Bundesbank-Präsident Weidmann äußert Skepsis zum E-Euro

Banken fordern digitalen euro

Jens Weidmann, Präsident der Bundesbank, sieht die Pläne zur Einführung einer digitalen Leitwährung auf Basis der Blockchain-Technologie weit hinter den entsprechenden Plänen für entsprechende Wertpapiere. Insbesondere die potenziellen Risiken, welche mit der Einführung einer eigenen Blockchain-Währung einhergehen, müssen laut Weidmann intensiv untersucht werden. Dementsprechend positioniert sich der Präsident der Bundesbank eher konservativ zum Thema Blockchain-Geld.

Weidmann und die Zurückhaltung beim Thema E-Euro

Bei einer Bundesbank-internen Konferenz ist der amtierende Bundesbank-Präsident Jens Weidmann auf das Konzept eines digitalen Euros eingegangen. Das Konzept beschreibt die Einführung einer Blockchain-basierten, dezentralen und elektronischen Ergänzung zu den etablierten Zahlungsmitteln. Demnach sei vor der Einführung einer entsprechenden Digitalwährung eine sorgfältige Prüfung sämtlicher Risiken unerlässlich.

Die Blockchain-Technologie kam erstmalig bei der Bitcoin-Blockchain sowie dem dazugehörigen Coin zum Einsatz. Seit der Vorstellung von Libra haben sich zahlreiche Zentralbanken über die Einführung einer eigenen Digitalwährung, einer sogenannten Central Bank Digital Currency (CBDC) geäußert. Laut Weidmann spielen die CBDCs auch bei der Bundesbank eine Rolle – es sollen sich mehrere Abteilungen mit dem Konzept beschäftigen.

Allerdings macht Weidmann auch klar, dass die reine Beschäftigung mit CBDCs noch nicht bedeute, dass die Bundesbank auch die Einführung einer entsprechenden Digitalwährung plane.

„Es wäre falsch, das als eine Entscheidung für eine CBDC zu interpretieren.“ – Jens Weidmann, Präsident der Bundesbank

Erst vor kurzem kündigte die amtierende EZB-Präsidentin Christine Lagarde an, dass eine Arbeitsgruppe der EZB in Kürze ihre Ergebnisse zum Thema der Öffentlichkeit präsentiere. Auf diese Weise soll eine offene Diskussion zum Thema entstehen.

Digitaler Euro soll Smart Contracts unterstützen

Das die Diskussionen durchaus Aufsehen erregen werden, steht außer Frage. Immerhin hat sich ein Großteil der Bevölkerung noch nicht mit dem Thema Blockchain beschäftigt. Zudem sind Assets wie Kryptowährungen für viele Anleger nicht mehr als reine Spekulation.

Doch eine CBDC wäre eine passende Möglichkeit für die Zentralbanken, um die Kontrolle zu wahren. Die Emission der Coins fände über die Notenbank oder über Geschäftsbanken statt. Zudem wäre es möglich, eine Verzinsung in den Code der Währung zu integrieren. Auch die Nutzung von Smart Contracts könnte ein potenzieller Anwendungsfall der digitalen Währungen sein. Doch während das Potenzial der Technologie schier grenzenlos ist, äußert sich der Verband Bitkom in einem entsprechenden Infopapier eher skeptisch. Laut den Thesen des Infopapiers sei eine Ausstattung, die dem des klassischen Bargelds ähnelt, am besten für eine weite Verbreitung in der Bevölkerung. Außerdem sei ein integrierter Zinssatz keine gute Option, um eine weitreichende Akzeptanz zu erzielen.

Dieser Gedankengang entspricht vielleicht dem Gros der Bevölkerung, doch ein Fortschritt bedarf auch immer wieder radikaler Neuerungen. Ob wir diese auf Basis dieser Aussagen beim E-Euro sehen können, bleibt abzuwarten.

China übernimmt bei CBDCs die Vorreiterrolle

Dass Deutschland hier nicht der Maßstab ist, zeigt China. Die Volksrepublik hat bereits in einigen Städten Pilotprojekte gestartet, um den Einsatz einer eigenen CBDC zu erproben. Allerdings steht im Land der Mitte noch immer nicht fest, wann eine nationale Einführung des digitalen Yuan ansteht. Doch auch in Schweden gewinnt das Konzept einer digitalen Währung seit mehreren Jahren an Zuspruch.

