Krypto-News der Woche 6. März 2026

Das Wichtigste in Kürze
- Die japanische Zentralbank BoJ gab bekannt, künftig auf die Nutzung von KI und Blockchain zu setzen. Die Blockchain könne die Verschiebung von Liquidität im Bankensystem erleichtern.
- Visa und Stripe möchten mit Stablecoins gedeckte Zahlungskarten weltweit verbreiten. In mehr als 100 Ländern sollen diese verfügbar werden. Bis zum Ende des Jahres soll das Angebot bereits in Europa erhältlich sein.
- Die US-Zentralbank FED gewährt der erste Krypto-Börse ein eigenes Masterkonto. Dienstleister Kraken ist dadurch nicht mehr auf eine Geschäftsbank angewiesen. In der US-Politik deutet diese Entscheidung auf einen wichtigen Wandel hin.
- Durch den Iran-Krieg nimmt der augenscheinliche Insiderhandel auf Polymarket erneut zu. Analysten entdeckten verschiedene Trader, die augenscheinlich über Kontakte zur US-Regierung verfügen. Seit Monaten mehren sich derartige Vorfälle.
- Nach einem positiven Wochenstart reagiert der Bitcoin-Kurs zum Wochenende negativ. Den Tagestrend dominieren derzeit enorme Kursverluste. BTC notiert erneut unter 70.000 US-Dollar.
Japanische Zentralbank nutzt Blockchain
Die japanische Zentralbank (kurz BoJ) möchte künftig die Blockchain nutzen – das geht aus einem jüngst veröffentlichten Bericht hervor. In der Blockchaintechnologie sehe man demnach großes Potenzial für die Modernisierung der Zentralbank.
Über die Blockchain wolle man demnach Zentralbankgeld verschieben. Im Vergleich zu herkömmlichen Abrechnungssystemen könne man hier auf simple Weise Echtzeitüberweisungen etablieren, die rund um die Uhr zwischen Geschäftsbanken und Zentralbank stattfinden könnten. Zeitliche Verzögerungen und Staus könnte man reduzieren.
“Bei der Bank läuft derzeit ein Sandbox-Projekt, um die Verwendung von Zentralbankgeld für eine Vielzahl von Abwicklungen auf Blockchains zu ermöglichen”, heißt es in dem Bericht.
Um das maximale Potenzial der Technologie auszuschöpfen, wolle man außenstehende Experten konsultieren. Eine Verknüpfung der Blockchain mit aktuellen Systemen sieht man vor, um einen nahtlosen Übergang zu gewährleisten.
Auch die Abrechnung inländischer Interbank-Überweisungen sowie den Transfer von Wertpapieren über die Blockchain hält die Zentralbank für möglich. Ob die BoJ auf eine private oder eine öffentliche Blockchain setzt, geht aus dem Bericht nicht hervor. Augenscheinlich ist noch keine endgültige Entscheidung gefallen.
Die japanische Zentralbank erprobt seit 2021 ihre eigene CBDC. Die Zukunft des Projekts ist allerdings umstritten. Sowohl der Einsatz als Endkundeprodukt wie auch ein Vorbehalt für institutionelle Zahlungen sind denkbar.
US-Zahlungsgiganten Visa und Stripe planen weltweite Verbreitung von Stablecoins
Der US-amerikanische Kreditkartenbetreiber Visa und der Finanzdienstleister Stripe wollen Stablecoins in Kooperation weltweit verbreiten. Gemeinsam mit der Stripe-Tochter Bridge betreibt Visa bereits heute Zahlungskarten in 18 Ländern, die sich mit Stablecoins decken lassen.
Künftig wolle man dieses Angebot auf mehr als 100 Länder ausweiten, erklärte Visa kürzlich in einer Pressemitteilung. Bridge dient dabei als Bereitsteller digitaler Infrastruktur. Visa stelle stark wachsendes Interesse an Krypto-Zahlungen fest, welches man mit dem Angebot bedienen wolle.
Bis Ende 2026 sollen die Stablecoin-Karten in den vier Märkten Europa, Asien-Pazifik, Afrika und Naher Osten verfügbar werden. Dabei setze man auch auf die Integration in beliebten Krypto-Wallets – etwa in MetaMask oder der Phantom Wallet.
