USA sanktionieren Blockchain-Adressen: Das sind die Folgen

Das Wichtigste in Kürze
- Die US-Behörde OFAC sanktionierte kürzlich 134 verschiedene Blockchain-Adressen. 131 davon befinden sich auf Tron. Ihre Gelder beschlagnahmte man bereits in Zusammenarbeit mit Tether.
- Drei verbleibende Adressen stammen von der stark verschlüsselten Monero-Blockchain. Die Sanktionen scheinen sich hier als besonders wirkungslos zu erweisen.
- OFAC versucht, über die Intervention die Finanzierung der afghanischen Terrororganisation ISIS-K zu stoppen. Auch die lateinamerikanische Drogenbande PCC rückt in den Fokus.
USA sanktionieren Blockchain-Adressen von ISIS
Anfang des Monats sanktionierten die USA 134 verschiedene Blockchain-Adressen, die sich unter der Kontrolle der als Terrororganisation eingestuften islamistischen ISIS-K befinden sollen. ISIS-K ist ein in Afghanistan tätiger Ableger der Organisation, die primär für ihre militanten Aktivitäten in Syrien und im Irak bekannt ist.
Der afghanische Ableger soll laut Einschätzungen des US-Finanzministeriums Kryptowährungen nutzen, um die eigene Finanzierung sicherzustellen. Die genannten 134 Blockchain-Adressen wurden von OFAC – einer Abteilung des Ministeriums – deshalb einer internationalen Sanktionsliste hinzugefügt.
Über ihre Sanktionsliste verbietet die OFAC Geschäfte mit den sanktionierten Entitäten. Sie findet nicht nur innerhalb der USA, sondern auch international Anwendung. Infolgedessen werden international agierende Krypto-Börsen ihre Geschäfte mit den genannten Blockchain-Adressen einstellen.
Sollten diese an einen Dienstleister, der die Sanktionen umsetzt, Gelder entsenden, so droht die Einziehung dieser Anlagen. Die Entsendung von Geldern durch Dienstleister an die sanktionierten Adressen ist unwahrscheinlich.
Neben ISIS-K nimmt die OFAC auch eine weitere Organisation ins Visier. Die lateinamerikanische PCC soll ihre Drogengeschäfte mittels Krypto abwickeln oder die digitalen Anlagen dazu nutzen, Geldwäsche durchzuführen. Zwei Personen und vier Firmen, die mit der PCC in Verbindung stehen, fügte die OFAC deshalb ihrer Liste hinzu.
Diese Folgen hat die Sanktionierung der Blockchain wirklich
Welche Konsequenzen kann die OFAC durch die Sanktionierung von Blockchain-Adressen wirklich erzwingen? Die Behörde identifizierte 134 neue Adressen auf zwei verschiedenen Blockchains – nämlich Tron und Monero.
Der Großteil der Adressen existiert auf Tron. Jene nutzte ISIS-K vorwiegend, um Spenden in Form von Stablecoins einzusammeln. Laut Angaben von Chainalysis nutzte die Organisation in der Vergangenheit auch Bitcoin, um Spenden einzusammeln.
OFAC updated its sanctions against ISIS-K, adding 134 cryptocurrency wallets (131 TRON, 3 Monero) as identifiers. In a separate enforcement action, OFAC targeted individuals linked to the Latin American criminal group PCC for laundering illicit proceeds via crypto. Read more…
— Chainalysis (@chainalysis) July 1, 2026
ISIS-K setzt auf Kryptowährungen, da sich diese Zahlungen nicht von einer zentralen Instanz stoppen lassen – anders als etwa über Banktransfers. Stattdessen kann jede beliebige Person eine Wallet einrichten, um Krypto zu empfangen. Die Einrichtung ist für jedermann frei zugänglich – im Gegensatz zu einem Bankkonto.
Spender können ihre Gelder dann ohne fremde Kontrolle innerhalb kürzester Zeit rund um den Globus versenden. Dieser technologische Vorteil kommt auch Terrororganisationen wie ISIS-K zugute.
Der OFAC ist es gelungen, Blockchain-Adressen zu sammeln, die ISIS-K öffentlich preisgab. Durch die nun erlassenen Sanktionen hofft man, einen Teil der Gelder beschlagnahmen zu können oder den Verkauf der erhaltenen Kryptos gegen Fiatwährungen oder Waren zu stören.
Besonders weil es im Blockchain-Ökosystem zahlreiche Möglichkeiten zur Verschleierung der Geldherkunft gibt, gestaltet sich die praktische Umsetzung schwierig. Laut Chainalysis gelang es ISIS-K über 131 Tron-Adressen ganze 1,3 Millionen US-Dollar zu empfangen.
Ein Großteil der Gelder – 880.000 US-Dollar – sei bereits ausgezahlt oder an weitere Adressen geflossen. Die Auszahlung erfolgt offenbar über syrische Krypto-Börsen und hiesige Dienstleister, welche Sanktionen der USA augenscheinlich nicht anwenden.
Stablecoins bleiben potentester Angriffsvektor gegen Kriminelle
Token des Stablecoins USDT, die auf den Adressen verblieben sind, habe Herausgeber Tether bereits eingefroren. Etwa eine halbe Million US-Dollar seien der Terrororganisation demnach verloren gegangen.
Schwieriger gestaltet sich das Vorgehen gegen die drei verbleibenden Blockchain-Adressen, die alle dem Erhalt von Monero dienten. Der Privacy Coin erlaubt Subadressen und verschlüsselt seine Blockchaindaten. Während Sanktionen gegen transparente Blockchains eine Wirkung entfalten können, sind sie gegen Monero praktisch wirkungslos.
Wegen der Verschlüsselung ist öffentlich nicht bekannt, welche Geldmengen ISIS-K über diesen Weg einnehmen konnte. Die Spuren dieser Gelder sind öffentlich nicht nachvollziehbar.
Zentralisierte Stablecoins wie USDT bleiben für Behörden der potenteste Angriffsvektor gegen Kriminelle. Weil die Herausgeber über Sonderrechte verfügen, lassen sich Sanktionen leicht umsetzen und Gelder für alle Ewigkeit einfrieren.
Weil der Iran seinen Zugang zum US-Dollar-System verlor, setzte die Staatsregierung auf die Nutzung zentralisierter Stablecoins, um diese als Währungsreserve einzusetzen. Die Folge war verheerend, da durch Sanktionen der USA schließlich Hunderte Millionen US-Dollar verloren gingen.

