G20-Finanzchefs sehen in Stablecoins ein regulatorisches Risiko

G20-Finanzchefs stimmen für strikte Regulierung von Kryptowährungen

Die G20-Finanzchefs haben am Freitag eine strikte Regulierung von Stablecoins diskutiert. Im Fokus der Betrachtung lag die von Facebook vorgestellte Kryptowährung Libra. Dabei könnte die Emission solcher Stablecoins ein Risiko für das Finanzsystem darstellen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) soll nun das Risiko solcher Digitalwährungen überprüfen und eine Handlungsempfehlung erarbeiten. Bis zur Erarbeitung dieser Handlungsempfehlung erfolgt eine strikte Regulierung entsprechender Währungen.

G20-Mitglieder sehen in Stablecoins ein Risiko für das Finanzsystem

Ein am 18. Oktober veröffentlichter Bericht der Nachrichtenagentur verdeutlicht, dass sich die G20-Finanzchefs über das Risiko von Libra-ähnlichen Kryptowährungen ausgetauscht haben. Demnach haben sich die G20-Mitglieder auf strenge Vorschriften für entsprechende Digitalwährungen geeinigt. Folglich soll die Ausgabe von Stablecoins bis zur Analyse und Behebung zahlreicher Risiken untersagt bleiben.

Der Ausgangspunkt für diese Einigung ist die Ausarbeitung einer G7-Arbeitsgruppe. Diese warnte, dass entsprechende Digitalwährungen das Währungssystem bedrohen und die Finanzstabilität gefährden. Dabei ist eine Stablecoin stets durch traditionelle Fiatwährungen gedeckt und soll auf diese Weise die Volatilität, welche bei Kryptowährungen wie Bitcoin besteht, reduzieren. Die G7-Arbeitsgruppe sieht vor allem in der massiven Nutzung solcher Digitalwährungen ein Risiko für die klassische Geldpolitik.

Stablecoins bieten laut G20-Finanzchefs auch einige Vorteile

Die Finanzchefs der G20-Staaten sehen neben den Risiken jedoch auch einige potenzielle Vorteile. Im Fokus stehen dabei vor allem Finanzinnovationen für den gesamten Markt. Nichtsdestotrotz überwiegen die potenziellen Risiken diese Vorteile. Neben der fehlenden Möglichkeit zur Regulierung bestehe auch eine Gefahr für die öffentliche Ordnung.

Im Speziellen führte die Arbeitsgruppe Risiken im Zusammenhang mit der Geldwäsche, illegaler Finanzierung und dem Schutz von Verbrauchern und Anlegern an. Eben jene Herausforderungen bedürfen einer ausführlichen Bewertung sowie der anschließenden Erarbeitung von Handlungsempfehlungen. Vorher sei die Inbetriebnahme nicht kalkulierbar, so die G20-Finanzchefs.

„Solche Risiken, insbesondere im Zusammenhang mit Geldwäsche, illegaler Finanzierung sowie dem Schutz von Verbrauchern und Anlegern, müssen bewertet und angemessen angegangen werden, bevor diese Projekte in Betrieb genommen werden können.“ – Erklärung der G20-Finanzführer

Libra-Markstart aufgrund der G20-Entscheidung in Gefahr
Libra-Markstart aufgrund der G20-Entscheidung in Gefahr@Wired.com

Entscheidung voraussichtlich beim nächsten G20-Gipfel

Der Gouverneur der Bank of Japan, Haruhiko Kuroda, merkte an, dass die G20 eine Debatte zur Regulierung von Stablecoins angestoßen werden. Dabei seien vor allem die Vorschläge des Financial Stability Boards (FSB) und der Financial Action Task Force (FATF) maßgeblich für das weitere Vorgehen. Beide Institutionen präsentieren ihre Erkenntnisse voraussichtlich im nächsten Jahr der G20. Dementsprechend sinkt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Facebook die Kryptowährung Libra noch im Jahr 2020 einführt.

„Die politischen Entscheidungsträger haben Bedenken hinsichtlich verschiedener Risiken, welche von Stablecoins ausgehen, geäußert. Diese sollten erst ausgegeben werden, wenn diese Punkte adressiert sind. Die G20-Mitglieder haben sich auf dieses Vorgehen geeinigt.“ – Haruhiko Kuroda, Gouverneur der Bank of Japan

Außerdem haben die G20-Mitglieder den Internationalen Währungsfonds darum gebeten, die makroökonomischen Auswirkungen, insbesondere hinsichtlich der Währungssouveränität, zu untersuchen.

„Einige Schwellenländer haben Bedenken zu den Auswirkungen einer weltweiten Adaption durch die Nutzer geäußert.“ – Haruhiko Kuroda, Gouverneur der Bank of Japan

G20-Finanzchefs fürchten mangelnde Regulierung bei einer dezentralen Leitwährung

Auch Olaf Scholz, Deutschlands Finanzminister, hat am Freitag erneute Kritik an Libra geübt. Dabei merkte Scholz an, dass die Einführung einer neuen Globalwährung zu verhindern sei. Insgesamt verdeutlicht auch das G20-Abkommen sowie die Distanzierung zahlreicher ehemaliger Libra-Unterstützer diese Aussage.

„Wir wissen jetzt, dass die G7 und die G20 ziemlich vorsichtig beim Thema Stablecoins sind“ – Statement eines Vertreters des japanischen Finanzministeriums

Dementsprechend lässt sich die öffentliche Distanzierung einiger Unternehmen von Libra auf die starken Bedenken der politischen Entscheidungsträger zurückführen. Auch Kuroda nimmt an, dass die Politiker im kommenden Jahr nicht nur die Regulierung von Digitalwährungen diskutieren, sondern auch eine Optimierung grenzüberschreitender Zahlungssysteme thematisieren. Allerdings beschränken sich die aktuellen Diskussionen ausschließlich auf Transaktionen im privaten Sektor. Dahingegen haben die G20 keine Diskussionen über die Einführung von CBDCs geführt. Laut Kuroda plane die Bank of Japan jedoch keine Einführung einer eigenen Digitalwährung.

Fazit: Vorübergehende Entscheidung zur Regulierung verhindert vermutlich Libras Start in 2020

Bereits in den vergangenen Monaten verdeutlichten die Aussagen zahlreicher Politiker die Skepsis gegenüber dezentral organisierten Digitalwährungen. Im Fokus stand hierbei vor allem die von Facebook avisierter Stabelcoin Libra, die eine Revolution des internationalen Zahlungsverkehrs forciert.

Mit der jüngsten Entscheidung der G20-Finanzchefs steht nun fest, dass entsprechende Digitalwährungen vorerst nicht verfügbar sind. Auch für Facebook und die Libra Association ist diese Entscheidung ein Dämpfer, denn ein Marktstart ist in den betroffenen Ländern vorerst ausgeschlossen. Erst im kommenden Jahr ist mit einem konkreten Vorgehen hinsichtlich der Regulierung zu rechnen. Maßgeblich für die Entscheidung sind die Handlungsempfehlungen des IWF, FSB und der FATF.

Aufgrund der Aussagen zahlreicher Entscheidungsträger sowie der Distanzierung mehrere Unternehmen von Libra habe ich mit einer negativen Regulierung gerechnet. Für Facebook ist die Einführung von Libra im kommenden Jahr wohl nicht mehr möglich. Nichtsdestotrotz können objektive Berichte der beauftragten Institutionen eine Einführung von Stablecoins weiterhin ermöglichen. Vorerst sollte die Regulierung der Stabelcoins jedoch entsprechende Projekte unterbinden oder die Entwicklung verlangsamen.

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