Krypto-News der Woche 26. Juni 2026

Das Wichtigste in Kürze
- Augenscheinlich zwingt die EU Binance dazu, den hiesigen Markt zu verlassen. Die Krypto-Börse scheiterte an der Gewinnung einer MiCA-Lizenz.
- Laut Brancheninsider Luc van Hecke werde über die nächsten drei Monate eine Umwälzung in der Kryptobranche der EU stattfinden. Rigorose Regularien würden die meisten Unternehmen aus dem Markt vertreiben.
- Die Base-Blockchain stürzt erneut ab. Details über den Fehler sind bislang noch nicht bekannt.
- In Japan setzt sich der Krypto-Wandel weiter fort. Nun kündigt der erste Pensionsfonds an, Kryptowährungen anzulegen.
- Die Ethereum Stiftung entlässt ein Fünftel ihrer Belegschaft. Die gemeinnützige Organisation möchte Kosten senken und eine Neuausrichtung vollziehen.
- Der Bitcoin-Kurs sinkt auf 58.000 US-Dollar – einen Preis, den es zuletzt 2024 gab. Die Gründe für den aktuellen Pessimismus scheinen zahlreich.
Binance verlässt EU? CZ äußert Kritik
Nur noch wenige Tage vergehen, bis MiCA am 1. Juli vollständig wirksam wird. Das Krypto-Gesetz der EU könnte die Branche in ihrer bisherigen Form spätestens von diesem Zeitpunkt an entscheidend verändern.
MiCA schafft neue Regeln, die einen bedeutsamen Einfluss ausüben dürften. So verlässt im Zuge dessen der größte Stablecoin der Erde – USDT – die EU. Auch die weltgrößte Krypto-Börse könnte aus der EU verschwinden.
Zwar ist MiCA bereits seit 30. Dezember 2024 offiziell wirksam, am 1. Juli 2026 endet jedoch die letzte Übergangsfrist. Erst von da an sind die Auswirkungen des Gesetzes vollumfänglich spürbar.
Während Tether gar nicht erst versuchte, USDT auf MiCA anzupassen, scheint Binance alles zu geben, um eine Lizenz zu ergattern. Wie kürzlich bekannt wurde, scheiterte jedoch das Vorhaben, in Griechenland eine MiCA-Lizenz zu erhalten.
Firmengründer Changpeng Zhao (kurz CZ) äußerte sich zu dem Vorfall auf X voller Enttäuschung. Gleichzeitig kritisierte er die Europäische Union.
“Es ist bedauerlich, dass die EU ihren Nutzern den Zugang zur weltweit besten Liquidität verwehrt. Liquidität ist der beste Verbraucherschutz. Ich hoffe, dass sich die Situation in Zukunft ändern wird”, so CZ.
Sad to see EU cutting their users off from the best liquidity in the world. Liquidity is the best consumer protection. Hope to see things change in the future. https://t.co/Z7OJrWmzOu
— CZ 🔶 BNB (@cz_binance) June 26, 2026
Weil die Zeit drängt, wird Binance laut Angaben von Euronews seinen Dienst für EU-Bürger temporär einschränken. Das Unternehmen möchte die EU allerdings nicht verlassen. Aktuell suche man eine neue Möglichkeit, die nötige Lizenz zu erhalten.
Neben der Bewerbung um eine griechische Zulassung hatte man Kontakte zu lettischen und irischen Behörden hergestellt. In allen Fällen seien die Verhandlungen gescheitert.
Krypto in EU: Branchenexperte erwartet Umwälzung
Luc van Hecke erwartet durch MiCA eine erhebliche Krypto-Umwälzung in der EU. Das Gesetz sei jedoch nur die Spitze des Eisbergs. In seinem Schatten tun sich mit den Richtlinien MiFID II und PSD2 demnach weitere entscheidende Faktoren auf.
MiCA sei nur eine Einstiegshürde, während MiFID II und PSD2 weitaus schwieriger zu bewältigen seien. MiFID II ist eine Richtlinie, die der Regulierung von Finanzinstrumenten dient, während PSD2 Zahlungsdienste reguliert. Beide Richtlinien sind bereits älter, werden durch MiCA jedoch frisch auf die Kryptobranche angewendet.
