Was bleibt vom Blockchain-Hype – eine Analyse

Blockchain-Hype

Rückblickend lässt sich sagen, dass das Jahr 2017 das wohl wichtigste Jahr für die Blockchain-Technologie war. Immerhin befanden sich zahlreiche Projekte im Aufwind und die Preise der meisten Coins und Token notierten jenseits von Gut und Böse. Doch was ist vom Blockchain-Hype geblieben? In welchen Feldern konnte die Blockchain sich durchsetzen und wo gibt es noch immer Probleme? Kann man davon ausgehen, dass die Blockchain eine Technologie ist, die bleibt? Wir haben die Entwicklung analysiert und geben einen Ausblick auf die weitere Entwicklung.

Blockchain hält Einzug in die Realwirtschaft

Das Kaufen von Lebensmitteln kann eine wahre Herausforderung darstellen. Zahlreiche Lebensmittelskandale, schlechte Produktionsbedingungen und schlechte Arbeitsbedingungen lassen die Verbraucher zweifeln. An dieser Stelle kommt die Blockchain zum Einsatz, denn mithilfe der intelligenten Lösungen können die Konsumenten die Lieferkette ihrer Lebensmittel nachverfolgen. Möglich macht dies ein QR-Code, welcher anschließend einen Abruf auf der Blockchain veranlasst.

Allein dieses Beispiel zeigt, dass Blockchain nicht zwangsläufig die Entwicklung komplett neuer Applikationen und Geschäftsmodelle bedeutet. Vielmehr kann diese Schlüsseltechnologie auch traditionelle Bereiche revolutionieren. Immerhin zeigt dieses erste Anwendungsbeispiel, dass die Blockchain-Technologie mehr als ein Hype ist. Allerdings – und das spielt für einen Großteil der Industrie keine große Rolle – nutzen zahlreiche Menschen die Blockchain, um in Coins und Token zu investieren.

Geht es nach Experten, dann haben wir das Potenzial der Blockchain noch nicht ansatzweise ausgereizt. Immerhin soll die Technologie dafür sorgen, dass Intermediäre keine weitere Rolle mehr spielen. Prozesse sollen an Effizienz gewinnen – nur der Durchbruch ist bisher noch nicht eingetreten.

Auch Prof. Dr. Michael Henke von der TU Dortmund meint, dass nach einem Hype erstmal die Enttäuschung komme. Nichtsdestotrotz habe die Technologie ein großartiges Potenzial – insbesondere in Kombination mit anderen Schlüsseltechnologien. Ein Hauptgrund für das Scheitern zahlreicher Blockchain-Projekte seien einfach zu hohe Erwartungen. So ist etwa ein zentraler Einsatz einer dezentralen Technologie nicht von Vorteil. Vielmehr profitieren die Teilnehmer von Transparenz und Vertrauen.

Nach dem Hype folgt die Realität

Auch Christian Schultze-Wolters, Leiter von IBM Blockchain Solutions, ist froh, dass der Hype um die Blockchain-Technologie vorbei ist. In den letzten Jahre hätte übertriebener Optimismus den Markt dominiert. Inzwischen fallen die Erwartungen der anderen Marktteilnehmer aber realistischer aus.  Unvergessen bleibt der Blockchain-Hype aus 2017. Zahlreiche Kryptowährungen erreichten gegen Ende des Jahres 2017 ihre Höchstkurse – so auch Bitcoin bei einem Preisniveau von knapp 20.000 US-Dollar.

Bitcoin im Corona-Crash?
Nach dem Blockchain-Hype – Kryptowährungen konsolidierten

Zahlreiche Anleger gingen zum damaligen Zeitpunkt davon aus, dass Bitcoin und Co. die klassischen Währungen verdrängen. Doch auch neu emittierte Tokens und Coins, die im Rahmen eines Initial Coin Offerings an den Markt gebracht wurden, erzielten schnell hohe Kursgewinne.

Allerdings fand der Hype bereits zu Beginn des Jahres 2018 ein reges Ende. Die Nachfrage nach ICOs fiel rasant und auch heute ist das alte Niveau nicht ansatzweise erreicht. So zeigen die Daten von CB Insights, dass es in 2018 noch rund 800 Investitionen in Blockchain-Startups über ein Gesamtvolumen von 4,1 Milliarden US-Dollar gab. Ein Jahr später erhielten 450 Unternehmen ein Kapital von 1,6 Milliarden US-Dollar. Außerdem ist auffällig, dass das Kapital in zwei Drittel der Fälle in Form von Risikokapital an die Unternehmen fließt. Folglich befinden sich die Unternehmen noch in einer frühen Marktphase.

