Liquid Network von Blockstream – Skalierung statt Dezentralisierung?

Das Blockstream Liquid Network bietet eine mögliche Lösung für Bitcoins bekannte Achillesverse, das Skalierungsproblem. Dabei greift das Unternehmen auf bekannte Ansätze zurück, rollt das Feld aber von einer anderen Seite auf. Neben vielen Vorteilen, die das neue Netzwerk bietet, gibt es auch den ein oder anderen Haken, den es zu beachten gilt.

Liquid Network Logo von Blockstream
Liquid Network Logo von Blockstream @blockstream.com

Was ist Blockstream Liquid?

Das Start-up Blockstream ist einer der führenden Unternehmen, wenn es um die Entwicklung der Bitcoin Infrastruktur geht. Im Oktober 2018, drei Jahre nach der ersten Ankündigung, kann das Unternehmen endlich das Ergebnis abliefern.

Das neue Netzwerk basiert auf Bitcoin Sidechains, um die Haupt-Blockchain (Was ist Blockchain?) zu entlasten. Das Skalierungsproblem gehört zu den größten Schwachpunkten von Bitcoin. Blockstreams Lösungsansatz möchte folgende Ziele erfüllen:

  • Schnellerer Handel
  • Höhere Kapitaleffizienz
  • Verbesserung der Privatsphäre
  • Zuverlässigkeit
Video: Bitcoin Liquid Network einfach erklärt

Wie funktioniert das Network?

Die Idee der Sidechains ist zunächst einmal nichts Neues. Viele werden hier schnell an das Lightning Network denken. Liquid verwendet zwar in den Grundzügen die gleiche Technologie, doch hier handelt es sich um sogenannte föderierte Sidechains. Dazu hat Blockstream insgesamt 23 verschiedene Bitcoin involvierte Unternehmen zu einem Konsortium versammelt. Diese fungieren als Funktionäre innerhalb des Netzwerks. Der Großteil dieser Unternehmen sind große Exchanges, Trader und Finanzinstitute aus 9 verschiedenen Ländern. Sie machen insgesamt mehr als 50 % des Trading Volumens von Bitcoin aus.

Diese Unternehmen, die Blockstream als Mitglieder bezeichnet, wandeln für den Nutzer Bitcoins in Liquid-Bitcoins (L-BTC) um. Der L-BTC ist 1:1 mit dem Bitcoin gedeckt. Die Summe in Form von Bitcoins wird dann eingefroren und solange verwahrt, bis sie wieder zurückgetauscht werden. Die Mitglieds-Börsen übernehmen dann die Transaktionsabwicklung für den Nutzer. Da es ein föderiertes System ist, sind keine mehrfachen Bestätigungen einer Transaktion mehr nötig. So kann eine Transaktion erheblich schneller abgewickelt werden.

Eine neue Funktion ist der Handel mit emittierten Vermögenswerten, oder auch Issued Assets genannt. Es erlaubt den Nutzern beliebige Vermögenswerte in Liquid-Token umzuwandeln. Das ist besonders für Unternehmen und Händler interessant, da sie nun auch andere Werte außer Bitcoins handeln und über die Sidechains transferieren können.

Während der Beta-Test-Phase ist die Nutzung von Liquid noch kostenlos. Später müssen Nutzer ein kostenpflichtiges Abonnement abschließen.

Liquid Core Desktop Wallet
Liquid Core Desktop Wallet @blockstream.com

Liquid Core – das neue Wallet für das Liquid Network

Im vergangenen Monat kündigte Blockstream das neue plattformübergreifende Desktop-Wallet Liquid Core an. Dieser soll weitaus benutzerfreundlicher und übersichtlicher sein für den Endnutzer, als zum Beispiel der Liquid-Client. Bisher mussten Nutzer mit einem Command Line Interface zurechtkommen, das vor allem für technisch weniger versierte Nutzer eine Herausforderung sein konnte. Nun wird das Senden und Empfangen von L-BTC erheblicher einfacher.

Das neue Wallet erlaubt auch das Erstellen von Issued Assets. Somit steht dem Nutzer die volle Bandbreite des Liquid-Networks zur Verfügung. Damit die Nutzer sich mit dieser Funktion vertraut machen können, hat das Unternehmen Free-Tokens erstellt. Mit den „free-beer-Tokens“ können die User experimentieren, um sich mit der Funktionsweise vertraut zu machen, bevor sie schließlich eigene Assets erstellen.

Green Wallet von Blockstream
Green Wallet von Blockstream @blockstream.com

Blockstream Green Wallet für Android und iOS

Wie das vorherige GreenAddress verwenden die neuen „Green Wallets“ standardmäßig 2 von 2 Multisig, wobei ein Schlüssel auf dem Gerät und ein Schlüssel auf den Servern von Blockstream gehalten werden. Auf diese Weise wird eine anwendungsbasierte Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) erreicht.

Zu den in der App verfügbaren 2FA-Methoden gehören: Google Authenticator, E-Mail, Telefonanruf und SMS. Die Nutzung von Green’s 2FA und die Mitzeichnung von Transaktionen wird allen Nutzern kostenlos zur Verfügung gestellt.

Was bedeutet der neue Blockstream Ansatz für die Nutzer?

Die Vorteile des Liquid-Networks sind nicht von der Hand zu weisen. Die Sidechains können eine Transaktion innerhalb von 2 Minuten abwickeln. Das ist eine deutliche Verbesserung. Ein weiterer entscheidender Vorteil ist die Möglichkeit Issued Assets einzubauen. Das weitet den Handlungsspielraum für Bitcoin Nutzer.

Außerdem entfällt das Proof-of-Work Mining durch den föderierten Ansatz. Das senkt den Energieverbrauch und dämmt die Kosten ein. Doch hier folgt auch gleich ein Haken bei diesem Konzept. Es bedeutet, dass ein großes Stück Dezentralisierung aufgegeben werden muss. Bisher werden alle Full-Nodes ausschließlich von den Mitgliedern des Konsortiums betrieben. In Zukunft könnte es sein, dass Benutzer dieses Recht eingeräumt wird. Auf der Firmenwebsite wird jedoch betont, dass die Liquid-Nodes mehr Ressourcen verbrauchen könnten als Bitcoin-Nodes.

Vermutlich werden die meisten Nutzer nie in direkter Interaktion mit dem Netzwerk treten oder aktiv an Entscheidungsprozessen und Zahlungsabwicklungen beteiligt. Das Netzwerk ist eher auf die Interessen und Bedürfnisse großer Trader ausgelegt, die darauf angewiesen sind schnell auf Marktunterschiede reagieren können. Wer Liquid für sich in Betracht ziehen will, muss Dezentralisierung gegenüber Effizienz abwägen.

Liquid Network News

09.05.2019: Liquid geht auf Bitfinex live, die BitMEX-Integration steht kurz bevor.

08.05.2019: Das Liquid Network von Blockstream ist um 14 neue Mitglieder erweitert worden. Mit diesen Ergänzungen zählt Liquid nun 35 Institute zu seinen Kunden.