Krypto-News der Woche 18. September 2026

Das Wichtigste in Kürze
- Das US-amerikanische Krypto-Gesetz CLARITY scheiterte im US-Senat. Eine spätere Verabschiedung gilt nun als äußerst unwahrscheinlich.
- Der SEC-Vorsitzende Gary Gensler will die US-amerikanische Krypto-Öffnung weiter durchsetzen. Schon im August kündigte er ein neues Regelwerk an, das Investments fördern soll.
- Cyberkriminelle verschafften sich Zugang zur E-Mail-Adresse einer italienischen Behörde. Über diese erschlichen sie sich den Zugang zu sensiblen KYC-Daten. Bei den Opfern handelt es sich um besonders vermögende Krypto-Anleger der Neobank Revolut.
- Wegen hoher Inflationsdaten steigert die FED den US-Leitzins um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent. Bitcoin sank kurzfristig unter 75.000 US-Dollar, liegt nun aber wieder bei rund 78.000 US-Dollar.
- Trotz einiger Rückschläge bleibt der Kryptomarkt diese Woche robust. Besonders Altcoins aus den Bereichen DeFi und Smart Contracts verzeichnen erhebliche Gewinne.
CLARITY Act scheitert: US-Politik enttäuscht Kryptomarkt
Die US-Politik enttäuschte die Erwartungen der Kryptobranche diese Woche gleich zweimal. Besonders tragisch: Das Krypto-Gesetz CLARITY scheiterte in einer Abstimmung im US-Senat an der benötigten Mehrheit mit 49 Ja- zu 50 Nein-Stimmen. Somit wird es nicht weiter behandelt.
🚨 BREAKING: The Senate just BLOCKED advancement of the Trump and Scott Bessent-backed CLARITY ACT, landmark crypto regulatory framework regulation
This is cloture, so it needed 60 VOTES.
The final vote: 49-50
Even if it did pass the Senate after cloture, it still has to go… pic.twitter.com/RmhX4ZO2rj
— Eric Daugherty (@EricLDaugh) September 15, 2026
Nicht einmal sämtliche Stimmen der 53 republikanischen Abgeordneten konnte der Entwurf einsammeln. Eine erfolgreiche Verabschiedung des Krypto-Gesetzes gilt in absehbarer Zeit als undenkbar. Sollten sich die politischen Machtverhältnisse bei den Zwischenwahlen im November wie erwartet zugunsten der Demokraten verschieben, wäre sein Erfolg noch unwahrscheinlicher.
Die Republikanische Partei war sich ihrer verzwickten Lage bewusst. US-Präsident Donald Trump forderte seine Kollegen daher zu einem Kompromiss auf. In einer neuen Fassung des Gesetzes machten sie den Demokraten einige Zugeständnisse und erfüllten ihre Forderungen. Dennoch entschied sich die demokratische Minderheitsfraktion gegen das Gesetz.
Demokraten kritisierten, dass die sogenannten Ethikregeln nicht restriktiv genug seien. So verlangten sie, dass Trump seine Krypto-Investments aufgeben soll. Auch seine Kinder sollten ihre Krypto-Geschäfte ruhen lassen. Andernfalls stünde der US-Präsident in einem Interessenkonflikt.
Zusätzlich präsentierten die Republikaner eine neue Fassung eines ursprünglich unabhängigen Krypto-Gesetzes, das zuweilen zu einem Teil von CLARITY wurde. Auch hier galt der Versuch einer politischen Annäherung an die Demokraten, um die Verabschiedung des Gesetzes zu erwirken.
Die Denkfabrik Coincenter kritisierte die plötzlichen Veränderungen des Abschnitts BRCA. Jener soll dazu dienen, Blockchain-Entwickler vor willkürlichen Strafmaßnahmen durch Behörden zu schützen. Er entstand als Antwort auf die Verfolgung einiger Entwickler – etwa von Tornado.cash oder der Samourai Wallet.
Laut Coincenter wäre BRCA in seiner neuesten Fassung schädlich für die Kryptobranche, da Programmierer weiterhin de facto als Geldtransmitter gelten und deshalb für illegale Aktivitäten auf ihrer Blockchain oder in ihrer DeFi-Anwendung belangt würden.
Auch der Abgeordnete Tom Emmer, der BRCA 2018 erarbeitete, teilt diese Position. Weil CLARITY insgesamt scheiterte, ist auch der Absatz BRCA bis auf Weiteres vom Tisch.