Krypto-Nutzer sollen dann die Vorzüge des riesigen Visa-Netzwerks genießen. Weltweit bestehen mehr als 175 Millionen Annahmestellen, an denen die neuartigen Zahlungskarten dann genutzt werden könnten.
Bisher ist die native Annahme Gewerbetreibender ein häufiges Problem. So können Zahlungen mit Kryptowährungen nur selten durchgeführt werden. Visas neues Angebot soll diese Lücke schließen. Ob das Konzept erfolgreich sein wird, muss die Zukunft beweisen.
Die Zahlungskarten müssten vorab mit Stablecoins gedeckt werden. Die zugrunde liegenden Konten benötigen zudem die erfolgreiche Absolvierung von KYC, um aktiviert zu werden. Die Krypto-Szene könnten diese Bedingungen abschrecken.
FED übergibt erster Krypto-Börse eigenes Masterkonto
Die US-Zentralbank FED übergibt der ersten Krypto-Börse ein eigenes Masterkonto. Die 2011 gegründete Krypto-Börse Kraken erhält dadurch einen vereinfachten Zugang zum Fiatgeldsystem und kann Transaktionen so eigenständig abwickeln, ohne dabei auf eine verpartnerte Geschäftsbank setzen zu müssen.
„Es ist ein historischer Moment für Krypto“, schrieb Kraken dazu auf X.
A historic moment for crypto.
Kraken Financial has been granted a Federal Reserve master account, making us the first digital asset bank with direct access to the U.S. payments system.
A major step toward connecting crypto infrastructure with the core rails of global finance.…
— Kraken (@krakenfx) March 4, 2026
Kraken schuf dafür die firmeneigene Tochter Kraken Financial – eine im US-Bundesstaat Wyoming ansässige Bank. Fünf lange Jahre habe man an dem Konto gearbeitet. Für das Unternehmen könnte sich diese Anstrengung auszahlen.
In den vergangenen Jahren hatten Krypto-Börsen in den USA wiederholt Probleme mit dem Anschluss an das klassische Finanzsystem. Ohne FED-Masterkonto oder eine Geschäftsbank im Rücken, können Krypto-Börsen keine Zahlungen in Fiatwährungen von ihren Kunden annehmen. Das Geschäft liegt dann auf Eis.
Eine Reihe von Insolvenzen und fehlende Offenheit unter verbleibenden Banken stoppte 2023 etwa den Geschäftsbetrieb von Binance US. Der Zugang zu einem FED Master Account stabilisiert den Geschäftsbetrieb der Krypto-Börsen.
Vertreter US-amerikanischer Banken äußerten bereits harte Kritik an der Zulassung Krakens. Die zunehmende Verknüpfung zwischen Fiat- und Kryptowährungen führe zu einer sinkenden Finanzstabilität, kritisierten sie.
In den Vereinigten Staaten von Amerika zeichnet sich seit Monaten ein wachsender Konflikt zwischen Banken und der Kryptobranche ab. Augenscheinlich fühlen sich die etablierten Finanzinstitutionen zunehmend bedroht.
So ringen beide Parteien etwa um die Vorherrschaft in der Schaffung des Krypto-Gesetzes CLARITY. Banken halten Zinszahlungen auf angelegte Stablecoins für kritisch. Jüngst forderte sogar JPMorgan-Geschäftsführer Jamie Dimon daher regulatorische Eingriffe.
Die Krypto-Szene beteuert: Stablecoin-Renditen beleben den Wettbewerb. Banken fürchten lediglich um ihre Profite, da Kunden mit deren Sparkonten deutlich geringere Zinsen einnehmen.
Iran-Krieg befeuert Insiderhandel auf Polymarket
Der Ausbruch des Iran-Kriegs am vergangenen Wochenende befeuert mutmaßlichen Insiderhandel auf dem Prognosemarkt Polymarket. Inzwischen erhärten sich die Indizien, dass es sich dabei tatsächlich um Insidertrading handelt.
Zum wiederholten Male steht die US-Regierung unter Verdacht, enge Kontakte zu Personen zu haben, die ihr Insiderwissen nutzen, um Profite auf dem Prognosemarkt zu erzielen.
“Sechs mutmaßliche Insider verdienten 1,2 Millionen US-Dollar mit Wetten auf einen US-Angriff auf den Iran”, schrieb Bubblemaps am Samstag, nachdem man verdächtige Wallets erkannte.
