Der Blockchainwelt Wochenrückblick 12. Juni 2022

In der letzten Woche tat sich viel in der Kryptowelt. Ethereum rückt dem Wandel zu Proof-of-Stake ein großes Stück näher. Währenddessen wird die erste CBDC zur offiziellen Währung und Krypto-Adoption sowie deren Zensur schreiten voran.

Das Wichtigste in Kürze

  • Edge Card publik – riesiger Meilenstein für die Verwendung von Kryptos
  • Ethereums Merge gelingt auf dem Ropsten Testnet
  • Jamaika implementiert erste CBDC der Welt als Währung
  • Litauen arbeitet an Verbot von non-custodial Wallets

Ethereum Merge gelingt auf Ropsten Testnet

Ropsten ist eines von fünf öffentlichen Ethereum-Testnets. Es gilt als zuverlässiger Testbereich für kommende Veränderungen des Mainnets, da es diesem besonders ähnlich ist.

Auf Ropsten gelingt nun der Merge – die Verschmelzung zwischen der bisherigen Ethereum-Blockchain, die auf Proof-of-Work basiert, sowie einer neueren Blockchain, die über einen Proof-of-Stake-Algorithmus funktioniert.

Am Ende der Testläufe steht die Verwirklichung der als Ethereum 2.0 bekannten Idee. Durch diese sollen die altbekannten Skalierungsprobleme der Smart Contract Plattform endlich gelöst werden.

Das Ereignis soll noch dieses Jahr auf dem Mainnet stattfinden. Grundlage ist die neue Beacon Chain. Sie dient Ethereum 2.0 als Konsensebene, auf der die Legitimität von Transaktionen geprüft wird.

Die Arbeit übernehmen dann die sogenannten Shard Chains, bei denen es sich letztlich um Layer-2-Lösungen handelt. Dadurch verhindert man die Überlastung der zugrundeliegenden Blockchain – ein Problem, welches die aktuelle Ethereum-Blockchain trifft.

Ein Großteil der Transaktionen wird hingegen auf die Shards als weitere Blockchains ausgelagert. Das Prinzip ist mit der Beziehung zwischen Bitcoin und dem Lightning Netzwerk vergleichbar.

Damit der Merge (deutsch: auch Fusion) auf dem Mainnet stattfindet, müssen zuvor noch Proben auf den Testnets Goerli und Sepolia gelingen.

Jam-Dex: Jamaika führt CBDC als Landeswährung ein

Der Gegenspieler der Kryptowährungen sind die CBDCs. Dieses digitale Zentralbankgeld ermöglicht seinen Nutzern nicht etwa mehr Freiheit und Selbstbestimmung, sondern das genaue Gegenteil.

CBDCs führen zu mehr Kontrolle und Überwachung der Nutzer zum Vorteil der Behörden. Diese erkennen die Vorzüge in vielen Ländern der Erde und arbeiten daher oft aktiv an einem eigenen Produkt.

Besonders bekannt sind die chinesische Lösung, welche den Namen digitaler Yuan trägt, und der nigerianische e-Naira. Auch ein digitaler Euro soll ab 2023 gesetzlich implementiert sein und anschließend in Europa breite Anwendung finden.

In Jamaika wird das noch diesen Juni Realität. Jüngst erklärte man die CBDC Jam-Dex zur offiziellen Landeswährung. Bislang ist es vorrangig das Bargeld, welches das Vertrauen der Jamaikaner genießt.

Durch eine Ernennung der CBDC zum offiziellen Zahlungsmittel sorgt man für deren Akzeptanz bei nahezu allen Händlern des Inselstaates. Selbsterklärend sind auch Zahlungen bei staatlichen Stellen fortan mit dem Jam-Dex machbar.

Der Jam-Dex ist eine digitale Version des Jamaika-Dollar, der in seiner bisherigen Version bereits Landeswährung ist.

Die Entwickler und Behörden weisen hauptsächlich auf dessen Vorzüge hin. Der Nutzungskomfort und die Sicherheit sollen steigen. Durch eine digitale Währung lässt sich Geld immerhin viel einfacher verschieben. Das gilt natürlich auch für CBDCs.

Der Krypto-Unternehmer Erik Vorhees ist einer von vielzähligen Kritikern des digitalen Zentralbankgelds. Er klärt über die Schwächen auf, welche staatliche Stellen gern verschweigen.

Litauen: Folgt ein Verbot von non-custodial Wallets?

Litauens Finanzministerium ist mit der aktuellen Gesetzeslage von Kryptowährungen nicht zufrieden. Deshalb entwickelte die Behörde eine Veränderung eines bestehenden Geldwäschegesetzes.

Mal wieder ist es die erhöhte Selbstbestimmung, die durch Bitcoin und Co. möglich ist und von einer Behörde als negativ empfunden wird, denn die Gesetzesänderung sieht ein komplettes Verbot von non-custodial Wallets vor.

Laut Gesetzestext fordert man die Verhinderung der Erstellung anonymer Wallets – ein vollkommen utopischer Gedanke, dessen Umsetzung zumindest eine umgreifende Zensur des Internets voraussetzt.

