Quantencomputer bedrohen Krypto: Warum die Gefahr drastisch wächst

Das Wichtigste in Kürze
- Quantencomputer bedrohen Kryptowährungen in ihren Grundfesten. Laut neuer Forschungsergebnisse von Google und Oratomic fällt die Bedrohung weit größer aus als bisher angenommen.
- Durch ihre enorme Rechenleistung könnten Quantencomputer die asymmetrische Kryptografie der Blockchains knacken. Auch die Verschlüsselung vertraulicher Kryptowährungen ist bedroht.
- Google-Forscher rufen die Entwickler der Kryptos deshalb zur raschen Anpassung auf. Die größten Blockchains weisen trotz erster Verbesserungen weiterhin deutliche Schwachstellen auf.
Quantencomputer bedrohen Krypto: Warum die Gefahr drastisch wächst
Quantencomputer bedrohen Krypto – so weit ist das nichts Neues. Allerdings stellen zwei neue Forschungsberichte in Aussicht, dass die Effizienz der neuartigen Rechner deutlich höher ausfällt als bisher angenommen. Für Kryptowährungen steigt die Gefahr somit drastisch.
Krypto-Experte Justin Drake veröffentlichte gestern einen X-Beitrag, in dem er die Krypto-Szene warnte. In dem Beitrag beruft er sich auf zwei neue Berichte, die von Google Quantum AI und von Oratomic stammen. Laut Drake müssten die Entwickler der Kryptowährungen infolgedessen deutlich mehr Aufwand für die Absicherung gegenüber Quantencomputern leisten.
“Diese beiden Ergebnisse ergänzen sich und optimieren einzelne Schichten der Quantencomputer. Die Ergebnisse sind schockierend. Ich erwarte einen Paradigmenwechsel und einen weiteren Schub in der Forschung und Entwicklung hin zu einer quantenresistenten Kryptografie”, schrieb Drake.
Today is a monumentous day for quantum computing and cryptography. Two breakthrough papers just landed (links in next tweet). Both papers improve Shor's algorithm, infamous for cracking RSA and elliptic curve cryptography. The two results compound, optimising separate layers of…
— Justin Drake (@drakefjustin) March 31, 2026
Drakes Einschätzung stimmten auch weitere Experten zu. Krypto-Unternehmer Alex Pruden bezeichnet die jüngsten Erkenntnisse im Hinblick auf Quantencomputer als maßgeblichen Fortschritt. Forscher von Google erkennen Quantencomputer als massive Gefahr für Kryptowährungen. Der Kryptobranche empfehlen sie zeitnahe Reaktionen.
“Wir zeigen, dass künftige Quantencomputer die Kryptografie auf Basis elliptischer Kurven, die Kryptowährungen und andere Systeme schützt, bereits mit weniger Qubits und Logikgattern knacken könnten, als bisher angenommen”, erklären sie.
Kryptowährungen seien allerdings nicht hoffnungslos verloren. Stattdessen müssten viele Entwickler die genutzte Kryptografie anpassen, um Rechner daran zu hindern, jene zu knacken.
“Die meisten Blockchain-Technologien und Kryptowährungen stützen sich derzeit in entscheidenden Sicherheitsaspekten auf ECDLP-256. Wie wir in unserer Abhandlung darlegen, stellt die quantenresistente Kryptografie (PQC) einen gut erforschten Weg zur quantensicheren Blockchain dar und untermauert das Vertrauen in die langfristige Tragfähigkeit von Kryptowährungen und der digitalen Wirtschaft.”
Einige der großen Kryptowährungen wurden durch ihre Entwickler bereits angepasst, um Schäden durch Quantencomputer zu verhindern. Laut Angaben der Forscher zählt dazu Ethereum. Die zweitgrößte Kryptowährung sei gegen die Hochleistungsrechner bereits gut gewappnet – deutlich besser als Marktführer Bitcoin.
Laut Angaben der Forscher sei Ethereums Kontosystem eine besondere Schwachstelle. Weil Bitcoin statt Konten UTXOs nutzt, tritt dieser Schwachpunkt beim Marktführer nicht auf. Darüber hinaus seien Ethereums Smart Contracts und das Staking-System bedroht.
Welche Schäden Krypto durch Quantencomputer erleiden könnte
Ryan Babbush, Adam Zalcman und Craig Gidney sind für den Google-Bericht hauptverantwortlich. Sechs weitere Personen beteiligten sich an den Forschungen – darunter auch Justin Drake. Gemeinsam identifizierten sie drei verschiedene Kategorien unterschiedlicher Angriffsvektoren, welche Quantencomputer gegenüber Kryptowährungen eröffnen könnten.
Es handelt sich um “On-Spend Attacks, At-Rest Attacks” und “On-Setup Attacks”. Diese Kategorien benennen den Angriffszeitpunkt, an dem der Rechner einsetzt, um Daten zu extrahieren und daraus nichtöffentliche Informationen abzuleiten.
Der On-Spend Angriff erfolgt, wenn eine Transaktion stattfindet. Ein Quantencomputer kann dann eine volle Blockzeit nutzen, um die asymmetrische Kryptografie zu knacken und dadurch private Schlüssel zu extrahieren. Private Schlüssel befinden sich normalerweise abseits der Öffentlichkeit, sind über öffentliche Schlüssel aber potenziell nachvollziehbar.
Asymmetrische Kryptografie verhindert üblicherweise eine Ableitung des privaten Schlüssels. Quantencomputer könnten diese Möglichkeit neu eröffnen. In diesem Szenario erhält der Angreifer den Zugriff auf eine bestimmte Transaktion, die er dann durch eine manipulierte Version ersetzen kann. So wäre die Entwendung von Geldern möglich.
Der private Schlüssel stimmt in diesem Szenario nicht mit einem Masterkey (der auch durch eine Schlüsselphrase wiedergegeben wird) überein, der den Zugriff auf die gesamte Blockchainadresse gewährt. Die Manipulation bezieht sich also exklusiv auf eine Transaktion.
At-Rest Attacks nehmen bereits abgewickelte Transaktionen in den Fokus. An dieser Stelle können Angreifer potenziell unendlich viel Zeit beanspruchen, um UTXOs zu kapern.
Ein dritter Angriffsvektor ist der On-Setup Attack. Dabei können Quantenrechner frisch erstellte Schlüsselpaare missbrauchen, um einen universellen Zugriff zu gewährleisten. Diese Schwachstelle ist demnach besonders riskant. Während Bitcoin gegen diesen Angriff resistent ist, sind anderweitige Konzepte wie Zcash, Tornado.cash oder Ethereum-L2s anfällig.
Privacy Coins droht Entschlüsselung
Laut Angaben der Google-Forscher droht Privacy Coins die nachträgliche Entschlüsselung. Privacy Coins oder vertrauliche Kryptowährungen bieten besonders hohe Privatsphäre durch die Verschlüsselung ihrer Blockchains.
Diese Verschlüsselungskonzepte könnten Quantencomputer ebenfalls knacken. Rückwirkend könnten so Transaktionen aufgedeckt werden, die bisher jahrelang unentdeckt blieben. Zudem seien diese Kryptowährungen dem erhöhten Risiko einer Inflation durch Missbrauch des Programmcodes ausgesetzt.
“Anfällige, datenschutzorientierte Blockchains sind Zcash, Monero und die Mimblewimble-Sidechain von Litecoin. Neben den zukünftigen Bedrohungen wie dem Diebstahl von Vermögenswerten und der Inflation sind die datenschutzorientierten Blockchains zudem mit einer rückwirkenden Beeinträchtigung des Datenschutzes konfrontiert.”
All jene Gefahren lassen sich durch quantenresistente Konzepte ausmerzen, legen die Forscher dar. Für Privacy Coins sei eine Anpassung für das Zeitalter der Quantencomputer daher besonders wichtig.
