Kraken: Nach Erpressungsdrama investiert Deutsche Börse 200 Mio.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die US-amerikanische Krypto-Börse Kraken wurde nach einem ersten Vorfall im Frühjahr 2025 erneut zum Ziel einer Erpressung. Kunden kritisieren die Auslagerung des Kundendienstes ins Ausland und die Schwächen von KYC, die dies erst ermöglichen.
  • Die Deutsche Börse gab heute bekannt, 200 Millionen US-Dollar in Kraken zu investieren. Eine im Dezember begonnene Zusammenarbeit wolle man so vertiefen.
  • Kraken und die Deutsche Börse möchten eine hybride Finanzstruktur schaffen, welche Krypto besser mit der klassischen Finanzbranche verbindet.

Kraken: Erpressungsdrama offenbart Schwächen der Krypto-Börse

Die US-amerikanische Krypto-Börse Kraken wurde zum Protagonisten eines Erpressungsdramas. Sensible Nutzerdaten hatten die inneren Kreise des Betriebs verlassen und waren in die Hände Krimineller gelangt. Diese forderten das Unternehmen auf, ein Lösegeld zu zahlen. Andernfalls, so drohten die Erpresser, würden die Nutzerdaten an die Öffentlichkeit gelangen.

Nick Percoco, Sicherheitsmanager von Kraken, machte über X auf die wiederholten Erpressungsversuche aufmerksam. Einen ersten Vorfall habe es bereits im Februar 2025 gegeben.

“Wir werden derzeit von einer kriminellen Bande erpresst, die damit droht, Videos unserer internen Systeme mit sichtbaren Kundendaten zu veröffentlichen, sollten wir ihren Forderungen nicht nachkommen”, schrieb Percoco gestern auf X.

Eine Sicherheitslücke in Krakens Systemen sei nicht entstanden. Deshalb konnte ein schuldiger Mitarbeiter rasch identifiziert werden. Die namentlich unbekannte Person hatte als Mitarbeiter des Kundendienstes Zugriff auf sensible Nutzerdaten. Diesen Zugriff nutzte die Person aus, um Informationen in einem “kriminellen Forum” zu teilen, erklärte der Sicherheitsmanager.

“Wir haben umgehend eine Untersuchung eingeleitet und den Schuldigen als Mitglied unseres Support-Teams identifiziert. Dessen Zugriff wurde sofort gesperrt (…) zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wurden ergriffen und eine kleine Anzahl betroffener Kunden wurde benachrichtigt”, heißt es weiter.

Zuletzt habe sich ein ähnlicher Vorfall wiederholt, der Percoco dazu veranlasste, seinen X-Beitrag zu verfassen. Demnach wurden in beiden Situationen die Daten von schätzungsweise 2.000 Kunden entblößt – nur 0,02 Prozent aller Kraken-Nutzer seien also betroffen.

Kraken arbeite nun mit Strafverfolgungsbehörden verschiedener Staaten zusammen, um die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

“Wir werden Kriminelle nicht bezahlen und nie mit Schurken verhandeln”, fasst Percoco zusammen.

Etliche Leser machen Kraken für die Schwachstellen verantwortlich. So steht Krakens Rekrutierungsprogramm in der Kritik, das den Kundendienst preisgünstig ins Ausland verlagere. Andere Kommentatoren machen auf die systemische Schwäche von KYC aufmerksam. Durch die Aufzeichnung vieler sensibler Daten, werden ihre Halter zu einem Honeypot.

Deutsche Börse investiert 200 Millionen US-Dollar in Kraken

Die Deutsche Börse teilt in einer jüngsten Pressemitteilung mit, ganze 200 Millionen US-Dollar in die Krypto-Börse Kraken zu investieren. Eine seit Dezember 2025 bestehende Partnerschaft wolle man auf diese Weise vertiefen.

“Deutsche Börse Group hat heute ihr strategisches Investment in Höhe von 200 Millionen US-Dollar an Payward, Inc. bekannt gegeben, die zentrale Marktinfrastruktur der globalen Kryptobörse Kraken. Das Investment  erfolgt durch den Erwerb von bestehenden Anteilen im Rahmen einer  Sekundärmarkttransaktion und führt zu einer vollständig verwässerten  Beteiligungsquote von 1,5 Prozent”, legt die Deutsche Börse dar.

Durch die verschiedenen Wirkbereiche der beiden Unternehmen soll es gelingen, Hürden zwischen der klassischen Finanzwelt und der modernen Kryptobranche abzubauen.

“Die Partnerschaft umfasst Handel, Verwahrung, Abwicklung, Sicherheitenmanagement und tokenisierte Vermögenswerte. Ziel ist es, verbesserte Produkte und Dienstleistungen zu erschließen, die einen effizienten Zugang zu beiden Ökosystemen ermöglichen und  institutionellen Kunden integrierte, ganzheitliche Lösungen bieten”, legt die Deutsche Börse dar.

Die Investition soll nach abschließender Prüfung durch Behörden im zweiten Quartal 2026 abgeschlossen werden. Die Deutsche Börse wolle künftig eine “hybride Marktinfrastruktur” schaffen. Der Betreiber wichtiger Finanzstrukturen – etwa der Börse Frankfurt und der Xetra – sieht in Blockchain und Krypto also erhebliches Potenzial.

Autor

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Facts Checked Fakten überprüft von Mathias Wagner
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