Finanzministerin Gintarė Skaistė begründet diese Entscheidung mit Entwicklungen, die sich innerhalb der EU abzeichnen. Im Rahmen der Geldtransferverordnung (TFR) beschloss die EU eine äußerst strenge Umsetzung der FATF Travel Rule.

Die Gesetzesänderung geschehe also in Vorbereitung der TFR. In Deutschland ist ein ähnliches Gesetz mit dem Namen Kryptowertetransferverordnung bereits seit 2021 offiziell gültig, wird aufgrund seiner Unmachbarkeit allerdings nicht praktiziert. Im letzten Wochenrückblick nahm Blockchainwelt Bezug auf dieses Gesetz.

Damit das litauische Gesetz verabschiedet wird, bedarf es zuerst der Zustimmung des Landesparlaments. Auch dann bleibt fraglich, ob es jemals Anwendung findet. Genau wie die TFR umfasst die Gesetzesänderung mehrere Neuerungen.

NFTs ohne Krypto kaufen – dank Mastercard möglich

Zuweilen sind NFTs ein populäres Thema, das sogar außerhalb der Krypto-Szene seit 2021 große Aufmerksamkeit erlangte. Offenbar interessieren sich zunehmend Personen für digitale Kunstwerke, die zuvor keine Berührungspunkte mit Kryptowährungen hatten.

Diese Tatsache erkannten schon mehrere Entwickler und erschufen daher Lösungen für ein Publikum, das zwar Non-Fungible Token erwerben möchte, allerdings nicht über die dafür nötigen Kryptos verfügt.

Im Februar berichtet Blockchainwelt über NFT-Automaten, an denen Kunden digitale Kunst gegen Fiatgeld erwerben können. Ab sofort gibt es eine weitere Möglichkeit: Auf dem NFT-Marktplatz der Krypto-Börse Coinbase lassen sich Einkäufe mit einer handelsüblichen Mastercard realisieren.

Edge Card: Krypto-Kreditkarte ohne KYC – ein Meilenstein

Mastercard machte auch abseits der in Zusammenarbeit mit Coinbase erstellten Ankündigung Schlagzeilen und das offenbar ungewollt.

Das Krypto-Unternehmen Edge, welches für seine funktionsreiche Edge Wallet bekannt ist, kündigte am 8. Juni die Edge Card an, die auch als Edge Mastercard oder Confidential Mastercard (vertrauliche Mastercard) bezeichnet wird.

Dabei handelt es sich um einen echten Meilenstein, denn die Edge Card ist eine Krypto-Kreditkarte, die komplett auf eine Identifizierung durch KYC-Maßnahmen verzichtet und daher den Zweck von Kryptos besser schützt als jedes vergleichbare Produkt zuvor.

Nutzer könnten so bei unzähligen Annahmestellen klassische Zahlungswege nutzen, um Produkte mit Kryptowährungen zu kaufen, die vorher nicht über längere Zeit in Fremdverwahrung gegeben werden müssen.

Die Edge Card ist zu Beginn nur als virtuelle Version verfügbar, soll bald aber auch in einer physischen Version erscheinen.

Es besteht ein tägliches Limit von 1.000 US-Dollar. Eine Aufladung ist in Echtzeit möglich – mit Kryptowährungen aus der non-custodial Edge Wallet heraus. Offiziell heißt es sogar, dass Gebühren dabei nicht anfallen.

Verschiedene Nutzer machten jedoch darauf aufmerksam, dass die Berechnung von Gebühren doch erfolgt – womöglich durch einen erhöhten Spread.

Mastercard war mit Edges Ankündigung allerdings nicht zufrieden und bestritt eine Involvierung. Kurze Zeit später war das Angebot daher schon nicht mehr erreichbar.

Bislang war es zwar jedem Nutzer möglich, eine virtuelle Kreditkarte innerhalb der Edge Wallet zu erstellen, die Nutzung dieser war jedoch nur in den USA freigeschaltet.

Ob das Angebot bestehen kann, obwohl Mastercard eine fehlende Erlaubnis bemängelt und ob es jemals außerhalb der USA gültig ist, kann nicht gesagt werden. Durch die Edge Card könnte man jedoch einen großen Schritt für die Nutzbarmachung von Kryptos vollziehen.

Wo steht der Kryptomarkt Mitte Juni 2022?

Der Bitcoin fällt in den letzten sieben Tagen um 7,3 Prozent und liegt aktuell bei einem Kurs von 27.450 US-Dollar. Trotz Medienaufmerksamkeit rund um das Thema Merge verliert Ethereum im gleichen Zeitraum 17,8 Prozent und fällt damit auf 1.460 US-Dollar.

Bitcoin Sieben Tage Trend 12. Juni 2022

Nennenswerte Gewinne konnte in dieser Woche keine einzige Kryptowährungen unter den Top 100 einfahren. Es zeichnen sich viele rote Zahlen ab. Gute ⅔ der Top 100 verzeichnen zweistellige prozentuale Verluste in den letzten sieben Tagen. Die Zahlen reichen dabei bis zu -37 Prozent.

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Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

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