In einer neuen Analyse deckte Bubblemaps auf, dass zumindest ein verdächtiger Nutzer bereits wiederholt Ereignisse vorhersagte, die mit der US-Regierung in Zusammenhang stehen. Schon ein Luftschlag, der sich 2025 abspielte, erwies sich für ihn als profitabel. Auch Auseinandersetzungen zwischen Israel und dem Iran konnte er zielsicher vorhersagen.
UPDATE: 🇺🇸 🇮🇱 The story goes deeper
These suspected insiders connect to a cluster of accounts betting on US and Israeli strikes with near-perfect accuracy
• Iranian nuclear sites hit
• Israel strikes on Iran
• US strikes on Iran🧵 https://t.co/733AUioVTv pic.twitter.com/MVpzH7zDSJ
— Bubblemaps (@bubblemaps) March 5, 2026
Welche Klarnamen hinter den mutmaßlichen Insidern stecken, ist unklar. In der Vergangenheit hatten Blockchain-Analysten die Witkoff-Familie als Strippenzieher des wiederholten Insiderhandels identifizieren können. Augenscheinlich handeln die Witkoffs jedoch nicht immer selbst, sondern geben ihr Wissen auch an Bekannte weiter. Über politische und geschäftliche Bande ist sie eng mit der Trump-Familie verwoben.
Polymarket verzichtet auf die Identifizierung seiner Nutzer. Insiderhandel ist deshalb nur schwer nachzuvollziehen. Ohnehin liegt Insiderhandel mit Krypto in den USA in einem Graubereich. Weil Insiderhandel rechtlich den Handel mit Wertpapieren voraussetzt, werden derartige Vorfälle im Kryptomarkt üblicherweise nicht verfolgt.
Kryptomarkt schreibt zum Wochenende enorme Verluste
Zum Wochenbeginn reagierte der Kryptomarkt auffällig positiv. Der Ausbruch des Iran-Kriegs sorgte nicht wie erwartet für Schwäche, sondern stärkte den Kryptomarkt. Der Bitcoin-Kurs konnte infolgedessen sogar über 73.000 US-Dollar steigen – erstmals seit Anfang Februar.
Blockchaindaten zeigen: Die Einwohner des Irans verschieben ihr Geld zunehmend in Kryptowährungen, während sich Unsicherheit über die Zukunft der heimischen Fiatwährung breitmacht. Der iranische Rial gilt ihnen während des Konflikts als weniger sicher. Iranische Krypto-Börsen verzeichneten ein massives Auszahlungswachstum um fast 900 Prozent im Vergleich zum Jahresdurchschnitt.
Gleichzeitig scheinen Großinvestoren international das Ende des Bärenmarktes zu erwarten. Nachdem BTC wochenlang unter 70.000 US-Dollar notierte, stiegen die Nettozuflüsse plötzlich an. Vergangene Woche flossen eine Milliarde US-Dollar in Krypto-Investmentprodukte. Allein am Montag kamen weitere 500 Millionen US-Dollar hinzu.
Trotz aller Euphorie konnte der Kryptomarkt nicht lange Gewinne schreiben. Aktuell dominieren Verluste den Tagestrend. So sackte der Bitcoin-Kurs im Tagestrend um 5,70 Prozent ab. Er notiert zum Redaktionsschluss bei 68.540 US-Dollar.
Ethereum verlor 6,10 Prozent seines Marktwerts über 24 Stunden und landet infolgedessen bei 1.987 US-Dollar. Trotzdem bleiben die beiden Marktführer im Wochentrend im grünen Bereich. Bitcoins Wochengewinne liegen bei 4,00 Prozent. Ethereum liegt immerhin noch 1,50 Prozent im Plus.
River (RIVER) führt den Wochentrend der 100 größten Kryptowährungen derzeit mit 59 Prozent Kursgewinn an. Die Kryptowährung dient als Governance-Token eines dezentralen, interoperablen Stablecoin-Projekts.
Auf dem zweiten Platz findet sich Humanity Protocol (H) mit 52 Prozent Gewinn ein. H notiert bei 0,1676 US-Dollar. Den dritten Platz des Wochentrends belegt der Utility Token OKB (OKB) der Krypto-Börse OKX. OKB steigt um 21 Prozent auf 93 US-Dollar, nachdem Intercontinental Exchange ein Investment in die Handelsplattform verkündete.
