China: Einführung von CBDC ohne öffentliche Bekanntmachung

China CBDC Einführung

Das Jahr 2020 könnte im Fokus digitaler Zentralbankwährungen stehen. Nachdem Facebook im vergangenen Jahr die Einführung der Kryptowährung Libra angekündigt hat, haben sich mehrere Nationen über die Rolle digitaler Währungen geäußert. Inzwischen plant auch China die Entwicklung und Einführung eines digitalen Yuans. Doch auch die EU plant die Entwicklung eines digitalen Euros, um nicht den Anschluss zu verlieren. Doch würde die Einführung einer digitalen Währung in China einen Unterschied ausmachen?

Chinesische Zentralbank blick auf entwickelte Zahlungsinfrastruktur

Geht es nach Ledgers Glen Woo, dann könnte die chinesische Zentralbank eine digitale Währung einführen, ohne dass die Bürger eine Veränderung wahrnähmen. Für diese These gibt es gleich mehrere valide Gründe:

  1. China hat sich zu einem der führenden Staaten bei der Entwicklung der sogenannten Central Bank Digital Currencies (CBDCs) entwickelt.
  2. Starker Fokus auf digitale Zahlungsmittel in der chinesischen Bevölkerung
  3. Staatlicher Fokus auf Themen wie die Blockchain-Technologie

Inzwischen gilt China wohl als der führende Staat in Sachen CBDC-Entwicklung und Einführung. Allerdings gibt es seitens der chinesischen Regierung  noch keine offiziellen Statements über den avisierten Einsatzzweck der digitalen Währungen.

Laut Glenn Woo, dem Leiter der Asien-Pazifik-Region bei Ledger Vaults, dann wird China das erste Land, welches eine digitale Währung einführt. Insbesondere die Schnelligkeit der chinesischen Regierung auf nationaler Ebene trage dazu bei, dass das Land schneller mit eigenen CBDC-Versuchen anfangen kann. Im Rahmen erster Tests hat die Regierung sogar digitale Währungen bei ausgewählten Unternehmen erprobt. Zu diesen Unternehmen gehören beispielsweise Starbucks und McDonalds. Aufgrund der zahlreichen Erfahrungen sei es nun jedoch möglich, vergleichsweise schnell noch neuere und größere Tests zu fahren.

„Ich glaube, wenn es kommt, wird es einer der ersten, nicht der erste CBDC mit einem echten Anwendungsfall weltweit sein.“ – Glenn Woo

Nutzer spüren keinen Unterschied zwischen Realgeld und CBDC

Blick wir zum heutigen Zeitpunkt auf den chinesischen Devisenmarkt, dann regieren hier vor allen Dingen zwei Unternehmen den Alltag: Alibaba und Tencent. Dabei hat die Dominanz dieser beiden IT-Konzerne einen klaren Grund, denn beide haben frühzeitig auf eigene Zahlungssysteme gesetzt, um dem Anwender eine bessere User Journey zu bieten.

Auch zahlreiche Analysten sind der Auffassung, dass China aktuell an der Rückeroberung des nationalen Zahlungsverkehrs arbeitet. Dabei ist die überragende Akzeptanz von AliPay oder WeChat Pay eine ernstzunehmende Herausforderung.

Allerdings verdeutlicht Woo auch, dass die Regierung das Wachstum digitaler Zahlungsplattformen in der Vergangenheit bewusst akzeptiert hat. Grund hierfür war der Einklang mit weiteren Zielen, welche die Regierung aus der Landeshauptstadt Peking definiert hat. So führte die Akzeptanz der beiden Plattformen dazu, dass sich der chinesische Zahlungsverkehr auf zwei inländische Anbieter konzentriert hat. Durch die Anbindung an digitale Zahlungsplattformen fällt es der Regierung nun leicht, direkten Kontakt mit den Nutzern aufzunehmen.

Integration von CBDC in klassischen Zahlungsverkehr

Des Weiteren geht Woo davon aus, dass die neue CBDC in die aufgebaute digitale Infrastruktur einfließt. Mithilfe eines solchen Ansatzes wäre die Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft überschaubar. Außerdem erhält die Regierung mehr Kontrolle und tiefere Einblicke in das Konsumverhalten der Bürger und Einzelhändler. Für die Kunden würde sich auf den ersten Blick nichts ändern. Immerhin nutzen nahezu alle chinesischen Bürger Mobile Payment-Dienste.

Nichtsdestotrotz liegt der Fokus auch in Zukunft weiterhin auf den Services von WeChat Pay und Ali Pay.

Auf diese Weise ist es auch in Zukunft möglich, dass die Nutzer WeChat nutzen, um Transaktionen im Alltag abzuwickeln. Lediglich im Hintergrund würde ein Wechsel bei der Währung stattfinden und statt des traditionellen Yuan gibt es dann die digitale Version des Yuan. Laut Woo wird der Wechsel nahtlos stattfinden, Anwender werden diesen nicht aktiv wahrnehmen.

Die Rolle des digitalen Yuan im Finanzmarkt

Ein Blick auf den aktuellen Finanzmarkt zeigt, dass der US-Dollar noch immer eine führende Rolle einnimmt und die international relevanteste Währung ist. Diesen Status Quo könnte die chinesische Regierung mit der Einführung einer CBDC ins Wanken bringen. So könnte der digitale Yuan dazu dienen, um die Abwicklung von Transaktionen auf Basis des Yuan voranzutreiben.

Da China das größte Exportland der Welt ist, könnte die Regierung beispielsweise versuchen, die Handelspartner zu einer Abwicklung in Yuan zu bringen. Sollten dann in Zukunft mehr Transaktionen auf Basis der chinesischen Leitwährung stattfinden, könnte deren Relevanz im Handel steigen. Dies gilt insbesondere für Nationen, die auf chinesische Importe angewiesen sind.

Trotz des gigantischen Potenzials erscheint es allerdings unrealistisch, dass es sich hierbei um eine kurzfristige Entwicklung handelt. Dabei spielen globale Trends wie ein zunehmender Protektionismus, eine lahmende Globalisierung und Handelsstreitigkeiten mit den USA eine tragende Rolle.

Fazit: CBDC könnte Chinas Position beim Handel stärken

Seitdem Facebook Libra vorgestellt haben, gibt es immer wieder Meldungen über die Idee staatlicher Digitalwährungen. Bereits in unserer Serie zum digitalen Euro haben wir gezeigt, dass es in der EU klare Vorstellungen zu einer digitalen Kryptowährung gibt. Sollte China die Währung einführen, dann könnte dies ohne großes mediales Aufsehen stattfinden. Immerhin setzen die meisten Nutzer bereits heute auf die mobilen Dienste von AliPay und WeChat Pay.

Aus meiner Sicht ist der Wechsel zu einer digitalen Leitwährung unausweichlich. Fraglich ist nur, ob China das erste Land ist, welches eine entsprechende Währung einführt. Insbesondere langfristig gehe ich davon aus, dass eine solche Währung positive Auswirkungen auf die chinesische Rolle an den Finanzmärkten hat. Nichtsdestotrotz ist es unwahrscheinlich, dass die positiven Effekte schnell sichtbar werden.

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