Warum Bitcoin die Sperrung des Vermögens von Satoshi Nakamoto erwägt

Das Wichtigste in Kürze

  • Bitcoin-Entwickler erwägen derzeit die Sperrung von bis zu 34 Prozent aller Bitcoin, die auf veralteten Blockchain-Adressen gehalten werden. Veraltete Technologie gilt gegenüber Angriffen durch Quantencomputer als anfällig.
  • Betroffen ist auch das Vermögen des Bitcoin-Erfinders Satoshi Nakamoto. Dieser hält schätzungsweise 1,1 Millionen BTC unangetastet auf mehreren Adressen.
  • Die Sperrung der Coins sei laut Jameson Lopp nur für den Notfall gedacht. So könne man die Zerstörung der Blockchain durch Quantencomputer verhindern.

Warum Bitcoin die Sperrung des Vermögens von Satoshi Nakamoto erwäg

Das Bitcoin-Netzwerk erwägt aktuell die Sperrung einiger BTC – darunter befindet sich insbesondere das Krypto-Vermögen des Bitcoin-Erfinders. Satoshi Nakamoto dürfte schätzungsweise bis zu 1,1 Millionen BTC auf verschiedenen Wallets lagern, die seit etlichen Jahren unangetastet sind.

Bei dem Konzept geht es nicht um die langfristige Entwendung oder Sperrung von Geldern, sondern um eine temporäre Einfrierung. Auf diese Weise soll die Entwendung schlecht geschützter BTC durch Unbefugte verhindert werden.

Sechs Entwickler stellten das Konzept jüngst vor. Sie bezeichnen es als Bitcoin-Verbesserungsvorschlag Nummer 361 (BIP-361). Es handelt sich um eine direkte Reaktion auf eine wachsende Bedrohung der Blockchain durch Quantencomputer.

“Dadurch wird Quantensicherheit zu einem privaten Anreiz: Wer das Upgrade nicht durchführt, stößt beim Zugriff auf sein Guthaben auf zusätzliche Hindernisse, wodurch eine Sicherheit geschaffen wird, die zuvor nicht bestand”, heißt es in einer offiziellen Erklärung.

Die Restriktionen unterteilt man in drei Phasen. In der ersten Phase werden Geldsendungen an Blockchain-Adressen gesperrt, sofern diese für Quantencomputer anfällig sind, da sie das nötige Upgrade nicht durchgeführt haben.

In Phase zwei sperrt man sämtliche Transaktionen, welche zu der Entblößung von Private Keys führen könnten. Dieser Moment trete fünf Jahre nach der Durchführung von BIP-361 ein – also frühestens im Jahr 2031.

Die dritte Phase ermöglicht die Wiederherstellung der Gelder durch den rechtmäßigen Eigentümer. Eine Seedphrase soll als Eigentumsnachweis dienen. Um die Quantenresistenz der Wiederherstellung zu garantieren, sei die Entwicklung und Durchführung eines weiteren BIP notwendig.

Das Gesamtkonzept BIP-361 erlangte vor allem durch die federführende Beteiligung des populären Entwicklers Jameson Lopp Bekanntheit. Für die Durchführung ist ein Softfork nötig.

Warum BIP-361 unter Bitcoinern extrem umstritten ist

BIP-361 wird auf X und weiteren Kommunikationskanälen hitzig diskutiert. Viele Kritiker machen sich über das Konzept lustig oder warnen vor langfristigen, negativen Folgen für die Kryptowährung Bitcoin. Auch Jameson Lopp ist sich der Gefahren bewusst. So schreibt er in einem X-Beitrag:

“Ich weiß, dass dies den Leuten nicht gefallen wird. Mir gefällt es auch nicht, aber die Alternativen passen mir noch weniger.”

Jüngst warnten Forscher von Google vor schwerwiegenden Folgen für Kryptowährungen in einer kommenden Ära der Quantencomputer. Durch exponenziell wachsende Rechenleistung könnte die asymmetrische Kryptografie vieler Kryptos geknackt werden. Dadurch könnten Angreifer den Zugriff auf Private Keys erlangen und arglosen Nutzern die Gelder entwenden.

Laut Lopps Erklärung sei BIP-361 in seiner jetzigen Form nicht produktreif. Stattdessen handele es sich um ein grundlegendes Konzept, das durch weitere Forschung und Entwicklung finalisiert werden soll.

Auch nach der erfolgreichen Fertigstellung der Arbeit bleibe BIP-361 eine Variable. Das Upgrade solle nur im Notfall auf die Blockchain aufgespielt werden.

“Ich hoffe, dass dies niemals in Betracht gezogen werden muss. Letztendlich lautet meine These, dass angesichts einer existenziellen Bedrohung individuelle wirtschaftliche Anreize gegenüber philosophischen Prinzipien überwiegen”, argumentiert Lopp.

Kritiker befürchten durch BIP-361 eine Abkehr von Bitcoins fundamentalen Ideen. So könne die Neutralität gebrochen und bestimmte Nutzer sanktioniert oder enteignet werden. Nach Bekanntwerden der Idee reagierten gestern etliche Nutzer schockiert.

“Das fühlt sich wie eine Rutschpartie an, die allem widerspricht, wofür Bitcoin jemals stand”, schrieb ein Nutzer in einem beliebten Kommentar.

Aktuell sollen 34 Prozent aller Bitcoin von Quantencomputern bedroht sein, da dieses Vermögen auf Blockchain-Adressen zu finden ist, welche veraltete Technologie nutzen. Es handelt sich um fast sieben Millionen BTC mit einem aktuellen Marktwert von 500 Milliarden US-Dollar.

Die Zukunft einer solch großen Geldmenge ist für das Überleben des Bitcoins von entscheidender Bedeutung. Eine Flutung des Marktes nach erfolgreichen Quantenangriffen könnte den Bitcoin-Kurs stürzen und zu enormer Panik führen.

Autor

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Facts Checked Fakten überprüft von Mathias Wagner
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