Facebook entwickelt Kryptowährung für WhatsApp

Aus verschiedenen Quellen geht hervor, dass Facebook an der Entwicklung einer eigenen Kryptowährung arbeitet. Diese soll Geldtransaktionen innerhalb der Messaging-App WhatsApp ermöglichen. Laut Bloomberg handelt es sich hierbei um eine Stablecoin, die an den Wert des US-Dollars gebunden ist.

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WhatsApp Icon auf Smartphone

Facebook erforscht das Potenzial der Blockchain

Wie Bloomberg am 21. Dezember 2018 berichtete, soll Facebook an der Entwicklung einer eigenen Kryptowährung zur Abwicklung von Transaktionen über WhatsApp arbeiten. Bei dieser Kryptowährung handelt es sich dem Vernehmen nach um eine Stablecoin, die durch eine Wertbindung an den US-Dollar eine geringe Volatilität aufweisen soll. Der Medienkonzern wurde in den vergangenen Monaten für die Datenschutzverletzungen im Rahmen des Cambridge-Analytica-Skandals kritisiert. Mittlerweile wurde auch bekannt, dass Facebook Abkommen zur Datenübermittlung mit einigen großen Konzernen abgeschlossen hat. So werden beispielsweise Informationen über Kontakte oder die Inhalte privater Nachrichten an die Konzerne weitergeleitet. Zudem musste Facebook einen stärkeren Kostenanstieg aufgrund der steigenden Datenschutzmaßnahmen in Kauf nehmen, sodass auch der Aktienkurs hinter den Erwartungen des Marktes zurückblieb.

Der Fokus auf die Blockchain-Technologie soll den negativen Trend durchbrechen und das Unternehmen aus der Krise bringen. Aus diesem Grund hat Facebook in den vergangenen Monaten zahlreiche Blockchain-Entwickler engagiert. Allein im Business-Netzwerk LinkedIn lassen sich mehr als 40 Facebook-Entwickler mit dem Zusatz Blockchain finden. Aus dem direkten Umfeld des Unternehmens geht nun hervor, dass es an der Entwicklung einer Stablecoin arbeitet. Diese soll die Volatilität reduzieren und sich am Devisenkurs des U.S. Dollar orientieren. Allerdings verdeutlicht der Bericht auch, dass Facebook nicht vor der Veröffentlichung einer Kryptowährung steht. Vielmehr befindet sich das Unternehmen aktuell in der strategischen Planung. Zudem wurde noch nicht geklärt, welches Währungsvolumen zur Deckung der Kryptowährung gehalten wird. Für Experten und Brancheninsider ist der Plan zur Entwicklung einer eigenen Kryptowährung allerdings keine sonderliche Überraschung, denn seit mehreren Jahren wird erwartet, dass Facebook den Schritt in die Finanzbranche wagt. Bereits in 2014 wurde der ehemalige PayPal-Vorstand David Marcus abgeworben. Seitdem verantwortet der Manager den Blockchain-Bereich.

Im Rahmen eines Interviews gab ein Pressesprecher Facebooks zu verstehen, dass das Unternehmen Wege sucht, um das Potenzial der Blockchain-Technologie auszuschöpfen. Die Forschungsarbeiten liegen dabei im Bereich von David Marcus – weitere öffentliche Statements folgten bisher nicht. Nun geben interne Quellen zu verstehen, dass die Technologie im Rahmen der hauseigenen Messenger-Applikation WhatsApp eingesetzt werden könnte.

Kryptowährung soll bei WhatsApp implementiert werden

Aus dem Bericht von Bloomberg geht nun hervor, dass Facebook eine eigene Stablecoin für WhatsApp entwickelt. Dies wäre nach der Abwerbung von David Marcus ein logischer Schritt, arbeitete dieser zuvor noch in der Finanzbranche. Mit WhatsApp hat Facebook zudem eine passende Plattform gefunden, denn der Messenger-Dienst kommt allein in Indien auf mehr als 200 Millionen Nutzer. Zudem zeichnet sich die Bevölkerung durch eine starke Verbundenheit aus, sodass zahlreiche Transaktionen von Indern aus dem Ausland an die zurückgebliebenen Familien veranlasst werden. Allein in 2017 belief sich das nach Indien transferierte Geld auf 69 Milliarden US-Dollar.

Mit der Entwicklung einer Stablecoin folgt Facebook auch dem allgemeinen Trend, denn allein im letzten Jahr wurden rund 120 Projekte mit einem direkten Bezug zu dieser Art der Kryptowährung bekannt. Im Grunde soll eine Stablecoin dazu beitragen, dass eine Kryptowährung einfacher im Alltag benutzt werden kann. Durch die enge Verbindung zu einer realen Währung zeigt sich eine solche Kryptowährung als besonders wertstabil – insbesondere im direkten Vergleich zu klassischen Kryptowährungen wie Bitcoin. Ein fehlendes Marktinteresse in den Ansatz verdeutlichte allerdings die Kryptowährung „Basis“, die nach acht Monaten vom Markt genommen würde. Die Entwickler gaben zu verstehen, dass eine Anlage mit einer Bindung an eine Währung nur wenige Käufer anspricht. Auch die bekannteste Stablecoin, Tether, wird kontrovers diskutiert. Das Unternehmen gibt an, dass jedes Token der Währung durch einen realen U.S. Dollar abgesichert wird. Bisher hat sich das Unternehmen allerdings rigoros gegen eine Offenlegung ausgesprochen, sodass es vonseiten des Marktes berechtigte Zweifel an dieser Aussage gibt.

Eine Stablecoin bei Facebook könnte allerdings auf ein größeres Interesse stoßen, denn das Unternehmen kann auf mehr als 2,5 Milliarden aktive Nutzer zurückgreifen und erwirtschaftet einen Umsatz von mehr als 40 Milliarden Dollar pro Jahr. Zudem verfügt Facebook über eine langjährige Expertise am Markt und ist mit den regulatorischen Besonderheiten verschiedener Märkte vertraut. Aus diesem Grund könnte Facebook mit der Entwicklung einer Stablecoin erfolgreich sein. Facebook gilt als erstes großes IT-Unternehmen, das ein solches Projekt verfolgt. Zudem gilt die Beziehung zwischen Facebook und Indien als angespannt, denn zahlreiche Falschmeldungen über WhatsApp führten zu Ausschreitungen in Indien. Nichtsdestotrotz sieht Facebook in diesem aufstrebenden Wirtschaftsstandort ein enormes Wachstumspotenzial – das Land verfügt über 480 Millionen Internetnutzer. Bis 2022 soll diese Anzahl bis auf 737 Millionen ansteigen. Eine Kundenbindung mittels eines WhatsApp-Zahlungsdienstes würde demnach enorme Vorteile für Facebook mit sich bringen.