IPO, STO, ICO, IEO – das sind die Unterschiede

Für viele sind die Krypto-Märkte unlängst so kompliziert geworden, wie die traditionellen Finanzmärkte. ICOs, IEOs, STOs – unter diesen Abkürzungen können sich die meisten zwar etwas vorstellen, was es genau bedeutet, bleibt aber oft unklar. 

Es handelt sich dabei um verschiedene Formen der Kapitalaufnahme für Kryptowährungs-Projekte, die sich über die Jahre entwickelt haben. Als Basis für die Konzepte dient der herkömmliche IPO (Initial Public Offering), einem Börsengang eines Privatunternehmens.

In diesem Artikel stelle ich dir die verschiedenen Formen vor und gehe auf ihre Vor- und Nachteile ein.

Was ist ein IPO?

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Ein IPO (Initial Public Offering) ist der Fachbegriff für den Börsengang eines Unternehmens. Bei diesem Börsengang können Anleger im Rahmen einer Aktienemission investieren. So können diese mehr Kapital aufnehmen, um besser wirtschaften und investieren zu können.

Private Investoren, die gegebenenfalls schon länger in dem Unternehmen investiert sind, bekommen die Möglichkeit Gewinne zu realisieren. Während dessen wird es öffentlichen Investoren erstmals möglich, überhaupt in das entsprechende Unternehmen zu investieren.

Ein Unternehmen, das einen Börsengang plant, wählt in der Regel einen oder mehrere Partner für den Börsengang aus, meistens eine große, weltweit agierende Bank. Sie werden auch die Börse wählen, an der die Aktien ausgegeben und anschließend öffentlich gehandelt werden.

Wie IPOs funktionieren

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Vor einem Börsengang gilt ein Unternehmen als privat. Als Privatunternehmen ist das Unternehmen mit einer relativ kleinen Zahl von Anteilseignern gewachsen. Darunter beispielsweise frühe Investoren wie die Gründer, Familie und Freunde, sowie professionelle Investoren wie Risikokapitalgeber oder Venture Capital-Fonds.

Erlebt ein Unternehmen ein großes Wachstum, ist es an der Zeit, über einen Börsengang nachzudenken. Für viele liegt die Messlatte bei einer Marktkapitalisierung von über einer Milliarde US-Dollar. Wenn die Fundamentaldaten stimmen und es ein gewisses Rentabilitätspotential für neue Anleger gibt, kann ein Börsengang eine goldrichtige Entscheidung sein. 

Ein IPO ist ein großer Schritt für ein Unternehmen. Es verschafft dem Unternehmen Zugang zur Beschaffung einer Menge Geld. Dies gibt dem Unternehmen eine größere Fähigkeit, zu wachsen und zu expandieren. 

Der Preis von IPO-Aktien eines Unternehmens wird durch eine Due-Diligence-Prüfung der Partner des Börsengangs ermittelt. Wenn ein Unternehmen an die Börse geht, geht der zuvor im Privatbesitz befindliche Aktienbesitz in öffentlichen Besitz über und die Aktien der bestehenden privaten Investoren werden den öffentlichen Handelspreis wert.

Private Anteilseigner können ihre Aktien auf dem öffentlichen Markt behalten oder einen Teil oder alle Aktien für Gewinne verkaufen.

In der Zwischenzeit eröffnet der öffentliche Markt Millionen von Anlegern eine riesige Möglichkeit, Aktien des Unternehmens zu kaufen und Kapital in das Eigenkapital eines Unternehmens einzubringen.

Was ist ein STO? 

STO steht für “Security Token Offering”. Es handelt sich dabei gewissermaßen um einen modernen IPO. Security Tokens können wie Aktien gehandelt werden und stellen dabei Anteile eines zugrundeliegenden Assets wieder. 

Um was für Assets es sich handelt, spielt dabei durch die neue Technologie keine Rolle. Ganz egal, ob Aktien, Anleihen, Immobilien, Diamanten, alles lässt sich durch Security Token Offerings tokenisieren. So können beispielsweise mehrere Leute gemeinsam eine Immobilie kaufen und die Eigentumsrechte ganz klar definieren.

STOs haben es derzeit noch schwer, für mehr Begeisterung zu sorgen. Zu unsicher sind aktuell die weltweiten Finanzmärkte, dazu kommt das noch fehlende Vertrauen in die Blockchain-Technologie und tokenisierte Assets im Allgemeinen.

Doch langfristig sind Security Token Offerings ein neuer Weg, für Unternehmer aller Art, leichter an Fremdkapital zu kommen. Zwar müssen auch bei STOs Regularien beachtet werden, die Anforderungen sind aber am Ende des Tages nicht ganz so hoch, wie bei einem normalen Börsengang.

Vorteile von STOs gegenüber IPOs

Security Token Offerings als moderne Börsengänge – was für den Fachmann einleuchtend klingt, ist für viele Experten der traditionellen Finanzmärkte noch unvorstellbar. Doch STOs haben einige Vorteile gegenüber regulären Börsengängen:

