Krypto-News der Woche 5. Juni 2026

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Minting Bug bei Zcash führt zu einem Aufschrei unter Anlegern. Der ZEC-Kurs stürzt um ganze 40 Prozent ab. Die tatsächliche Umlaufversorgung des Privacy Coins ist wegen der Sicherheitslücke derzeit unklar.
- US-Großbanken wie JPMorgan oder Bank of America arbeiten an einem auf einer Blockchain basierenden Abrechnungssystem. Die Banken wollen so Marktanteile von Krypto zurückerobern.
- Strategy verkauft im Rahmen seiner Dividendenfinanzierung erstmals Bitcoin. Unter Anlegern löste diese Entscheidung augenscheinlich Enttäuschung aus.
- Zur Erhöhung des Haushalts arbeitet die EU-Kommission an Konzepten zur Besteuerung von Krypto. Am ertragreichsten sei eine sogenannte Transaktionssteuer.
- Der Bitcoin-Kurs fällt auf fast 60.000 US-Dollar. Neben dem Irankrieg schließen sich nun weitere Kursdrücker an.
Minting Bug führt zu ZEC-Crash
Der Privacy Coin Zcash erfährt über die letzten Tage erhebliche Kursverluste, nachdem dessen Entwickler von ZODL zu Beginn der Woche die Entdeckung einer Schwachstelle öffentlich gemacht hatten.
Gestern gaben die Entwickler dann weitere Details über den Vorfall bekannt, die die Gerüchte bestätigten, wonach es sich um einen sogenannten Minting Bug gehandelt habe. Demnach war es möglich, den Entstehungsprozess der Kryptowährung zu manipulieren. So konnten neue Zcash auf ungeplante Weise entstehen.
Die Gefahr derartiger Fehler ist eine ungewollte Inflation. Die Umlaufversorgung der Währung könnte also höher ausfallen als bisher angenommen. Besonders tragisch: Weil der Fehler im vertraulichen Orchard Pool aufgetreten war, ist es schwierig, das Ausmaß des Fehlers zu erkennen.
Unbekannte konnten im Orchard Pool womöglich neue Zcash erschaffen, ohne dass dafür das normalerweise nötige Mining genutzt werden musste. Die ungeplante Umgehung des Krypto-Minings ist ein schwerwiegender Fehler, dient das Mining doch als zentraler Baustein für die Integrität einer Kryptowährung.
Anfang der Woche erklärte ZODL noch, der Fehler sei zu keinem Zeitpunkt ausgenutzt worden, obwohl er bereits mit der Eröffnung von Orchard im Mai 2022 entstanden war. Über vier Jahre hinweg sei er also unbemerkt gewesen, bis die künstliche Intelligenz Claude AI auf den Fehler aufmerksam wurde. Inzwischen relativiert Zcash-Gründer Zooko Wilcox diese Aussage.
“Die Sicherheitslücke hätte genutzt werden können, um innerhalb von Orchard unbemerkt eine unbegrenzte Menge an gefälschten ZEC zu generieren. Aufgrund von Orchards Datenschutz lässt sich kryptografisch nicht nachweisen, ob die Sicherheitslücke vor ihrer Behebung tatsächlich ausgenutzt wurde”, so Wilcox.
Durch ein weiteres Netzwerkupgrade sei es allerdings möglich, die Umlaufversorgung von Zcash zu verifizieren. Schon nächste Woche möchte Wilcox weitere Details zur Einführung des Upgrades veröffentlichen.
Anleger versetzte diese Entwicklung dennoch in Aufruhr. Zcash verlor im Tagestrend bereits 41 Prozent seines Marktwerts und handelt zum Redaktionsschluss für nur noch 317 US-Dollar.
US-Großbanken bekämpfen Krypto mit neuem Abrechnungssystem
Laut eines Berichts des Wall Street Journals arbeiten einige US-Großbanken aktuell an einem gemeinsamen Abrechnungssystem. Das neue Konzept entstehe im Konflikt mit dem wachsenden Kryptomarkt.
🐋 WHALE WATCH: The biggest financial war of the decade just started.
Wall Street is officially coming for stablecoins. JPMorgan, Citi and major US banks are teaming up to launch a massive tokenized deposit network by the first half of 2027.
