Binance Hack: Wie Lazarus 6,4 Mrd. von der Krypto-Börse raubte

Das Wichtigste in Kürze

  • Binance wurde über die vergangenen Tage mehrfach zum Ziel von Hackerangriffen. Gestern konnten die Angreifer schließlich Krypto-Reserven im Wert von 6,4 Milliarden US-Dollar entwenden.
  • Bei den Tätern soll es sich um staatliche Hacker der nordkoreanischen Lazarus-Gruppe handeln. Diese nutzte gleich mehrere Angriffsvektoren, um die größte Krypto-Börse der Erde zu knacken.
  • Rund die Hälfte der Beute wurde bereits eingefroren und kann wiederhergestellt werden. Verbleibende Schäden möchte Binance aus eigener Tasche ausgleichen. Nutzer bleiben also nicht auf Verlusten sitzen. Bis Sonntag bleiben Krypto-Abhebungen gesperrt.

Binance Hack: Darauf haben es nordkoreanische Angreifer abgesehen

Binance, die größte Krypto-Börse der Erde, wurde in der vergangenen Nacht zum Ziel eines Hackerangriffs. Nach jüngsten Informationen nutzten die Angreifer dabei verschiedene Angriffsvektoren und entwendeten insgesamt Kryptowährungen im Wert von 6,4 Milliarden US-Dollar.

Es handelt sich damit deutlich um den wertvollsten Krypto-Hack aller Zeiten. Den bisherigen Rekordwert stellte ein Angriff auf die Krypto-Börse Bybit im Frühjahr 2025 auf. Damals entwendeten die Verantwortlichen Anlagen mit einem Marktwert von 1,4 Milliarden US-Dollar.

Sicherheitsforscher sind bereits sicher über die Strippenzieher. Sowohl Bybit als auch Binance sind demnach denselben Tätern zum Opfer gefallen: einer staatlichen Hackergruppe aus Nordkorea namens Lazarus, die sich seit rund zehn Jahren auf die Kryptobranche spezialisiert und dort immer wieder erhebliche Schäden verursacht.

Lazarus bedient sich dabei einer diversen Trickkiste, die von Infiltrationen über die Ausnutzung von Software-Schwachstellen bis hin zu Social Engineering reicht. Die USA klagten von 2018 bis 2021 drei Personen an, die für die Tätigkeit der Gruppe entscheidende Rollen spielen sollen.

Wie viele Mitglieder die Hackergruppe aufweist, ist unbekannt. Experten schätzen die Anzahl der Mitglieder auf einen niedrigen bis mittleren vierstelligen Betrag. Nordkorea weist offiziell jede Schuld von sich und negiert die Existenz der Gruppe.

In der Kryptobranche gehört Binance zu den profitabelsten Zielen. Die Krypto-Börse hält laut CoinGecko Reserven im Wert von 187 Milliarden US-Dollar in unterschiedlichsten Kryptowährungen.

Wie Lazarus 6,4 Mrd. Dollar von der größten Krypto-Börse raubte

Am 27. Oktober gab Binance bekannt, wiederholte Cyberangriffe abgewehrt zu haben. Die Täter habe man da bereits als Nordkoreaner identifizieren können. Die Krypto-Börse blieb zunächst standhaft und meldete, keine Verluste erlitten zu haben.

Letzte Nacht dann der Schock: Die Hartnäckigkeit der Nordkoreaner machte sich offenbar bezahlt. Binance-Gründer Changpeng Zhao gab über X einen Hack der Handelsplattform bekannt. Schnell war klar, dass der Wert der Beute die Milliardenmarke sprengt.

“Sieht aus, als ob Binance von einem Hack getroffen wurde”, schrieb Zhao um 22.15 Uhr deutscher Zeit.

Blockchain-Analysten von Chainalysis schätzen den Wert des Hacks auf 6,4 Milliarden US-Dollar. Die Experten bestätigen die vielfach geäußerte Annahme, dass Nordkoreas staatliches Hackerprogramm hinter dem Vorfall steckt.

Große Teile der Beute konnten inzwischen eingefroren werden. Einerseits handelt es sich dabei um zentralisierte Stablecoins, die sich von den Herausgebern einfrieren lassen. Andererseits reagierten mehrere Dienstleister schnell auf den Vorfall und sperrten die Gelder, sobald Lazarus die Coins in ihre Obhut gaben.

Gut drei Milliarden US-Dollar – also fast die Hälfte der Beute – konnte man laut offiziellen Angaben von Binance bereits einfrieren. Diese Gelder werden früher oder später wiederhergestellt und zurück an die Krypto-Börse übertragen.

Die Hintergründe des Vorfalls sind noch nicht abschließend geklärt. Der Lazarus-Gruppe sei es gelungen, den Laptop eines Binance-Mitarbeiters zu infizieren und so die Kontrolle über interne System der Krypto-Börse zu übernehmen. Weitere, nicht näher genannte Schwachstellen, konnten die Hacker obendrein ausnutzen.

Unabhängige Experten berichten etwa über die Ausnutzung der Funktion EIP-7702, über die man Smart Contracts auf Ethereum an EOAs delegieren kann. Lazarus habe demnach mehrfach bösartige Smart Contracts unterbreitet, von denen Binance einen bestätigte.

Der Smart Contract habe dann Kryptowährungen an die Blockchain-Adresse der Angreifer übertragen. Das Gerücht ist von offizieller Seite bislang unbestätigt.

Welche Konsequenzen Nutzer erwarten

Binance schaltete sämtliche Auszahlungen ab, nachdem der Sicherheitsvorfall gestern bekannt wurde. Nutzer können Kryptowährungen also nicht länger von der Handelsplattform abheben. Einzahlungen und Trading sind weiterhin möglich.

Die Auszahlungen sollen spätestens am Sonntag wieder freigeschaltet werden. Nutzer müssen keine Verluste erwarten. Binance kündigte bereits an, sämtliche Schäden zu kompensieren.

Gemeinsam mit Blockchain-Analysten und Strafverfolgungsbehörden arbeitet Binance gerade an der Aufarbeitung des Vorfalls.

Autor
5+ Jahre Erfahrung

Lennard ist ein überzeugter Krypto-Enthusiast. Als Freund der Selbstbestimmung begreift er Kryptowährungen als hohes Gut. Seine Begeisterung gilt vor allem den vertraulichen Kryptos.

Experte für:
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Facts Checked Fakten überprüft von Mathias Wagner
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