Krypto-Vorstoß der USA scheitert? SEC will Lage retten
Der CLARITY Act galt als wichtigster Teil eines generellen Krypto-Vorstoßes, den US-Präsident Donald Trump vollziehen möchte. Es sollte gesetzliche Klarheit im Umgang mit Krypto herstellen, die in den Vereinigten Staaten von Amerika bislang fehlt. Folgerichtig fassen große Teile der Krypto-Szene die Verwerfung des Gesetzes als Rückschlag auf.
Paul Atkins, Vorsitzender der SEC, bemühte sich auf X anschließend, die Lage zu besänftigen. Schon vor der Abstimmung hatte die Börsenaufsichtsbehörde neue Krypto-Regeln angekündigt.
Das neue Regelwerk “Regulation Crypto Assets” soll den Herausgebern von Kryptowährungen eine gewisse regulatorische Rückendeckung bieten und sicherstellen, dass es zu weniger Repressalien kommt als in der Vergangenheit. Atkins hofft so, die Investments in die Branche anzuheizen. Am Mittwoch bestärkte Atkins diese Haltung einmal mehr.
“Mein Dank gilt allen, die sich so intensiv für den CLARITY Act eingesetzt haben (…) Unsere gemeinsame Überzeugung, dass Amerika weiterhin eine Führungsrolle einnehmen muss, ist unverzichtbar”, kommentierte Atkins die Abstimmung.
“Ich habe mich unmissverständlich geäußert: Ob mit oder ohne gesetzliche Regelung – wir werden im Rahmen der gesetzlichen Befugnisse der SEC entschlossen handeln, um amerikanischen Anlegern und den Unternehmern, die unsere technologische Zukunft gestalten, Sicherheit zu bieten. Bleibt gespannt”, fuhr er fort und bezog sich damit auf vorangegangene Aussagen über das im August neu vorgestellte Regelwerk.
My thanks go to everyone who put so much effort into the CLARITY Act— across the Administration, Congress, investors, and innovators. Our collective conviction that America must continue to lead is indispensable.
I have been unequivocal: with or without legislation, we will act…
— Paul Atkins (@SECPaulSAtkins) September 16, 2026
Neue Inhalte präsentierte Atkins allerdings nicht. Der CLARITY Act ist ein umfassendes Werk zur gesetzlichen Regelung von Kryptowährungen und der Blockchaintechnologie. Dessen Wirkung kann die SEC nicht auf eigene Faust ersetzen.
Bitcoin-Nutzer von Revolut durch Datenleck gefährdet
Vergangenes Wochenende sorgte die Neobank Revolut Schlagzeilen. Sie veröffentlichte Informationen, wonach es Cyberkriminellen gelang, sensible Daten über Revoluts Kunden zu erlangen. Revolut sendete die Informationen freiwillig an die Kriminellen – in dem Glauben, es handele sich dabei um legitime Ermittlungen einer italienischen Behörde.
Wie sich nun herausstellte, erlangten die Kriminellen zuvor den Zugang zu einer E-Mail-Adresse der italienischen Stadt Reggio Calabria. Diesen missbrauchten sie, um Nutzerdaten über Revolut abzufragen, die sie vorher über die transparente Bitcoin-Blockchain erspäht hatten.
Demnach suchten sie sich gezielt besonders vermögende Bitcoin-Investoren aus, die ihre Coins über Revolut handeln. Über die Neobank erlangten die den Zugang zu Kontaktdaten, Wohnadressen und KYC-Informationen von angeblich 680 Personen.
‼️ BREAKING: The Revolut hacker has shared with Duel's investigation team, for the first time, a complete video showing the scale of his information treasure trove. Multiple celebrities are included in the leaks.
The hacker plans to announce his ransom demands today.
Here's… pic.twitter.com/KFxufIZfUw
— Korra (@korraflow) September 16, 2026
Die Informationen können etwa für Phishing, Identitätsdiebstahl aber auch für Raubüberfälle (unter anderem die sogenannten Wrench Attacks) missbraucht werden.
Die Cyberkriminellen sollen von April bis September 2026 im Kontakt mit Revolut gestanden haben. Revolut soll dabei lange Zeit naiv und gutgläubig mitgespielt haben, ohne Gegenfragen zu stellen.
