EU forciert eigene Krypto-Steuer? Das plant die Kommission nun

Das Wichtigste in Kürze

  • Die EU-Kommission arbeitet an neuen Steuerplänen. Sie erwägt die Einführung zweier verschiedener Krypto-Steuern. Denkbar sind eine Transaktionssteuer sowie eine Kapitalertragssteuer.
  • Eine Transaktionssteuer von 0,1 Prozent könnte der EU jährlich drei bis vier Milliarden Euro zusätzlich einbringen. Die Erhebung würde jedoch eher als Handelssteuer auf zentralisierten Marktplätzen stattfinden.
  • EU-Bürger könnten die Abgaben legal durch die Nutzung von DeFi-Plattformen umgehen. Die Behörden befürchten eine vermehrte Abwanderung von zentralisierten Plattformen durch die Einführung neuer Krypto-Steuern.

EU forciert eigene Krypto-Steuer? Das plant die Kommission nun

Forciert die EU künftig eine eigene Krypto-Steuer? Mehrere Quellen berichten von dieser Idee. Laut Angaben von Politico und Patrick Hansen könnte die Europäische Union eine Steuer auf Krypto-Transaktionen erheben. Fraglich bleibt bislang allerdings, wie genau diese Abgabe zu entrichten wäre.

“Seit geraumer Zeit gibt es in Brüssel Gerüchte und Forderungen nach EU-weiten Krypto-Steuern als Teil der Bemühungen, der Union neue Geldmittel zu verschaffen”, erklärte Patrick Hansen am Freitag in einem X-Beitrag.

Die Debatte um die strengere Besteuerung von Kryptowährungen ist politisch getrieben. Vertreter der Europäischen Union sehen in freien Währungen wie dem Bitcoin einen direkten Konkurrenten.

Die Forderung nach einer steigenden Abgabenlast verlautbart die EU, während sie die generelle Überwachung des Kryptomarktes erhöht. Seit diesem Jahr nimmt die EU den Kryptomarkt mit DAC8 bereits genauer unter die Lupe.

Ab 2027 ist der Handel mit Privacy Coins auf Krypto-Börsen durch die EU untersagt. Einige Firmen entfernten die betroffenen Kryptowährungen bereits von ihren Marktplätzen. Die wachsende behördliche Strenge könnte ein Versuch sein, den Kryptomarkt einzudämmen.

Die EU-Kommission (kurz EK) schmiedet nun erstmals konkrete Pläne für eine Krypto-Steuer, die dann in allen Mitgliedsstaaten erhoben werden könnte. Diskussionen über die Umsetzung könnten diese Woche stattfinden, wenn die EK ihren Haushaltsplan festlegt.

So absurd würde die Europäische Union Bitcoin und Co. besteuern

Erstmals tauchten Schriftsätze der EK auf, in denen explizite Möglichkeiten zur Besteuerung von Kryptowährungen dargestellt werden. Denkbar seien entweder eine Kapitalertragssteuer oder eine Transaktionssteuer in Höhe von 0,1 Prozent. Jene soll die Steuereinnahmen der EU jedes Jahr um drei bis vier Milliarden Euro erhöhen.

Die Umsetzung dieser Abgabe könnte die Europäische Union über Krypto-Dienstleister erzwingen. Diese wären dann für die Auswertung der zugrundeliegenden Daten sowie für die Erhebung der Steuern zuständig.

Die EU-Richtlinie DAC8 könnte bei der Erhebung der Steuer helfen. So werden Transaktionsdaten als Teil von DAC8 gesammelt, geteilt und ausgewertet.

Laut Prognose der EK dürften die Transaktionssteuern etwa doppelt so hohe Einnahmen abwerfen wie Kapitalertragssteuern. Das Gedankenpapier stellt diese Steuer allerdings selbst infrage.

So wolle man die Abgabe nicht auf Kryptowährungen oder Stablecoins erheben, sofern diese als Zahlungsmittel auftreten. Zudem seien Kapitalertragssteuern auf Stablecoins nicht denkbar.

“Nicht alle Kryptowährungen sollte man [für eine Besteuerung] in Betracht ziehen. Beispielsweise könnten manche Stablecoins (…) als Zahlungsmittel genutzt werden. (…) Kryptowährungen, die der Bezahlung von echten Gütern oder Dienstleistungen dienen (…), sollten ausgenommen werden, um die Diskriminierung bestimmter Zahlungsmittel zu verhindern.”

Die Schrift vergleicht den Einsatz von Krypto in zwei konkreten Anwendungsfällen. Die Nutzung als Zahlungsmittel wäre demnach steuerfrei. Nur der Handel mit Kryptowährungen auf zentralisierten Plattformen würde besteuert. Trotz der Bezeichnung als Transaktionssteuer wäre es in der Praxis also eher eine Handelssteuer.

Wie Nutzer die Krypto-Steuern umgehen könnten

Der Schriftsatz legt eine realistische Einschätzung zur möglichen Umgehung der Krypto-Steuern ab. Nutzer könnten ihre Handelsaktivitäten auf Plattformen verschieben, die außerhalb der EU agieren oder als DeFi-Plattformen nicht von der Regulierung der Union umfasst sind. Diese Tatsache offenbarte das Papier konkret.

“Neue oder zusätzliche Steuern auf Krypto-Anlagen könnten Marktaktivitäten aus der EU ins Ausland oder zu DeFi verjagen”, heißt es zunächst.

“Die potenziellen Einnahmen sind vom Risiko der möglichen Abwanderung zu Staaten außerhalb der EU betroffen. Ähnliche oder identische Transaktionen könnten ohne Intermediär – also ohne zentralisierte Krypto-Börse – im DeFi-Markt stattfinden.”

Die EU-Behörden sehen die Gefahr, dass Nutzer ihre Kryptowährungen vermehrt in selbstverwalteten Wallets halten. Die Nutzung außerhalb der regulierten, zentralisierten Plattformen würde die praktische Machbarkeit der Steuerpläne erschweren oder sogar kippen.

Es handelt sich hierbei bislang nur um eine behördliche Ideenfindung. Konkrete Gesetzesentwürfe oder andere legislative Entwicklungen in diese Richtung sind bisher nicht entstanden.

In Deutschland plant die Bundesregierung ebenfalls die Einführung neuer Krypto-Steuern. Erst letzte Woche kündigte sie eine wachsende Überwachung von Bitcoin und Co. an.

Autor

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Facts Checked Fakten überprüft von Mathias Wagner
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