Tezos – die flexible und demokratische Blockchain

Tezos gehört zu den Top-20 Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung und erfährt aktuell einen Kursauftrieb. Es ist daher umso interessanter, sich das Open Source Projekt dahinter einmal genauer anzusehen. Worauf beruht die Plattform, wie funktioniert sie und welche Ziele verfolgt die Stiftung?

Tezos Blockchain Logo
Tezos Blockchain Logo

Was ist Tezos – eine kurze Unternehmensgeschichte

Tezos ist eine sich selbst stetig weiterentwickelnde Blockchain- und Smart-Contract-Plattform. Der Aufbau und die technischen Details sind in dieser Kombination einzigartig und werden von keiner anderen Plattform in dieser Form umgesetzt.

Die Entwicklungsgeschichte des Open Source Projekts beginnt 2014. Arthur Breitman veröffentlichte zu dieser Zeit zwei Artikel, in denen er über seine Vision einer sich selbst verbessernden Blockchain sprach. Diese Artikel sollten später das Whitepaper von Tezos werden.

Im darauffolgenden Jahr gründete Breitman gemeinsam mit seiner Frau Dynamic Ledger Solutions (DLS), das Unternehmen hinter der Plattform. Der Hauptsitz des Projekts liegt nach dem Verkauf an die Tezos Stiftung (Verwaltet die Spendengelder) nun in der Schweiz. Arthur Breitman ist Informatiker und Mathematiker und hat bereits für Unternehmen wie Goldman Sachs und Morgan Stanley gearbeitet. Kathleen Breitman bringt ebenfalls Erfahrungen im Finanzsektor mit. Sie arbeitete für Bridgewater Associates und R3.

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Wie funktioniert Tezos?

Die Plattform ist vergleichbar mit Ethereum. Sie basiert ebenfalls auf einem dezentralen Ledger, besitzt eine Virtual Machine und erlaubt damit die Erstellung von Smart Contracts und dApps. Gegenüber Ethereum und vergleichbaren Plattformen hat es jedoch einige entscheidende Vorteile:

On-Chain-Governance

Dieses Governance-System ist eines der zentralen Merkmale von Tezos. Der Vorteil dieser Variante ist, dass es Hard Forks vermeiden kann. Das Tezos-Team ist der Ansicht, dass Forks, denen schon viele große Blockchain-Plattformen wie Bitcoin und Ethereum unterlagen, langfristig nicht die Lösung für die Implementierung eines Upgrades sein sollten. Sie sehen den Fork als letzten Ausweg an, wenn sich eine Community absolut nicht einig werden kann. Das Unternehmen möchte damit seiner Blockchain ermöglichen technisch auf dem neuesten Stand zu bleiben und diese Neuerungen reibungslos zu integrieren.

In Tezos können unabhängige Entwickler Vorschläge für Protokollaktualisierungen einreichen. Tezos-Token-Inhaber stimmen dann darüber ab, ob der Vorschlag genehmigt werden soll. Zuvor haben sie die Möglichkeit die Änderungen in einer Testphase ausgiebig zu prüfen und gegebenenfalls auch Verbesserungsvorschläge einzureichen. Wird der Antrag des Entwicklers angenommen erhält er die Vergütung für seine Arbeit. Ein weiterer Vorteil dieses Modells ist, dass es Entwicklern Anreize bietet, die Plattform weiter zu verbessern. In vielen anderen Projekten arbeiten Entwickler, wenn sie nicht festangestellt sind, entweder kostenlos, sind auf Spenden aus der Community oder von zentralen Einrichtungen angewiesen. Tezos möchte damit unabhängige Entwickler unterstützen und dazu anregen langfristig einen Beitrag zum Ausbau der Plattform zu leisten.

Programmiersprachen

Tezos verwendet für die Codierung seiner Blockchain OCaml. Die Smart Contracts werden in Michelson geschrieben. Beide Sprachen gehören zu den funktionellen Sprachen. Solidity oder auch C++ zum Beispiel sind hingegen imperative Sprachen und werden häufig als algorithmische Programmierung bezeichnet. Der Vorteil der funktionalen Programmiersprachen ist, dass sie eine formale Überprüfung beinhaltet. Diese erleichtert die Überprüfung und das Debugging von Code erheblich. Besonders bei Smart Contracts können Programmierfehler schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen.

Liquid Proof-of-Stake

Ohne Konsensalgorithmen ist eine dezentrale Plattform mit verteilten Knoten unmöglich umzusetzen. Der erste Konsensalgorithmus war der Proof-of-Work. Dieser stellte sich jedoch bald auf vielen Ebenen als ineffizient heraus. Eine Weiterentwicklung war der Proof-of-Stake. Er löste das Problem des hohen Energieverbrauchs und bot im Vergleich zu POW eine höhere Skalierbarkeit. Doch der Faktor Skalierbarkeit war damit noch nicht zufriedenstellend gelöst. Daher gingen Plattformen wie EOS oder NEO zum delegated Proof-of-Stake (dPOS) über. Hierbei wird nicht mehr aus dem gesamten Stake-Pool ausgewählt, sondern eine Vorauswahl innerhalb der Community getroffen. Diese sind die Delegierten, die sich um die Erhaltung des Konsens kümmern.

Tezos führt den dPOS noch einen Schritt weiter und verwendet einen Liquid Proof-of-Stake (LPOS). In dieser Variante gibt es keine festen Regeln für die Auswahl der Delegierten. Es handelt sich um eine Mischung aus direkter und repräsentativer Demokratie. Community-Mitglieder können ihre Stimme an einen Delegierten übertragen. Diese Übertragung ist dabei nicht dauerhaft. Wenn jemand zum Beispiel mit der Entscheidung des Delegierten nicht einverstanden ist, kann er seine Stimmrecht zurückziehen.

Der Vorteil dieser Variante ist, dass jede Stimme gleichermaßen zählt. Delegierte müssen sich als vertrauensvoll beweisen und förderlich für das Netzwerk. Minderheiten mit gleichen Interessen können sich zusammenschließen, um besser vertreten zu werden. Es fördert außerdem die Skalierbarkeit, weil Personen denen Zeit oder Kapazität fehlt, die Arbeit auf einen Delegierten übertragen kann, der in ihrem Interesse abstimmt. Zum Anbieter und der aktuelle Tezos (XTZ) Kurs.