Polymarket Skandal: Täuscht der Prognosemarkt seine Kunden?

Das Wichtigste in Kürze

  • Durch manipulative Werbestrategien leistet sich der Prognosemarkt Polymarket einen neuen Skandal. Eine Recherche des Wall Street Journal deckt die bewusste Täuschung von Kunden auf.
  • So inszeniert der Prognosemarkt in Zusammenarbeit mit Prominenten erhebliche Gewinne, die nie existierten. So möchte man neue Kunden dazu verleiten, Wetten zu platzieren.
  • Laut der Recherche unterhält Polymarket dafür sogar gefälschte Websites und spricht gezielt Insider an.

Polymarket-Skandal: Täuscht der Prognosemarkt seine Kunden?

Eine Recherche des Wall Street Journals (kurz WSJ) deckt augenscheinlich einen Skandal auf, in den sich der Prognosemarkt Polymarket bewusst verwickelt haben soll. Die Betreiber des Dienstes versuchen demnach, potenzielle Kunden massenhaft zu täuschen. Zudem soll man versuchen, Insiderhandel zu begünstigen.

“Das Unternehmen führt in den sozialen Medien eine geheime Kampagne durch, um die Aufmerksamkeit von US-Amerikanern zu gewinnen. Dazu bezahlt es Influencer dafür, Transaktionen auf gefälschten Websites zu filmen, und beauftragt Mitarbeiter im Ausland damit, die Videos viral gehen zu lassen”, erklärt das Wall Street Journal.

Polymarket unterhält einen regulierten, für den US-amerikanischen Markt vorgesehenen Zweig sowie einen internationalen Marktplatz, der weniger Einschränkungen unterliegt. Obwohl der internationale Ableger offiziell keine US-amerikanischen Kunden bedienen darf, richte man fragwürdige Werbung gezielt auf diese Nutzergruppe aus, heißt es im Bericht.

In der Öffentlichkeit versuche sich Polymarket als gewinnbringender Dienst darzustellen. Dafür finanziere das Unternehmen neben bekannten Influencern sogenanntes Clipping. Auf Videoplattformen wie TikTok oder YouTube erstellen Partner des Unternehmens dafür werbewirksame Kurzvideos.

Das Wall Street Journal soll in seiner Recherche tiefe Einblicke in den Prozess erlangt haben. Polymarket rekrutiere für seine Werbung gezielt Nutzer mit kleiner Gefolgschaft. Diese treibe man dann dazu, neue Kanäle zu erstellen, auf denen die Videos veröffentlicht werden. Dass es sich dabei um Werbung handelt, werde bewusst verheimlicht. Öffentlich dürfen die Videoersteller ihre Verbindung zu Polymarket deshalb nicht darlegen.

“Die Werbekampagne verstärkte den Eindruck, dass man mit Polymarket schnell und einfach Geld verdienen kann, während das Unternehmen versucht, seinen ausgelagerten Dienst unter US-Amerikanern zu bewerben”, schlussfolgert WSJ im Bericht.

So erstellt Polymarket gefälschte Wetten

Um die Werbefilme möglichst wirksam zu gestalten, stellt man möglichst hohe Gewinne dar, die oft im sechsstelligen Bereich liegen. So sichtete WSJ Videos, in denen Influencer durch angebliche Wetten auf Polymarket typischerweise Profite von bis zu 900.000 US-Dollar erreicht hätten.

Dabei soll es sich allerdings um Fälschungen handeln. Um eine logische Herleitung vorzutäuschen, erstellen die Influencer falsche Schlagzeilen oder handeln in ihren Videos auf gefälschten Webseiten.

Demnach betreibe Polymarket bewusst sogenannte Dummy-Websites wie Poiymarket.com. In der Domain ersetzte Polymarket den Buchstaben “l” also durch den Buchstaben “i”. In den Werbevideos sei das jedoch nur schwer zu erkennen. Zuschauer gehen deshalb von der Legitimität der gezeigten Inhalte aus. Fälschungen, die einfach zu erkennen sind, gibt Polymarket nicht zur Veröffentlichung frei.

“Polymarket stellt seinen Partnern vor der Veröffentlichung Skripte zur Verfügung und überprüft die Videos. (…) War ein Video offensichtlich gefälscht, wurde der Ersteller gebeten, es neu zu drehen”, schreibt das Wall Street Journal.

Das Unternehmen engagiert einerseits bekannte Personen des öffentlichen Lebens, um viel Aufmerksamkeit zu erlangen. Daneben stellt man vorwiegend Jugendliche aus dem asiatischen Raum als Clipper an.

Polymarket wähle vorrangig Jugendliche – einerseits, da diese besonders kostengünstig Leistungen liefern, und andererseits, um eine Basisbewegung vorzutäuschen. Sie verwerten das Videomaterial der bekannten Influencer.

Warum der Prognosemarkt Insiderhandel begünstigt

Auch den Insiderhandel begünstige Polymarket bewusst. Das Unternehmen ist nach unzähligen Vorfällen bereits als Hochburg des Insiderhandels bekannt. Möglich ist dies, da der internationale Ableger des Prognosemarktes ohne KYC nutzbar ist.

Durch die Daten der transparenten Blockchains entblößen Insider jedoch immer wieder ihre Identitäten. Besonders im Zusammenhang mit der Trump-Regierung sind die unlauteren Methoden mehrfach aufgeflogen.

So konnten Insider durch den 2026 ausgebrochenen Irankrieg über Polymarket Gewinne in Millionenhöhe erwirtschaften. Ähnliche Vorfälle spielten sich im Kontext der Verhaftung des venezolanischen Präsidenten ab. Ein Insider wurde als teilnehmender Soldat identifiziert und in den USA verhaftet.

Öffentlich gab Polymarket bereits Maßnahmen gegen den Insiderhandel bekannt. Diese betreffen allerdings nur den ohnehin streng reglementierten US-amerikanischen Ableger. Inzwischen ringe man bewusst um Trader mit manipulativen Absichten, meint das WSJ.

“Das Unternehmen bezahlt Influencer dafür, kurze Clips von Prominenten zu verbreiten, in denen diese darüber sprechen, wie einfach es wäre, Insiderinformationen für den Handel auf der Plattform zu nutzen”, heißt es im Bericht.

Als Beispiel dafür nennt man die bekannte Internetpersönlichkeit Adin Ross. Ross erreicht über verschiedene Dienste Millionen von Zuschauern.

Autor

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Facts Checked Fakten überprüft von Mathias Wagner
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