They want 24/7 on chain settlement… pic.twitter.com/tIawytQ81B
— Whale Factor (@WhaleFactor) June 5, 2026
Krypto erzwingt demnach eine Modernisierung althergebrachter Zahlungssysteme. Kryptowährungen erlauben Transaktionen mit geringerer Latenz und zu geringeren Kosten als klassische Vorreiter.
“Die größten US-Banken planen, im nächsten Jahr ein Netzwerk für tokenisierte Einlagen zu starten. Damit wollen sie den Bedrohungen durch Krypto-Unternehmen entgegenwirken, die unter Präsident Trump versuchen, weiter in ihr Geschäftsfeld vorzudringen”, schreibt das Wall Street Journal.
Großbanken wie JPMorgan, BoA, Citi und Wells Fargo arbeiten derzeit gemeinsam an dem Projekt, das selbst auf die Verwendung einer Blockchain setzt. Ab 2027 soll das System Nutzern dazu dienen, tokenisierte Echtweltanlagen rund um die Uhr in Echtzeit zu versenden.
Die Arbeit im Hintergrund soll ein Unternehmen namens Clearing House leisten. Das Projekt wird von Anteilseignern aktuell als “The Chain” oder “The Bridge” bezeichnet. Laut Einschätzung der zuständigen Banker sei es in der Lage, die Rolle von Banken in der Finanzwelt zu zementieren.
“Zu den Anwendungsfällen zählen unter anderem programmierbare Einlageprozesse, Liquiditätsmanagement in Echtzeit und grenzüberschreitende Zahlungen.”
Strategy verkauft Bitcoin: Warum Stretch jetzt abstürzt
Die US-amerikanische Bitcoin-Treasury Strategy meldete am Montag den Verkauf der ersten 32 Bitcoin im Rahmen eines neuen Finanzierungskonzepts. Ziel des Verkaufs war es, die fällige Dividende der Stretch-Aktie zu finanzieren.
Bei Stretch handelt es sich um eine Aktie, die Strategy 2025 ins Leben gerufen hatte, um neue Liquidität für weitere Bitcoin-Käufe einzusammeln. Geldgeber sollen im Gegenzug eine stabile Rendite von 11,50 Prozent pro Jahr erhalten.
In der Zeit vom 26. bis zum 31. Mai verkaufte Strategy die 32 Coins für einen Erlös von 2,5 Millionen US-Dollar. Es ist erst der zweite Bitcoin-Verkauf in der Geschichte des Unternehmens. Künftig wolle man derlei Verkäufe jedoch regelmäßig anwenden.
Für einige Anleger scheint das Konzept ein Affront, ist es doch eine deutliche Abkehr von der bis dahin radikalen Überzeugung des Firmengründers Michael Saylor, der den Verkauf von Bitcoin bis Mai prinzipiell abgelehnt hatte.
Die Enttäuschung der Anleger scheint sich auch im Preis der Stretch-Aktie widerzuspiegeln. So ist die Aktie von ihrem Zielwert bei 100 US-Dollar abgekommen. Zum Redaktionsschluss notiert sie bei 95,19 US-Dollar.
This year’s worth of $STRC dividends is gone… for 32 Bitcoin.
I think this is one of the worst moves in Bitcoin history. pic.twitter.com/ypyYYvjJpZ
— Pius the Banker (@PiusSprenger) June 3, 2026
Ex-Banker Pius Sprenger macht für diese negative Preisentwicklung den Verkauf der 32 Bitcoin verantwortlich.
“Ich glaube, das ist eine der schlechtesten Entscheidungen in der Geschichte des Bitcoins”, schrieb Sprenger auf X.
EU-Kommission plant eigene Krypto-Steuer
Die EU-Kommission (kurz EK) arbeitet derzeit an einer möglichen neuen Krypto-Steuer, die in allen Mitgliedsstaaten der Union erhoben würde. Denkbar sei die Erhebung in Form einer Kapitalertragssteuer sowie als Handelssteuer.
What an EU-Wide Crypto Tax Could Actually Look Like 🇪🇺
For quite some time, there have been rumours and calls for EU-wide crypto taxes in Brussels as part of efforts to create new EU own resources.
Until now, however, there has been very little detail on what such an EU-wide… pic.twitter.com/sWCJ549Fso
— Patrick Hansen (@paddi_hansen) May 29, 2026
Politico hatte die Pläne der Kommission veröffentlicht, die in weiten Teilen der Krypto-Szene für Unverständnis sorgten. Laut Einschätzung der EK wäre die Einführung einer sogenannten Transaktionssteuer am ertragreichsten. Pro Jahr kämen dann zusätzliche Erträge in Höhe von drei bis vier Milliarden US-Dollar zusammen.
