Nach Bitget Hack: Darum entbrennt ein Streit über den DEX Thorchain

Das Wichtigste in Kürze

  • Letzte Woche wurde die zentralisierte Krypto-Börse Bitget zum Opfer eines Hacks. 357 Millionen US-Dollar in Krypto fielen in die Hände von Cyberkriminellen.
  • Diese tauschten die Gelder kurze Zeit später über den DEX Thorchain. Weil es seinerseits keine Intervention gab, entbrennt nun ein Streit.
  • Thorchain folgt einer dezentralen Funktionsweise und kann spezifische Gelder deshalb nicht beschlagnahmen.

Bitget-Hack: Angreifer bringen Beute in Sicherheit

Die bekannte Krypto-Börse Bitget entdeckte letzten Donnerstag unbefugte Zugriffe auf seine Wallets. Dabei gelang es Unbefugten, Kryptowährungen im Wert von rund 357 Millionen US-Dollar zu entwenden.

Zu den entwendeten Kryptowährungen zählen XRP, Ethereum und weitere bekannte Coins. Die Hacker tauschten große Teile der Beute bereits kurz nach dem Vorfall in ETH um. Auf der Ethereum-Blockchain erhofften sie sich eine sichere Verbringung der Gelder, ohne dass ihnen Abwehrmaßnahmen in den Weg kommen.

Die Stablecoin-Betreiber Circle und Tether reagierten schnell auf den Hack und froren so entwendete Token ein. Insgesamt handelt es sich dabei allerdings nur um einen sechsstelligen Wert, der im Vergleich zum Gesamtwert der Beute verschwindend gering ist.

Sicherheitsexperten von SlowMist deckten bereits vergangenen Freitag auf, dass die unbekannten Hacker den Dienst Thorchain nutzten, um die erbeuteten Kryptowährungen gegen andere Coins zu tauschen – dazu zählt etwa der erwähnte Wechsel unterschiedlicher Coins gegen Ethereum.

Laut Angaben von Bitget und unabhängigen Blockchain-Analysten, steckt die Hackergruppe Lazarus des nordkoreanischen Staates hinter dem Vorfall. Lazarus sei es gelungen, Bitget zu infiltrieren und so den Zugriff auf Hot Wallets und Warm Wallets zu erlangen.

Nach einer temporären Abschaltung führt die Krypto-Börse ihre Funktionen ab heute wieder ein. Die letzten Vorgänge sollen am 2. Oktober abgeschlossen werden.

Darum entbrennt jetzt ein Streit über den DEX Thorchain

Der Bitget-Hack zieht mittlerweile einen Rattenschwanz nach sich. In Industrie und Szene entbrennt ein Streit über die dezentrale Krypto-Börse Thorchain. Der DEX wickelte Transaktionen der Hacker ab und erlaubte ihnen so die Verbringung der gestohlenen Gelder.

Bitget und SlowMist machen Thorchain deshalb Vorwürfe. Der DEX habe nicht angemessen auf frühe Meldungen durch die IT-Sicherheit von Bitget reagiert. Dieselbe Debatte spielte sich in der Vergangenheit nach ähnlichen Vorfällen bereits mehrfach ab. So entwendeten Hacker im Frühjahr 2025 rund 1,5 Milliarden US-Dollar in Krypto von der Handelsplattform Bybit.

Auch hinter diesem Vorfall soll Lazarus stecken. Die Verbringung der Beute erfolgte auf ähnliche Weise. So nutzten die Hacker damals ebenfalls Thorchain. Der DEX ermöglicht es, Coins zu ertauschen, die einfacher vor Gegenmaßnahmen zu schützen sind. Besonders beliebt ist dafür ETH. Gleichzeitig kann der Tausch bei der Verschleierung der Kryptos helfen.

“Heute, nach einem weiteren schwerwiegenden Sicherheitsvorfall bei Bitget, beobachten wir erneut, dass Gelder von Angreifern zur Durchführung von Swaps und blockchainübergreifenden Transfers an Thorchain überwiesen werden”, schrieb SlowMist in Anlehnung an den Bybit-Hack letzte Woche.

Einen großen Anteil der Schuld am Erfolg des Hacks rechnet SlowMist daher Thorchain zu. Die Sicherheitsexperten erwarten Interventionen, wenn bekannt ist, dass die eingetauschten Gelder aus illegalen Quellen stammen.

“Die Adressen der Angreifer wurden bereits öffentlich gekennzeichnet und werden von (…) der gesamten Krypto-Branche aktiv überwacht.”

Das Problem: Thorchain setzt auf ein dezentrales, erlaubnisfreies System. In der Praxis soll so jede beliebige Person jederzeit Kryptowährungen tauschen dürfen – ganz gleich, welcher Hintergrund besteht.

Der DEX folgt damit den grundlegenden Prinzipien von Kryptowährungen, die sich der Neutralität verschreiben. Sobald Zensur in irgendeiner Form möglich ist, kann sie beliebig ausgeweitet werden. Deshalb ist die Zensur in der Krypto-Szene generell verpönt.

“Dezentralisierung sollte nicht zu einer pauschalen Ausrede werden, wenn es um bekanntermaßen gestohlene Gelder geht”, argumentiert SlowMist weiter.

Warum Thorchain keine Kryptowährungen einfriert

Die technische Funktionsweise von Thorchain erlaubt keine Einfrierung bestimmter Gelder. In der Vergangenheit reagierte der DEX mehrfach auf große Hacks, um die Verbringung der Beute zu verhindern.

Dabei müssen sich die Betreiber des Netzwerks jedoch auf einen Konsens einigen und das Netzwerk gemeinsam abschalten. So kann man Hacker jedoch nur temporär einschränken, nicht dauerhaft. Einfacher geht die Abschaltung der Frontends vonstatten. So können die Betreiber von Thorswap einfach ihr Portal offline setzen. Hacker können dann potenziell weiterhin über Thorchain tauschen, indem sie ein anderes Frontend nutzen.

Über den offiziellen X-Auftritt reagierte der DEX auf die Vorwürfe der letzten Tage. Die Schuldvorwürfe wies man von sich.

“THORChain ist dezentralisiert und erlaubnisfrei, genau wie Bitcoin, Ethereum und die BNB Chain.”

Als Thorchain im Mai 2026 selbst zum Ziel eines Angriffs wurde, konnte der Dienst seine eigenen Gelder deshalb auch nicht beschlagnahmen. Die Entwickler befürchten, dass Bitget seine eigenen Fehler nun auf den DEX abwälzen möchte.

Teilhaber des Thorchain-Netzwerks profitieren von jedem Tausch, weil dafür Gebühren erhoben werden. Aktuell fordern unterschiedliche Stimmen eine Rückzahlung der eingenommenen Gelder an Bitget.

Autor
5+ Jahre Erfahrung

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Experte für:
Krypto News MiCa & Regulierung
Facts Checked Fakten überprüft von Mathias Wagner
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