Insgesamt seien die Hürden so groß, dass viele etablierte Krypto-Börsen scheitern würden, meint van Hecke.
“Europa ist zum am stärksten regulierten Kryptomarkt der Welt geworden. (…) Die meisten werden es nicht schaffen”, schreibt er auf X.
Laut Casptracker verfügen zwar 244 Dienstleister über eine MiCA-Lizenz, doch van Hecke argumentiert, dass dies wegen der strengen Regulierung durch MiFID II und PSD2 nicht ausreichen werde. In der EU würden sich eine Handvoll Marktplätze durchsetzen, während der Rest seinen Stand verlieren werde.
“Nach dem 1. Juli verschwinden viele Krypto-Börsen aus der EU oder fallen in eine Grauzone. Lizenzierte Börsen fangen die Nachfrage auf”, meint der Brancheninsider.
Base-Blockchain stürzt ab
Base, die von der Krypto-Börse Coinbase ins Leben gerufene Blockchain, stürzte gestern ab. Anschließend war sie über zwei Stunden hinweg unerreichbar. Base macht über seine eigene Webpräsenz selbst auf den Vorfall aufmerksam.
Demnach habe es sich um ein Problem bei der Blockentstehung gehandelt. Nach der zweistündigen Unterbrechung ist es den Entwicklern gelungen, die Blockbildung wieder zu normalisieren. Seither funktioniert die Blockchain wieder wie gewünscht.
Laut Angaben der Entwickler wolle man zeitnah einen Fehlerbericht veröffentlichen. Zum Redaktionsschluss war dieser noch nicht verfügbar.
Blocks are being produced normally, and we have verified widespread recovery in the ecosystem.
Any remaining stuck Base nodes will recover upon restart and syncing.
The team has found the root cause for this halt and we’ll share a full post mortem based on our learnings and…
— Base Build (@buildonbase) June 25, 2026
Base hatte 2025 erstmals Probleme mit seiner Stabilität. Damals war das Netzwerk für eine halbe Stunde abgestürzt.
Krypto-Wandel in Japan: Pensionsfonds investiert in BTC und Co.
In Japan vollzieht sich über die letzten Monate ein mächtiger Krypto-Wandel. Seit 2025 entwickelt sich Japan von einem der strengsten Krypto-Feinde zu einem Förderer der digitalen Anlagen.
Der jüngste Hinweis darauf ist eine Ankündigung des Nationalen Pensionsfonds für Wirtschaftsunternehmen, welcher noch dieses Jahr mit Krypto-Investitionen beginnen möchte, um unabhängiger zu werden.
Der private Fonds verwaltet die Anlagen von rund 1.200 kleinen und mittleren Unternehmen. Zu ihrem Vorteil möchte er künftig verschiedene Kryptowährungen über ETFs anlegen. Aiyu Kiguchi, Managerin des Fonds, erwartet einen schwachen US-Dollar.
Um die Unabhängigkeit von Fiatwährungen zu erhöhen, verwandelt man das Portfolio. So legt man neben Krypto auch Gold an. Weiterhin soll die Yen-Exposition durch Fremdwährungen um ganze zehn Prozentpunkte sinken.
Zunächst fällt die Krypto-Allokation jedoch gering aus. Nur 1,00 Prozent des Gesamtvermögens möchte man in Kryptowährungen halten. Dies entspricht einem Vermögen von gerade einmal 1,36 Millionen US-Dollar.
Für den japanischen Markt könnte die Entscheidung allerdings eine Signalwirkung entfalten, der sich weitere Betriebe anschließen. Regulatorische Hürden sinken bereits spürbar.
Ethereum setzt Massenentlassungen für Neuausrichtung um
Ethereum, die zweitgrößte Kryptowährung des Marktes, setzt eine Neuausrichtung um. Erfinder Vitalik Buterin hatte seinen Sinneswandel bereits im Mai öffentlich verkündet. Das Netzwerk solle sich wieder den Cypherpunk-Idealen annähern, statt auf Massentauglichkeit durch hohe Skalierung zu setzen.