Zuletzt forderten die beiden Kriminellen Lösegeld von Revolut. Es soll sich um zwei Personen mit den Pseudonymen Smilik und IAmNotAVillain handeln, die getrennte Forderungen stellten. Zunächst verlangte ein Beteiligter 10.000 Bitcoin im Wert von 763 Millionen US-Dollar.
Später tauchte eine zweite Forderung von 6.000 XMR im Wert von rund drei Millionen US-Dollar auf. Sollte Revolut das Geld nicht zahlen, drohe der Verkauf der Kundendaten auf dem Schwarzmarkt. Eine zeitliche Frist verstrich gestern Abend um 18.00 Uhr.
Der aktuelle Stand ließ sich für Blockchainwelt zum Freitag nicht abrufen, da der Onion-Dienst zu dieser Zeit nicht mehr erreichbar war. Der Vorfall erinnert an einen Hackerangriff durch Rhysida auf das Berliner Landesnetz im August.
Weil Berlin die Zahlung von 30 BTC – rund 2,3 Millionen US-Dollar – versäumte, veröffentlichten die Hacker Anfang September 5,8 Terabyte an Daten.
FED erhöht Leitzins, Bitcoin-Kurs reagiert
Am Mittwoch stimmte das entscheidende Komitee der FED, das FOMC, einstimmig für die Anhebung des US-Leitzinses. Die Zentralbank reagiert damit wie erwartet auf die rasant gestiegene Inflation in den USA.
Durch die Anhebung der Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte auf nunmehr 3,75 bis 4,00 Prozent sank die Stimmung am Kryptomarkt kurzfristig deutlich. So notierte BTC zeitweise unter 75.000 US-Dollar.
Inzwischen konnte sich das Sentiment wieder bessern. Zum Redaktionsschluss liegt der Bitcoin-Kurs bei rund 78.000 US-Dollar und nähert sich somit wieder der 80.000-Dollar-Schwelle an, bei der sich die Kryptowährung zuletzt tagelang aufhielt.
Laut James Butterfill von CoinShares hat sich die Marktlage durch die Zinserhöhung und CLARITYs Scheitern jedoch bedeutend verändert.
“Die Aussicht auf eine nachhaltige Erholung am Kryptomarkt hat sich eingetrübt: Die restriktivere Haltung der US-Notenbank und der Rückschlag für den CLARITY Act belasten das Marktumfeld”, schreibt Butterfill in einer E-Mail an Blockchainwelt.
Inzwischen sei die Grundlage für eine Bitcoin-Rallye über 80.000 US-Dollar nicht mehr gegeben, argumentiert der Experte.
“Für Bitcoin ergibt sich damit bis zum Jahresende ein schwieriges Umfeld. Ein nachhaltiger Ausbruch über 80.000 US-Dollar ist aus unserer Sicht unwahrscheinlich”, führt Butterfill aus.
Neben den geldpolitischen Entwicklungen spiele dabei auch der Irankrieg weiterhin eine Rolle, dessen Ausgang immer noch unklar ist. Er übe einen starken Inflationsdruck aus, indem er das Angebot des Erdöls am Weltmarkt verknappt.
Kursgewinne unter Altcoins geben Ton an
Trotz einiger Rückschläge in dieser Woche, zeigt sich der Kryptomarkt aktuell bemerkenswert stark. Unter verschiedenen Altcoins sind sogar erhebliche Kursgewinne festzustellen.
Besonders deutlich fallen die Kursgewinne bei Arbitrum (ARB) aus. Die Skalierungslösung für Ethereum erhielt eine positive Prognose der Geschäftsbank Standard Chartered, die bei Arbitrum erhebliches Potenzial für institutionelle Nutzer sieht.
Infolgedessen stieg ARB im Wochentrend um 48 Prozent auf einen Marktwert von 0,21 US-Dollar. Laut Standard Chartered werde der Preis bis 2030 auf 10,00 US-Dollar steigen.
Den zweiten Rang im Wochentrend fährt Uniswap (UNI) mit 40,00 Prozent Kursgewinn ein. UNI notiert zum Redaktionsschluss bei 8,63 US-Dollar. Es handelt sich um den Governance Token des gleichnamigen DEX. DeFi-Protokolle waren schon in der vergangenen Woche beliebt.
Beliebt ist auch die Smart-Contract-Plattform Near Protocol (NEAR). Der NEAR-Token konnte seinen Marktwert im Wochentrend um 38 Prozent steigern. Er notiert zum Redaktionsschluss bei 3,59 US-Dollar.
