Revolut Hack: Wie schwerwiegend Bitcoin-Nutzer betroffen sind

Das Wichtigste in Kürze

  • Am Wochenende gab Revolut ein Datenleck bekannt. Die Neobank sei zum Opfer von Social Engineering geworden und habe Cyberkriminellen freiwillig eine unbekannte Anzahl an sensiblen Kundendaten übermittelt.
  • Die Strippenzieher gelangten an digitale Abbilder von Ausweispapieren und an Transaktionshistorien. Auch Kryptowährungen wie Bitcoin sind betroffen.
  • Krypto-Anleger sind für Kriminelle besonders beliebte Ziele, da sich die Wiederherstellung geraubter Kryptos besonders schwierig gestaltet. Sogenannte Wrench Attacks nahmen über die letzten Jahre deshalb stark zu.

Revolut Hack: So sorglos geht die Neobank mit Kundendaten um

Die Neobank Revolut wurde vor zwei Tagen von einem Cyberangriff getroffen – davon berichtete zunächst TechCrunch. Technisch gesehen handelt es sich dabei nicht um einen Hack. Stattdessen gaben Angestellte von Revolut freiwillig große Mengen sensibler Daten heraus.

“Revolut hat kürzlich einen ausgeklügelten Betrugsfall des Identitätsdiebstahls bemerkt, bei dem ein unbefugter Dritter eine E-Mail-Adresse unter der Domain einer legitimen Behörde nutzte, um betrügerische Auskunftsanfragen zu stellen”, gab das Unternehmen gegenüber TechCrunch bekannt.

In der Praxis soll es sich dabei um Social Engineering gehandelt haben. Anders als bei einem Hack dringen die Angreifer nicht in die Systeme ihres Ziels ein, sondern lassen sich von Administratoren einen Zugang verschaffen.

Dafür kontaktierten die Strippenzieher Revolut augenscheinlich per E-Mail. Mutmaßlich kam eine Täuschung wie E-Mail-Spoofing, Typosquatting, eine Doppelgänger-Domain oder ein homographischer Angriff zum Einsatz, um sich als offizieller Vertreter staatlicher Behörden auszugeben. Bevor Revolut den Schwindel bemerkte, waren die ersten sensiblen Daten bereits entblößt.

Die Angreifer veröffentlichten erste Daten. Diese Bilder sollen ein KYC-Foto des Tennisspielers Alexander Schewtschenko zeigen.

“Sobald wir den Vorfall entdeckt hatten, haben wir die Adresse umgehend gesperrt und die zuständige Behörde sowie Strafverfolgungsbehörden, Datenschutzbehörden und Finanzaufsichtsbehörden benachrichtigt”, erklärte ein Sprecher der Bank.

Über Reuters ließ die Londoner Neobank verkünden, dass alle Geldeinlagen sicher seien. Zudem sei nur eine kleine Gruppe an Nutzern betroffen. Ihre Geburtsdaten, Adressen, E-Mail-Adressen, Telefonnummer, und Ausweisdokumente seien in die Hände der Angreifer gefallen.

All jene Daten werden von Bankhäusern im KYC-Prozess erhoben. Die Identifizierung über Ausweisdokumente ist staatlich verordnet – in der Bundesrepublik Deutschland etwa über das Geldwäschegesetz. In der Europäischen Union greift die EU-Anti-Geldwäsche-Richtlinie.

Warum Bitcoin-Nutzer unter dem Sicherheitsvorfall leiden

Revolut betätigt sich nicht mehr nur in den klassischen Geschäftsfeldern einer Bank. Auch das Krypto-Trading führte man über Jahre hinweg allmählich ein. Die ersten Funktionen implementierte das britische Unternehmen bereits 2017.

Inzwischen ist es Kunden des Finanzdienstleisters möglich, Kryptowährungen anzukaufen und zu verkaufen. Auch die Auszahlung an selbstverwaltete Wallets ist möglich.

Revolut legte neben den identifizierenden Daten auch etliche weitere Informationen offen, die Cyberkriminelle missbrauchen können. Dazu zählen Transaktionsdaten. Wann sie an welchen Empfänger wie viel Geld über das Bankennetzwerk sendeten, sei Teil des Datenlecks.

Dazu gehören auch sämtliche Bitcoin-Transaktionen und augenscheinlich die gesamte Transaktionshistorie weiterer Kryptowährungen, die Revolut unterstützt – etwa Ethereum, Ripple oder Solana.

Das Datenleck wiegt bei Kryptowährungen besonders schwer, da dieses Rückschlüsse auf Jahre der Krypto-Transaktionen zulässt. So lassen sich Informationen auswerten, die zumindest der Öffentlichkeit bislang nicht zugänglich waren.

Die Strippenzieher sollen die ersten Daten bereits veröffentlicht haben und von Revolut ein Lösegeld verlangen. Sollte die Bank den unbekannten Betrag nicht zahlen, drohen sie mit der Veröffentlichung sämtlicher Informationen.

Mit mehr als 80 Millionen Nutzern weltweit verwaltet Revolut riesige Datenbanken. Sollte ein Teil davon an die Öffentlichkeit gelangen, drohen schwerwiegende Folgen. So laden die Daten zum Identitätsmissbrauch ein.

Krypto-Informationen sind bei Kriminellen inzwischen besonders beliebt. Die Wiederherstellung geraubter Kryptowährungen ist nur schwer möglich. Deshalb stieg die Anzahl sogenannter Wrench Attacks über die letzten Jahre spürbar an.

wrench attacks anzahl pro jahr
Die Anzahl der Wrench Attacks erreichte 2025 ihren bisherigen Höhepunkt.

Es handelt sich dabei um Raubüberfälle, bei denen die Täter ihre Opfer dazu zwingen, Kryptowährungen zu überreichen. Grundlage dieser Angriffe sind üblicherweise vorangegangene Datenlecks.

Die bekannte Denkfabrik Coincenter warnt vollumfänglich vor KYC. Das Konzept sei unfähig, Kriminelle aufzuhalten und schade überwiegend Unschuldigen. Tatsächlich verwenden Kriminelle häufig die Identitäten von Strohmännern. Identifizierte Konten werden zudem über Schwarzmärkte gehandelt.

Autor

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

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