Wie der Bitkom in seinem Positionspapier verdeutlicht, hieße der aktuelle Status Quo jedoch nicht, dass Europa nicht agieren müsse. Wenn die EU auch in Zukunft eine tragende Rolle im internationalen Geschäft spielen möchte, dürfen wegweisende Trends wie diese nicht verschlafen werden. Doch bevor Weidmann sich zugunsten eines E-Euros ausspricht müssen zwei grundlegende Risiken geklärt sein:

  1. Wie können Geschäftsbanken auch in Zukunft Kredite vergeben
  2. Was passiert bei einer Finanzkrise

Dabei ist insbesondere die Refinanzierung durch Sicht- und Spareinlagen ein wichtiger Grundpfeiler unserer Kreditwirtschaft. Zur Aufrechterhaltung deren Funktion hat etwa der EZB-Ökonom Ulrich Bindseil vorgeschlagen, die Verzinsung der elektronischen Währung niedriger als bei Bankeinlagen zu gestalten. Auf diese Weise ließe sich ein Umschichten vermeiden und die Kreditwirtschaft vor dem Kollaps bewahren. Doch werfen wir einen Blick auf die aktuelle Zinssituation, so dürfte eine niedrigere Verzinsung nur noch schwer realisierbar sein.

Das latente Risiko eines Bankruns in der Krise

Doch neben der Refinanzierung spielt auch das Verhalten der Bevölkerung in der Krise eine wichtige Rolle. So merkte Weidmann an, dass die Anleger im Falle einer Krisensituation einfach ihr Geld in scheinbar sicherere digitale Konten verlagern könnten. Hier würde auch ein höherer Strafzins keine wirkliche Wirkung zeigen. Die Rede ist sogar von einem digitalen Run auf die Banken, eine Art moderner Bankrun.

Das Argument, dass eine digitale Leitwährung dazu beitrage, dass sich die Liquidität so stark erhöhen ließe, dass ein Schutz des Finanzsystems nicht möglich ist, kam in der Vergangenheit häufiger auf. Bevor wir also eine entsprechende CBDC erleben, müssen diese Risiken noch weitergehend analysiert und bestmöglich eingegrenzt werden.

Regulierung des Krypto-Marktes schreitet voran

Während der Markt für die CBDCs noch keine signifikanten Fortschritte verzeichnen kann, sieht das im Bereich der Regulatorik anders aus. Durch neue Gesetze sollen Kryptowährungen wie Bitcoin sowie Utility Token, welche Zugang zu Dienstleistungen ermöglichen, reguliert werden.

Laut den Angaben des Handelsblatts existiert bereits der Entwurf einer EU-Verordnung mit dem Titel „Markets in Crypto Assets (MiCA). Auf rund 170 Seiten wird ein aufsichtsrechtliches Regime für die Emission und den Handel verschiedener Assets vorgeschlagen. Allerdings finden die Security Tokens, welche unter die Mifid-Richtlinie fallenm nicht weiter thematisiert.

Im Fokus von MiCA stehen insbesondere Stablecoins, welche durch reale Währungen, Anlagen oder Rohstoffe abgesichert werden. Aus Sicht der EU sind signifikante Stablecoins ein ernstzunehmendes Problem. Hierzu dürfte auch Libra gehören. Demnach dürfen diese Stablecoins kein Risiko für die Finanzstabilität sowie die geldpolitische Hoheit der Notenbanken darstellen.

Insgesamt sei diese Entwicklung von Vorteil und institutionelle Anleger, die ein reges Interesse an Krypto-Assets wie Bitcoin besitzen, dürften sich über entsprechende regulatorische Richtlinien freuen. Unter Umständen dürfte diese Entwicklung zu einem exponentiellen Wachstum im Bereich der digitalen Assets beitragen.

Fazit: Europa ohne Erfolge bei CDBCs

Die Einführung des Blockchain-Euros dürfte noch einige Zeit auf sich warten lassen. Jens Weidmann, der amtierende Präsident der Bundesbank, verdeutlicht, dass vor der Einführung einer entsprechenden Blockchain-Währung noch einige Fragen zu klären sind. Ohne ausreichende Risikoanalyse könnten die Auswirkungen von Krisen unser Finanzsystem fundamental angreifen.

Aussichtsreicher sind allerdings die aktuellen Entwicklungen im Bereich der Blockchain-Regulierung. Hier befindet sich die EU auf dem besten Wege, um den Grundstein für einen regulierten Handel zu schaffen. Insbesondere aus Sicht großer Institutionen ist dies obligatorisch für den Handel. Für Bitcoin und Co. dürfte dies ein gigantisches Kaufsignal sein.

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