Was ist Premine?

Premine oder Premining bezeichnet den Vorgang der Erschaffung von Coins einer bestimmten Kryptowährung, bevor diese öffentlich zugänglich ist. Das Konzept widerstrebt dem Krypto-Grundprinzip der Neutralität und wird daher von großen Teilen der Krypto-Szene konsequent abgelehnt.

Figur mit Spitzhacke steht vor geschürften Bitcoin

Inwiefern verletzt Premining die Neutralität?

Wichtige Grundlage einer Kryptowährung ist die Neutralität gegenüber seiner Nutzer. Jeder Nutzer soll gleichrangig sein. Nur dadurch ist eine tatsächliche Dezentralisierung möglich. Findet Premining statt, widersetzt sich das Projekt dieser Idee absichtlich.

Oft passiert dieser Vorgang im Zusammenhang mit einem Initial Coin Offering (ICO). Einzelne, privilegierte Nutzer – die oft auch gleichzeitig die Entwickler sind – erschaffen im Vorfeld einige Coins, welche sie dann mit möglichst viel Aufmerksamkeit verkaufen.

Häufig werden in der Premine erstellte Coins durch ein ICO oder in späteren Investitionsrunden an Großinvestoren veräußert. Zwar können große Geldmengen dann als Finanzierung des Projektes dienen, die Abgabe großer Anteile an einzelne Institutionen kann jedoch eine nachhaltige Machtkonzentration verursachen.

Was bringt eine Premine?

Dadurch lässt sich Geld auf einfache Weise erwirtschaften. Betrüger haben dieses Konzept daher für sich entdeckt. Gleichzeitig besteht für die Kryptowährung dann die Gefahr, zu großer Zentralisierung ausgesetzt zu sein, weil bestimmte Personen Zugriff auf einen enormen Teil der Umlaufversorgung haben können.

So lässt sich sowohl der Marktpreis manipulieren, als auch eine als dezentralisiert dargestellte Administration insgeheim zentralisieren. Für diesen Zweck muss die Kryptowährung als Governance-Token dienen.

Gewinner der Premine sind die verantwortlichen Entwickler. Für die normalen Nutzer hat sie keinen Vorteil, sondern nur Nachteile. Argument der Fürsprecher sind Anreize für die Entwickler der jeweiligen Blockchain sowie für unabhängige Programmierer, die einzelne Anwendungen für diese Blockchain entwickeln – etwa dApps.

Die Kryptowährung Zcash verwendete statt einer Premine eine vierjährige Entwicklergebühr zur Finanzierung. Diese dauerte von 2016 bis 2020 an. Dadurch hatten dessen Entwickler zu keinem Zeitpunkt Handhabe über einen Großteil der Umlaufversorgung, wodurch sich Betrug wie ein Pump and Dump vermeiden lässt.

Welche Kryptowährungen verwenden Premining?

Die bekannteste Kryptowährung, die sich einer Premine bediente, ist der ewige Zweitplatzierte – Ethereum (ETH). Einem ähnlichen Prinzip folgen weitere populäre Projekte – etwa Cardano (ADA) oder Terra (LUNA).

ADA und LUNA sind entgegen der häufigen Behauptung jedoch nicht premined, sondern gemintete (zu Deutsch geprägte) Kryptowährungen. Alternativ bezeichnet man diesen Forgang auch als Forging (Schmieden). Ein Mining – und damit auch Premining – findet dabei generell nicht statt.

Ethereum schaffte im Vorfeld einige Coins und ließ anschließend jeden beliebigen Nutzer am Netzwerk teilhaben und dadurch mitschürfen.

Das Schürfen von ADA oder LUNA ist hingegen gar nicht möglich. 100 prozent der Währung wurden zum Start des Projektes erschaffen und verteilt. Darüber hinaus nutzen beide Beispiele einen Proof of Stake Algorithmus. Cardano ging mit diesem Unterfangen sehr transparent um. Unterdessen sind die genauen Umstände der Ethereum-Premine unbekannt.

Cardanos Versorgung wird in sogenannten Epochen verteilt. Die Differenz zwischen Umlauf- und Maximalversorgung befindet sich in der Reserve. Von dort aus verteilt man die ADA an Staker und die Cardano-Entwickler.