  1. Kosten: Es gibt verschiedene Schätzungen, die besagen, dass ein Unternehmen bei einem STO über 30% der Kosten sparen kann, die für einen IPO fällig wären. Hauptsächlich liegt das daran, dass der Prozess durch die Blockchain-Technologie schneller abgewickelt werden kann. Auch die Kosten für regulatorische Hürden sinken stetig, da immer mehr Länder mehr oder weniger einheitliche Marktbedingungen schaffen.
  2. Neuheit: Neue Dinge schaffen früher oder später immer größeres Interesse. Während die ersten ICOs (beispielsweise Ethereum 2015, LISK im Jahr 2016) den meisten Menschen unbekannt waren, kam es nach einer Weile zu einem wahren Hype. Von der gleichen Entwicklung kann man mittelfristig auch bei Security Tokens ausgehen.
  3. Freiheit: Um in einen Börsengang zu investieren, muss man als Anleger oftmals eine dicke Brieftasche haben. Für die meisten ist ein ernsthaftes Investment bei einem Börsengang der meisten Unternehmen schlichtweg undenkbar. Doch dadurch, dass man bei der Tokenisierung von Assets den zugrundeliegenden Wert so weit teilen kann, wie man möchte, wird diese Hürde eliminiert. Dadurch wird die Investition für Anleger mit einem minimalen Budget erschwinglicher und attraktiver.
  4. Verfügbarkeit: Anders als die Börsenmärkte sind die Märkte für Security Tokens immer geöffnet. Somit können die bei einem STO erworbenen Security Tokens stets gehandelt werden.

Was ist ein ICO? 

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Ein Initial Coin Offering (ICO) war anfangs das  Äquivalent der Krypto-Industrie zu einem Initial Public Offering (IPO). Viele Unternehmen sammelten seit 2017 so Geld ein, um ihren Service oder ihre App zu finanzieren. Interessierte Investoren können sich in das Angebot einkaufen und erhalten dafür von dem Unternehmen ausgegebene Token.

Diese Token waren jedoch meistens nur dafür gedacht, die Dienstleistung des Unternehmens nutzen zu können. Selten repräsentierte der Token so etwas wie eine Beteiligung am Unternehmen oder das Recht auf eine Gewinnbeteiligung.

Wenn ein Unternehmen einen ICO starten möchte, erstellt es in der Regel ein Whitepaper, in dem umrissen wird, worum es bei dem Projekt geht, welche Bedürfnisse das Projekt nach Abschluss erfüllen wird, wie viel Geld benötigt wird, wie viele der virtuellen Token die Gründer behalten werden, welche Funds akzeptiert werden und wie lange der ICO laufen wird.

Meistens gibt es einen Mindestbetrag (Soft-Cap) und einen Maximalbetrag (Hard-Cap). Wenn das eingenommene Geld nicht den von der Firma geforderten Mindestbetrag erreicht, kann das Geld an die Geldgeber zurückgegeben werden und das ICO gilt als nicht erfolgreich. Wenn die Finanzierungsanforderungen innerhalb des festgelegten Zeitrahmens erfüllt werden, wird das beschaffte Geld (im Idealfall) zur Verfolgung der Ziele des Projekts verwendet.

Was ist ein IEO? 

Ein Initial Exchange Offering wird, wie der Name schon sagt, auf einer Krypto-Börse durchgeführt und verwaltet. Da der Token-Verkauf über eine Börse abgewickelt wird, müssen die Token-Emittenten eine Gebühr, häufig auch in Form von Token, bezahlen.

Im Gegenzug werden die Token der Krypto-Startups auf den Plattformen der Börse verkauft, und werden nach Abschluss des IEO zum Handel freigegeben. Da die Krypto-Börse selber Coins hält, hat sie auch ein Motiv die Werbekampagne für den Token zu unterstützen. 

Die meisten IEOs wurden bisher von der Binance Börse durchgeführt. Hier wurde nach anfänglicher Kritik über die Distribution ein Lotterie-Verfahren eingeführt. Jeder BNB-Holder bekommt eine gewisse Anzahl Lose, mit denen er bei der Lotterie für die Vergabe der IEO-Tickets teilnehmen kann. 

Was sind die Vorteile von einem IEO gegenüber einem ICO?

Initial Exchange Offerings hatten 2019 ihren großen Hype, der seitdem schon wieder abgeflacht ist. Dennoch scheint es so, als sei es eine sinnvolle Weiterentwicklung des ICO-Konzepts. 

Ein IEO bietet dem Team und der Krypto-Börse bessere Sicherheiten. Zum einen profitiert das Team hinter dem Projekt von dem Bekanntheitsgrad der Börse (bereits aktive Nutzer könnten sich für das Projekt interessieren und Token erwerben) und der vorhandenen Liquidität. 

Weiterer Vorteil ist die Nutzung der KYC/AML-Überprüfungen der Krypto-Börse, die bei einem ICO selbstständig gewährleistet werden muss. Die administrativen Aufwände und Kosten sinken erheblich.

Für den Anleger selbst ist ein IEO ebenfalls vorteilhaft. Denn die Krypto-Börsen machen im Vorfeld die Due Diligence zu dem Projekt, um festzustellen, ob es legitim und seriös ist. Viele ICOs waren klare Betrugsfälle, die heutzutage teilweise vor Gericht kommen. 

Bei allen Vorteilen gibt es aber auch Nachteile. So halten die Krypto-Börsen oft signifikante Anteile der zirkulierenden Gesamtversorgung und können damit mittel-/langfristig großen Einfluss auf die Märkte nehmen.

Fazit: Vielversprechende Zukunft für Security Tokens

Ich bin der Ansicht, dass Security Token Offerings die besten Perspektiven haben in der Zukunft. Die Altseason von 2016-2017, angefeuert durch das endlose Kapital, das in ICOs floss, wird sich wahrscheinlich nicht wiederholen und viele der Tokens ohne richtigen Use Case werden sterben.

Doch Security Tokens sind etwas anderes, da hier wirkliche Sachwerte oder Beteiligungen dahinter stecken. Sachwerte, in die Otto Normalverbraucher normalerweise nicht investieren kann. Doch durch die Möglichkeit, Assets zu tokenisieren, das heißt zu stückeln, wird dies in Zukunft möglich sein!

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