Stablecoin-Emittenten sperren mehr als zwei Milliarden US-Dollar

Das Wichtigste in Kürze
- Die zwei größten Stablecoin-Emittenten Tether und Circle sperrten bis heute mehr als zwei Milliarden US-Dollar auf den Blockchains Ethereum und Tron.
- Weil es sich bei USDT und USDC um nutzergenerierte Token handelt, erhalten die Herausgeber Sonderrechte und können Blockchain-Adressen aus der Ferne sperren. Die Nutzer verlieren dann die Kontrolle über ihre Gelder. Eine Wiederherstellung ist umständlich.
- Circle ist nur für 5,7 Prozent der Sperrungen verantwortlich. Konkurrent Tether ist deutlich aktiver und sperrt die Stablecoins laut eigener Aussage mit der Absicht, Cyberkriminalität zu bekämpfen.
Stablecoin-Emittenten sperren mehr als zwei Milliarden US-Dollar
Die zwei größten Stablecoin-Emittenten Tether und Circle sperrten auf zwei populären Blockchains bis heute gemeinsam mehr als zwei Milliarden US-Dollar – zu diesem Ergebnis kommt die frisch gestartete Webseite Stables.rip. Der Twitter-Nutzer XBToshi erstellte die Übersicht, um auf ein systemisches Problem vieler Stablecoins aufmerksam zu machen.

“Deine Stablecoins gehören nicht dir. Sie gehören Circle und Tether. Und diese können sie per Fernbedienung abschalten”, schrieb der Nutzer bei der Präsentation der Webseite.
Der Dienst soll sämtliche Sperrungen automatisch erkennen, die Tether und Circle auf den Blockchains Ethereum und Tron vornehmen, und zur Gesamtübersicht hinzufügen.
“Ich habe einen Echtzeit-Tracker für jede einzelne Sperrung auf Ethereum und Tron entwickelt. Die Zahlen sind erschreckend: Tausende von Adressen wurden gesperrt, Milliarden von Dollar sind blockiert. Kein Gerichtsverfahren. Keine Berufungsmöglichkeit. Keine Rechtsmittel”, setzte XBToshi fort.
You don't own your stablecoins. Circle and Tether do. And they have a remote kill switch.
Introducing ➡️ https://t.co/G8ZzAgaPF8
I built a real-time tracker for every single blacklist event on Ethereum and TRON. The data is brutal: thousands of addresses frozen, billions of… https://t.co/ygu1V1E5TY pic.twitter.com/5Vc1UMwlDV
— CyberSatoshi 𓆙 (@XBToshi) March 20, 2026
Die Daten stammen von den Blockexplorern Etherscan und TronGrid. Sie werden alle 30 Minuten abgefragt. Schon im Dezember 2025 hatte Blockchainwelt über die Stablecoin-Problematik berichtet. Damals hatten Tether und Circle bereits 1,7 Milliarden US-Dollar auf Ethereum gesperrt.
Eine der damals gewonnenen Erkenntnisse setzt sich bis heute fort: Tether sperrt Nutzergelder oft viel rigoroser, schneller und rücksichtsloser als der direkte Konkurrent Circle. Tether setzt auf präventive Kriminalitätsbekämpfung, während Circle Gelder nur auf Anfrage von Behörden sperrt.
Laut Stables.rip sperrte Tether auf Ethereum und Tron bis heute 5.138 verschiedene Blockchain-Adressen und ein Vermögen von 1,98 Milliarden US-Dollar. Circle sperrte auf denselben Blockchains nur 544 Adressen und 118,8 Millionen US-Dollar.

Gemeinsam sperrten die beiden Herausgeber somit mehr als zwei Milliarden US-Dollar. Sie sind kurz davor, den Wert von 2,1 Milliarden US-Dollar zu knacken. Die Aufzeichnungen datieren rückwirkend auf den 6. Mai 2020.
Nutzer können über den Dienst auch prüfen, welche Blockchains von Sperrungen betroffen sind. Dazu müssen sie eine Blockchain-Adresse ihrer Wahl in ein Suchfeld eingeben.
Warum Stablecoins besonders riskant sind
XBToshi möchte potenzielle Nutzer beider Stablecoins mit seiner Übersicht warnen. Sowohl Tethers USDT als auch Circles USDC können von den Emittenten ohne Probleme aus der Ferne gesperrt werden. Nutzer können sich gegen dieses Vorgehen nicht unmittelbar wehren.
Zentralisierte Stablecoins sind für Nutzer besonders riskante Anlagen. Der technische Hintergrund gewährt den Herausgebern Sonderrechte. Diese schöpfen Tether und Circle nach Belieben aus. Die beiden Coins folgen den Token-Standards ERC-20 (auf Ethereum) und TRC-20 (auf Tron). Diese Standards bilden den Grundstein für die überbordenden Sonderrechte.
XBToshi kritisiert das Fehlen eines Wiederherstellungsprozesses. Teilweise würden Gelder zu Unrecht gesperrt. Betroffene hätten beinahe keine Möglichkeit, ihre Gelder dann wieder freizulegen.
“Das Verfahren ist undurchsichtig – es gibt keine Möglichkeit, öffentlich Einspruch einzulegen”, schreibt er.
Die Nachteile der zentralisierten Stablecoins sind schon seit Jahren bekannt. 2017 entstand als Reaktion darauf der dezentralisierte Stablecoin DAI. Der Token ist genau wie USDT und USDC an den US-Dollar gekoppelt. Aufgrund einer abweichenden Funktionsweise kann DAI nicht gesperrt werden. Auch weitere dezentralisierte Stablecoins proklamieren, dass Sperrungen innerhalb ihres Protokolls unmöglich seien.