Großes Marktpotenzial auch nach dem Blockchain-Hype

Allerdings bedeutet das abgekühlte Interesse nicht, dass die Blockchain-Technologie nach dem Hype kein weiteres Marktpotenzial besitzt. Vielmehr zeigen beispielsweise die Daten der Analysten von Jupiter Research, dass der Umsatz, der mit Blockchain-Applikationen im Einzelhandel erzielt wird, bis 2023 auf 4,5 Milliarden US-Dollar steigen soll.

Ein solches Szenario ist durchaus nachvollziehbar, denn Konzerne wie Walmart oder Carrefour setzen bereits heute auf die Blockchain in der Supply Chain. Auch der chinesische E-Commerce-Gigant Alibaba experimentiert aktuell mit der Blockchain – neben IBM reicht Alibaba zudem die meisten Blockchain-Patente ein.

Auch Fidelity zeigt in einer repräsentativen Studie, dass rund 80 % der institutionellen Anleger ein Interesse an Krypto-Anlagen haben. Bereits heute haben 36 Prozent der Befragten eigene Krypto-Positionen im Portfolio.

Fidelity Survey
Fidelity-Studie zeigt institutionelles Interesse an Kryptowährungen

Schlussendlich gibt es auch zahlreiche großangelegte Projekte, die ein Interesse an der Technologie verdeutlichen. Beispielsweise Libra, ein Gemeinschaftsprojekt von Facebook, Uber, Spotify sowie zahlreichen weiteren Unternehmen, erregte staatliches Interesse. Bereits in diesem Jahr könnte das global ausgerichtete Projekt offiziell starten.

Blockchain in der Supply Chain verspricht Optimierungspotenzial

Besonders spannend ist der Einsatz der Blockchain im Bereich der Supply Chain. Laut Michael Henke lassen sich Material-, Informations- und Finanzfluss mithilfe der Blockchain kombinieren. Dies trage dazu bei, dass die Blockchain eine perfekte Lösung für die Supply Chain ist. Insbesondere global betrachtet sind Lieferketten sehr komplex, denn neben dem Spediteur und dem Kunden sind auch zahlreiche weitere Vertragsparteien in den Prozess involviert. Die hier geschaffene Transparenz sorgt dafür, dass die Blockchain auch besonders komplexe Prozesse abbilden kann.

Ein gutes Beispiel für die Optimierung liefert etwa das Fraunhofer-IML mit einem blockchainbasierten Pilot-Logistik-System. In Europaletten, welche bei Frachttransporten innerhalb Europas eine wichtige Rolle spielen, hat das IML einen Chip integriert. Diese sendet zweimal täglich Informationen zur Feuchtigkeit, Standort und Temperatur. Diese Daten sind insbesondere aus Sicht der Lebensmittelindustrie von hoher Relevanz. Die so empfangenen Daten landen anschließend auf einer Blockchain, welche Smart Contracts verwendet. Durch die Smart Contracts lässt sich die Einhaltung der Verträge überwachen.

Doch auch Maersk hat in Kooperation mit IBM die Plattform„Trade Lens“ entwickelt. Mithilfe der Plattform lassen sich alle Schritte, die während des Transports von Frachtcontainern anfallen, dokumentieren. So lassen sich zahlreiche Prozesse, die heute noch manuell bearbeitet werden, automatisieren. Bereits heute läuft 60 Prozent des internationalen Container-Frachthandels über die Plattform. Ein weiteres gutes Beispiel, welches das Potenzial der Blockchain in der Supply Chain verdeutlicht, ist IBM Food Trust. Durch die hohe Transparenz können Kunden die Lieferkette direkt im Supermarkt nachvollziehen. Food Trust wird bereits von Walmart und Carrefour genutzt. Doch in Zukunft dürfte auch hier die Akzeptanz steigen.

Nach dem Blockchain-Hype ist vor dem CBDC-Hype?

Ein Thema steht unweigerlich mit der Blockchain-Technologie in Verbindung: die Finanzwelt. Und dass dieses Potenzial nicht nur Wunschdenken von Anlegern ist, zeigt auch die rasante Entwicklung, denn immer mehr Notenbanken beschäftigen sich mit digitalen Währungen.

