Geldwäsche dank Krypto? Warum Bankräuber auf Stablecoins setzen

Das Wichtigste in Kürze
- Das kolumbianische Drogenkartell Tren de Aragua setzt vermehrt auf Stablecoins, um seine Geschäfte international zu betreiben. Dafür wandelt es illegale Einkünfte aus Bankraub in die Token um.
- US-amerikanische Behörden sanktionierten jüngst sieben Blockchain-Adressen, die unter der Kontrolle der Bande stehen.
- Die Kriminellen bevorzugen die Wertstabilität der Stablecoins, machen sich damit aber besonders angreifbar und riskieren Totalverluste.
Geldwäsche dank Krypto? OFAC sanktioniert Drogenkartell Tren de Aragua
OFAC, die Kontrollbehörde des US-amerikanischen Finanzministeriums, sanktionierte am Mittwoch das kolumbianische Drogenkartell Tren de Aragua. Der kriminellen Organisation wirft man ein ausgeklügeltes System vor, über das diese Geldautomaten knackte.
OFAC bezeichnet das Vorgehen als “ATM Jackpotting”. Bis August 2025 soll durch Jackpotting in den USA ein Schaden in Höhe von 40,73 Millionen US-Dollar in 1.500 Vorfällen entstanden sein.
Durch einen Eingriff über ihre Software bringen die Täter die Maschinen dazu, ihren Inhalt eigenständig auszuwerfen. So ist das physische Knacken des Geräts nicht mehr nötig. Dazu spielten sie die Schadsoftware Ploutus auf Minicomputer des Typs Raspberry Pi auf. Diese steckten sie physisch an die Geldautomaten an, um sie zu manipulieren.

Anschließend verwendete die Bande Kryptowährungen, um ihr illegales Einkommen zu waschen, so OFAC. Blockchain-Analysten von Chainalysis bestätigen die Angabe der US-amerikanischen Behörde.
Dabei habe die Bande auf ein großes kriminelles Netzwerk gesetzt. Einer ihrer Partner – ein kolumbianischer Staatsbürger – soll ein Geschäft aufgebaut haben, das ein Volumen von einer Milliarde US-Dollar der Geldwäsche unterzog. Neben Tren de Aragua sollen jenes weitere Drogenkartelle aus Kolumbien und Mexiko nutzen.
“Die On-Chain-Erkenntnisse zeigen uns, dass kriminelle Organisationen gemeinsame Infrastrukturen für Geldwäsche nutzen. Solche Erkenntnisse kann nur die Blockchain liefern.“, so Kaitlin Martin, Analystin von Chainalysis.
Details über den Wechsel zwischen dem gestohlenen Bargeld und den später genutzten Kryptowährungen gab OFAC nicht bekannt. So bleibt unklar, wie genau die Täter ihre Beute im Millionenwert genau gegen Token auf der Blockchain tauschten.
Eigentlich sollen schwerwiegende AML- und KYC-Maßnahmen die Verbringung krimineller Beute auf die Blockchain verhindern. Fraglich ist auch, ob die Bezeichnung der Geldwäsche hierbei zutreffend ist.
Üblicherweise bezeichnet Geldwäsche den Versuch, Gelder aus illegalen Quellen durch ein vorgetäuschtes legales Geschäft als rechtmäßiges Einkommen auszugeben. Erkenntnisse von Blockchainwelt stellen jedoch infrage, ob Tren de Aragua diesen Versuch überhaupt unternimmt.
Augenscheinlich behalten die Täter ihre Kryptowährungen ohne Sorge um staatliche Verfolgung. Sie nutzen die Token sogar, um internationale Partner zu bezahlen. Unter Einsatz zentralisierter Stablecoins fühlen sie sich dabei offenbar zu sicher.
Warum Bankräuber auf Stablecoins setzen
Einmal mehr stellt Chainalysis fest, dass die Kriminellen lieber auf zentralisierte Stablecoins setzten, statt auf vollwertige und damit unabhängige Kryptowährungen, zu denen etwa Bitcoin und Ethereum zählen.
Offenbar bevorzugen die Banden die Wertstabilität der Stablecoins. Bekannt ist, dass dabei etwa der Token USDT des Herausgebers Tether zum Einsatz kam. Dieser bildet den US-Dollar über lange Zeit nahezu paritätisch ab.

Das Problem: Zentralisierte Stablecoins statten die Herausgeber mit Sonderrechten aus. Somit ist es den Herausgebern möglich, ihre Token per Fernzugriff auf beliebigen Blockchain-Adressen zu sperren. Dem Halter entgeht sein Geld damit sofort.
Laut Chainalysis sei dies im Zusammenhang mit Tren de Aragua bereits geschehen. Mehrfach habe Tether Adressen der Organisation gesperrt.
“Unsere Ermittler haben festgestellt, dass diese Netzwerke in großem Umfang Stablecoins nutzen, um ihre kriminellen Erlöse weltweit zu transferieren. Dies bietet ihnen zwar Preisstabilität, macht sie aber gleichzeitig anfällig für unsere fortschrittlichen Überwachungstechniken”, schreibt Chainalysis dazu.
Today, OFAC sanctioned an FBI Top 10 fugitive and Tren de Aragua member who allegedly stole millions from U.S. ATMs using malware loaded on Raspberry Pis — and laundered the proceeds through crypto.
Our investigators analyzed the on-chain network surrounding the now-sanctioned… pic.twitter.com/yAQXzRujyp
— Chainalysis (@chainalysis) September 30, 2026
Sanktionierte Personen und Organisationen verwenden immer wieder Stablecoins. Besonders große Aufmerksamkeit erregte der Einsatz der Token durch den iranischen Staat, der damit seine Fiatwährung stabilisieren wollte.
Wegen dieser unklugen Strategie verlor er hunderte Millionen US-Dollar. Tether hatte die Sanktionen der USA umgesetzt und die Gelder schließlich aus den Wallets des Irans an die US-Behörden übertragen.
Allein über die zwei größten Stablecoins USDT und USDC wurden bis heute rund 4,3 Milliarden US-Dollar eingefroren.

