Trezor und BitBox gehackt? Das müssen Nutzer jetzt beachten

Das Wichtigste in Kürze
- Kunden der bekannten Entwickler Trezor und BitBox erhielten gestern Nacht Phishing-Emails, die auf den ersten Blick echt wirkten. Kriminelle wollten so den Zugriff auf Private Keys erlangen und Kryptowährungen entwenden.
- Die Unbekannten behaupteten, in den Hardware Wallets der Hersteller seien Entropie-Fehler aufgetreten. Welche Schäden die gefälschten E-Mails verursachten, ist bisher unklar.
- Möglich wurde der Angriff durch eine Sicherheitslücke des Dienstleisters Brevo, der die Verteilerlisten der beiden Firmen verwaltet. Mittels E-Mail-Spoofing versendeten die Kriminellen dann täuschend echte Nachrichten.
Trezor und BitBox gehackt?
Derzeit kursieren E-Mails, die nahelegen, dass mit Trezor und BitBox gleich zwei Hersteller von Hardware Wallets gehackt wurden. Kunden und Abonnenten ihrer Newsletter bekamen gestern Abend Warnungen in ihr Postfach gesendet.
Demzufolge sei es zu Fehlern rund um die Entropie gekommen. Derartige Probleme traten in der Vergangenheit bereits mehrfach bei bekannten Wallet-Entwicklern auf. Besonders prominent war der Vorfall rund um die Wallets der Marke Coldcard.
Das Produkt des kanadischen Entwicklers Coinkite verursachte unter seinen Nutzern von Ende Juli bis Anfang August Verluste von mehr als 90 Millionen US-Dollar. In der Krypto-Szene fand dadurch eine Sensibilisierung statt.
Auf diese negative Erfahrung setzten gestern Abend Betrüger, als sie die Rundnachrichten verschickten. Dem ersten Anschein nach handelt es sich bei den Warnungen tatsächlich um Nachrichten von Trezor und BitBox. Erst auf den zweiten Blick fällt auf, dass es sich dabei um Betrug handelt.
Cyberkriminelle versuchten, die Kunden der zwei europäischen Hardware-Produzenten davon zu überzeugen, ihre Private Keys freiwillig weiterzugeben. Angeblich, um die Sicherheit der Daten zu überprüfen. Vermeintliche Fehler im Programmcode der Geräte dienten dazu lediglich als Vorwand. Diese Fehler gab es jedoch nie.
“Critical Security Alert: Microcontroller Entropy Bug Identified”, titelten die Betrüger in ihren E-Mails an den Verteiler von BitBox. “Critical Security Alert: STM32 Entropy Vulnerability”, lautete der Titel der E-Mails, welche die Kunden von Trezor empfingen.
Dabei sind nicht nur die E-Mails täuschend echt gestaltet, auch die vermeintlichen Absender scheinen echt. Im Postfach von Blockchainwelt landete eine Nachricht des Absender [email protected] – eine Adresse, die BitBox tatsächlich verwendet.
Möglich ist diese Täuschung durch E-Mail-Spoofing. Die zugrundeliegende Technologie erlaubt die Angabe einer falschen Adresse. Weil dafür kryptographische Signaturen gefälscht werden, landen die E-Mails bei vielen Postfächern im Spam-Ordner.
Das müssen Nutzer von Hardware Wallets beachten
Blockchainwelt erhielt die Phishing-Email um 21.50 Uhr deutscher Zeit. Kurze Zeit später reagierten Trezor und BitBox öffentlich auf den Vorfall. Sie warnten ihre Nutzer vor den Nachrichten und baten sie darum, deren Hinweise zu ignorieren.
Beide Unternehmen konnten den Hintergrund des Phishings aufdecken. So soll ein Sicherheitsvorfall eines Partners der beiden Firmen verantwortlich sein.
“Unsere vorläufige Untersuchung der Phishing-E-Mail, die vor etwa einer Stunde an die Abonnenten unseres Newsletters versendet wurde, hat ergeben, dass unser Newsletter-Anbieter höchstwahrscheinlich gehackt wurde”, schrieb BitBox über X. Trezor veröffentlichte eine ähnliche Stellungnahme.
Our preliminary review of the phishing mail that was sent out to our newsletter subscribers about an hour ago found that it is very likely that our newsletter provider got compromised.
Multiple other Bitcoin companies got targeted as well, and it appears that we all share the…
— BitBox (@BitBoxSwiss) September 9, 2026
Seit Juli befinden sich Hardware Wallets und die zugehörige digitale Infrastruktur verstärkt im Fokus von Hackern. Phishing stellt dabei ein besonders großes Risiko dar, weil potenzielle Opfer ihre sensiblen Daten immer wieder freiwillig weitergeben und dadurch Totalverluste erleiden können.
Gerüchten zufolge soll hinter dem kompromittierten Dienstleister das Unternehmen Brevo stecken. In der Vergangenheit firmierte es auch als Sendinblue.
Die Wallets von Trezor und BitBox sind weiterhin sicher. Kunden müssen aktuell keine Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit ihrer Kryptowährungen zu gewährleisten.
So reagieren Krypto-Nutzer korrekt auf einen echten Sicherheitsvorfall
Erfahrenen Nutzern fiel der Phishing-Versuch trotz ausgefeilter Planung seitens der Täter auf. Schuld daran ist die vorgebliche Prüfung von Private Keys. Dafür hatten die Betrüger eigens eine Webseite eingerichtet, auf der man zur Eingabe der Private Keys aufgefordert wurde.
Wichtig: Private Keys sollten zu jeder Zeit unter Verschluss bleiben und mit niemandem geteilt werden. Nur so lässt sich die Sicherheit der eigenen Kryptowährungen garantieren.
Sollte es zu einem tatsächlichen Sicherheitsfehler kommen oder die Lage undurchsichtig sein, können Nutzer ihre Kryptowährungen von einer Wallet an eine zweite Wallet verschicken.
Dafür sollte eine Hardware Wallet oder eine Software Wallet gewählt werden, die bekannt ist und eine gute Reputation genießt. Wenn man auf verschiedene Entwickler setzt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ein kritischer Fehler synchron in den verschiedenen Wallets auftritt.
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