Buterin definierte die Ideale CROPS als wichtigstes Augenmerk. Demgegenüber soll der bisherige Fokus auf einen wachsenden Durchsatz in den Hintergrund treten. Jüngst gab die Ethereum Stiftung eine Massenentlassung bekannt. Es ist eine direkte Folge der Neuausrichtung.
“Diese Entscheidung fiel uns schwer, ist aber notwendig. Wir müssen so ausgestattet und organisiert sein, dass wir uns auf die entscheidenden Aufgaben konzentrieren können”, erklärte die Ethereum Stiftung in einer Pressemitteilung, nachdem sie 54 Mitarbeiter entlassen hatte – ein Fünftel der gesamten Belegschaft.
Langfristig soll die Stiftung ihre Ausgaben dadurch drastisch senken. Die entlassenen Mitarbeiter wechseln von der gemeinnützigen Stiftung mehrheitlich zu profitorientierten Entwicklerstudios und arbeiten weiterhin am Ökosystem der Blockchain.
Unter dem Namen Strawmap veröffentlichte die Stiftung zudem einen neuen Arbeitsplan, der die Ziele der nächsten drei Jahre definiert. Insgesamt soll das Netzwerk seine Neutralität und Privatsphäre verbessern. Laut Buterin gehe es vorrangig darum, die Unabhängigkeit der Blockchain gegenüber staatlichen Akteuren zu gewährleisten.
Bitcoin-Kurs sinkt auf 58.000 US-Dollar: Warum der Pessimismus am Markt wächst
USA und Iran befinden sich in Friedensverhandlungen. Die wachsende Annäherung legt ein Ende des Krieges nahe. Obwohl damit ein wesentlicher Kursdrücker schwindet, gelingen dem Bitcoin-Kurs aktuell keine Gewinne.
Stattdessen fällt BTC auf ein regionales Tief. In den heutigen Morgenstunden handelte die Kryptowährung laut Angaben von CoinMarketCap bei nur noch 58.000 US-Dollar. Zuletzt notierte der Bitcoin im Jahr 2024 in diesem Bereich.
Zum Redaktionsschluss befindet sich BTC im Wochentrend 4,60 Prozent im Minus. Im Tagestrend konnte die Kryptowährung immerhin um 0,57 Prozent auf 60.155 US-Dollar steigen.
Die Gründe für einen anhaltenden Pessimismus sind derzeit zahlreich. Israel möchte nicht vom Krieg mit dem Libanon zurückweichen und gefährdet damit den Frieden im Irankrieg. Laut CoinShares erlebt die Technologiebranche gerade einen generellen Abschwung.
Schuld daran sei ein KI-Ausverkauf. Unter ihm leide demnach auch die Kryptobranche. Unter dem neuen FED-Präsidenten Kevin Warsh bleibt der US-Leitzins weiterhin unerwartet hoch – aktuell liegt er bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Auch darunter leide Krypto, erklärt CoinShares gegenüber Blockchainwelt in einer E-Mail.
Zeitnah erwartet James Butterfill von CoinShares keine wesentliche Verbesserung. Das begründet er wie folgt:
“Der Verkauf durch Wale (…) hat sich deutlich abgekühlt, und das ist wichtig. Historisch treten Wale als Käufer erst beim nächsten Halving wieder ein, das erst 2028 ansteht – daher ist Kursunterstützung von dieser Seite noch nicht in Sicht”, so Butterfill.
“Höhere Ölpreise aus der Iran-Situation dürften die Inflation noch für die nächsten Monate hochhalten und die Fed in ihrer hawkischen Haltung bestärken. Eine echte Trendwende in der Bitcoin-Stimmung würde wahrscheinlich eine aussagekräftige Verschlechterung der Arbeitsmarktdaten erfordern, und dafür gibt es derzeit kein Zeichen”, fügt er an.