Ethereum-Initiator Vitalik Buterin verteidigte seinen Entschluss für eine Premine bis heute mit den unterschiedlichsten Argumenten – unter anderem damit, dass Ethereum durch die Premine von Beginn an auf eine größere Anzahl an Minern vertrauen konnte, bei denen es sich um selektierte, nicht feindlich gesinnte Personen handelte.

Bitcoin als Urvater aller Kryptowährungen verwendete einen solchen Vorgang gezielt nicht. Obwohl Ethereum die Kryptowelt um eine wesentliche Idee erweiterte, lehnten einige Personen das Projekt aufgrund seiner fehlenden Neutralität von vornherein ab.

Lässt sich eine Premine immer erkennen?

Nicht immer ist von vornherein abzusehen, ob eine Premine stattgefunden hat. Satoshi Nakamoto verheimlichte die Veröffentlichung des Bitcoin nicht. Stattdessen kündigte er sie im Vorfeld an und suchte nach Teilnehmern, um das Bitcoin-Netzwerk zu stärken und gleichzeitig seine eigene Rolle im Projekt zu verringern.

Screenshot Satoshi Nakamoto präsentiert Bitcoin im P2P Forum
Satoshi präsentiert Bitcoin

Einige Blockchains laufen eine Zeit lang im Privaten, bevor ihre Entwickler mit ihnen an die Öffentlichkeit gehen. Teilweise wird die so erfolgte Premine dann verheimlicht. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist mit Bytecoin (BCN) neben Dash einer der ersten Privacy Coins.

Bytecoins grundlegende Idee war gut und fand bei einigen Interessenten großen Anklang. Doch die Historie der vertraulichen Kryptowährung war zutiefst zweifelhaft. Das Projekt wurde im März 2014 im Bitcoin-Forum Bitcointalk vorgestellt. Schnell bemerkten einige Nutzer Unstimmigkeiten.

Im August des gleichen Jahres fasste ein Nutzer viele der Vorwürfe zusammen. Das Problem: Bytecoin gab an, bereits 2012 entstanden und seitdem für die Öffentlichkeit verfügbar zu sein.

Es existierte jedoch keine Ankündigung aus diesem Jahr. Über angeblich involvierte Entwickler ließen sich keinerlei Informationen finden. Die Nutzer stellten fest, dass über Bytecoins Geschichte gelogen wurde und das Projekt in Wahrheit erst 2014 startete oder zumindest öffentlich wurde.

Bytecoins geheime Premine

Die Entwickler teilten nicht mit, dass eine Premine des Bytecoins existierte. Anfangs war fraglich, wie groß die Umlaufversorgung der Kryptowährung überhaupt ist. Nutzer diskutierten einige Zeit, bevor man anhand eines Blockchain-Scans schließlich feststellte, dass rund 151 Milliarden Coins in einer Premine erschaffen wurden.

Nach der geheimen Premine fälschten die Entwickler Zeitangaben und erfanden die Geschichte einer Veröffentlichung im Jahr 2012, um die bereits entstandene Umlaufversorgung zu rechtfertigen.

Da man davon ausgehen muss, dass 82 Prozent der Maximalversorgung von ungefähr 184 Milliarden in der Hand von wenigen Nutzern sind, die obendrein in führender Rolle agierten, verlor Bytecoin rasch an Popularität. Zentralisierung und die Gefahr eines Betruges sind dadurch schlicht zu groß.

Das Interesse an der als gut empfundenen Technologie hinter Bytecoin blieb jedoch bestehen. Also entschlossen sich mehrere Nutzer, einen Fork von Bytecoin zu starten, der diesmal jedoch neutral und gerecht funktionieren sollte. Auf diese Weise entstand Bitmonero – heute besser bekannt als Monero (XMR). Viele der ursprünglichen Ideale, denen Bytecoin folgte, sind Monero auch heute noch zu eigen – etwa Privatsphäre und ASIC-Resistenz.

Bytecoin steht exemplarisch für viele Kryptowährungen, die am Erfolg des Bitcoin partizipieren wollten und mit einer Premine oder Instamine starteten. Sogenannte Altcoins wurden damals kritisch beäugt, da ihr Zweck meist Geldmacherei war.

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Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

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