Krypto-News der Woche 11. September 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Liquid Network verlor 400 Millionen US-Dollar wegen eines Fehlers im Programmcode. Nun entbrennt ein Streit über den Verbleib der Bitcoin mit angeblichen White-Hat-Hackern.
  • Lars Klingbeil, deutscher Finanzminister, plante schon während der Koalitionsverhandlungen mit der CDU eine Steuerreform. Nun nimmt eine Krypto-Steuer erstmals konkrete Formen an. Diese soll pauschal bei 25 Prozent liegen.
  • Ein Hackerangriff auf den Marketingdienstleister Brevo legt die E-Mail-Adressen von Millionen Krypto-Nutzern offen und verursacht eine Flut von Phishing-Mails. Betroffen sind Nutzer von BitBox, CoinTracking und Trezor.
  • Der Bitcoin-Kurs stagniert unter 80.000 US-Dollar. Womöglich wartet er jetzt auf einen Zinsentscheid der FOMC in der kommenden Woche.
  • DeFi-Projekte sind aktuell angesagt. Sie dominieren den Wochentrend am Kryptomarkt.

Nach Liquid-Network-Hack: Streit über Bitcoin bricht aus

Am Wochenende wurde das Liquid Network zum Opfer eines Hackerangriffs. Unbekannten ist es gelungen, beinahe die gesamten Reserven des Netzwerks auszuräumen. Liquid verwahrte rund 4.200 Bitcoin. Rund 4.000 Coins (~308 Millionen US-Dollar) wurden durch Unbefugte über die Ausnutzung eines Sicherheitsfehlers entwendet.

Weil die Strippenzieher entsprechende Nachrichten auf der Blockchain hinterließen, nahm Liquid zunächst an, es handele sich dabei um White-Hat-Hacker, die zur Verbesserung der IT-Sicherheit die Schließung von Fehlern unterstützen.

Tatsächlich sendeten die Hacker kurz nach dem Vorfall 3.400 Bitcoin zurück an Liquid. Allerdings behielt man eigenmächtig die Kontrolle über 598,5 BTC mit einem Gegenwert von rund 46 Millionen US-Dollar. Diese Entscheidung kritisiert Liquid inzwischen hart.

Zwar ist es üblich, dass Hacker für die Entdeckung eines schwerwiegenden Fehlers hohe Aufwandsentschädigungen erhalten – einen sogenannten Bug Bounty – allerdings verweigert Liquid derzeit eine Auszahlung. Augenscheinlich schließt man eine Entschädigung sogar generell aus.

“Blockstream wird kein Lösegeld für die Rückgabe gestohlener Gelder zahlen. Die unbefugte Aneignung von Vermögenswerten und die Verweigerung ihrer Rückgabe ist eine Straftat und keine verantwortungsvolle Offenlegung. Es handelt sich nicht um eine „White-Hat“-Aktivität. Es ist Diebstahl”, schrieb Blockstream vor wenigen Stunden über X.

Blockstream gilt als das wichtigste Unternehmen für die Entwicklung des Bitcoins, da es mehrere Bitcoin-Core-Entwickler engagiert und finanziert. Das Liquid Network ist eine Skalierungslösung für den Bitcoin, die Blockstream selbstständig entwickelt.

Blockstream forderte die Hacker dazu auf, die letzten Gelder freiwillig zurückzugeben. Man werde kein Lösegeld zahlen, da es sich um eine quelloffene Entwicklung handele.

“Wir werden nicht dazu beitragen, dass ein Präzedenzfall geschaffen wird, wonach Open-Source-Software, die zum Wohle der Bitcoin-Community entwickelt wurde, ihre Entwickler dazu zwingt, ein Lösegeld zu zahlen, das ihre wirtschaftliche Beteiligung bei weitem übersteigt.”

Zur Schadensminimierung wurde das Liquid Network am Wochenende abgeschaltet. Seit gestern ist es wieder online. Transaktionen innerhalb Liquids können wieder abgewickelt werden. Nur Abzüge aus dem Netzwerk bleiben weiterhin deaktiviert, bis der Verbleib der Gelder endgültig beschlossen ist.

Dieser Fehler verursachte Liquids Millionenverluste

Laut Stellungnahmen von Blockstream und SideSwap sei es den unbekannten Hackern durch die Ausnutzung eines Fehlers im Programmcode von Elements gelungen, tausende Bitcoin zu ergattern.