Die Transaktionssteuer würde jedoch in Form einer Handelssteuer durchgesetzt. Die Erhebung würde lediglich auf den Plattformen zentralisierter Krypto-Dienstleister erfolgen – etwa dann, wenn man zwei Währungen auf einer Krypto-Börse miteinander tauscht.
Wenn Nutzer Transaktionen zwischen selbstverwalteten Wallets oder auf DeFi-Plattformen durchführen, entstehe demnach kein Steuerereignis. Zusätzlich möchte die Europäische Union die Verwendung von Krypto als Zahlungsmittel gewähren. Um die Diskriminierung bestimmter Zahlungsmittel zu verhindern, sollen Kryptos, die als Zahlungsmittel zum Einsatz kommen, steuerfrei bleiben.
Bei der Niederschrift der EK handelt es sich lediglich um ein Gedankenspiel. Ein Gesetzesentwurf ist noch nicht entstanden. Bislang ist also unklar, ob das Konzept jemals im Gesetzgebungsprozess auftauchen wird.
Die EU-Kommission befürchtet, dass die Einführung einer neuen Krypto-Steuer eine Abwanderungsbewegung zugunsten von Ländern außerhalb der EU auslöst.
Bitcoin-Kurs fällt auf 60.000 US-Dollar: Das sind die Gründe
Der Bitcoin-Kurs befindet sich augenscheinlich auf einem unaufhaltbaren Abwärtstrend. Heute Nachmittag fällt die Kryptowährung auf 60.700 US-Dollar und erreicht damit ein neues regionales Tief. Zuletzt notierte BTC während eines Flashcrashs Anfang Februar bei diesem Preis.
Hinter den Verlusten verbirgt sich vorwiegend Unsicherheit über die Zukunft des Irankriegs. Den Kriegsparteien war es trotz wochenlanger Verhandlungen seit Anfang April misslungen, einen dauerhaften Frieden herzustellen.
“Der wichtigste Auslöser ist die geopolitische Unsicherheit rund um den Iran-Konflikt. Die Märkte hatten auf eine schnellere Entspannung gesetzt. Stattdessen bleibt die Lage offen”, schreibt James Butterfill, Forschungsleiter von CoinShares, in einer E-Mail an Blockchainwelt.
Durch einen Kaskadeneffekt wirkt sich der Irankrieg zudem auf die Zukunft des US-Leitzinses aus, der dann wiederum eine Wirkung auf den Kryptomarkt entfaltet.
“Die Unsicherheit schlägt zunehmend auf die Zinserwartungen durch”, erklärt Butterfill. “Noch vor zwei Monaten preiste der Markt für dieses Jahr ein bis zwei Zinssenkungen ein. Das wäre ein konstruktives Umfeld für Bitcoin gewesen. Inzwischen hat sich das Bild gedreht: Die Kurve signalisiert rund 40 Basispunkte an Zinserhöhungen. Diese Neubewertung trifft Bitcoin derzeit stärker als jede kryptospezifische Nachricht”, fährt der Experte fort.
Aktuell bereiten mit SpaceX, Anthropic und OpenAI drei Größen der KI-Branche ihren Börsengang vor. Möglicherweise legen Interessenten Liquidität am Kryptomarkt frei, um ein zeitnahes Investment durchzuführen, und treiben den Kryptomarkt somit weiter abwärts.
Diese Coins profitieren jetzt massiv
Trotz einer extrem pessimistischen Marktlage setzen sich die Wochensieger über die letzten sieben Tage deutlich gegen die Verlierer durch. Humanity (H) ist weiter voll im Trend. Die Kryptowährung konnte 115 Prozent Kursgewinn einfahren und notiert nun bei 0,58 US-Dollar.
Auf dem zweiten Rang folgt Worldcoin (WLD) mit 82 Prozent Gewinn. WLD notiert zum Redaktionsschluss bei 0,54 US-Dollar.
Den dritten Rang belegt der chinesische Memecoin 币安人生 (币安人生), auch als Binance Life bekannt. Der Token konnte erst kürzlich unter die Top-100 aufsteigen. Über die letzten sieben Tage gelingen ihm 55 Prozent Gewinn. Er notiert bei 0,67 US-Dollar.
