Gibt es Unregelmäßigkeiten beim Krypto-Lender Celsius?

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Es ist der 17. Juli 2020 und Alex Mashinsky, CEO und Mitgründer von Celsius, befindet sich inmitten eines YouTube Livestreams. Der Anlass für den Stream ist klar, denn immer mehr Stimmen werden laut über die Geschäftspraktiken bei Celsius. Jüngst kamen Kritiker zu dem Schluss, dass Celsius die Kundeneinlagen nicht umsichtig einsetze. Doch was steht hinter der Kritik und wie sauber arbeitet Celsius in diesem Fall?

Celsius CEO hält Livestream auf YouTube

Zum aktuellen Zeitpunkt dominiert insbesondere ein Thema die Blockchain-Sphäre – DeFi. Seit Jahresbeginn legten Investoren ungefähr 3 Milliarden US-Dollar an frischen Kapital bei den verschiedenen Services an. Werfen wir einen Blick auf den P2P-Markt in Asien, dieser boomte bereits einige Jahre früher als in Europa, dann eröffnen sich einige Parallelen. So stieg das Marktvolumen unglaublich schnell, nahezu alle Anbieter erhielten Kundengelder und die Anbieter nutzen diese Chance aus. Ob wir mit DeFi vergleichbares erleben bleibt abzuwarten, doch gewisse Parallelen lassen sich nicht leugnen.

Celsius, welches insbesondere für sein Lending-Geschäft bekannt ist, steht nun im Fokus der Anleger. Jüngst wurden Zweifel an der Mittelverwendung laut – dies rief die Investoren auf den Schirm. Folglich musste CEO und Gründer von Celsius, Alex Mashinsky, die Anleger wieder beruhigen. Dies geschah am 17. Juli 2020 im Rahmen eines Livestreams auf YouTube.

Hierbei wies Mashinsky darauf hin, dass die Kritiker lediglich Angst, Unsicherheit und Zweifel (engl. FUD) hätten. Außerdem macht er gegenüber den Celsians, so werden die Anleger auf Celsius bezeichnet, klar, dass alle Finanzmittel sorgfältig verwendet werden.

Wie funktioniert das Geschäftsmodell von Celsius?

Im Grunde ist das Geschäftsmodell von Celsius mit dem anderer Peer-to-Peer-Anbieter wie Mintos oder Bondora vergleichbar. So vermittelt Celsius Kredite an etwaige Kreditnehmer. Das Kapital kommt dabei nicht von einer Notenbank, sondern von Anlegern, die ihre Assets zur Verfügung stellen. Der ausgegebene Kredit und die Verzinsung des Anlegers weichen voneinander ab, sodass Celsius mithilfe der Zinsdifferenz einen Ertrag erzielen kann.

Im Gegensatz zu einer Bank und einer klassischen P2P-Plattform verwendet Celsius jedoch nur Kryptowährungen. Außerdem existiert auch keine staatliche Einlagensicherung, sodass Nutzer durchaus einen Totalausfall erleiden können. Laut Unternehmensangaben belief sich das investierte Kapital im Juni 2020 bereits auf mehr als 1 Milliarde US-Dollar.

Dementsprechend liegt das komplette Kreditgeschäft in den Händen von Celsius. Laut Mashinsky existieren hier strenge Richtlinien, die die Sicherheit des Kreditgeschäfts erhöhen.

„Wenn Sie andere Plattformen wie Celsius nutzen, interessiert Sie vor allem, wer der Kreditnehmer ist. […] Celsius vergibt keine unbesicherten Kredite.“ – Alex Marshinsky

Wie sich nun zeigt, stehen die Aussagen im Widerspruch zu den Aussagen eines Celsius-Vertreters. Demnach vergibt das Unternehmen auch unbesicherte Kredite und zwar auf einer begrenzten Basis. Im ersten Schritt hat sich Marshinsky noch klar gegen die Existenz solch unbesicherter Kredite ausgesprochen. Allerdings gibt es nun auch keine offiziellen Aussagen über die Höhe des Kreditportfolios, sodass eine Einschätzung des Risikos nicht möglich ist.

Geht es nach Anastasia Golovina, einer externen Pressesprecherin der Ditto PR-Agentur, dann existieren die nicht besicherten Kredite allerdings. Die Rede ist zwar von weniger als einem Prozent des Gesamtportfolios, doch die Aussagen von Marshinsky entsprechen somit nicht der Wahrheit. Laut Golovina wurden die Kredite an Unternehmen mit einer hohen Eigenkapitalisierung vergeben. Auch wenn es nur um scheinbar kleine Beträge geht, zeigt sich, dass das Unternehmen hier nicht transparent mit seinen Anlegern umgeht.

Lending im Fokus der Krypto-Anleger

Blicken wir auf den Gesamtmarkt, dann können wir Celsius als einer der interessantesten und wichtigsten Unternehmen auf dem DeFi-Markt bezeichnen. Allein in den vergangenen zwei Monaten konnte das Unternehmen 20 Millionen US-Dollar bei BnkToTheFuture einsammeln.

Insgesamt zeigt sich, dass der Markt für Krypto-Lending rasant wächst. Das Lending ist für viele Anleger eine interessante Option, denn allein durch ihre Krypto-Vermögenswerte lassen sich Renditen erzielen. Dabei müssen Anleger ihre Assets nicht liquidieren und können eine zusätzliche Einkommensquelle erschließen. Insgesamt ist davon auszugehen, dass diese Entwicklung dazu beiträgt, dass die Liquidität und Preisfindung im Krypto-Markt zunimmt.

