USDC in der Kritik: Deckt Circle kriminelle Geldströme?

Das Wichtigste in Kürze

  • USDC-Betreiber Circle erntet massive Kritik vom Blockchain-Analysten ZachXBT. Das US-Unternehmen unternimmt nichts, um Kriminalfälle in ihrer Entstehung zu stoppen.
  • So versäumte es Circle immer wieder, kriminelle Geldströme zu stoppen – auch dann, wenn es direkte Hinweise darauf gab. Vor wenigen Tagen entwendeten nordkoreanische Hacker 232 Millionen US-Dollar vom DEX Drift, ohne dass Circle einschritt.
  • Über die letzten drei Jahre konnten Kriminelle laut ZachXBT deutlich über 420 Millionen US-Dollar in USDC transferieren, ohne Gegenmaßnahmen fürchten zu müssen. ZachXBT fordert nun ein Umdenken.

USDC in der Kritik: Deckt Circle kriminelle Geldströme?

Nach mehreren Vorfällen in der jüngeren Vergangenheit äußert der bekannte Blockchain-Analyst ZachXBT nun schwere Vorwürfe gegen den Stablecoin USDC und dessen Betreiber Circle. Trotz vielfacher Hinweise habe Circle die Sperrung illegaler Geldströme bewusst gewährt.

“Circle betreibt USDC, einen zentralisierten Stablecoin (…) und vermarktet sich als reguliertes Unternehmen mit einem soliden Compliance-Programm. Der Token-Vertrag enthält eine Sperrfunktion, und in den Nutzungsbedingungen wird ausdrücklich festgelegt, dass sich das Unternehmen das Recht vorbehält, den Zugang für mutmaßlich illegale Akteure „nach eigenem Ermessen“ zu beschränken”, leitet ZachXBT seine Kritik ein.

Damit möchte der Analyst auf die Möglichkeiten hinweisen, die Circle als Betreiber des Stablecoins hat. USDC unterscheidet sich stark von vollwertigen Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum. Diese können nicht einfach gesperrt werden.

Weil Circle den Token USDC auf verschiedenen Blockchains als nutzergenerierten Token unterhält, verfügt das Unternehmen allerdings über Sonderrechte. ZachXBT kritisiert: das US-Unternehmen sei nicht willens, diese Sonderrechte anzuwenden, um Kriminelle zu stoppen und den Geschädigten die Gelder so wiederherzustellen.

“Das Unternehmen ist in den USA eingetragen, hat derzeit seinen Hauptsitz in New York City und unterliegt den Finanzvorschriften des Bundes und der Bundesstaaten der USA”, setzt der Analyst weiter fort.

Doch Circle beruft sich in seiner Vorgehensweise genau auf die rechtlichen Grundlagen der USA. Ohne juristisches Urteil vermeidet Circle eine Sperrung von Geldern. Die Justiz ist meist zu langsam, um auf Krypto zu reagieren. Bevor ein Urteil gesprochen werden kann, wandelten die Täter die Gelder längst um. Circles Chance ist dann lange verflogen.

Erneuter Krypto-Hack durch Lazarus bringt Circle unter Druck

ZachXBT formuliert seine Beanstandung, nachdem der DEX Drift Protocol am 1. April von nordkoreanischen Hackern der Gruppe Lazarus ausgebeutet wurde. 285 Millionen US-Dollar flossen an die Angreifer – ein Großteil davon (etwa 232 Millionen US-Dollar) in Form des Stablecoins USDC.

Der Analyst argumentiert: Circle hätte die Ungereimtheiten der Geldflüsse bemerken und die Gelder infolgedessen sperren müssen. Dafür habe das Unternehmen sechs Stunden Zeit gehabt, allerdings habe es keine Reaktion gezeigt.

In seinem Beitrag erwähnt ZachXBT auch weitere Vorfälle, in denen der Ablauf ähnlich war. Sogar trotz direkter Hinweise habe Circle Sperrungen mehrfach bewusst abgelehnt. Im Januar kontaktierten private Sicherheitsexperten und Strafverfolgungsbehörden Circle nach dem Hack von SwapNet. Circle versäumte die Sperrung von drei Millionen USDC, obwohl das Unternehmen zwei Tage Zeit hatte, bevor der Angreifer das Geld transferierte.

“Die Entscheidungen, die sie im Bereich der Compliance getroffen haben, hatten konkrete Auswirkungen auf echte Menschen. Aufgrund wiederholter Untätigkeit über einen Zeitraum von drei Jahren, Anfragen von Strafverfolgungsbehörden, Anfragen aus der Privatwirtschaft und ihrer eigenen Infrastruktur sind dem Ökosystem neunstellige Summen entgangen”, schreibt ZachXBT.

Er fordert ein Umdenken bei Circle. Über einen Zeitraum von drei Jahren konnten Kriminelle demnach mehr als 420 Millionen US-Dollar in Form von USDC vor den Augen Circles erbeuten.

“Die Zahl von über 420 Millionen Dollar umfasst lediglich die größeren öffentlich bekannten Fälle. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen”, fügt ZachXBT an.

Warum USDC kaum gesperrt werden

Die seltenen Sperrungen von USDC stehen im starken Kontrast zum größten Konkurrenten des Stablecoins. Der größte Token dieser Art ist der USDT von Betreiber Tether. Tether zeichnet sich durch ausgiebige, frühzeitige und willkürliche Sperrungen aus.

Genau diese Reputation möchte Circle augenscheinlich vermeiden und entschließt sich deshalb, Gelder nur dann zu sperren, wenn juristische Urteile dies konkret fordern. Neutralität und Freiheit gelten in der Krypto-Szene als Tugenden. Widersetzt sich ein Unternehmen, leidet die Reputation.

Ob es sich bei den erbetenen Sperrungen tatsächlich um Gelder handelt, die von Kriminellen entwendet wurden, kann Circle nur selten objektiv nachvollziehen. Das Unternehmen wahrt daher lieber die Neutralität.

Die Debatte zeigt auch, welch unterschiedliche Standpunkte die verschiedenen Strömungen der Krypto-Szene einnehmen. Erst im März berichtete Blockchainwelt über Nutzer XBToshi, der Kritik am Verhalten der zwei größten Stablecoin-Emittenten äußerte. Laut seiner Einschätzung seien die Sperrungen nicht nur zu freizügig, sondern prinzipiell zu kritisieren.

Inzwischen ist klar: Mit mehr als drei Milliarden US-Dollar an gesperrten USDT und USDC – allein  auf den Blockchains Ethereum und Tron – fallen die Sperrungen weit höher aus als zuletzt angenommen. Während ZachXBT für die Ausnutzung der gegebenen Möglichkeiten argumentiert, wünscht sich XBToshi die Abkehr von auf Blockchains existierenden Geldern, die zentralen Instanzen unterstehen.

Im Januar wurde bekannt, dass mit dem Iran sogar ein stark sanktioniertes Land einen Teil seines Staatsetats in USDT anlegt, obwohl es sich damit enormen Risiken aussetzt.

Autor

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Facts Checked Fakten überprüft von Mathias Wagner
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