Elements ist ein Fork von Bitcoin Core. Es handelt sich dabei also um die zugrundeliegende Technologie, über die das Liquid Network läuft. Angreifer konnten einen Fehler entdecken und ausnutzen, der die Erstellung von L-BTC ohne Deckung ermöglicht. L-BTC ist ein Bitcoin-Derivat auf Liquid.

So erstellten sie dann exakt 3.996 L-BTC, die sie kurze Zeit später über einen Token-Burn vernichteten. Weil L-BTC eigentlich nur über die Hinterlegung echter BTC entstehen sollen, zahlte Liquid automatisch 3.996 Bitcoin an die Hacker aus.

Nach jetzigem Kenntnisstand verschuldete Entwickler Blockstream den schwerwiegenden Fehler erst am 3. August mit einem Update. SideSwap – der Dienst, der die Bitcoin letztlich an die Hacker übersendete – gab kürzlich eine Teilschuld zu, da man die ungedeckten L-BTC annahm und gegen echte Bitcoin tauschte.

“Einfache Überprüfungen von Volumen, Geschwindigkeit und Ursprung hätten das Problem aufgedeckt. Wir hatten jedoch keine solchen Überprüfungen eingerichtet”, gab SideSwap zu.

Neue Krypto-Steuer in Deutschland nimmt Form an: So sieht sie aus

Über die vergangenen Jahre gab es in der Politik immer wieder Debatten über die existierende Krypto-Steuer. Dass Investoren ihre Einnahmen vollständig behalten dürfen, sofern sie eine einjährige Haltefrist beachten, sorgte wiederholt für Ärger.

Zu den Kritikern der aktuellen Steuerfreiheit zählt auch SPD-Mitglied und amtierender Bundesfinanzminister Lars Klingbeil. Sein Ministerium soll Mitte August einen Referentenentwurf entwickelt haben, dessen Inhalte nun in die Hände verschiedener Medien gelangten.

So gab Welt kürzlich bekannt, Einblicke in den Entwurf erhalten zu haben. Daraus geht hervor, welche Besteuerung das Bundesfinanzministerium plant. So soll ab dem 1. Januar 2028 eine Abgabe von 25 Prozent als Kapitalertragssteuer geleistet werden. Hinzu kommt der Solidaritätszuschlag, sodass die Steuer letztlich bei 26,375 Prozent liegt.

Dieselbe Abgabe soll auch auf Krypto-Lending und Staking anfallen. Sollte Klingbeil sein Konzept realisieren, wird die neue Steuer bereits ab dem 1. Januar 2027 berechnet. Trading, Lending und Staking, das bis zu diesem Datum erfolgt, unterliegt weiterhin dem geltenden Gesetz.

Klingbeil erhofft sich dadurch Mehreinnahmen für den Staatshaushalt. Je nach Situation könnten Trader sogar profitieren. Wer Kryptos aktuell vor der einjährigen Haltefrist veräußert, zahlt den persönlichen Steuersatz (bis 45 Prozent). Selbiges gilt für Einnahmen aus dem Staking und Lending. Der Referentenentwurf strebt eine pauschale Abgabe in Höhe von 25 Prozent an.

Für die Durchsetzung des Gesetzes möchte man Krypto-Dienstleister in die Pflicht nehmen. Diese sollten dann die entsprechenden Abgaben für den Staat einziehen. Sollte eine fallspezifische Berechnung aufgrund fehlender Daten nicht möglich sein (hier sind Kaufdatum und Einstandspreis entscheidend), sollen die Dienstleister pauschal 50 Prozent des Verkaufserlöses einbehalten.

Die Steuer soll nur sogenannte Tauschkryptowerte betreffen – gemeint sind volatile Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum – nicht aber NFTs, RWAs, Security-Token oder Stablecoins.

Ein Referentenentwurf muss zunächst das Bundeskabinett, den Bundesrat und schließlich den Bundestag passieren, um als Gesetz wirksam zu werden. Der Entwurf hat also noch einen weiten Weg vor sich.