Nichtsdestotrotz ist auch dieses Geschäftsmodell sehr risikobehaftet. Bei Celsius müssen Anleger aktuell womöglich drei sehr konkrete Risiken berücksichtigen:

  1. Kreditausfallrisiko
  2. Wechselkursrisiko
  3. Transparenz von Celsius

Immerhin sind ein Großteil der Celsius-Kredite mit BTC-Sicherheiten besichert. Sinkt der Wert der Sicherheit, dann muss ein Margenausgleich erfolgen. Allerdings gaben Insider jüngst zu verstehen, dass das Unternehmen auch zwischenzeitlich in Perpetual Swaps, hierbei handelt es sich um Future-ähnliche Derivate, investiert hat. Da ein Perpetual Swap kein zeitliches Ende haben und stattdessen periodisch auf einem Index abrechnen, erhöht sich das Risiko bei Celsius stark.

„Unser Geschäft ist es, Coins an Institutionen zu verleihen. Celsius leiht hauptsächlich an große Institutionen und manchmal an Börsen, die uns beide mit Sicherheiten versorgen.“ – Alex Mashinsky.

Celsisus hat Recht zur Neuverpfändung der Sicherheiten

Besonders kritisch ist die mögliche Neuverpfändung der investierten Coins in Celsius zu betrachten. Aus den Nutzungsbedingungen der Lending-Plattform geht hervor, dass Celsius das Recht zur Neuverpfändung der investierten Vermögenswerte erhält. Nicht näher definiert ist, ob sich dieser Recht nur auf das eigentliche Investment oder auch auf die bereits verpfändeten Werte bezieht.

Celsius - Die Krypto-Lending-Plattform @Celsius.Network
Celsius – Die Krypto-Lending-Plattform @Celsius.Network

„Als Gegenleistung für die auf Ihrem Konto verdienten Vergütungen und die Nutzung unserer Dienstleistungen räumen Sie Celsius das Recht ein […] zu verpfänden, neu zu verpfänden, zu hypothekisieren, weiter zu verpfänden, zu verkaufen, zu verleihen oder anderweitig einen beliebigen Betrag dieser Assets für einen beliebigen Zeitraum zu übertragen oder zu nutzen.“ – Auszug der Celsius Nutzungsbedingungen.

Folglich ist es nicht verwunderlich, dass sich zahlreiche Nutzer das Geschäftsmodell des Unternehmens kritisch hinterfragen. Außerdem lassen sich so die Versprechungen von Mashinsky, der 2018 noch ein faires Zinseinkommen für alle Menschen versprach, kritisch bewerten. Rein theoretisch ist es möglich, dass Investoren im Falle eines Liquiditätsengpasses nicht an Ihre Assets kommen, da diese bereits erneut verpfändet wurden.

Geschäftsbericht lässt Fragen zum Celsius ICO offen

Ein weiterer Kritikpunkt, der Celsius und das Management betrifft ist die Transparenz in Sachen Bilanzierung. Die 20 Millionen US-Dollar, die durch BnkToTheFuture und Tether gesammelt wurden, sind nicht das einzige Kapital, welches das Unternehmen besitzt. Vielmehr hat Celsius im Rahmen seines ICOs die CEL Coin an den Makrt gebracht. Investoren konnten Bitcoin und Ether gegen die neue DeFi Coin tauschen.

Laut Mashinsky konnte das Unternehmen zum damaligen Zeitpunkt rund 50 Millionen US-Dollar einsammeln. Doch die Jahresabschlüsse, die das Unternehmen beim brischen Registrar Companies House einreichte, weisen nur Erlöse von 25 Millionen US-Dollar aus. Laut Unternehmensangaben lässt sich dieser bilanzielle Unterschied auf steuerliche Ursachen zurückführen. Nichtsdestotrotz bestätigte Golovina auch, dass der Verkauf nicht im selben Monat wie das Funding stattfand.

Zu Zeiten des Fundings konnten wir am Markt allerdings Höchstkurse sehen, sodass davon auszugehen ist, dass Celsius den damaligen Hype nicht ausgenutzt hat.

Fazit: Celsius-Netzwerk lässt Raum für Kritik

Blicken wir auf den DeFi-Markt, dann handelt es sich um ein besonders spannendes Geschäftsfeld inmitten der Krypto-Branche. Allerdings lässt Celsius auch reichlich Raum für Kritik, denn Intransparenz ist aus Sicht von Kapitalgebern oftmals ein K.O.-Kriterium.

Das Geschäftsmodell an sich ist allerdings sehr interessant, denn Anleger können ihre Coins und Token behalten und zeitgleich eine Rendite einfahren. Die Kredite sind laut Unternehmensangaben abgesichert – auch die geringe Anzahl nicht besicherter Darlehen sollte hier keinen sonderlich großen Einfluss haben. Natürlich gehen Anleger hier ein Wechselkursrisiko ein, da die Auszahlungen der Erträge in CEL stattfindet. Das Token hat in der Vergangenheit aber eine gute Rendite erzielt.

Besonders kritisch ist jedoch der Teil mit der Neuverpfändung der Investments zu betrachten. In der Vergangenheit sorgte eine Neuvergabe von bereits beliehenen Sicherheiten für die Subprime Blase – im Ergebnis erlebten wir die Finanzkrise 2008. Ein solches Szenario ist zwar ausgeschlossen, da Celsius keinen vergleichbaren Einfluss auf den Markt hat. Doch schlussendlich könnte dieses Geschäftsgebaren die Plattform in Kern erschüttern. Wer in Celsius investieren möchte, sollte eine breite Diversifikation über mehrere Lending-Plattformen anstreben. Nur auf diese Weise lassen sich Kreditausfälle bei einzelnen Anbietern reduzieren.

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