Nodes unter Umständen größere Datenmengen verarbeiten müssen.

Da auch Bitcoin Cash auf dem Mining basiert bedeuten größere Blöcke jedoch auch, dass eine größere Rechenleistung für die Abwicklung das Hashen der Blöcke erforderlich ist. Folglich besteht die latente Gefahr, dass sich das Mining auf größere Anbieter und Rechenzentren fokussiert und zu einer Zentralisierung führt.

Bei Ethereum 2.0 kommt ein anderer Ansatz zum Tragen, dass sogenannte Sharding. Beim Sharding wird die gesamte Blockchain in mehrere Shards unterteilt (Sharding ist eine Art Zersplitterung der Blockchain). Die Verarbeitung der Shard-Chains erfolgt über die Beacon Chain. So ist es theoretisch möglich, dass sich einzelne Shard Chains auf bestimmte Anwendungsbereiche spezialisieren und beispielsweise die Funktionalität anderer Blockchains emulieren.

Die Beacon Chain läutet den Start für Ethereum 2.0 ein

Der oben beschriebene Wandel findet nicht mit einem Mal statt. Vielmehr wird die Migration über einen längeren Zeitraum stattfinden, sodass sich hier neue Anlagemöglichkeiten eröffnen. Bereits in der aktuellen Jahreshälfte könnte die Beacon Chain starten und somit den Wandel von Ether 1.0 in Ether 2.0 einläuten.

Mithilfe der Beacon Chain dürften Anleger ihre bestehenden Ether in Ether 2.0 umtauschen können. Dementsprechend reduziert sind die Anzahl der handelbaren Ether 1.0 – Preissteigerungen könnten die unmittelbare Konsequenz sein.

Außerdem sollen die nativen Coins der Beacon Chain, Ether 2.0,  ausschließlich gegen Ether 1.0 ausgegeben werden. Wer in Ether 2.0 investiert, erhält durch die Teilnahme am Staking eine attraktive Verzinsung. Zu Beginn könnte dieser Zins bei rund 10 % liegen. Ab 3 Millionen gestakten Coins könnte eine Korrektur auf 7 % erfolgen. Sobald rund 10 Millionen ETH gestaket wurden, ist mit einer weiteren Reduzierung des Zinses auf 3,3 % zu rechnen.

Fazit: Ethereum 2.0 könnte Bitcoin als führende Blockchain ablösen

Die avisierten Optimierungen der Ethereum Blockchain sind in sich logisch und sinnvoll. Während das Sharding der Blockchain und die Erstellung zahlreicher Subchains zu einer besseren Skalierbarkeit führen, trägt das Staking zu einer faireren und nachhaltigeren Validierung der Transaktionen bei.

Allerdings erfolgt die Migration von Ethereum 2.0 nicht in einem Schritt, sondern über einen längeren Zeitraum. Dementsprechend eröffnen sich attraktive Gelegenheiten für Anleger. Einerseits können Anleger mit der Veröffentlichung der Beacon Chain mit dem Staking starten – eine entsprechende Position vorausgesetzt. Auf der anderen Seite werden die Ether 1.0 Ressourcen knapper, sodass steigende Kurse die unmittelbare Konsequenz sein könnten.

Aus meiner Sicht ist ein Investment in Ethereum mit einem definierten Exit-Szenario durchaus interessant und lukrativ. Wer eine Liquidierung seiner Ethereum-Position avisiert, kann diesen Trade steuergünstig über eToro oder Plus500 abbilden. Wer dahingegen am Staking teilnehmen möchte, muss dringend in physische Coins investieren. Hier lohnt sich der Kauf über eine Krypto-Börse – einen Vergleich der besten Börsen findest du hier.

Kommentare
  1. Hallo BVT, eine verlässliche Prognose des Preises ist leider ein Ding der Unmöglichkeit. Nichtsdestotrotz ist ein diversifiziertes Portfolio immer ein guter Ansatz. Aufgrund der erwarteten Verknappung nach dem Launch der Beacon Chain ist jedoch mit weiterhin steigenden zu rechnen. Cardano ist auch eine interessante Coin. Einige Infos rund um den Preisanstieg kannst du hier lesen: https://coin-ratgeber.de/cardano-ada-preisanstieg-shelley-upgrade/

    Viele Grüße
    Sebastian

  2. ich bin Neu Einsteier, hätte gern gewusst wohin die Reise geht mit Ethereum (ETHUSD)
    zur Zeit habe ich auf CARDONA gesetzt, was ich als sehr wankelmütig empfinde

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