Hack von Brevo verursacht Katastrophe unter Wallet-Herstellern

Ein erfolgreicher Hack des Marketingdienstleisters Brevo beweist sich als Katastrophe für die Kryptobranche, so vermeldet Trezor. Mehrere große Unternehmen der Industrie setzten auf diesen Partner und machten ihn damit zu einem attraktiven Ziel.

Brevo war dem Druck offenbar nicht gewachsen. Durch eine Sicherheitslücke erlangten Cyberkriminelle den Zugriff auf die Daten von Millionen Krypto-Nutzern. Betroffen sind Abonnenten der Newsletter von BitBox, CoinTracking und Trezor.

BitBox und Trezor sind zwei bekannte Hersteller von Hardware Wallets, während CoinTracking ein Steuerdienstleister ist, der sich auf Kryptowährungen konzentriert.

Der Sicherheitsvorfall scheint allein in der Krypto-Szene mindestens 2,5 Millionen Nutzer zu betreffen, an deren E-Mail-Adressen die Kriminellen gelangten. Diese Informationen nutzten sie aus, um Phishing zu betreiben.

Durch den mutmaßlichen Einsatz von E-Mail-Spoofing wirkten die Nachrichten täuschend echt. Wie hoch die verursachten Schäden sind, ist bislang unbekannt. Neben den drei Krypto-Firmen sind etliche weitere Unternehmen vom Vorfall betroffen. Insgesamt hätten die Hacker demnach den Zugriff auf ganze 120 Brevo-Konten erlangt.

Bitcoin-Kurs ruhig: Naht ein Sturm?

Der Bitcoin-Kurs bleibt im Wochentrend ruhig. Die im August begonnene Rallye endete am Wochenende bei einem regionalen Hoch von über 82.000 US-Dollar. Seither notiert BTC unter 80.000 US-Dollar. Zum Redaktionsschluss liegt der Marktwert bei 77.772 US-Dollar. BTC liegt im Wochentrend damit 2,14 Prozent im Minus.

Laut Einschätzung von CoinShares könnte die Kryptowährung bereits nächste Woche frische Gewinne einsammeln und dann womöglich sogar eine Kursrallye fortsetzen. Schuld daran sei ein nahendes Treffen des FED-Komitees FOMC vom 15. bis zum 16. September.

Dabei entscheidet das FOMC über die Zukunft des US-Leitzinses, der aktuell bei 3,50 bis 3,75 Prozent liegt. Aktuell sei die Lage unklar und verlange vom FOMC deshalb eine Entscheidung.

“Kurzfristig hängt die Fortsetzung der Rally stark von den US-Inflationsdaten dieser Woche ab. Sie dürften entscheidend dafür sein, wie der Markt die nächste Fed-Sitzung im September bewertet. Nach den robusten Arbeitsmarktdaten ist die Erwartung einer schnellen Zinssenkung zuletzt vorsichtiger geworden”, schreibt Marc des Ligneris von CoinShares.

Sollte der Leitzins sinken, sei dies eine bullische Nachricht für den Kryptomarkt. Erhöhte Inflationsdaten deuten jedoch sogar auf eine potenzielle Zinserhöhung hin. Letztlich könnte sich ein geringerer Leitzins durchsetzen, meint des Ligneris.

polymarket fomc zinsentscheid september 2026
Spekulanten auf Polymarket rechnen aktuell mit einer Leitzinsanhebung.

“Mittelfristig bleibt der Druck auf niedrigere kurzfristige Zinsen jedoch bestehen”, fügt der Experte an.

Diese DeFi-Projekte verzeichnen massive Gewinne

Am Kryptomarkt liegen DeFi-Projekte diese Woche im Trend. Eindeutiger Wochensieger ist der DEX Raydium mit seinem gleichnamigen Token, der sich unter dem Ticker RAY finden lässt.

Raydium befindet sich im Wochentrend ganze 96 Prozent im Plus und notiert bei 1,59 US-Dollar. Auf dem zweiten Rang folgt der Venice Token (VVV) der KI-Plattform Venice.ai. Dieser legte im Wochentrend um 52 Prozent zu und notiert nun bei 26,32 US-Dollar.

Den dritten Rang belegt das Stablecoin-Projekt Falcon Finance (FF) mit 47,55 Prozent Kursgewinn über die letzten sieben Tage. FF notiert bei 0,16 US-Dollar.

Autor

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Facts Checked Fakten überprüft von Mathias Wagner
Auch interessant
Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert