MiCA in Kraft: Was das jetzt für Nutzer bedeutet

Das Wichtigste in Kürze
- MiCA, das Krypto-Gesetz der EU, ist seit heute vollständig in Kraft. Nach der Aktivierung des Gesetzes im Dezember 2024 galt bis heute in manchen Ländern eine Übergangsfrist.
- Experten befürchten einen drastischen Eingriff in die Industrie. Ganze 92 Prozent der Branche würden durch MiCA aus der EU verstoßen. Die Bedienung von EU-Bürgern ist für sie illegal.
- Polen ist der einzige Mitgliedstaat der Union, der sich weiterhin einer nationalen Implementierung verwehrt. Präsident Nawrocki hält die Verordnung für überzogen und innovationsfeindlich.
MiCA in Kraft, Kritik wächst
MiCA ist ab heute vollständig in Kraft. Das Krypto-Gesetz der EU wird bereits seit dem 30. Dezember 2024 angewendet, doch durch Übergangsfristen wurde es bislang noch nicht überall vollständig angewendet. Erst ab heute zeigen sich seine Folgen vollumfänglich.
Laut Darstellung einiger Unterstützer soll MiCA die Kryptobranche in der Europäischen Union eigentlich fördern. Davon überzeugt zeigte sich unter anderem der deutsche EU-Abgeordnete Stefan Berger, der für die Aushandlung des Gesetzes eine zentrale Position einnahm.
Auch Vertreter der Kryptobranche äußerten sich positiv über das Gesetz. So befürwortete es Patrick Hansen, Direktor von Circle, da es einheitliche Wettbewerbsbedingungen schaffe und eine Zersplitterung der Rechtslage in der EU verhindere.
Für Endnutzer soll sich MiCA als förderlich erweisen, indem es strenge Regularien im Sinne des Verbraucherschutzes umsetzt. Gleichzeitig soll es die Kryptobranche innerhalb der Union halten und somit die heimische Industrie stärken.
Während das Ende der Übergangsfrist näher rückte, äußerten sich immer mehr Stimmen aus der Industrie kritisch über das Gesetz. So schafft MiCA enorme Hürden, die sich auch auf die Kosten niederschlagen. Junge und kleine Betriebe haben dadurch Schwierigkeiten, die nötigen Lizenzen zu erhalten.
Zudem bricht ein großer Teil des Wettbewerbs durch die strengen Vorgaben weg. Krypto-Analyst Crypto Rover rechnet mit einem Einbruch von ganzen 92 Prozent der Industrie innerhalb der EU. Auch Branchenkenner Luc van Hecke rechnet mit drastischen Veränderungen.
Demnach sei es nur 244 Firmen gelungen, eine MiCA-Lizenz zu erhalten. Zuvor hätten mehr als 3.000 Krypto-Firmen auf dem Gebiet der Europäischen Union agiert.
Was das Krypto-Gesetz der EU nun für Nutzer bedeutet
Welche Auswirkungen hat das Krypto-Gesetz der EU also konkret für Nutzer? Einige gebräuchliche Gewohnheiten ändern sich ab heute. So bedienen viele der bekanntesten Krypto-Börsen keine Nutzer aus Deutschland und weiteren Ländern der EU mehr.
Dazu zählt auch der Weltmarktführer Binance, welcher bis zuletzt um eine Lizenz in mehreren Mitgliedsstaaten der Union gerungen hatte. Laut jüngster Darstellung des Unternehmens, arbeite man derzeit weiter an einer Zulassung.
Da MiCA heute in Kraft tritt und Binance über keine Lizenz verfügt, darf es seine Dienste den EU-Bürgern nicht länger zur Verfügung stellen. Zudem dürfen diese nicht länger beworben werden. Kunden von Binance und weiteren ausgeschlossenen Krypto-Börsen (etwa MEXC oder HTX), können ihre Gelder ab sofort nur noch von den Plattformen abheben. Sämtliche verbleibende Aktivitäten sind fortan ausgeschlossen.
Blockchainwelt stellt eine Liste von MiCA-lizenzierten Krypto-Börsen bereit. Nutzer können hier die besten Marktplätze finden, auf denen sie Krypto weiterhin handeln können.
Durch das Gesetz tritt der Stablecoin USDT hier nicht länger als Handelswährung auf. Stattdessen müssen Kunden auf Alternativen zurückgreifen, die allerdings über einen identischen Funktionsumfang verfügen – etwa USDC.
Was passiert, wenn Nutzer illegale Dienstleister verwenden?
Einige Dienstleistungen schließt die neue Rechtslage umfassend aus. Die beliebten Swapper sind laut Isitmicacompliant.com nicht mehr legal nutzbar. Eine Bestrafung der Endnutzer sehen die Behörden allerdings nicht vor.
Stattdessen warnt die EU vor der Nutzung unlizenzierter Betriebe, da der Verbraucherschutz in diesen Fällen nicht gegeben sei. Erst kürzlich hatte Zonda Schlagzeilen durch einen millionenschweren Betrugsfall gemacht. Entgegen anderweitiger Behauptungen verfügte die Krypto-Börse nicht über eine MiCA-Lizenz, agierte jedoch aus Europa.
MiCA stellt Dienstleistungen durch unlizenzierte Unternehmen unter Strafe. Straffrei bleibt der Handel hingegen, wenn er als P2P-Transaktion erfolgt.

Swapper wie Changenow oder Fixedfloat verfügen nicht über die nötigen Zulassungen. Sie dürfen Kunden aus der EU also nicht bedienen. Tun sie das doch, drohen ihnen Strafen.
Polen ist der einzige Mitgliedstaat, der das Krypto-Gesetz noch immer blockiert. Staatspräsident Karol Nawrocki hält MiCA für überzogen und innovationsfeindlich. Die nationale Implementierung des Gesetzes blieb daher bislang aus. Welche Folgen dies in der Praxis hat, ist im Detail nicht klar. Betroffene polnische Betriebe seien jedoch weiterhin nutzbar.