So hat die Bundesregierung bereits 2019 ihre Blockchain-Strategie veröffentlicht – bisher sind die Versprechungen allerdings noch nicht umgesetzt. Mithilfe der Blockchain-Strategie soll sich Deutschland von anderen Nationen wie den USA oder China absetzen. Eine Abhängigkeit wie im Bereich der Plattformunternehmen (Amazon, Facebook, Netflix und Co.) dürfe nicht erneut entstehen.

Arbeitskreis der Zentralbanken Erforschung CBDCs
Arbeitskreis der Zentralbanken Erforschung CBDCs

Der größte Anwendungsfall für die Blockchain dürfte zwar nicht im Bereich der digitalen Aktien und Wertpapiere liegen, sondern vielmehr bei einer programmierbaren Währung. Laut Philipp Sandner, Leiter des Blockchain Center der Frankfurt School of Finance and Management, sei es höchste Zeit für einen digitalen und programmierbaren Euro.

Besonders spannend ist hier die Vorreiterrolle Chinas. Die Zentralbank des Landes dürfte unter Umständen bereits in diesem Jahr eine eigene Digitalwährung veröffentlichen. Hiermit soll die Übermacht der USA im Bereich des internationalen Finanzwesens sinken und China eine wichtige Rolle zuteil werden.

DeFi – der neue Blockchain-Hype

Allerdings zeigt das Jahr 2020 auch, dass der Blockchain-Hype noch nicht vollkommen an uns vorbeigezogen ist. Insbesondere Decentralized Finance (DeFi) zeigt erneut, welches Potenzial die Technologie bietet. Bei DeFi handelt es sich im Groben um die Dezentralisierung von Finanzgeschäften. So lassen sich Kreidtvergaben, Versicherungen, Zinsgeschäfte und andere Geschäftsmodelle mithilfe von Smart Contracts darstellen.

Dieser Ansatz stößt bei den Marktteilnehmern sichtlich auf offene Ohren, denn während wir zu Beginn des Jahres 2020 noch rund 680 Millionen US-Dollar umfasst, haben wir im Juli bereits die Grenze von 3,75 Milliarden US-Dollar übersprungen.

Zeitgleich sorgt dieser Hype auch für einige Kuriositäten, beispielsweise beim Utility Token Comp. Da es sich um ein DeFi-Token handelt, hat sich der Marktpreis binnen kürzester Zeit von 64 US-Dollar auf 372 US-Dollar erhöht. Inzwischen ist der Hype um das Token wieder etwas abgekühlt, doch mit 134 US-Dollar notiert COMP noch doppelt so hoch wie vor dem DeFi-Boom. Gleiche Entwicklungen sind in allen DeFi-Sektoren zu sehen und zeigen, dass der gesamte Markt einen genauen Blick auf die weitere Entwicklung des DeFi-Marktes wirft.

Fazit: Der Blockchain-Hype ist vorbei – Es wird Zeit für die Massenadaption

Blockchain ist mehr als Bitcoin! Hinter der Blockchain-Technologie steht eine Schlüsseltechnologie, die einen wichtigen Einfluss auf die Zukunft zahlreicher Geschäftsmodelle haben dürfte. Während gegen 2017 noch zahlreiche ICOs Erinnerungen zum Neuen Markt weckten, hat sich der Markt inzwischen konsolidiert. Immer mehr Unternehmen verfolgen valide Geschäftsmodelle.

Besonders spannend dürften groß angesetzte Projekte wie Libra sein. Eine Integration einer Digitalwährung in den größten sozialen Netzwerken der Welt ist durchaus vielversprechend. Doch auch die anhaltende Niedrigzinsphase und steigende Akzeptanz von DeFi ist ein spannender Trend – allerdings befindet sich dieser Teilmarkt aktuell in einem Hype.

Des Weiteren steigt auch das staatliche Interesse an der Blockchain. So fokussiert beispielsweise die chinesische Regierung die Entwicklung der Blockchain und möchte China zum Vorreiter in diesem Bereich machen. Auch die Bundesregierung möchte hier die Entwicklung vorantreiben, hat die entsprechende Blockchain-Strategie jedoch noch nicht umgesetzt. Außerdem fokussieren die Notenbanken die Entwicklung eigener Digitalwährungen.

Insgesamt dürften die kommenden Jahre sehr spannend werden und zeigen, welches Potenzial die Blockchain wirklich hat. Eins steht allerdings fest, den Blockchain-Hype aus 2017 haben wir hinter uns gelassen.

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